Myers - Kapitel 13: Emotionen, Stress und Gesundheit

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David G. Myers

Inhalt

  • 13.1 Kognitionen und Emotionen
    • 13.1.1 Historische Emotionstheorien
    • 13.1.2 Die Kognition kann die Emotion festlegen: Schachter und Singer
    • 13.1.3 Die Kognition geht der Emotion nicht immer voraus: Zajonc, LeDoux und Lazarus
  • 13.2 Emotion und Körper
    • 13.2.1 Emotionen und das autonome Nervensystem
    • 13.2.2 Die Physiologie der Emotionen
  • 13.3 Emotion und Ausdruck
    • 13.3.1 Emotionen bei anderen erkennen
    • 13.3.2 Geschlecht, Emotion und nonverbales Verhalten
    • 13.3.3 Emotionsausdruck im kulturellen Kontext
    • 13.3.4 Mimischer Ausdruck
  • 13.4 Emotion und Erfahrung
    • 13.4.1 Wut
    • 13.4.2 Glücklichsein
  • 13.5 Stress und Gesundheit
    • 13.5.1 Stress: Grundlegende Prinzipien
    • 13.5.2 Stress und Krankheitsanfälligkeit
  • 13.6 Gesundheitsförderung
    • 13.6.1 Bewältigung von Stress
    • 13.6.2 Stress reduzieren
  • 13.7 Kapitelrückblick
    • 13.7.1 Verständnisfragen
    • 13.7.2 Schlüsselbegriffe
    • 13.7.3 Weiterführende deutsche Literatur

 

Zusammenfassung

 

Emotionstheorien

Die 3 Komponenten der Emotionen sind:

  1. die physiologische Erregung,
  2. das Ausdrucksverhalten und
  3. die bewusste Erfahrung.

 

William James und Carl Lange nahmen an, dass wir Emotionen fühlen, nachdem wir unsere physiologischen Reaktionen wahrgenommen haben.

Walter Cannon und Philip Bard glaubten, dass wir die Emotionen gleichzeitig mit der Reaktion unseres Körpers empfinden.

Die Zwei-Faktoren-Theorie der Emotion von Schachter und Singer konzentrierte sich auf das Zusammenspiel von Denken und Fühlen, nicht auf die zeitliche Abstimmung der Gefühle. Sie machten den Vorschlag, dass Emotionen 2 Komponenten haben sollten, die körperliche Erregung und eine kognitive Interpretation.

 

Emotion und Körper

Das autonome Nervensystem steuert die Erregung. Ein Teil des autonomen Nervensystems, der Sympathikus, mobilisiert uns für Handlungen, indem er die Nebennierenrinde dazu veranlasst, Stresshormone auszuschütten, die wiederum die Herzfrequenz, den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel erhöhen, und indem er bei uns die anderen körperlichen Abwehrreaktionen auslöst. Der andere Teil des autonomen Nervensystems, der Parasympathikus, beruhigt uns, nachdem wir die Krisensituation hinter uns haben, doch die Erregung nimmt nur allmählich ab.

Die Beziehung zwischen Erregung und Leistung: Sehr starke oder sehr geringe Erregung kann störend sein. Wir zeigen die beste Leistung, wenn die Erregung im mittleren Bereich liegt, obwohl dies auch von der Schwierigkeit der Aufgabe abhängt. Bei einfachen, gut erlernten Aufgaben wird die beste Leistung mit starker Erregung in Zusammenhang gebracht. Bei schwierigen Aufgaben werden die Spitzenleistungen bei einem geringeren Niveau erreicht.

3 Emotionen, die mit einer ähnlichen physiologischen Erregung einhergehen: Bei Angst, Wut und sexueller Erregung weisen wir eine ähnliche physiologische Erregung auf. Beobachter haben Schwierigkeiten damit, diese Zustände zu unterscheiden, wenn man nur physiologische Maße erfasst; doch unsere emotionalen Erfahrungen (und manchmal auch unser Gesichtsausdruck) sind bei diesen 3 Zuständen unterschiedlich.

