Allgemeine Psychologie: Eine Einführung

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Allgemeine Psychologie: Eine Einführung

ISBN: 
978-3-662-53005-4

Dieses klassische Lehrbuch zur Einführung in die grundlegenden Themen der Allgemeinen Psychologie (I und II) ist zugleich ein vorzügliches Werk zum Nachschlagen und zur Wissensvertiefung. Es richtet sich vornehmlich an Studierende und ist bestens geeignet zur Prüfungsvorbereitung im Bachelor- und Masterstudiengang. Darüber hinaus fasziniert das Buch mit seiner klaren Strukturierung, Bebilderung und leichten Lesbarkeit auch Studierende der Nachbardisziplinen sowie alle an dieser Thematik Interessierte.

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BegriffErklärung
BegriffErklärung
Abhängige Variable (dependent variable)Faktor im Experiment, der gemessen und dessen Abhängigkeit untersucht wird.
AbrufhinweiseReize, die uns zur Verfügung stehen, wenn wir nach einer Erinnerung suchen, heißen Abrufhinweise (retrieval cues).
Abrufreize (Rückrufreize) (retrieval cues)Reize oder Hinweise, die das Erinnern eines gelernten Inhalts erleichtern, der spontan nicht erinnert werden kann. Der Abruf wird verbessert, wenn die Hinweisreize (Kontexte) von Abruf und Encodierungssituation übereinstimmen.
AbsolutschwelleReizintensität, bei der die Hälfte der Versuche (50 %) zum Entdecken des Reizes führt.
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Frage 1 von 70
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  • Wissen Sie, wie es kommt, dass verschiedene Menschen, die gemeinsam dieselbe Situation erlebt oder beobachtet haben, danach bisweilen doch ganz unterschiedliche Berichte darüber abgeben? Welche Gründe kennen Sie?

    Lösung

    Unterschiede in der Wahrnehmung oder Beurteilung ein und derselben Sache können verschiedene Gründe haben. Die bekanntesten sind: Der Einstellungs- beziehungsweise Erwartungseffekt bezeichnet das Phänomen, dass wir das Gesehene oder Gelesene unbeabsichtigt und unbemerkt gemäß unserer Erwartung interpretieren. – Der Überbewertungs-Effekt (overconfidence-Effekt), eine weitere Schwäche unseres gesunden Menschenverstandes, liegt in unserer nicht bewussten Neigung, unser eigenes Wissen als zuverlässiger und sicherer (richtiger) zu beurteilen, als es tatsächlich ist. – Der Rückschaufehler (hindsight bias) bezeichnet einen Effekt, der sich darin äußert, dass wir vielfach rückblickend meinen, die Dinge seien doch längst klar beziehungsweise von Anfang an geklärt gewesen: Ich wusste das doch schon längst (I-knewit-all-along Phänomen). Es ist die Tendenz, bei Erhalt einer Nachricht über den Ausgang eines Ereignisses retrospektiv die Eintrittswahrscheinlichkeit zu überschätzen.
  • Welche Wege (Ansätze) der psychologischen Erkenntnisgewinnung kennen Sie?

    Lösung

    Als wichtigste Ansätze der psychologischen Erkenntnisgewinnung werden genannt: – Der biopsychologische Ansatz befasst sich mit den biologisch neuronalen Grundlagen menschlichen und tierischen Verhaltens. Er untersucht die biologisch funktionalen und neuronalen Zusammenhänge zwischen dem beobachtbaren oder erlebten Verhalten einerseits und den ihnen zugrunde liegenden biochemischen, elektrischen und neuronalen Prozessen andererseits. – Der behavioristische Ansatz befasst sich ausschließlich mit dem offenen, beobachtbaren Verhalten (Reaktionen) und untersucht dessen Bezug zu den vorangehenden Reizgegebenheiten in der Umwelt sowie den nachfolgenden Konsequenzen, woraus Verhaltensvorhersage und Verhaltensmodifikation möglich wird. Er macht keine Aussagen über innerkörperliche (biochemisch neuronale) oder innerpsychische (motivationale, kognitive) Prozesse. – Der kognitive Ansatz betrachtet die mentalen kognitiven („geistigen“) Prozesse und Strukturen als wichtigste Grundlage für das Verständnis menschlichen Verhaltens und als primären Gegenstand der Psychologie überhaupt. Verhalten wird erklärt in enger Anlehnung an informationsverarbeitende, kybernetische Systeme auf der Basis individuell konstruierter, mentaler Repräsentationen der Wirklichkeit, die verhaltensbestimmend wirken. Ausgehend von der Untersuchung menschlichen Denkens und Wissens (Kognition) hat sich der Ansatz auf fast alle Gebiete der Psychologie erweitert. – Der psychoanalytische Ansatz betrachtet menschliches Verhalten als vornehmlich von starken unbewussten intrapsychischen „Trieben“ und „Impulsen“ (unbewussten Wünschen, Ängsten und Vorstellun gen) getrieben und von Konflikten zwischen diesen Bedürfnissen und den Forderungen der Gesellschaft nach sozial angepasstem Verhalten bestimmt. – Der subjektivistische (phänomenologische) Ansatz konzentriert sich auf die subjektive Erfahrung des einzelnen Menschen mit seinen jeweiligen Erfahrungen, Bedürfnissen und Werten, an deren Spitze das Ziel der Selbstaktualisierung steht. Er betont die Einzigartigkeit des Menschen und sieht sich als „dritte Kraft“ neben Behaviorismus und Psychoanalyse.
  • Wie lässt sich das vorrangige Ziel des Behaviorismus charakterisieren, und womit befasst er sich fast ausschließlich?

    Lösung

    Als vorrangiges Ziel dieses behavioristischen Ansatzes gilt es zu analysieren und zu verstehen, wie bestimmte vorausgehende Reize oder Stimuli (S) oder vorausgehende Umweltbedingungen (antecedent conditions, Antecedens, A) ganz bestimmte Verhaltensreaktionen (R) bedingen, in Abhängigkeit von den darauffolgenden Konsequenzen (consequences, C). Damit vertrat der klassische Behaviorismus (mit J B. Watson) die Auffassung, dass alles Verhalten vollständig durch Umweltbedingungen determiniert sei und durch ihre Veränderung manipuliert werden könne, wobei genetische Faktoren weitgehend außer Acht gelassen wurden. Somit wurde von den Behavioristen fast ausschließlich und konsequent das von ihnen eingeführte methodische Prinzip verfolgt, dass nur unmittelbar beobachtbares Verhalten Gegenstand der wissenschaftlichen Psychologie sein dürfe, da innere „mentale“ Ereignisse der Wissenschaft nicht empirisch zugänglich seien und daher nicht Forschungsgegenstand sein könnten.
  • Kennen Sie das Gesetz der kausalen Determiniertheit und die Regeln der Beweisführung?

    Lösung

    Das Gesetz der kausalen Determiniertheit wurde von Mill (1843) formuliert, und besagt, „dass es in der Natur Dinge gibt, die als Parallelfälle zu bezeichnen sind, dass sich das, was sich einmal ereignet hat, bei genügend hohem Ähnlichkeitsgrad der Umstände wieder ereignen wird“. Um solche Ursachen und Zusammenhänge wissenschaftlich in den Griff zu bekommen, schlug er seinerzeit seine berühmt gewordenen Regeln der Beweisführung vor, die in ihrem Grundansatz auch heute noch ihre volle Gültigkeit besitzen: Bezeichnen wir etwas als Ursache eines bestimmten Phänomens, so muss 1. es immer dann auftreten, wenn das Phänomen auftritt; 2. das Phänomen immer dann auftreten, wenn die vermutliche Ursache auftritt; 3. das Phänomen variieren, wenn die vermutliche Ursache variiert. 4. Weist ein Phänomen, dessen Ursache bekannt ist, zusätzliche Eigenschaften auf (die nicht aus der bekannten Ursache folgten), dann gibt es dafür zusätzliche Ursachen.
  • Was bedeutet kognitive Wende in der Psychologie?

