Lexikon - Gesamtglossar aller Bücher

  • Begriff
    Erklärung
  • Affekte
    Die Erregungskomponente von Emotionen.
  • Akkulturation
    Akkulturation bezeichnet den Prozess, in dem Gruppen und Individuen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen aufeinandertreffen und sich gegenseitig beeinflussen.
  • Akkulturativer Stress
    Akkulturativer Stress bezeichnet die Reaktion einer Person auf interkulturelle Ereignisse und Situation, die Verarbeitungsfähigkeit der Person übersteigen.
  • Allozentrismus
    Allozentrismus bezeichnet die Neigung einer Person sich an mehreren Kulturen zu bedienen (Kollektivismus), anstatt sich auf eine Kultur zu fokussieren.
  • Anlage-Umwelt-Debatte
    Diese Diskussion bezieht sich auf die Frage, welche Faktoren die Persönlichkeit eines Menschen bestimmen. Sind es stärker die Gene oder die Sozialisation?
  • Anreize
    Sachverhalte aus der Umwelt, die zu Handlungen motivieren können, solange die Motive einer Person mit diesen Sachverhalten übereinstimmen. Menschen können z. B.
    - zu Leistung motiviert sein, die sie in Prüfungssituationen zeigen können,
    - zu sozialen Kontakten motiviert sein, die im Ehrenamt erlebt werden können,
    - oder zu Machtempfinden motiviert sein, was im Kontext einer gehobenen beruflichen Position oder Beziehungen ausgelebt werden kann.
  • Anthropologie
    Die Wissenschaft vom Menschen. Im Gegensatz zur Psychologie wird eine stärker qualitative Methodik verwendet.
  • Äquivalenz
    "Die Äquivalenz in der Kulturvergleichenden Psychologie bezieht sich auf die Übertragbarkeit von Vorstellungen, Ideen und Methoden, die in einer Kultur entstanden sind, auf andere Methoden. Wenn diese Übertragbarkeit nicht gegeben ist, z. B. aber eine Methode trotzdem angewendet wird, ist der Kulturvergleich durch einen Messfehler behaftet. Berry und Dasen (1974, nach Berry et al., 2002; Warwick & Osheron, 1973; Lavrakas, 2008) schlagen drei Arten der Äquivalenz vor, die berücksichtigt werden müssen: funktionelle, konzeptuelle und metrische Äquivalenz. "
  • Äquivalenz, funktionelle
    "Die funktionelle (auch operationale) Äquivalenz existiert, wenn zwei oder mehrere Verhaltensweisen (in zwei oder mehr kulturellen Systemen) mit gemeinsamen funktionellen Problemen zusammenhängen. Hier stellt sich die Frage, ob die erhobenen Daten Indikatoren für die gleichen zugrunde liegenden Prozesse oder Merkmale sind. Ist die funktionelle Äquivalenz möglich? Außer den demographischen Unterschieden werden auch die unterschiedlichen sprachlichen Konnotationen und Auffassungen eine Rolle spielen. Dazu kommt noch (Jahoda, 1979; Smith & Bond, 1998), dass die kulturellen Differenzen eigentlich auch zum Gegenstand der Sozialpsychologie gehören (Van de Vijver & Leung, 1997; Smith & Bond, 1998; Berry et al., 2002; Segall et al., 1999) und dass Theorien fehlen, die speziell für die Kulturvergleichende Psychologie entwickelt worden sind."
  • Äquivalenz, konzeptuelle
    Die konzeptuelle Äquivalenz bezieht sich darauf, dass die Bedeutungen des Untersuchungsmaterials (Stimuli, Konzepte, usw.) oder des Verhaltens äquivalent sind, noch bevor ein Vergleich möglich ist (Sears, 1961). Die grundlegende Frage hier lautet: Sind der „Inhalt“ und die Bedeutung des untersuchten Konstruktes gleich?