Physiologische Indikatoren und Indikatoren für Muster der Hirnaktivität bei bestimmten Emotionen: Mit Hilfe komplizierter Geräte haben Forscher Zusammenhänge zwischen einigen Emotionen und leichten Muskelbewegungen in der Braue (bei Angst) und den Wangen (bei Freude) sowie unter den Augen (bei Freude) gefunden. Schichtaufnahmen des Gehirns zeigen bei Angst auch eine erhöhte Aktivität in der Amygdala. Unterschiede tauchen auch in den kortikalen Arealen des Gehirns auf. Negative Emotionen (z. B. Ekel) lösen mehr Aktivität im rechten präfrontalen Kortex aus, während sich positive Stimmungen (z. B. Begeisterung) im linken Frontallappen feststellen lassen, in dem es eine reichhaltige Versorgung mit Dopaminrezeptoren gibt.

Der Übertragungseffekt tritt auf, wenn unsere Erregung bei einem Ereignis unsere Reaktion bei anderen Ereignissen beeinflusst. Auch wenn eine emotionale Erregung nicht völlig undifferenziert ist, so ist sie manchmal doch so allgemein, dass es erforderlich ist, die Emotion zu definieren, die wir erleben. Die physiologische Erregung treibt die Emotionen an, die Kognition weist ihnen die Richtung.

2 alternative Bahnen, auf denen sensorische Reize weitergeleitet werden, wenn sie eine emotionale Reaktion auslösen: Emotionale Reaktionen erfolgen unmittelbar, wenn das sensorische Signal über den Thalamus direkt zur Amygdala geleitet wird; es geht dann nicht über den Kortex und löst eine schnelle Reaktion aus, die uns oft nicht bewusst ist. Reaktionen auf komplexe Emotionen (wie etwa Schuld, Glück oder Liebe) machen eine Interpretation erforderlich und werden über die langsamere Route zum Kortex zur weiteren Auswertung geleitet.

 

Emotion und Ausdruck

Die meisten Menschen können nonverbale Hinweisreize erkennen, und wir sind besonders sensibel für nonverbale Bedrohungen. Wie Untersuchungen mit missbrauchten Kindern gezeigt haben, trägt Erleben dazu bei, dass wir für Hinweisreize sensibel sind.

Geschlechtsunterschiede in Emotionswahrnehmung und Emotionsausdruck: Frauen können i. Allg. die emotionalen Hinweisreize von Menschen besser verstehen als Männer; und dazu gehören auch die Hinweisreize, die bei einer Täuschung auftreten. Frauen geben auch detailreichere Beschreibungen ihrer emotionalen Reaktionen, beschreiben sich selbst bereitwilliger als emotional und bringen häufiger sowohl in Worten als auch im Gesichtsausdruck Empathie zum Ausdruck. Frauen sind Männern darin überlegen, zu zeigen, dass sie glücklich sind; doch Männer können Ärger besser mitteilen.

Die Gesichtsmuskeln geben Hinweise auf eine Emotion. Aber es gibt noch keine Lügendetektormethode, die sich am Gesichtsausdruck orientiert; und die meisten von uns haben Schwierigkeiten, den Ausdruck von Täuschung zu erkennen. Da es in E-Mails keine stimmlichen oder emotionalen Hinweisreize gibt, sind wir von einer wichtigen Informationsquelle abgeschnitten.