    Lösung

    Die kognitive Wende ist die Bezeichnung für eine Entwicklung innerhalb der Paradigmen der psychologischen Wissenschaftsgemeinde vom Behaviorismus hin zum Kognitivismus. Und zwar hat sich der von der Untersuchung menschlichen Denkens, Entscheidens, Wissens und Problemlösens (Kognitionen) ausgehende Forschungsansatz beginnend in den 1970er-Jahren auf fast alle Gebiete der Psychologie ausgeweitet, was bisweilen auch als „kognitive Wende der Psychologie“ bezeichnet wurde.
  • Inwiefern funktioniert die Übertragung von Nervensignalen nach dem „Alles-oder-nichts-Prinzip“?

    Lösung

    Das Aktionspotenzial erfolgt mit derselben Stärke und zeitlichen Dynamik, unabhängig von der Stärke der Stimulation, sofern diese ausreicht, um das Membranpotenzial über einen bestimmten Schwellenwert zu heben.
  • Alltagspsychologischer Auffassung zufolge veranlasst das Empfinden von Schmerzen zu einer die Schmerzsituation beendenden Handlung (so dies möglich und erwünscht ist). Inwiefern trifft diese Beschreibung nicht auf das Zurückziehen der Hand von einer heißen Herdplatte zu?

    Lösung

    Das Zurückziehen der Hand von einer heißen Herdplatte wird durch einen Rückenmarksreflex vermittelt und läuft unabhängig von der sensorischen Verarbeitung im Gehirn ab, auf welcher das Schmerzempfinden beruht. Zeitlich erfolgt das Schmerzempfinden nach der Initiierung der motorischen Reaktion.
  • Die beiden Großhirnhälften sind durch massive Nervenverbindungen miteinander verknüpft und arbeiten bei der Bewältigung verschiedenster Anforderungen koordiniert zusammen. Auf welche Weise lassen sich Informationsverarbeitungsprozesse in einer Hirnhälfte isoliert untersuchen?

    Lösung

    Zur Untersuchung der Informationsverarbeitungskapazitäten der beiden Großhirnhälften werden Reize gezielt in einer der beiden Hemisphären projiziert. Unterschiedliche Aufgabenleistungen bei links- und rechtshemisphärischer Projektion werden dann auf unterschiedliche Fähigkeiten der Hemisphären zurückgeführt. Die Methode ist in besonderer Weise zur Untersuchung von Split-Brain Patienten geeignet, bei denen aufgrund der Durchtrennung der Commissurenfasern die Weiterleitung der Reizinformationen in die andere Hemisphäre unmöglich oder zumindest sehr erschwert ist. Aber auch bei gesunden Versuchspersonen finden sich gewisse Leistungsunterschiede bei hemisphärenspezifischer Reizdarbietung, die als Ausdruck unterschiedlicher Kompetenzen der linken und rechten Hemisphäre interpretiert werden.
  • Lassen sich verschiedene psychische Prozesse unterschiedlichen, voneinander abgrenzbaren Hirnteilen zuordnen?

    Lösung

    Einigen Hirnregionen lassen sich sehr spezifische Funktionen zuordnen wie z. B. die Verarbeitung von an einem bestimmten Ort im Gesichtsfeld dargebotenen visuellen Reizen oder die Steuerung der Kontraktion spezifischer Muskeln. An vielen kognitiven Prozessen scheinen allerdings ausgedehnte Hirnstrukturen beteiligt zu sein. In vielen Fällen ist es bislang nicht gelungen, eine klare Zuordnung von Teilprozessen zu spezifischen Regionen Herzustellen.
  • Inwiefern unterscheiden sich Nervenzellen im Gehirn, die an verschiedenen Funktionen wie Wahrnehmung, motorische Steuerung, Gedächtnis oder Emotionen beteiligt sind, in ihrem Aufbau?

    Lösung

    Hier sind keine systematischen Unterschiede gefunden worden. Verschiedenste sensorische, motorische und kognitive Verarbeitungsprozesse basieren offenbar auf dem Zusammenwirken baugleicher Verarbeitungseinheiten.
  • Wie lässt sich die Wahrnehmungsempfindung, die ein Reiz hervorruft, z. B. die empfundene Lautheit eines Tons, messbar machen?

    Lösung

    Zwei mögliche Verfahren sind die Feststellung von Unterschiedsschwellen und die direkte Zuordnung eines Intensitätswertes zu verschiedenen Reizausprägungen.
  • Inwiefern unterscheiden sich die Nervensignale, die durch den Einfall von Licht auf die Netzhaut ausgelöst werden, von denen, die als Folge eines Druckreizes auf der Haut entstehen?

    Lösung

    Die neuronalen Entladungen an sich unterscheiden sich nicht zwischen verschiedenen Sinnesmodalitäten. Allerdings finden die für die verschiedenen Modalitäten wesentlichen Verarbeitungen in unterschiedlichen Hirnarealen statt.
  • Warum sind nachts alle Katzen grau, und warum lässt sich ein lichtschwacher Stern mitunter besser erkennen, wenn man den Blick nicht direkt auf ihn, sondern leicht daneben richtet?

    Lösung

    Im Gegensatz zum farbempfindlichen Zapfensystem, besitzt das lichtempfindlichere Stäbchensystem nur einen einzigen Sehfarbstoff. Deswegen kann bei lichtschwachen Umgebungen keine Farbdiskrimination vorgenommen werden. Da sich in der Fovea keine Stäbchen befinden, können diese bei Ausrichtung des Blicks auf eine punktförmige Lichtquelle nicht zur Wahrnehmung beitragen.
  • Wodurch wird der Helligkeitseindruck einer betrachteten Fläche bestimmt?

    Lösung

    Der durch die Betrachtung einer Fläche hervorgerufene Helligkeitseindruck bestimmt sich vornehmlich aus dem Verhältnis der von dieser Fläche abgestrahlten (bzw. reflektierten) Lichtmenge zu der von ihrer Umgebung abgestrahlten Lichtmenge.
  • Wie kann sich durch die Betrachtung zweidimensionaler Reizvorlagen der Eindruck räumlicher Tiefe ergeben?

    Lösung

    Plastische Tiefeneffekte bei binokularer Betrachtung ergeben sich, wenn dem linken und dem rechten Auge unterschiedliche Bilder dargeboten werden, die eine Szenerie aus leicht versetzten Perspektiven darstellen. Die sich aus der Versetzung ergebende Querdisparation wird vom visuellen System in einen räumlichen Eindruck umgewandelt. Beim Autostereogramm wird zu diesem Zweck ein einziges Bild dargeboten, das so betrachtet werden muss, dass sich für einige Objekte scheinbar unterschiedliche Querdisparationswerte ergeben.
  • Wie lassen sich Objekte verstecken, ohne sie zu verdecken?