  • Äquivalenz, metrische
    Die metrische Äquivalenz ist gegeben, wenn die psychometrischen Eigenschaften von zwei (oder mehreren) Sets von Daten aus zwei (oder mehreren) kulturellen Gruppen die gleiche tatsächliche Kohärenz der Struktur aufweisen. Dazu zählt auch die Skalenäquivalenz (Sind die Ausprägungsgrade des gemessenen Konstruktes auf derselben Skala abbildbar?) und die Erhebungsäquivalenz (Hat jedes untersuchte Individuum die gleiche Chance zu den gleichen Antworten oder Lösungen zu gelangen?).
  • Bias
    Systematische Effekte der kognitiven Prozesse, die die Wahrnehmung, Denkprozesse, Erinnerungen und Urteile in eine bestimmte Richtung verzerren.
  • Biomedizinisches Modell
    Das biomedizinische Modell stammt aus dem 19. Jahrhundert. Es definiert Krankheit und Gesundheit vollständig als naturwissenschaftlich objektivierbare Zustände biologischer Organismen. Gesundheit ist definiert als die Abwesenheit von Krankheit. Krankheiten sind diesem Modell nach ausschließlich genetisch oder durch externe Ursachen in Form von Krankheitserregern begründet (Knoll et al., 2017).
  • Biopsychosoziale Modell
    "Das biopsychosoziale Modell nach Engel (1977) nimmt eine wechselseitige Beeinflussung von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren an, die zusammen Krankheiten bestimmen. Der Erkrankte nimmt in diesem Modell eine aktive Rolle ein und beeinflusst selbst Erhaltung und Förderung seines Gesundheitszustandes. Gesundheit wird so auch nicht als reine Abwesenheit von Krankheit definiert, sondern als „positiver funktioneller Gesamtzustand im Sinne eines dynamischen biopsychologischen Gleichgewichtszustandes, der erhalten bzw. immer wieder hergestellt werden muss“ (WHO, 1993; Knoll et al., 2017). Diese Definition wird häufig auch als kulturübergreifende beziehungsweise universelle Grundlage zum Begriff der Gesundheit herangezogen."
  • Contextualised Cognition
    Contextualised Cognition bezeichnet Kognitionsprozesse, die angepasst an den kulturellen Kontext ablaufen.
  • Critical Incident
    Fallbeispiel aus dem (kulturellen) Alltag, in dem eine Situation dargestellt wird, an der man erkennen kann, ob eine Person fähig ist, sich in einer Kultur zurechtzufinden. Critical Incidents werden häufig in Trainings und zur Verdeutlichung von Kulturellen Unterschieden eingesetzt.
  • Critical-Incidents-Methode
    Methode zur Identifizierung von Eigenschaften einer Person, die für das erfolgreiche Bewältigen einer bestimmten Situation, zum Beispiel im Interkulturellen Kontakt, entscheidend sind.
  • Cultural Assimilator
    Ein erweiterter Critical Incident, in dem am Ende ein paar mögliche Erklärungen für das Verhalten der Personen im Fallbeispiel geliefert werden. Diese Erklärungen sollen kulturfremden Personen möglichst plausibel erscheinen und ermöglichen so die Überprüfung, ob Personen die Kulturunterschiede verstanden haben.
  • Culture-free-Hypothesis
    Der Culture-free hypothesis von Berry et al. (2012) folgend, sind situationsbezogene Bedürfnisse die wichtigsten Determinanten organisatorischen Wandels. Kulturelle Effekte werden nach Berry et al. (2012) überdeckt durch stärkere Effekte. Internationale Vergleichsstudien zu Organisationen gleicher Größe und Branche deuten auf größere Unterschiede hin (Berry et al., 2012).
  • Derived etic
    Eine Forschungsperspektive der Kulturvergleichenden Psychologie. Diese Perspektive akzentuiert darauf, dass ähnliche Emic-Ansätze in mehreren Kulturen anzutreffen sind, wobei die Ambition, psychologische Universalien (eben eine Universalpsychologie) zu schaffen, den Kern dieser Perspektive darstellt.
  • Differenzierung des Marketings
    Eine Strategie, bei der das Marketingkonzept an die kulturspezifischen Besonderheiten vor Ort angepasst wird. Das ist mit einem höheren Aufwand verbunden.