Die kulturspezifischen und die kulturübergreifenden Aspekte des Emotionsausdrucks: Die Bedeutung von Gesten ist in den Kulturen recht unterschiedlich, doch viele Gesichtsausdrücke, etwa die für Glück und Angst, finden sich überall auf der Welt (sogar bei blind geborenen Kindern). Dies deutet darauf hin, dass die Gesichtsausdrücke kulturübergreifende Aspekte der Emotion sind. Kulturen unterscheiden sich jedoch darin, wie viel emotionaler Audruck bei ihnen für akzeptabel gehalten wird. In vorsprachlichen prähistorischen Zeiten könnte der Ausdruck von Emotionen die Überlebenschancen dadurch verbessert haben, dass er es ermöglichte, über Bedrohungen, Begrüßungen und Unterwerfung zu kommunizieren. Manches emotionale Ausdrucksverhalten trägt dazu bei, mehr sensorische Informationen aufzunehmen und zu verhindern, dass giftige Substanzen aufgenommen werden.

Mit der Hypothese der Rückkopplung über das Gesicht wird Folgendes nahe gelegt: Das Ausdrucksverhalten lässt unsere Emotionen intensiver werden, indem Muskeln aktiviert werden, die mit bestimmten Zuständen assoziiert werden. Und die Muskeln signalisieren dem Körper, so zu reagieren, als erlebten wir diese Zustände. Wenn wir den Gesichtsausdruck, der normalerweise mit Glück assoziiert wird, simulieren, kann es sein, dass wir uns glücklicher fühlen. Bei der Hypothese zur Rückkopplung über das Verhalten wird Folgendes angenommen: Wenn wir unseren Körper so bewegen, wie wir es tun würden, wenn wir eine bestimmte Emotion erleben (mit gesenkten Augen dahinschlurfen, wenn wir traurig sind), ist es wahrscheinlich, dass wir diese Emotion in gewissem Maße auch empfinden. 

 

Emotion und Erfahrung

Caroll Izard fand in ihren Forschungsarbeiten 10 Grundemotionen: Freude, Interesse/Begeisterung, Überraschung, Trauer, Wut, Ekel, Verachtung, Angst/Furcht, Scham und Schuld. Einige Psychologen sind der Auffassung, dass Stolz und Liebe ebenfalls Grundemotionen sind. Emotionen können in einem System aus 2 grundlegenden Dimensionen dargestellt werden:

  • Erregung (stark versus gering)
  • Valenz (angenehm/positiv versus unangenehm/negativ)

 

2 Arten an, wie wir lernen, Angst zu haben: Was wir durch Erfahrung lernen, erklärt die Vielfalt der Ängste der Menschen am besten. Spezifische Ängste lernen wir durch Konditionierung (Assoziieren von Emotionen mit speziellen Situationen) und durch Beobachtungslernen (Zusehen, wie andere Angst als Reaktion auf bestimmte Ereignisse oder äußere Umstände zeigen).

Biologische Komponenten der Angst: Wir sind biologisch darauf vorbereitet, einige Ängste (gegenüber Schlangen, Spinnen und Höhen) zu lernen und andere nicht (gegenüber schnellem Fahren, Bomben und Elektrizität). Die Amygdala spielt eine Schlüsselrolle beim Lernen von Angst, bei dem Angst mit bestimmten Situationen assoziiert wird. Die Amygdala erhält Informationen aus kortikalen Arealen, die Emotionen verarbeiten, und sendet Informationen zu anderen Arealen, die körperliche Symptome der Angst hervorbringen. Die Menschen unterscheiden sich in dem Maß, wie sie furchtsam oder furchtlos sind; und dieser Unterschied ist z. T. genetisch bedingt.

Enttäuschende und verletzende Handlungen, die wir als absichtlich, ungerechtfertigt und vermeidbar interpretieren, können Wut hervorrufen. Die Katharsishypothese (die Vorstellung, dass wir aggressive Tendenzen abreagieren können, wenn wir negative Energie abführen) wird nicht durch die Forschung gestützt. Dampf ablassen kann uns zeitweilig beruhigen, aber langfristig verringert es die Wut nicht und kann sie vielleicht sogar stärker werden lassen. Mit Wut geht man besser so um, dass man abwartet, bis das Niveau der körperlichen Erregung heruntergeht, man sich beruhigt und seinen Groll auf eine Weise zum Ausdruck bringt, die eher zu Versöhnung als zu Vergeltung führt. Wenn die Versöhnung scheitert, lassen sich durch Versöhnlichkeit die eigene Wut und die damit verbundenen körperlichen Symptome abbauen.