    Lösung

    Durch Konstruktion einer Reizumgebung, die die Zusammengehörigkeitverschiedener Teile des Objekts mit verschiedenen Umgebungsreizen nahelegt – beispielsweise ist in der folgenden Reizvorlage: # eine Ziffer versteckt.
  • Warum scheinen sich im Film die Räder eines Fahrzeugs mitunter entgegen der Fahrtrichtung zu drehen?

    Lösung

    Bei der stroboskopischen Darstellung von Drehbewegungen rotationssymmetrischer Reize muss das visuelle System zum Aufbau einer Bewegungsrepräsentation das Korrespondenzproblem lösen, d. h. feststellen, welche Bildpunkte sukzessiv dargebotener Bilder demselben Objektpunkt entsprechen. Eine starke Heuristik hierfür ist die Regel des kürzesten Weges. Die Anwendung dieser Heuristik kann zur Fehlinterpretation der Drehrichtung führen, wenn in aufeinanderfolgenden Bildern eine größere räumliche Nähe zwischen zwei unterschiedlichen, aber gleich aussehenden Bildaspekten (beispielsweise Radspeichen) als zwischen demselben Aspekt kommt.
  • Wie müsste ich die Schwingbewegung eines sich in der Bildebene bewegenden Pendels wahrnehmen, wenn einem meiner Augen die Bewegung mit einer leichten Verzögerung dargeboten wird?

    Lösung

    Die verzögerte Darbietung in einem Auge sollte zur Querdisparation führen, die mit einer wahrgenommenen Bewegungskomponente in der Raumtiefe einhergeht. Das Phänomen wird als Pulfrich-Effekt bezeichnet.
  • Was sind die wesentlichsten Übereinstimmungen, was die wesentlichsten Unterschiede zwischen auditiver und visueller Wahrnehmung?

    Lösung

    Wesentliche Übereinstimmungen bestehen darin, dass in beiden Modalitäten Reizenergien nach Durchwandern eines Mediums („Fernsinne“) auf spezialisierte Zellen eines Rezeptororgans treffen, dort in neuronale Impulse umgewandelt und in die Hirnrinde übermittelt werden (über thalamocorticale Routen). Zudem liefern beide Sinne Informationen über die die Reizenergie emittierenden oder reflektierenden Gegenstände (Feststellen von Objektlokationen und Bewegungszuständen, Erfassen von Oberflächenbeschaffenheiten etc.). Neben der Unterschiedlichkeit des Erlebens von Sehen und Hören, sind wesentliche Unterschiede darin zu sehen, dass bei visueller Wahrnehmung Signale in Form von elektromagnetischen Schwingungen vorliegen, wohingegen es sich bei auditiver Wahrnehmung um Luftdruckschwankungen handelt (hierdurch resultieren Unterschiede im Ausbreitungsverhalten, in der Blockierbarkeit etc.). Zudem beinhaltet visuelle Wahrnehmung chemo-elektrische, auditive Wahrnehmung dagegen mechanoelektrische Transduktion. Beide Sinnessysteme weisen unterschiedliche corticale Projektionsareale auf (Okzipital- vs. Temporallappen). Mittels visueller Wahrnehmung lässt sich zu einem Zeitpunkt nur ein begrenzter Ausschnitt der Umgebung erfassen, auditive Wahrnehmung deckt dagegen den gesamten Umraum ab. Die Repräsentation der Umgebung erfolgt im visuellen System in retinotoper, im auditiven System in tonotoper Weise.
  • Inwiefern stellt die Behauptung, die wahrgenommene Höhe eines Klangs sei durch seine Schallfrequenz bestimmt, eine unzureichende Verkürzung dar?

    Lösung

    Bei reinen Tönen ergeben sich unterschiedliche Höhenwahrnehmungen trotz identischer Frequenz in Abhängigkeit von der spezifischen Schallstärke; Phänomen fehlender Grundfrequenz (Muster an Obertönen entscheidend).
  • Welche Kette von Prozessen liegt zwischen dem Eintreffen von Schall am Ohr und den zugehörigen Entladungsimpulsen im Hörnerv?

    Lösung

    Die folgende Kette an Prozessen wird durchlaufen: Schwingung des Trommelfells, Bewegung der Gehörknöchelchen, Bewegung des ovalen Fensters, flüssigkeitsdruckschwankungsbedingte Auslenkung an der Basilarmembran, Stimulation der Haarzellen.
  • Mithilfe welcher Informationen ortet das auditive System Schallquellen im Raum?

    Lösung

    Wichtige Informationsquellen sind die interaurale Laufzeitdifferenz und der interaurale Pegelunterschied sowie Verzerrungen, die durch die Orientierung der Ohrmuscheln in Bezug auf die Schallquelle auftreten und Veränderungen der interauralen Signalunterschiede in Abhängigkeit von Eigenbewegung.
  • In welchen Regionen der Körperoberfläche ist das räumliche Auflösungsvermögen für Berührungsreize am größten? Wodurch sind diese Regionen gekennzeichnet, wodurch die zugehörigen corticalen Projektionsgebiete?

    Lösung

    Am größten ist das räumliche Auflösungsvermögen für Berührungsreize an den Fingerkuppen und im Bereich der Lippen. Diese Regionen zeichnen sich durch eine hohe Dichte an Rezeptoren, kleine, scharf abgegrenzte rezeptive Felder nachgeschalteter Neurone sowie überproportional große corticale Projektionsgebiete aus.
  • Welche Besonderheit tritt bei der Wahrnehmung selbstverursachter Berührungen auf?

    Lösung

    Es wird angenommen, dass die Aussendung eines motorischen Kommandos mit einer Efferenzkopie einhergeht, die zu verminderter Aktivität im somatosensorischen Cortex durch die „vorhergesagten“ sensorischen Effekte führt.
  • Sind Menschen in der Lage, einen Reiz zur Steuerung einer Handlung zu nutzen, wenn das zugehörige Sinnessystem zeitgleich durch weitere Reize in vergleichbarer oder sogar noch stärkerer Weise stimuliert wird?

    Lösung

    In vielen Experimenten zur Untersuchung der selektiven Aufmerksamkeit werden Versuchspersonen instruiert, lediglich auf einen von zwei gleichzeitig dargebotenen Reizen zu reagieren (z. B. Shadowing eines Ohres bei dichotischer Stimulation). Dies gelingt in der Regel unabhängig davon, auf welchen der beiden Reize die Reaktion instruiert ist (Nachsprechen der dem linken oder der dem rechten Ohr dargebotenen Botschaft), auch dann, wenn die Versuchsperson nicht in der Lage ist, dem zu bearbeitenden Reiz durch eine begünstigende Ausrichtung der Sinnesorgane einen Verarbeitungsvorteil zu verschaffen. Selbst eine nachteilige Ausrichtung des Sinnesorgans lässt sich kompensieren. So gelingt es etwa, auf einen nur aus den Augenwinkeln gesehen Reiz zu reagieren, während man den Blick auf einen anderen, handlungsirrelevanten Reiz gerichtet hat, der einen Verarbeitungsvorteil durch eine höhere visuelle Auflösung erfährt. In diesen Fällen kommt es also zur verdeckten Auswahl eines Reizes zur Handlungssteuerung trotz gleichzeitiger Stimulation mit vergleichbarer oder höherer Stärke durch einen anderen Reiz.
  • Welche Problematik ergibt sich beim Versuch, die kognitive Verarbeitung nicht beachteter Reize zu bestimmen, und mit welchen Forschungsmethoden lässt sich diese Problematik bewältigen?