  • Display Rules
    Kulturelle Normen über die situationsspezifische Angemessenheit bestimmte Emotionen in einer spezifischen Ausprägung zu zeigen. Z. B. lächeln, wenn man ein Geschenk erhält.
  • Dispositionen
    Andere Bezeichnung für die Persönlichkeitseigenschaften einer Person.
  • Distanzzone
    Der übliche und angenehme Abstand zwischen zwei Personen in einer Kommunikationssituation.
  • Diversity
    "Im Ansatz der Diversity werden Mitglieder anderer Kulturen als Bereicherung und nicht als Bedrohung aufgefasst. Das Konstrukt Diversity kann sich auf unterschiedliche Aspekte beziehen wie beispielsweise Geschlecht, Alter, Nationalität und Religion (Rühl, 2016; Krell, 2008). Ob Diversity positive oder negative Effekte mit sich bringt, hängt vor allem damit zusammen, wie Diversity interpretiert wird. Das objektive Ausmaß der Diversity einer Gruppe kann anhand verschiedener Merkmale klassifiziert werden (offensichtlich vs. weniger offensichtlich; soziodemografisch vs. aufgabenbezogen) (Sackmann et al., 2002). "
  • Diversity Management
    Diversity Management stammt aus den USA und bedeutet übersetzt Vielfaltsmanagement. Der Fokus dabei liegt auf der Vielfalt der Mitglieder in einer Organisation, wobei die Vielfalt auf unterschiedliche Maße beziehen kann. Hierzu zählen beispielsweise Geschlecht, Alter, Nationalität, Ethnizität und Religion
  • Einfluss der Kultur auf die Gesundheit
    Nach Tseng (2006) besteht der Einfluss der Kultur aus sechs Bereichen:
    - pathogener Effekt (kultureller Glaube erzeugt Stress),
    - pathoselektiver Effekt (wegen der Kultur werden spezielle, schädliche Copingstrategien gewählt),
    - pathoplastischer Effekt (die Kultur ändert die Erscheinungsform),
    - pathoelaborationaler Effekt (wegen der Kultur werden Funktionsstörungen auf eine bestimmte Art bearbeitet)
    - pathofazilitärer Effekt (die Kultur fördert die Häufigkeit des Auftretens einer Störung) und
    - pathoreaktiver Effekt (die Kultur formt die Reaktion auf klinische Gegebenheiten).
  • Emic-Perspektive
    Eine Forschungsperspektive der Kulturvergleichenden Psychologie. Diese Perspektive stellt das lokale Wissen und lokale Interpretationen in den Vordergrund.
  • Emotionen
    Emotionen sind nicht klar definiert. Emotionen zeichnen sich durch eine Kombination physiologischer, kognitiver und motorischer Reaktionen aus, die für eine bestimmte Emotion typisch sind.
  • Empfindung
    Subjektive affektive Zuschreibungen zu Repräsentationen
  • Enkulturation
    Der Prozess der Aneignung der Kultur im Rahmen der Sozialisation in der Kindheit.
  • Ethno-Marketing
    Ein Marketingkonzept, das sich spezifisch an Mitglieder einer kulturellen Gruppe richtet.
  • Ethnozentrismus
    "Unter Ethnozentrismus versteht man eine Art Übertreibung beim Urteilen über andere ethnische, rationale und kulturelle Gruppen und Ereignisse aus der Perspektive der eigenen ethnischen, nationalen oder kulturellen Weltanschauung. In der Psychologie wurden viele Theorien unter den Bedingungen einer bestimmten Kultur entwickelt, ohne die kulturellen Unterschiede und deren Spezifik zu beachten. Ethnozentrismus verzerrt unsere Wahrnehmung von anderen Ländern und sozialen Gruppen. Er ist eine Verformung der Realität. In den meisten Fällen ist Ethnozentrismus eine negative Wertung aus der Position einer kulturellen Mehrheit heraus, deren Normen und Werte akzeptiert sind. Diese Mehrheit hat mehr Einfluss, da sie auf der Mehrheitsseite ist und dadurch über Macht über die anderen Mitglieder verfügt (Shiraev & Levy, 2000; Liebermann & Gamst, 2015)."