Das Phänomen »Du fühlst dich gut und tust Gutes« besteht in unserer größeren Bereitschaft, anderen zu helfen, wenn wir in einer guten Stimmung sind. Die Forschungsrichtung der positiven Psychologie erkundet momentan die Ursachen und Folgen des subjektiven Wohlbefindens (selbst empfundenes Glücksgefühl oder Lebenszufriedenheit); dies ist eine Ergänzung zur traditionellen Konzentration der Psychologie auf negative Emotionen.

Negative Emotionen sind am intensivsten, kurz nachdem wir aufwachen oder kurz bevor wir einschlafen. Die Stimmung, die durch die positiven oder negativen Ereignisse eines Tages aufgekommen ist, hält selten länger als diesen einen Tag an. Selbst bedeutsame schlechte Ereignisse, wie etwa eine schwere Krankheit, machen nur in seltenen Fällen ein Glücksgefühl für lange Zeit zunichte, obwohl wir gewöhnlich unsere Anpassungsfähigkeit unterschätzen.

Zusammenhang zwischen Reichtum und Glück: Auf einem elementaren Niveau trägt Geld dazu bei, Kummer zu vermeiden, indem es eine bessere Ernährung, Gesundheitsversorgung, Bildung und ein Studium ermöglicht; doch all dies macht wiederum selbst glücklich. Mehr Wohlstand kann auch kurzfristig glücklicher machen. Langfristig jedoch, so zeigt die Forschung, wird man nicht glücklicher, wenn man individuell und im Vergleich zu anderen Staaten im Reichtum lebt.

Beim Phänomen des Anpassungsniveaus geht es um unsere Tendenz, Reize (einschließlich materieller Besitztümer) dadurch zu erfassen, dass wir sie in einen Gegensatz zu einem neutralen Niveau stellen, das sich mit unserer Erfahrung wandelt. Das Prinzip der relativen Deprivierung besteht in unserer Wahrnehmung, dass es uns schlechter geht als anderen, mit denen wir uns selbst vergleichen. Glück ist daher etwas Relatives, relativ sowohl zu früheren Erfahrungen als auch im Vergleich mit anderen.

Methoden, mit denen wir unser eigenes Glücksniveau beeinflussen können: Glücklichsein wird z. T. genetisch vererbt und ist z. T. unter unserer eigenen Kontrolle. Die Empfehlungen zur Verbesserung unseres Glücksniveaus, die auf Forschungsarbeiten beruhen, lauten:

  1. Machen Sie sich klar, dass anhaltendes Glück nicht von finanziellem Erfolg abhängt.
  2. Behalten Sie die Entscheidungsfreiheit über Ihre Zeit.
  3. Handeln Sie, als wären Sie glücklich.
  4. Suchen Sie sich eine Arbeit und Hobbys, bei denen Sie Ihre Fähigkeiten einsetzen können.
  5. Treiben Sie regelmäßig Sport.
  6. Sorgen Sie dafür, dass Sie genug Schlaf bekommen.
  7. Pflegen Sie enge Beziehungen.
  8. Blicken Sie über sich hinaus.
  9. Seien Sie dankbar für das, was Sie haben.
  10. Pflegen Sie Ihr spirituelles Selbst.

 

Stress und Gesundheit

Krankheits- und Todesursachen, die mit dem Verhalten zusammenhängen: Unsere Verhaltensweisen wie Rauchen, regelmäßiger Sport, Ernährung und Konfrontation mit ständigem Stress können einen Einfluss haben auf unsere Anfälligkeit für Herzerkrankungen, Krebs, Schlaganfälle und chronische Lungenerkrankungen (momentan die 4 wichtigsten Todesursachen), sie können uns aber auch anfällig machen für Bluthochdruck, Hautausschläge und andere Erkrankungen.