    Lösung

    Die Verarbeitung beachteter Reize lässt sich untersuchen, indem man Versuchspersonen instruiert, bestimmte Reaktionen bei Wahrnehmung dieser Reize auszuführen, und die Reaktionsleistung unter diversen Versuchsbedingungen analysiert. Diese Methode ist zur die Untersuchung nicht zu beachtender Reize nicht anwendbar, da die Instruktion zur Beachtung eben dieser Reize führen würde. Ein übliches Vorgehen der Forschung zur Untersuchung nicht zu beachtender Reize besteht darin, nicht zu beachtende Reize zusätzlich zu zu beachtenden Reizen darzubieten und aus dem Einfluss der zusätzlichen Reize auf die Reaktionsleistung die Art ihrer kognitiven Verarbeitung zu erschließen. Ergibt sich hierbei beispielsweise eine systematische Beeinflussung der Reaktionszeit, wenn der zu beachtende und der nicht zu beachtende Reiz in einer semantischen Beziehung zueinander stehen (ohne dass es eine weitere Beziehung zwischen ihnen gibt), so lässt sich folgern, dass es zu einer gewissen Entschlüsselung der Bedeutung des nicht zu beachtenden Reizes gekommen ist.
  • Warum dauert das Auffinden eines Objekts oft länger, wenn es sich inmitten einer größeren Anzahl anderer Objekte befindet – und warum manchmal nicht?

    Lösung

    Die vorherrschende Erklärung der Erhöhung der Suchzeit durch eine größere Anzahl von Elementen beruht auf der Annahme, dass zum Erkennen des gesuchten Reizes ein Fokus visueller Aufmerksamkeit auf dessen Darbietungsort gerichtet werden muss. Befindet sich der gesuchte Reiz inmitten einer größeren Anzahl anderer Reize, so besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass der Fokus zunächst auf andere Orte (an denen sich andere Reize befinden) gerichtet wird. In bestimmten Fällen lassen sich konstant sehr kurze Zeiten für das Feststellen des Vorhandenseins des gesuchten Reizes beobachten (z. B. Wenn sich der gesuchte Reiz in einem elementaren Merkmal von allen Hintergrundreizen unterscheidet). Prominente Annahmen zur Erklärung dieser Fälle sind, dass das Vorhandensein des entsprechenden Merkmals auch ohne Ausrichtung des Aufmerksamkeitsfokus auf den Ort des Reizes festgestellt werden kann oder dass der Reiz den Fokus der Aufmerksamkeit „ohne Umweg“ auf sich zieht.
  • Lassen sich unterschiedliche Verarbeitungsprozesse eines Reizes im Gehirn feststellen, je nachdem ob der Reiz beachtet wird oder nicht?

    Lösung

    In Experimenten, in denen Versuchspersonen instruiert werden, selektiv auf Reize zu reagieren, die an einem bestimmten Ort auftreten, zeigen sich schon in frühen Wahrnehmungsphasen (mitunter weniger als 100 ms nach dem Erscheinen eines entsprechenden Reizes) stärkere von der Kopfoberfläche abgeleitete sensorische Potenziale, wenn der Reiz am „handlungsrelevanten“ Ort als wenn er an einem anderen, ansonsten vergleichbaren Ort dargeboten wird. Ähnliche Befunde wurden auch hinsichtlich anderer perzeptueller Merkmale (z. B. Farbe des Reizes) beobachtet oder auch, wenn ein handlungsrelevanter Reiz an einem zu erwartenden Ort vs. an einem anderen Ort dargeboten wird (Cueing-Aufgaben). Darüber hinaus zeigen bildgebende Verfahren, dass Hirnregionen, die an der Verarbeitung bestimmter Arten von Reizen besonders beteiligt sind (z. B. bestimmte Regionen im Temporallappen für Gesichter) höhere Aktivität aufweisen, wenn eine aktuelle Aufgabe die Beachtung der entsprechenden Reize erfordert.
  • Wie lässt sich das Erleben von Bewusstseinsinhalten untersuchen, wenn doch angenommen wird, dass es sich hierbei um rein subjektive Phänomene handelt, die durch Beobachtung von außen nicht erfassbar sind?

    Lösung

    Der grundsätzlichen Subjektivitätsproblematik zum Trotz werden verschiedene empirische Methoden zur Erforschung der Bewusstheit von Denk- und Wahrnehmungsinhalten eingesetzt. Ein spezifischer Ansatz basiert auf der Darbietung von Reizmaterial, welches mit wechselnden Perzepten einhergeht, wie es z. B. Beim Phänomen der binokularen Rivalität geschieht, bei dem zu demselben Zeitpunkt dem linken und dem rechten Auge unterschiedliche Bilder dargeboten werden. Instruiert man menschliche Versuchspersonen (oder trainiert man Versuchstiere darauf), eine jeweilige Veränderung des Wahrnehmungsinhalts anzuzeigen, so lassen sich hirnphysiologische Prozesse beim Wechsel des Perzepts, also des bewussten Wahrnehmungseindrucks, bestimmen, welche nicht auf Veränderungen der äußeren – konstant gehaltenen – Stimulation zurückgeführt werden können. Hierbei wird mit verschiedenen Methoden versucht sicherzustellen, dass Wechsel des Wahrnehmungsinhalts tatsächlich korrekt angezeigt werden. Zum Beispiel werden Durchgänge vorgegeben, in denen eines der dargebotenen Bilder in abgeschwächter Form präsentiert wird, was zu einer Dominanz des mit dem anderen Bild korrespondierenden Wahrnehmungseindrucks führen sollte.
  • Welche physiologisch unterscheidbaren Phasen werden während eines gewöhnlichen Nachtschlafes durchlaufen? Wie hängen diese Phasen mit etwaigem Traumerleben zusammen?

    Lösung

    Ein normaler Nachtschlaf ist durch abwechselnde Phasen von Non REM und REM-Schlaf-Phasen charakterisiert. Die REM-Schlaf Phasen folgen dabei auf das Durchlaufen von bis zu vier unterscheidbaren Stadien unterschiedlicher Schlaftiefe, zunächst in Richtung zunehmender Tiefe und dann umgekehrt. In einer normalen Nacht reihen sich vier bis fünf derartige Zyklen aus Non-REM- und REM-Schlaf-Phasen aneinander, wobei im Lauf der Nacht der Anteil des Tiefschlafes abnimmt und der Anteil des REM-Schlafes zunimmt. Werden Versuchspersonen gezielt aufgeweckt, berichten sie vornehmlich von intensivem Traumerleben, wenn das Wecken während oder kurz nach einer REM-Phase erfolgte.
  • Wie lassen sich Prozesse der Handlungsplanung untersuchen?

    Lösung

    Eine gängige Methode besteht darin, die Abhängigkeit der Initiierungszeit von auf ein Startsignal hin auszuführenden Handlungen unter Bedingungen unterschiedlicher, für die Versuchsperson vorhersehbarer Handlungsanforderungen zu erfassen. Verzögert sich die Initiierungszeit bei komplizierteren Handlungen, so ist dies ein Indiz für die Einbeziehung der entsprechenden Aspekte in die Planung der Handlung. Eine andere Methode besteht in der Vorabspezifikation ausgewählter Handlungsaspekte. Ergeben sich hierbei beschleunigte Initiierungszeiten, kann angenommen werden, dass die vorab spezifizierten Aspekte in die Handlungsplanung einbezogen werden. Zur direkten Erfassung von handlungsbezogenen Prozessen, die bereits vor der Initiierung der Bewegung ablaufen, kann zudem auf physiologische Maße wie das Bereitschaftspotenzial zurückgegriffen werden.
  • Werden Reize zur Steuerung von Bewegungen genutzt, die nicht bewusst wahrgenommen werden?