  • Etic-Perspektive
    Eine Forschungsperspektive der Kulturvergleichenden Psychologie. Diese Perspektive wird als wichtiger angesehen, da sie die relativen Variationen im Kulturkontext aus Variationen im Verhalten ableitet (Pike, 1967, nach Segall et al., 1999).
  • Everyday Cognition
    Everyday cognition beschreibt, dass Individuen in den Dingen gut sind, die für sie wichtig sind und welche sie häufig ausüben.
  • Expatriates
    Bezeichnung für Mitarbeiter, die für eine längere Zeit, ins Ausland entsendet werden.
  • Gesundheit
    Nach der World Health Organisation (1978) ist Gesundheit ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. In verschiedenen Kulturen kann sich das Verständnis von dem Begriff unterscheiden (Helman, 2008), z. B. bedeutet in der chinesischen Medizin Gesundheit, dass es ein Ungleichgewicht zwischen negativen und positiven Kräften gibt (Berry et al., 2012).
  • Gesundheitsverhalten
    Gesundheitsverhalten beschreibt Verhalten, Handlungen oder Gewohnheiten mit dem Ziel der Erhaltung, Wiederherstellung oder Verbesserung des Gesundheitszustandes.
  • Globe
    Das Global Leadership and Behavioral Effectiveness Projekt ist eine äußerst bekannte und großangelegte Studie, die die Führungsstile und Werte in 62 Ländern in Unternehmen vergleicht.
  • Holistische Betrachtung
    Sichtweise, die typisch für high-context-Kulturen ist. Wenn eine Situation oder eine Aussage holistisch beurteilt wird, wird nicht nur das tatsächlich Gesagte in Betracht gezogen, sondern insbesondere auch die Umstände, die diese Aussage beeinflusst haben könnten. Eine holistische Betrachtung nimmt eine Situation also ganzheitlich in den Fokus.
  • Human Relation Area Files (HRAF)
    Kulturvergleichender Datensätze, die im Internet verfügbar sind und ständig aktualisiert werden.
  • Idiozentrismus
    Idiozentrismus bezeichnet die Neigung zum Individualismus anstelle zu einer Kultur. Die Person möchte sich also keine vorgegebenen (kulturspezifischen) Werte und Normen aneignen.
  • Illusorische Korrelation
    Fehlerhafte Überzeugung über das Zusammenhängen zweier Merkmale, weil sie zusammen beobachtet wurden.
  • Implizite Persönlichkeitstheorien
    Alltagspsychologische Annahmen zur Struktur und Zusammenhängen der Persönlichkeit. Ein Beispiel ist, dass ein Brillenträger automatisch intelligent ist.
  • Imposed etic
    Eine Perspektive in Kulturvergleichen, in denen kulturspezifische Vorstellungen und Ideen ohne Prüfung der Äquivalenz auf andere Kulturen übertragen werden. Dies hat Beurteilungsfehler zur Folge.
  • Independentes Selbstkonzept
    Selbstkonzept, dass den Menschen als unabhängig von anderen und selbstständig ansieht und in individualistischen Kulturen verbreitet ist.
  • Integrationsparadox
    Es gibt einen negativen Zusammenhang zwischen erfolgreicher Integration und Bildung.
  • Inter-
    Prozesse zwischen verschiedenen Personen des folgenden Objekts.
  • Interdependentes Selbstkonzept
    Selbstkonzept, dass das soziale Umfeld und Beziehungen einschließt und in kollektivistischen Kulturen verbreitet ist.
  • Intergruppenkontakt
    Eine Bezeichnung für den Kontakt zwischen Gruppen, der gemäß der Kontakthypothese zu einem Abbau von Vorurteilen führen kann.
  • Interkulturalität
    Interkulturalität bezieht sich auf Überschneidungen in der Interaktion von Mitgliedern unterschiedlicher Kulturen und kann Missverständnisse und Konflikte aufgrund der Kulturunterschiede zur Folge haben.
  • Intra-
    Prozesse innerhalb des folgenden Objekts.