Stress ist weder eine Handlung noch ein Zustand; es handelt sich jedoch um einen Prozess, mit dem wir auf belastende Ereignisse reagieren. Und diese nennt man Stressoren. Ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses besteht darin, ob wir ein Ereignis als bedrohlich, herausfordernd oder als unwichtig bewerten. Unsere Bewertungen tragen dazu bei, zu bestimmen, ob unsere Reaktion aus gesunden Gefühlen einer mobilisierten und zielgerichteten Erregung oder aus überwältigenden Gefühlen der Belastung bestehen.

Das Zwei-Bahnen-System und die 3 Phasen des allgemeinen Adaptationssyndroms: Unsere Reaktion auf Stress ist ein Paradebeispiel für die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele. Die erste (und schnellere) Bahn des Stress-Reaktionssystems ist die Kampf-Flucht-Reaktion, die von Walter Cannon entdeckt wurde und bei der der Sympathikus an mehreren Fronten auf einen Stressor reagiert: Die inneren Teile der Nebennieren schütten Adrenalin und Noradrenalin aus, Herzschlag und Atmung werden schneller, Blut wird von den Verdauungsorganen abgezogen und zu den Skelettmuskeln geleitet, die Sensibilität gegenüber Schmerzen nimmt ab, und der Körper setzt gespeicherte Zucker und Fette frei. Bei der langsameren Bahn des Systems über den zerebralen Kortex regt die Wahrnehmung eines Stressors den Hypothalamus und die Hirnanhangdrüse dazu an, in den äußeren Teilen der Nebennieren Glukokortikoid-Stresshormone wie das Kortisol freizusetzen. Die 3 Phasen des allgemeinen Adaptationssyndroms sind

  • Alarm (zeitweiliger Schockzustand, bei dem der Körper Ressourcen mobilisiert),
  • Resistenz (Zeit der Bewältigung des Stressors) und
  • Erschöpfung (Entleerung der Reserven nach einem länger andauernden Stress).

 

Große Katastrophen können Depression und Angst zunehmen lassen und Konzentrations- und Schlafprobleme verursachen. Bedeutsame persönliche Ereignisse im Leben wie ein Verlust (Tod eines geliebten Menschen, Scheidung, Arbeitsplatzverlust) oder sogar Veränderungen (Heirat, Umzug) können Menschen für Krankheiten anfällig werden lassen. Doch bei den meisten Menschen ist der tägliche Ärger - die kontinuierliche Abfolge kleiner alltäglicher Stressoren - die wichtigste Ursache für Stress; er kann die Gesundheit (z. B. durch die Erhöhung des Blutdrucks) und das Wohlbefinden beeinträchtigen.

Durch Stress kann das Risiko für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße zunehmen. Der entscheidende Faktor bei dieser Verbindung zwischen Stress und Erkrankung sind negative Emotionen - Depression, Pessimismus, aber vor allem Wut. Die Studie von Friedman und Rosenman, bei der zum ersten Mal der Zusammenhang zwischen Wut und Herzkrankheiten nachgewiesen wurde, stellte die Typ-A-Persönlichkeiten (wettbewerborientiert, ehrgeizig, ungeduldig und zur Wut neigend) den Typ-B-Persönlichkeiten (gelassen und entspannt) gegenüber. Unter Stress sind Menschen vom Typ A physiologisch reaktionsbereiter; sie schütten Hormone aus, die den Aufbau von Plaques in den Arterienwänden beschleunigen, zu hohem Blutdruck sowie zu einem erhöhten Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkte führen.

Psychologen verwenden den Begriff psychophysiologische Krankheit, um mit Stress zusammenhängende körperliche Krankheiten zu beschreiben, wie etwa Hypertension (Bluthochdruck) und einige Arten von Kopfschmerzen. Diese realen Krankheiten unterscheiden sich von der Hypochondrie bzw. davon, dass man normale körperliche Empfindungen als Symptome einer Krankheit fehldeutet.