    Lösung

    Verschiedene Untersuchungsmethoden haben Belege dafür erbracht, dass Reizinformationen zur Steuerung von Handlungen herangezogen werden, für die sich kein bewusster Wahrnehmungseindruck ergibt. Dies gilt z. B. für die Anpassung einer laufenden Bewegung an eine Verschiebung ihres Zielortes (wenn diese Verschiebung nicht bemerkt wird, da sie während der Augenbewegung der Versuchsperson erfolgt) oder für Greifhandlungen bei Patienten mit Agnosie für Objektmerkmale, die für das Ergreifen des Objekts von Relevanz sind.
  • Warum können sich systematisch unterschiedliche Reaktionsleistungen in Aufgaben ergeben, die dieselben Reize (und Wahrnehmungsbedingungen) und Reaktionsalternativen umfassen?

    Lösung

    Ein wichtiger Faktor für die Leistung in einer Reiz-Reaktions-Aufgabe ist die Zuordnungsregel zwischen den möglichen Reizen und Reaktionen. Bestimmte Zuordnungen erlauben eine schnellere oder weniger störungsanfällige Reiz-Reaktions-Übersetzung als andere. Begünstigende Zuordnungen werden als kompatibel bezeichnet. Kompatibilitätseffekte können theoretisch verschiedene Ursachen haben, beispielsweise angeborene Tendenzen, auf bestimmte Reize in einer bestimmten Weise zu reagieren, oder übungsbedingte Reiz Reaktions-Assoziationen.
  • Warum gelingt die Durchführung einer Aufgabe zumeist weniger gut, wenn zum selben Zeitpunkt eine weitere Aufgabe bearbeitet werden muss, auch wenn beide Aufgaben auf unterschiedliche Sinneskanäle und motorische Effektoren zurückgreifen?

    Lösung

    Zur Erklärung derartiger zentraler Doppelaufgabeninterferenz wurden verschiedene Theorien vorgeschlagen. Während einige Ansätze Leistungseinbußen darauf zurückführen, dass eine oder mehrere begrenzte Verarbeitungsressourcen nicht zeitgleich in vollem Umfang für verschiedene Aufgaben zur Verfügung stehen, wird in anderen Ansätzen von im Prinzip ausreichender Verarbeitungskapazität für die unbeeinträchtigte simultane Ausführung zweier Aufgaben ausgegangen. Doppelaufgabenkosten entstehen hier durch wechselseitige Störungen der beiden Verarbeitungsströme oder strategische Eingriffe, welche die Aufgabenbearbeitung verlangsamen können.
  • Welche Befunde sprechen dafür, dass es nicht möglich ist, Handlungen für zwei verschiedene Aufgaben zum gleichen Zeitpunkt auszuwählen?

    Lösung

    Mehrere Auswirkungen von Aufgabenmanipulationen, die auf die Verlängerung ausgewählter Verarbeitungsstufen abzielen, auf den PRP-Effekt stimmen mit Voraussagen überein, welche auf der Annahme eines Flaschenhalses auf der Stufe der Reaktionsauswahl basieren. Ein besonders plastisches Ergebnis ist das Ausbleiben verlängerter Reaktionszeiten trotz erschwerter Reizwahrnehmung (Verlängerung eines vor Auftreten des Flaschenhalses durchzuführenden Prozesses), wenn der Reiz der entsprechenden Aufgabe sehr kurzzeitig nach dem Reiz einer anderen Aufgabe dargeboten wird.
  • Inwiefern lässt sich kognitive Kontrolle als indirekter Einfluss auf die Informationsverarbeitung verstehen?

    Lösung

    In aktuellen Modellen der Informationsverarbeitung wird angenommen, dass verschiedene Handlungsrepräsentationen in einem Wettbewerb miteinander stehen, welcher in Routinesituationen von der situationsangemessensten Handlung gewonnen wird. Um auch in Situationen erfolgreich zu handeln, in denen dieser Wettbewerb Gefahr läuft, zugunsten einer unangemessenen Handlung entschieden zu werden, werden Top-down-Einflüsse angenommen, die für den Wettbewerb relevante Gewichtungen so verändern, dass sich wiederum ein Vorteil für kontextangemessene Handlungen ergibt. Kognitive Kontrolle besteht in diesen Modellen nicht darin, dass eine übergeordnete Entscheidungsinstanz selbst eine Handlung auswählt, sondern darin, dass günstige Konkurrenzbedingungen für zielgemäße Handlungen im jeweiligen Kontext geschaffen werden.
  • Die Stimulation der Hornhaut des Auges durch einen Luftstrom löst einen Lidschlagreflex aus. Wird diese Stimulation eine gewisse Anzahl von Malen durchgeführt und geht dem Luftstrom dabei immer kurzzeitig ein Ton oder ein Lichtblitz voraus, so lässt sich der Lidschlag danach auch durch die Darbietung des Tones oder Lichtblitzes allein auslösen. Wie lässt sich diese Reaktion erklären?

    Lösung

    Es handelt sich um ein typisches Beispiel für klassische Konditionierung. Erklären lässt es sich durch die Annahme der Ausbildung einer Assoziation zwischen der Repräsentation des ursprünglich neutralen Reizes (z. B. Ton oder Licht) und der Repräsentation des unkonditionierten Reizes (Luftstoßes). Hierdurch wird der neutrale Reiz zum konditionierten Reiz, dessen Wahrnehmung die Reaktion auslöst.
  • Inwiefern generalisiert eine im Zusammenhang mit einem spezifischen Auslösereiz gelernte Verhaltensreaktion auf andere Reize?

    Lösung

    Ein spezifisches Verhalten, das auf bestimmte Reizbedingungen konditioniert wurde, zeigt sich üblicherweise (zumeist in abgeschwächter Form) auch als Reaktion auf das Auftreten ähnlicher Reize. Dieser Generalisierung kann durch gezieltes Diskriminationslernen entgegengewirkt werden.
  • In welcher Weise ist die Aneignung einer Verhaltensreaktion abhängig von den auf das entsprechende Verhalten folgenden Konsequenzen?

    Lösung

    Dem Gesetz des Effekts zufolge bewirkt ein nach dem Verhalten auftretender Verstärker eine Erhöhung der Wahrscheinlichkeit der zukünftigen Ausführung derselben Reaktion unter den entsprechenden Reizbedingungen. In Abhängigkeit von den spezifischen Bedingungen der Verstärkerdarbietung (Verstärkerpläne) ergeben sich unterschiedliche Lernverläufe.
  • Wie kann man Tieren Verhaltensweisen antrainieren, die nicht Teil ihres natürlichen Verhaltensrepertoires sind?

    Lösung

    Hierzu werden natürliche Variationen des Verhaltens in gezielter Weise verstärkt und dadurch eine sukzessive Annäherung an das gewünschte Lernverhalten realisiert. Soll zum Beispiel eine Taube dazu gebracht werden, sich in einer bestimmten Richtung im Kreis zu drehen, so wartet man zunächst auf eine spontan auftretende Bewegung, die ansatzweise in die gewünschte Richtung geht. Durch die prompte Darbietung eines Verstärkers wird die Auftretenswahrscheinlichkeit dieser Bewegung erhöht, und jedes weitere Auftreten der Bewegung wird wiederum verstärkt, bis eine gewisse Häufigkeit der Ausführung etabliert ist. Daraufhin werden nur noch Bewegungen verstärkt, welche etwas mehr in die gewünschte Richtung gehen (im Beispiel: etwas weitergehende Drehungen als zuvor), bis auch dieses Verhalten mit gewisser Häufigkeit ausgeführt wird. Fortan werden wiederum nur etwas weitergehende Bewegungen verstärkt, bis am Ende die volle Drehung vollzogen ist. Diese Prozedur der sukzessiven Annäherung an das gewünschte Verhalten wird als Shaping bezeichnet.
  • Lassen sich beliebige Reiz-Reaktions-Zuordnungen erlernen?