  • Invarianz von Daten/Methoden/Verhalten
    Wenn eine Invarianz z. Bsp von Verhalten vorliegt, dann bedeutet das, dass diese Verhaltensweisen sich nicht über mehrere Kulturen hinweg unterscheiden.
  • Kompetenzen
    Erlernbare Fähigkeiten, die in den unterschiedlichsten Situationen Anwendung finden können.
  • Kulturdimensionen
    Bemühungen, Kulturen nach ihrer Ausprägung auf bestimmten Ebenen zu klassifizieren. Die ermittelten Dimensionen bedingen häufig viele andere kulturelle Unterschiede.
  • Kulturelle Enge (Cultural Tightness)
    Kulturelle Dimension, die die Bedeutung von sozialen Normen und die Wirkung von sozialen Sanktionen in den Fokus nimmt
  • Kulturelle Intelligenz
    Die Kulturelle Intelligenz ist ein Forschungsansatz der interkulturellen Psychologie, in dem erlernte kulturelle Kompetenzen und die sozialen Identität zusammengefasst werden.
  • Kulturelle Patterns
    Fachbegriff aus der Forschung, der wiederkehrende Muster und Gemeinsamkeit innerhalb einer Kultur beschreibt. Insbesondere Individualismus und Kollektivismus werden als kulturelle Patterns bezeichnet, da sich viele Kulturunterschiede auf diese Dimensionen zurückführen lassen.
  • Kulturelle Universalien
    Kategorien, Phänomene und Muster die in allen Kulturen auftauchen. Die Kulturellen Universalien machen den Kulturvergleich erst möglich.
  • Kultureller Relativismus
    Ein Paradigma der Kulturvergleichenden Psychologie. Im Relativismus wird das menschliche Verhalten als kulturell bedingt betrachtet. Es ist ein Streben nach dem Vermeiden von Ethnozentrismus und ein Versuch, die Menschen in ihren eigenen Begriffen zu verstehen. Die Erklärung der Vielfalt von Denk- und Verhaltensmustern beruht auf den kulturellen Mustern, in denen eine Person sich entwickelt hat. Vergleiche werden deshalb als problematisch bzw. ethnozentrisch angesehen und deshalb vermieden. Dieses Paradigma repräsentiert die Emic-Orientierung.
  • Kultureller Universalismus
    "Ein Paradigma der Kulturvergleichenden Psychologie. Das Universalismus-Paradigma fasst die beiden Perspektiven des Relativismus und des Absolutismus zusammen. Der Universalismus setzt voraus, dass die Grundmerkmale der menschlichen Natur für alle gleich sind (insbesondere psychologische Konstrukte). Die Kultur beeinflusst die Entwicklung und die Repräsentation dieser Merkmale. In diesem Sinne bringt die Kultur die unterschiedlichen Variationen dieser Merkmale und Bereiche mit sich. Die Einschätzungen basieren auf vorausgesetzten Prozessen, aber die Messungen werden in kulturbedingten Versionen interpretiert. Infolge dessen muss man mit Kulturvergleichen vorsichtig umgehen, obwohl viele methodologische Prinzipien die Gütekriterien verbessern. Die Interpretation von Gemeinsamkeiten und Differenzen sind jeweils kulturabhängig (vgl. Van de Vijver & Leung, 1997; House et al., 2004). Diese Orientierung repräsentiert den derived-etic-Ansatz. Das ist auch das Grundmerkmal der meisten Kulturvergleichenden Studien in der Psychologie und somit die aktuelle Anforderung an die Kulturvergleichende Psychologie (z. B. Greenfield, 1997a; Poortinga & Van de Vijver, 1987; Berry et al., 2012). "
  • Kulturschock
    Jeder Interkulturelle Kontakt bringt Verständigungsprobleme mit sich und verursacht dadurch unangenehme Erfahrungen. Die negativen Folgen eines Interkulturellen Kontakts für das Individuum werden in der Literatur mit dem Begriff Kulturschock, also Anpassungsschwierigkeiten bezeichnet.