Die Auswirkung von Stress auf die Funktionstüchtigkeit des Immunsystems: Die B-Lymphozyten des Immunsystems (sie werden im Rückenmark gebildet) setzen Antikörper frei, die bakterielle Infektionen abwehren. Die T-Lymphozyten (sie werden im Gewebe der Thymusdrüse und der Lymphknoten gebildet) bekämpfen Krebszellen, Viren und fremde Substanzen. Andere Agenzien des Immunsystems, die Makrophagen, fressen schädliche Eindringlinge, verbrauchte Zellen und andere Abfallstoffe. Stress führt nicht auf dem direkten Weg zu einer Krankheit; aber wenn er Energie von den Aktivitäten des Immunsystems abzieht, werden wir anfälliger für Infektionen und Krankheiten.

Zusammenhang zwischen Stress und Aids: Aids wird durch den HI-Virus verursacht, nicht durch Stress. Aber Stress und negative Emotionen können den Prozess von der Infektion durch das Virus bis zur eigentlichen Aids-Erkrankung beschleunigen. HIV-positiven Menschen nutzt eine medikamentöse Behandlung mehr, aber Programme, die den Stress verringern, scheinen in gewisser Weise zu helfen.

Zusammenhang zwischen Stress und Krebs: Stress erzeugt keine Krebszellen. Die Forscher sind sich nicht einig, ob Stress das Fortschreiten der Krankheit beeinflusst; aber sie stimmen darin überein, dass die Vermeidung von Stress und eine entschlossene Haltung die zerstörerischen Prozesse, die bei einem Krebs im fortgeschrittenen Stadium ablaufen, nicht umkehren können.

Forscher haben die Unterdrückung des Immunsystems in Laborexperimenten konditioniert. Ermutigt durch diese Ergebnisse arbeiten andere an Methoden, mit deren Hilfe man die Stärkung des Immunsystems konditionieren kann.

 

Gesundheitsförderung

Wenn wir problemfokussierte Bewältigung einsetzen, versuchen wir, Stress dadurch zu verringern, dass wir direkt die Ereignisse verändern, die Stressreaktionen auslösen, oder die Art und Weise ändern, wie wir auf diese Ereignisse reagieren. Wir setzen emotionsfokussierte Bewältigung (Schaffen von Distanz zwischen uns und einem Stressor oder von Aufmerksamkeit für unsere eigenen emotionalen Bedürfnisse) ein, wenn wir - zu Recht oder nicht - glauben, dass wir eine stressreiche Situation nicht ändern können.

Ein subjektiv wahrgenommener Mangel an Kontrolle wurde in Verbindung gebracht mit einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber bakteriellen Infektionen, Herz-Kreislauf-Krankheiten und möglicherweise mit einer kürzeren Lebensspanne aufgrund eines höheren Niveaus der Stresshormone sowie verminderter Reaktionen des Immunsystems.

Zusammenhang zwischen Erklärungsstil, Stress und Gesundheit: Verglichen mit Menschen, die einen pessimistischen Erklärungsstil haben, neigen Optimisten dazu, ein stärkeres Gefühl der Kontrolle über Stressoren zu haben, stressreiche Ereignisse besser zu bewältigen, in besserer Stimmung zu sein, ein stärkeres Immunsystem zu haben und länger zu leben als Pessimisten. Lachen (aber nicht Sarkasmus) kann Stress verringern und das Immunsystem stärken.

Soziale Unterstützung als Puffer gegen Stress: Unterstützende Mitglieder der Familie, Ehepartner, enge Freunde und treue Haustiere helfen Menschen dabei, stressreiche Ereignisse zu bewältigen. Soziale Unterstützung führt zu einer besseren Funktionsfähigkeit des Immunsystems, beruhigt das Herz-Kreislauf-System und senkt den Blutdruck.