    Lösung

    Im Prinzip lassen sich Reize in arbiträrer Weise mit zu erlernenden Reaktionen koppeln. Allerdings gibt es offenbar Dispositionen, die bestimmte Kombinationen besonders leicht erlernbar machen (z. B. Geschmacksaversion) und dem Erlernen hierzu diskrepanter Paarungen entgegenstehen. Andererseits hat sich auch gezeigt, dass es bei allen Organismen biologisch (genetisch) bedingte Einschränkungen (constraints) gibt, die als Lerndisposition oder Lernbereitschaft (preparedness) bezeichnet wird, wodurch begrenzt wird, was ein Organismus überhaupt durch Konditionierung lernen kann.
  • Gibt es eine allgemeingültige Form des Verlaufs der Leistungsverbesserung durch Übung?

    Lösung

    Das Potenzgesetz der Übung beschreibt den Verlauf des Erwerbs diverser Fertigkeiten. Es ist charakterisiert durch starke Leistungsgewinne in frühen Phasen des Erwerbs, die sich im Lauf der Übung immer weiter abschwächen, sodass es letztlich zu einer asymptotischen Annäherung an ein bestimmtes Leistungsniveau kommt.
  • Für eine Klassenarbeit in Latein haben Sie jeweils an den fünf Tagen zuvor 15 min Vokabeln gelernt. Ihre Freundin hat am Tag vor der Klassenarbeit drei Stunden gelernt. Weshalb schneiden Sie besser ab, obwohl Sie insgesamt weniger Lernzeit hatten?

    Lösung

    Der Lernerfolg (Anstieg der Gedächtnisleistung mit der Lernzeit) ist größer bei verteiltem Lernen als bei massiertem Lernen.
  • Sie fahren mit der U-Bahn und sehen dabei mehrfach dasselbe Plakat. Je nachdem, worauf Sie gerade achten, können Sie jeweils unterschiedliche Wörter des Werbetextes lesen. Bedeutet dies, dass Sie immer nur Teile des Plakats sehen? Oder ist die Information zu kurz verfügbar, um gelesen zu werden?

    Lösung

    Das sensorische Gedächtnis registriert alle eingehenden Informationen. Diese sind jedoch extrem kurz verfügbar, sodass nicht alle Informationen für die weitere Verarbeitung zur Verfügung stehen, d. h., Sie haben zwar alle Informationen des Plakats registriert, können aber jeweils nur die Teile lesen, die Sie gerade beachten.
  • Sie treffen einen Bekannten in der Kneipe und wollen sich seine Telefonnummer merken. Warum sind Sie in der Lage, seine fünfstellige Festnetznummer nach einmaligem Hören in Ihr Handy einzutippen, müssen jedoch bei der elfstelligen Handynummer dreimal nachfragen?

    Lösung

    Die unmittelbare Gedächtnisspanne beträgt nach Miller (1956) 7 ± 2 Einheiten (ca. vier Einheiten nach Cowan 2001). Deshalb können Sie eine kurze Telefonnummer unmittelbar merken, während Sie eine lange Handynummer nicht unmittelbar behalten können.
  • Für eine Klassenarbeit in Erdkunde hatten Sie vor Jahren alle Hauptstädte Afrikas gelernt. Glauben Sie, dass diese Information weiter in Ihrem Gedächtnis gespeichert ist, auch wenn Sie sich jetzt nicht daran erinnern können?

    Lösung

    Wenn die Informationen im LZG gespeichert waren, können sie entweder zerfallen sein, oder aber sie sind aktuell nicht zugänglich aufgrund von Interferenz oder Nichtauffindbarkeit. Es gibt jedoch keine ausreichenden experimentellen Belege für Zerfall von Informationen im LZG, obgleich ein Zerfallsprozess plausibel erscheint.
  • Ihr Freund stellt Ihnen die 15 Mitglieder seiner Fußballmannschaft vor. Weshalb können Sie sich besser an die ersten beiden Namen und die letzten drei Namen erinnern als an die dazwischen?

    Lösung

    Zuletzt präsentierte Namen sind noch im Arbeitsgedächtnis präsent (Recency-Effekt), und zuerst präsentierte konnten häufiger wiederholt (Rehearsal) werden (Primacy-Effekt); deshalb werden die ersten und letztem Items einer Liste besser erinnert als dazwischenliegende Items.
  • Sie und Ihre Freundin haben einen Unfall beobachtet. Wie kann es sein, dass Sie sicher sind, dass der Unfallverursacher bei Rot über die Ampel gefahren ist, während Ihre Freundin steif und fest behauptet, die Ampel sei grün gewesen?

    Lösung

    Unser Gedächtnis speichert nicht tatsachengetreu. Erlebte Ereignisse werden rekonstruiert, und dabei kann es zu falschen Erinnerungen kommen, wenn Erinnerungslücken mit plausiblen Einzelheiten aufgefüllt werden. Deshalb sind Zeugenaussagen nicht unbedingt verlässlich.
  • Sie besuchen eine Varietéveranstaltung, in der ein Künstler 50 Begriffe, die das Publikum ihm nennt, korrekt erinnern kann. Welche Strategie ermöglicht solch eine erstaunliche Gedächtnisleistung?

    Lösung

    Gedächtniskünstler verfügen über verschiedene Strategien, die sie oft lange trainiert haben. Beispielweise können mit der Loci-Technik Begriffe entlang eines bekannten Weges abgespeichert und so zuverlässig erinnert werden.
  • In der Linguistik werden sprachliche Äußerungen in als Phrasen bezeichnete zusammenhängende Einheiten zerlegt. Was spricht dafür, dass diese Zerlegung „psychische Realität“ aufweist, d. h., dass bei der Verarbeitung von Sprache eine ähnliche Strukturierung vorgenommen wird?

    Lösung

    Werden Versuchspersonen im Anschluss an die Wahrnehmung einer sprachlichen Aussage aufgefordert, auf die Vorgabe eines in dieser Aussage enthaltenen Wortes mit der Nennung des direkt darauffolgenden Wortes zu reagieren, so fällt dies leichter, wenn beide Wörter Teil derselben Phrase sind, als wenn sie verschiedenen Phrasen angehören.
  • Wie wirkt sich unsere langjährige Erfahrung mit dem Klang unserer Muttersprache auf unsere Wahrnehmung von Sprachlauten aus?

    Lösung

    Es kommt zur kategorialen Wahrnehmung: Sprachlaute eines Phonems werden trotz vergleichsweise starker Variation ihrer physikalischen Merkmale (z. B. Vokaleinsatzzeit) als Angehörige desselben Phonems wahrgenommen; bei Reizen, die auf verschiedenen Seiten einer Phonemgrenze liegen, kommt es dagegen auch bei geringem physikalischen Unterschied zu klaren Zuordnungen zu den unterschiedlichen Phonemen.
  • Wenn ein mehrdeutiges Wortes wie „Bank“ oder „Schloss“ in einem gesprochenen Satz vorkommt, so wird es zumeist gemäß seiner kontextadäquaten Bedeutung interpretiert. Was lässt sich über die mentale Repräsentation seiner anderen Bedeutung(en) in solchen Situationen aussagen?