  • Kulturstandards
    Kulturstandards versuchen die Verhaltensunterschiede zu erklären und eigenes sowie fremdes Verhalten an dem Standard zu beurteilen. Bei den Standards gibt es jedoch oft einen gewissen Toleranzbereich und Verhaltensweisen außerhalb des Bereiches werden abgelehnt oder sogar bestraft.
  • Leader-Member-Exchange Theory
    Die Beziehung des Führenden und Geführten ist in dieser Theorie als wechselseitig beeinflussend zu verstehen. Je nach Vorstellungen über das jeweilige Gegenüber ergeben sich Erwartungen aneinander und daraus die Qualität der Beziehung zueinander. Diese Theorie ist besonders in interkulturellen Führungssituationen hilfreich.
  • Motivation
    Gegenstand der Motivation ist zielgerichtetes Verhalten, dass im Gegensatz zu Reflexen nicht automatisiert stattfindet. Im Fokus stehen Ausrichtung des Verhaltens, Ausdauer und Intensität.
  • Multikulturalismus/Kulturpluralismus
    "Multikulturalismus oder Kulturpluralismus steht für das Streben nach Gleichheit bei der Behandlung von allen sozialen und kulturellen Gruppen. Im Laufe der sozialen Entwicklung und Forschungstendenzen ist bereits der „Standard“ zum Leitprinzip in der vergleichenden Psychologie geworden (Fower & Richardson, 1996; Sear, 1996; nach Shiraev & Levy, 2000). Folglich stellt der Multikulturalismus eine individuelle, psychologische und theoretische Perspektive dar, die nicht nur die Anerkennung von Gleichheit für alle kulturellen und nationalen Gruppen fördert, sondern auch die Idee proklamiert, dass verschiedene kulturelle Gruppen das Recht haben, ihre einzigartige Entwicklung und Aktivität sowie ihre Werte und Normen zu behaupten. Dies sollte besonders für die Gruppen, die als Minderheiten mit anderen nationalen, ethnischen und kulturellen Gruppen zusammen leben, gelten (Shiraev & Levy, 2000; Liebermann & Gamst, 2015). "
  • Multimethodale Forschungen
    In multimethodalen Studien werden Methoden zur Messung eingesetzt. Beispielsweise können Fragebögen und unstrukturierte Interviews kombiniert werden.
  • Nationalcharakter
    Nationalcharakter sind Versuche nationale Kultur anhand der durchschnittlichen Persönlichkeit innerhalb dieser Kultur zu beschreiben.
  • Organisationskultur
    Unter dem Begriff der Organisationskultur wird die Gesamtheit der gemeinsamen Werte, Grundannahmen und Normen der Mitglieder eines Unternehmens verstanden (Needle, 2010). Insgesamt ist Organisationskultur schwer greifbar und unscharf. Allgemein zeigt sie sich eher in gemeinsamen Verhalten als in geteilten Werten.
  • Priming
    Auch Bahnung genannt. Effekt, der die kognitive Verfügbarkeit eines Reizes steigert, weil vorher ein anderer Reiz Assoziationen aktiviert hat. Dieser Effekt kann in Studien zur Erforschung von Assoziationen genutzt werden.
  • Repräsentation
    Objektivierbare Elemente der Wahrnehmung
  • Reverse culture shock/ re-entry-shock
    Nach gelungener Anpassung im Ausland tritt bei der Rückkehr in die Heimat mitunter ein reverse culture shock oder re-entry-shock, also ein zweiter psychischer Tiefpunkt auf. Dieses zweite Tief wird auf die unzureichende Vorbereitung der meisten sojourner (Immigrierende) auf mögliche Probleme zurückgeführt. Denn in der Heimat kann sich in der Zwischenzeit, z. B. im Unternehmen des Rückkehrers, einiges geändert haben.
  • Salienz
    Die Salienz eines Reizes bedeutet, dass ein Reiz aus der Umgebung hervorsticht und deshalb leicht die Aufmerksamkeit an sich zieht.
  • Saphir-Worf-Hypothese
    Die Saphir-Worf-Hypothese geht davon aus, dass die Struktur und Elemente einer Sprache die Kognition beeinflussen.