Zu Programmen für den Umgang mit Stress gehört oft ein aerobes Training (Ausdauertraining, bei dem die Fitness von Herz und Lungen verbessert wird), das das Energieniveau zunehmen lässt, das Selbstbewusstsein steigert, den Blutdruck senkt und Depressionen und Ängste abbauen kann. In Studien wurde das aerobe Training mit gesenktem Blutdruck, zunehmender Erregung, einem höheren Spiegel von Neurotransmittern, die die Stimmung aufhellen (wie etwa Noradrenalin, Serotonin und die Endorphine), verbesserten kognitiven Fähigkeiten und (bei Mäusen) Wachstum neuer Gehirnzellen in Verbindung gebracht.

Biofeedback hat Menschen dabei geholfen, Spannungskopfschmerz in den Griff zu bekommen, aber auch einfache Entspannungsübungen waren gleichermaßen wirkungsvoll beim Kampf gegen Bluthochdruck, Angst, Schlaflosigkeit und bei der Senkung der Rate wiederkehrender Herzinfarkte. Manche Menschen nutzen komplementäre bzw. alternative Medizin, die genau wie die Schulmedizin ihre Wirkung empirisch nachweisen muss. Studien an Menschen, die gerade meditierten, haben gezeigt, dass dies im Vergleich zur Kontrollgruppe mit einer verstärkten Aktivität im linken Frontallappen und mit einer verbesserten Funktionsfähigkeit des Immunsystems verbunden ist.

Die Korrelation zwischen Religiosität und Langlebigkeit: Regelmäßige Teilnahme an religiösen Veranstaltungen hat sich als zuverlässiger Prädiktor für eine längere Lebensspanne erwiesen. Forscher, die versuchten, die Ursache-Wirkungsbeziehung zu bestimmen, isolierten 3 intervenierende Variablen:

  1. Religiös aktive Menschen haben eine gesunde Lebensweise.
  2. Glaubensgemeinschaften haben oft die Funktion von Netzen sozialer Unterstützung und stützen häufig die eheliche Beziehung (die, wenn sie glücklich ist, mit besserer Gesundheit und einer längeren Lebensspanne einhergeht).
  3. Die Teilnahme an religiösen Veranstaltungen - zusammen mit der damit verbundenen konsistenten Weltanschauung, dem Gefühl der Hoffnung für die Zukunft, Gefühlen der Akzeptanz und einem entspannten meditativen Zustand - kann Gefühle positiver Emotionen verstärken und Gefühle von Stress und Angst abbauen.

 

Die Anziehungskraft des Rauchens geht bei Teenagern teilweise auf soziale Belohnungen zurück - die Identifizierung mit und die Akzeptanz durch »coole« Menschen. Je nach genetischer Anlage wird 1 von 3 frühen Rauchern eine physiologische Abhängigkeit vom Nikotin entwickeln, die ebenso schwer zu bekämpfen ist wie die Abhängigkeit von Heroin oder Kokain. Indem Nikotin die Freisetzung von Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Opioiden auslöst, stillt es das unangenehm starke Verlangen nach Tabak und belohnt den Raucher.

Viele Ansätze bieten Rauchern eine kurzfristige Hilfe dabei, mit dem Rauchen aufzuhören, doch die langfristigen Erfolge lassen auf sich warten. Hilfreiche Tipps für die Raucherentwöhnung sind u. a., sich einen Termin für das Aufhören zu setzen, die Familie und Freunde über die Entscheidung zu informieren und alle Zigaretten aus der Umgebung zu entfernen. Raucherentwöhnungsprogramme für junge Leute

  1. informieren über die Auswirkungen des Rauchens,
  2. bilden weiter über den Einfluss der Gleichaltrigen, der Eltern und der Medien und
  3. setzen Modelllernen und Rollenspiel ein, um die Fähigkeit aufzubauen, etwas abzulehnen. Wenn man die Tabaksteuer erhöht, so wird der Verbrauch ebenfalls in wirksamer Weise gesenkt.