    Lösung

    Untersuchungen, in denen simultan zum Hören sprachlicher Aussagen eine lexikalische Entscheidungsaufgabe durchzuführen war, deuten darauf hin, dass auch die Repräsentationen kontextinadäquater Bedeutungen kurzzeitig aktiviert werden: Direkt nach der Darbietung des ambigen Wortes finden sich in der lexikalischen Entscheidungsaufgabe semantische Primingeffekte für Wörter, die mit den verschiedenen Bedeutungen im Zusammenhang stehen. Nach einem kurzen Zeitintervall erfolgt dies nur noch für die dem aktuellen Kontext entsprechende Bedeutung.
  • Wie ist es zu erklären, dass bestimmte Hirnschädigungen mit selektiver Beeinträchtigung der Fähigkeit des (lauten) Lesens für unbekannte und Phantasie-Wörter, andere dagegen mit einem selektiven Ausfall der Lesefähigkeit für Wörter mit irregulärer Schreibweise (auch bekannte) einhergehen?

    Lösung

    Nach Zwei-Prozesspfad-Ansätzen (dual-route models) ergeben sich die unterschiedlichen Störungsbilder aus dem Vorhandensein zweier weitgehend getrennter Verarbeitungsrouten. Während eine Route eine Übersetzung von Graphemen zu Phonemen anhand der jeweiligen Zuordnungsregeln der Sprache ermöglicht – und somit das Lesen von regulär geschriebenen Wörter sowie von aus regelkonformen Buchstabenfolgen bestehenden Nichtwörtern –, erfolgt über die andere Route ein direkter Zugriff auf die im Langzeitgedächtnis gespeicherten Repräsentationen bekannter Wörter (auch mit unregelmäßiger Schreibweise) anhand des wahrgenommenen Schriftbildes.
  • Da die Sprachrezeption auf der sukzessiven Aufnahme einzelner in einem Satz enthaltenen Informationen beruht (insbesondere im Fall des Hörens gesprochener Sprache, bei der die einzelnen Sprachlaute nacheinander präsentiert werden), kann der Inhalt eines Satzes erst ab einem bestimmten Zeitpunkt der Verarbeitung festgestellt werden. Wie werden (mögliche) Inhalte bis zu diesem Zeitpunkt repräsentiert?

    Lösung

    Diverse Befunde – z. B. das Holzwegphänomen – deuten darauf hin, dass das Satzverständnis in inkrementeller und antizipatorischer Weise erfolgt. Das heißt, dass die Interpretation hinsichtlich einer bestimmten Bedeutung nicht bis zu dem Zeitpunkt, an dem eine eindeutige Entscheidung möglich ist, aufgeschoben wird, sondern, dass bereits im Laufe der Verarbeitung eine Interpretation anhand der bis dato aufgenommenen Informationen vorgenommen wird.
  • Auf welche Weise gelangen wir zu Kategorisierungen?

    Lösung

    Es gibt verschiedene Ansätze zur Kategorienbildung. Diskutiert werden: die kritische Merkmalstheorie sowie die exemplarbasierte Theorie: (Definition kritischer Merkmale), die Prototypentheorie (Erstellung von Prototypen), der exemplarbasierte Ansatz (Sammlungen von Exemplaren).
  • Welche Befunde sprechen dafür, dass beim Übergang einer mentalen Vorstellung in eine andere, z. B. Der Vorstellung eines Objekts in eine Vorstellung desselben Objekts in einer anderen Orientierung, Zwischenstufen durchlaufen werden, die den verschiedenen Stadien einer realen Transformation entsprechen?

    Lösung

    Dies ist eine Frage zur mentalen Rotation. Hier werden Objekte, z. B. Buchstaben, in ungewöhnlicher Orientierung dargeboten. Versuchspersonen beurteilen, ob es sich um den jeweiligen Buchstaben in seiner korrekten Form oder in einer Spiegelbildversion handelt. Diese Urteile dauern umso länger, je weiter die Orientierung von der kanonisch-aufrechten Darstellung abweicht. Diese Abhängigkeit lässt sich dadurch erklären, dass der Buchstabe zunächst in der Vorstellung in eine vertikale Orientierung rotiert wird, d. h. Sukzessive Repräsentationen des Buchstabens realisiert werden, die den Zwischenstufen einer realen Rotationsbewegung entsprechen. Je länger die Sequenz derartiger Zwischenzustände ist, desto länger dauert es bis zum Erreichen der aufrechten Orientierung. In einer weiteren Version der Aufgabe werden zwei Objekte in zueinander verdrehter Orientierung dargeboten, und es gilt zu entscheiden, ob sie der Form nach identisch oder Spiegelbilder voneinander sind. In dieser Aufgabenversion können auch unbekannte Objekte verwendet werden. Auch hier stellen die Reaktionszeiten eine monotone Funktion des Drehwinkels zwischen den Orientierungen der Objekte dar.
  • Warum kann die Aussage „Krümelmonster isst zwei Kuchen, drei Torten und einen Sack voll Kekse“ nicht wahrscheinlicher sein als die Aussage „Krümelmonster isst zwei Kuchen“? Warum kann die Aussage „Schneewittchens Tochter hat dunkles Haar“ nicht weniger wahrscheinlich sein als die Aussage „Schneewittchens Tochter hat dunkles Haar und dunkle Augen“?

    Lösung

    Beides folgt aus der Konjunktionsregel der Wahrscheinlichkeit, der zufolge die Wahrscheinlichkeit, dass ein gegebenes Ereignis eintritt, niemals geringer sein kann als die Wahrscheinlichkeit, dass das besagte Ereignis UND ein weiteres Ereignis eintritt. Zur Veranschaulichung betrachte man die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei einer blind aus einem Skatblatt gezogenen Karte um eine rote Karte handelt. Diese beträgt – da die Hälfte der Karten rot ist – 0,5. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei der gezogenen Karte um eine Karte handelt, die rot ist und zusätzlich noch ein anderes Merkmal aufweist, z. B. eine Zahl kleiner als 9 oder eine Figur, weist, wie sich für diese Beispiele schnell nachprüfen lässt, jeweils einen geringeren Wert auf (0,125; 0,1875). Für den Grenzfall, dass es sich bei dem zusätzlichen Merkmal um ein Merkmal handelt, dass allen roten Karten zu eigen ist, ist die Wahrscheinlichkeit des Auftretens ebenfalls 0,5. Für alle anderen Fälle ist sie geringer. Wenn es Krümelmonster also niemals bei zwei Kuchen belässt, sondern sich immer zusätzlich (mindestens) drei Torten und einen Sack voll Kekse einverleibt, dann ist die Wahrscheinlichkeit für „isst zwei Kuchen“ und „isst zwei Kuchen, drei Torten und einen Sack voll Kekse“ gleich groß. Anderenfalls ist die Wahrscheinlichkeit für „isst zwei Kuchen“ die größere.
  • Wie lassen sich Probleme und ihre Lösungen formalisiert darstellen?