  • Schlüsselqualifikationen
    Kontextspezifische kognitive Fähigkeiten, die für ein breites Spektrum von Situationen und Anforderungen relevant sind. Dazu gehören z. B. muttersprachliche oder mathematische Kenntnisse.
  • Sinne
    Die subjektiven Wahrnehmungen die durch ein bestimmtes Sinnesorgan entstehen.
  • Soziale Diskriminierung
    Sozial diskriminierendes Verhalten bedeutet, dass unterschiedliche Gruppen unterschiedlich behandelt werden. Eine weitergehende Definition schließt ein, dass bestimmte Gruppen benachteiligt werden.
  • Standardisierung des Marketings
    Eine Strategie, bei der in allen Ländern das gleiche Marketingkonzept eingesetzt wird. Damit ist das Marketing also nicht immer für eine spezifische Kultur optimiert und kann kulturelle Normen und Werte missachten.
  • Stereotype
    Ein Stereotyp ist eine vereinfachende Gruppenbeschreibung und Teil der Einstellungen. Durch die Abstraktion wesentlicher Eigenschaften wird eine Gruppe charakterisiert.
  • Theoretics
    "Der Begriff theoretics (Naroll, 1971, nach Triandis et al., 1980; House et al., 2004) ist mit dem Niveau der Analyse verbunden, wobei allgemeine Prinzipien der Analyse formuliert werden, damit man die systematische Variation, aber auch die Invarianz des menschlichen Verhaltens betrachten und erklären kann. Berry (1980) definiert theoretics als „theoretical concepts employed by social scientists to interpret and account for emic variation and etic constancies“. "
  • Traits
    Anderer Begriff für Persönlichkeitseigenschaften.
  • Verhaltensausdauer
    Die Durchhaltekraft, ein bestimmtes Ziel zu verfolgen.
  • Verhaltensausrichtung
    Die zielgerichtete Steuerung des eigenen Verhaltens.
  • Virtuelle Teams
    Durch die Zunahme globaler Aktivitäten durch Unternehmen hat sich eine neue Form der Teamarbeit entwickelt, die virtuellen Teams. Sie agieren auch über große Distanzen, Zeitdifferenzen und organisationale Grenzen hinweg und stehen deshalb besonders stark unter dem Einfluss kultureller Unterschiede.
  • Viszerale Erregung
    Körperlich, physiologische Erregung.
  • Vorurteile
    Vorurteile werden typischerweise definiert als negative (im Sozialisierungsprozess) gelernte Einstellungen bzw. als die negative Bewertung von Gruppen(-mitgliedern) und die damit einhergehenden negativen Gefühle und Verhaltenstendenzen (Bierhoff & Frey 2006).
  • Wahrnehmung
    Der Begriff Wahrnehmung beschreibt den „Vorgang der unmittelbaren und aktiven Teilhabe des Geistes an seiner Umgebung“ (Ansorge & Leder, 2017, S. 1) mithilfe der Sinnesorgane und der anschließenden kognitiven Verarbeitung.
  • Werte
    Werte sind Neigungen von Menschen, bestimmte Konzepte oder Ideen als besonders wichtig zu betrachten. Ein Ansatz der Kulturvergleichenden Psychologie ist es die vorherrschenden Werte in verschiedenen Kulturen zu vergleichen.
  • Absolutismus
    Ein Paradigma der Kulturvergleichenden Psychologie. Absolutismus setzt voraus, dass die psychologischen Phänomene in allen Kulturen in qualitativer Perspektive gleich sind (z. B. Depression ist Depression, Liebe ist Liebe, Berry et al., 2012). Damit ist gemeint, dass Kultur nur eine kleine oder gar keine Rolle für die menschlichen Eigenschaften spielt. Deshalb erfolgt das Erforschen des menschlichen Verhaltens durch standardisierte Instrumente (es ist eben nur eine sprachliche Übertragung bzw. Übersetzung erforderlich - imposed etic-Ansatz). Dies ist die frühere psychologische Perspektive, die später sehr kritisiert und infolgedessen auch verworfen wurde.