 

Fett ist eine konzentrierte Energiereserve. Und ein Körper, der diese Reserve abspeichern kann, kann sie in Zeiten von Hungersnöten nutzen. Diese Tendenz diente unseren Vorfahren, die ihre Nahrung sammelten und jagten, der Anpassung; sie ist aber für die modernen Menschen in einer Welt voller leicht verfügbarer Lebensmittel fehlangepasst. Zusammen mit einem Mangel an sportlicher Aktivität hat der Überfluss an Nahrungsmitteln mit vielen Kalorien zu einer hohen Adipositasrate geführt (definiert als Body Mass Index von 30 und mehr) mit einem erhöhten Risiko für Diabetes, Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Gallensteinen, Arthritis, Schlafstörungen und bestimmte Arten von Krebs.

Ziel 21: Beschreiben Sie einige der sozialen Auswirkungen der Adipositas. Adipositas bedroht sowohl das Wohlbefinden als auch die körperliche Gesundheit. Adipöse Menschen, vor allem adipöse Frauen, stoßen auf Diskriminierung wegen ihres Körpergewichts, wenn sie sich auf eine Stelle bewerben, wenn sie einen Partner für eine Liebesbeziehung suchen und wenn sie mit der Familie interagieren.

Die Rolle der Vererbung und der Umwelt als bestimmende Faktoren beim Körpergewicht: Studien mit Zwillingen und Adoptivkindern deuten darauf hin, dass Übergewicht zumindest teilweise ein vererbtes Merkmal ist. Aber die Gene haben nur einen Einfluss auf das Körpergewicht - sie legen es nicht fest. Beispielsweise verfügen einige Menschen über eine Anlage dafür, mehr und größere Fettzellen zu haben als andere Menschen. Bei einer adipösen Person jedoch sind die ursprünglichen Fettzellen zwei oder drei Mal so groß, und sie teilen sich dann (und veranlassen die benachbarten unreifen Fettzellen, sich zu teilen); dies ist ein nicht umkehrbarer Umwelteffekt. Menschen unterscheiden sich auch beim Grundumsatz; aber wenn jemand Gewicht in Form von Fettzellen zulegt, wird weniger Energie benötigt, um dieses Gewebe zu erhalten, als bei Muskelgewebe. Auch Umweltfaktoren sind wichtig, wie etwa die häufige Aufnahme kalorienreicher Nahrung und eine sitzende Lebensweise. Die Gene bestimmen am ehesten darüber, warum ein Mensch schwerer ist als ein anderer. Doch hauptsächlich die Umwelt sorgt dafür, dass ein Mensch heute schwerer ist, als sein Großvater es im selben Alter war.

Erfolgschancen eines übergewichtigen Menschen, der abnehmen möchte: Teilnehmer an strukturierten Programmen zum Abnehmen sind mit einer sehr hohen Misserfolgsquote konfrontiert; aber diese Personen stellen eine Gruppe mit einem besonders hohen Risiko dar (sie waren vielleicht, bevor sie sich für das Programm entschieden, nicht in der Lage, sich selbst zu helfen). Zudem deuten Umfragen darauf hin, dass 25-60% der Menschen, die einmal erheblich übergewichtig waren, mit Erfolg abgenommen und ihr Gewicht über mindestens 1 Jahr gehalten haben, einige sogar über 5 Jahre. Es gibt durchaus auch übergewichtige Menschen, die erkennen, dass Fettleibigkeit keine Frage der Willenskraft ist, und sich dafür entscheiden, ihr Gewicht zu akzeptieren. Andere, die abnehmen möchten, können ihre Chancen verbessern, indem sie z.B. die Konfrontation mit verlockenden Hinweisreizen auf ein Minimum beschränken oder den Energieverbrauch durch sportliche Aktivität steigern.

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