    Lösung

    Die formalisierte Darstellung eines Problems beinhaltet die Aufstellung eines „Problemraumes“, der die Gesamtheit der möglichen Zustände zwischen dem tatsächlichen und dem gewünschten Zustand sowie die Prozesse, die zum Übergang von einem Zustand zu einem anderen Zustand führen (Operatoren), enthält. Die möglichen Wege durch diesen Problemraum, die vom Ausgangszustand zum Zielzustand führen, stellen die Lösungen des Problems dar.
  • Welche Faktoren erschweren das Finden einer möglichen Problemlösung?

    Lösung

    Hierzu zählen: unvollständige Repräsentation des Problemraumes, Set-Effekte wie funktionale Fixierung.
  • Hat die Höhe eines möglichen Gewinns den gleichen Einfluss auf die Entscheidung, an einem Glücksspiel teilzunehmen, wie die Höhe eines möglichen Verlustes?

    Lösung

    Im Allgemeinen gehen mögliche Verluste mit größerem Gewicht als mögliche Gewinne in das Entscheidungsverhalten ein (Verlustaversion).
  • Was spricht dafür, dass bestimmte Arten von Instinktverhalten angeboren sind? Inwiefern unterliegt auch dieses Verhalten motivationalen Einflüssen?

    Lösung

    Bei einigen Tierarten lassen sich Verhaltensweisen beobachten, die weitgehend unabhängig von der Lerngeschichte des individuellen Tieres durch die Wahrnehmung bestimmter (Schlüssel-) Reize ausgelöst zu werden scheinen. Allerdings bleibt die entsprechende Reaktion aus, wenn sich das Tier nicht in einem passenden inneren Zustand befindet.
  • Was wird unter dem Begriff Motivation, was unter Motiv verstanden?

    Lösung

    Der Begriff Motivation bezieht sich auf die Beweggründe für das Ingangsetzen und Aufrechterhalten von Tätigkeiten. Unter Motiven werden spezifische, handlungsleitende mentale Repräsentationen verstanden, welche vorgestellten oder wahrgenommenen Ereignissen oder Zuständen Anreizcharakter verleihen.
  • Überlegen Sie einmal, welche theoretisch möglichen Zustände Sie als äußerst wünschenswert erachten und dennoch nie zu erreichen versucht haben. Welche Erklärung haben Sie für diese „Unterlassung“?

    Lösung

    Erwartungs-mal-Wert-Theorien zufolge wird die Motivation durch die beiden Faktoren „Werthaftigkeit des Zielzustands“ und „Erwartung hinsichtlich seines Eintretens“ gemäß einer multiplikativen Beziehung beeinflusst. Die Motivation für ein Verhalten ist demnach am höchsten, wenn der Zielzustand als sehr wertvoll empfunden und sein Eintreten als sehr wahrscheinliche Konsequenz des Verhaltens angesehen wird. Die Motivation sinkt dagegen rapide ab, wenn mindestens einer der beiden Faktoren nur sehr gering ausgeprägt ist. So vermag ein noch so erwünschter Zustand kaum zu motivieren, wenn das Erreichen dieses Zustands unwahrscheinlich erscheint.
  • Welche Konsequenzen hat es, sich konkrete Ziele zu setzen?

    Lösung

    Die Auswahl spezifischer Handlungen ist maßgeblich durch aktuelle Verhaltensziele geprägt, d. h., wir realisieren vornehmlich zielführend erscheinende Handlungen aus dem uns zur Verfügung stehenden Verhaltensrepertoire. Darüber hinaus bewirkt das Setzen von Zielen eine verstärkte Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf zielbezogene Reize und Kognitionen.
  • Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Handlungsmotivation und der Art der Ursachenzuschreibung für Erfolge und Misserfolge?

    Lösung

    Es besteht eine generelle Tendenz, Erfolge auf eigene Fähigkeiten (internal) und Misserfolge auf ungünstige äußere Bedingungen (external) zu attribuieren. Diese Tendenzen zeigen sich stärker bei Personen mit ausgeprägtem Leistungsmotiv. Die Art der Attribuierung kann dabei auch die (zukünftige) Motivation beeinflussen. Erlaubt die Attribuierung eine selbstwirksame Eigenwahrnehmung, so wirkt sich dies im Allgemeinen positiv auf die Motivation und den Leistungserfolg aus.
  • Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Empfinden eines Gefühls und dabei auftretenden körperlichen Reaktionen wie z. B. Zittern oder Beschleunigung des Herzschlags?

    Lösung

    Dieser Zusammenhang beschäftigt die Forschung seit langem. Klassische Ansätze gehen davon aus, dass das Empfinden eines Gefühls maßgeblich an die Wahrnehmung der physiologischen Veränderungen gebunden ist. So bestimmt der James-Lange-Theorie zufolge, das spezifische Muster der physiologischen Reaktion, und in der Zwei-Faktoren-Theorie von Schachter und Singer, die Interpretation der physiologischen Erregung, zu welcher Gefühlsempfindung es kommt. Auch motorisches Ausdrucksverhalten, wie das willentliche Annehmen eines emotionalen Gesichtsausdrucks, kann offenbar das zugehörige Gefühlserleben intensivieren (Facial-Feedback-Hypothese).
  • Wie lässt sich nachweisen, dass Emotionen durch Ereignisse hervorgerufen werden können, die uns nicht bewusst werden?

    Lösung

    Untersuchungen, in denen sehr kurzzeitig dargebotene Bahnungsreize verwendet wurden, die nicht bewusst wahrgenommenen werden konnten, zeigen, dass „emotionale“ Reize wie ein fröhliches Gesicht die Angenehm-unangenehm-Bewertung nachfolgender (sichtbarer) Reize beeinflusst, obgleich der Bahnungsreiz nicht bewusst erkannt wurde. Diese Befunde legen nahe, dass emotionale Reaktionen ohne Bewusstsein für das sie hervorrufende Ereignis auftreten können.
  • Unterscheiden sich Ausdrucksformen von Emotionen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen?

    Lösung

    Auch wenn sich das emotionale Ausdrucksverhalten sicherlich in gewissem Ausmaß durch kulturelle Lernprozesse beeinflussen lässt, scheinen zumindest für bestimmte „Basisemotionen“ auch in sehr unterschiedlichen Kulturen dieselben Gesichtsausdrücke verwendet zu werden. Passend hierzu fanden Ekman und Friesen (1969, 1978) in mehreren interkulturellen Vergleichsstudien eine hohe Übereinstimmung hinsichtlich der Zuordnung von Gesichtsausdrücken zu spezifischen Emotionen wie Freude, Angst oder Überraschung.
  • Werden Emotionen in den beiden Gehirnhälften unterschiedlich verarbeitet, und wie?

    Lösung

    Verschiedene Ergebnisse sprechen für eine überlegene Rolle der rechten Gehirnhälfte bei der Verarbeitung von Emotionen. Beispielsweise werden emotionale Gesichtsausdrücke besser bei rechtshemisphärischer Darbietung als bei linkshemisphärischer Darbietung erkannt. Ebenso kommt es hierbei zu größeren Schwierigkeiten nach rechtshemisphärischen als nach linkshemisphärischen Schädigungen.
  • Lässt sich aggressives Verhalten durch künstliche Stimulation bestimmter Hirnbereiche auslösen?

    Lösung

    Befunde aus Tierversuchen zeigen, dass eine Stimulation verschiedener Hirngebiete – beispielsweise bestimmter Regionen des Hypothalamus – zu aggressivem Verhalten führen kann. Die spezifische Art des Verhaltens und insbesondere das Auftreten „emotionaler Begleiterscheinungen“ ist dabei von den genauen Kontextfaktoren abhängig.
  • Fertig!

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