Psychologie der Persönlichkeit

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Psychologie der Persönlichkeit

ISBN: 
978-3-662-54941-4

Dieser Lehrbuch-Klassiker der Differenziellen Psychologie und Persönlichkeitspsychologie bietet alles, was Studierende und Lehrende für das Studium benötigen: Das gesamte Prüfungswissen anschaulich und lernfreundlich aufbereitet, vielfältige Online-Zusatzmaterialien sowie praxisnahe Bezüge zum Alltagsleben, Gesellschaft und Berufswelt. – Wer ist ein guter Partner? Wie wird interkulturelles Training gestaltet? Wie geht man mit schüchternen Kindern um? Was ist soziale Kompetenz? – Alles, was den Menschen ausmacht, finden Sie in diesem Buch!

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BegriffErklärung
abhängige Persönlichkeitsstörung (dependent personality disorder)Unselbstständigkeit, anklammerndes Verhalten, Angst vor Alleinsein
Abwehrmechanismus (defense mechanism)Form des Ich-Umgangs mit bedrohlichen inneren und äußeren Reizen
Adoptionsmethode (adoption method)indirekte Einflussschätzung durch den Vergleich von Adoptivgeschwistern und normalen Geschwistern
affektiv (affective)gefühlsmäßig
Affektivität (affectivity)Neigung zu häufigen oder intensiven Gefühlen positiver oder negativer Art
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Frage 1 von 234
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  • Welche Struktur weist die Alltagspsychologie nach Laucken auf?

    Lösung

    Laucken unterschied zwei Komponenten alltagspsychologischer Erklärungen: die naive Prozesstheorie, die aus Vorstellungen über aktuell ablaufende Prozesse der Informationsverarbeitung besteht (Wahrnehmungsprozesse, kognitive, motivationale und emotionale Prozesse bis hin zu Prozessen der Verhaltensaktivierung); die naive Dispositionstheorie, die aus Vorstellungen über Dispositionen besteht, d. h. überdauernden Merkmalen der Person, die für ihr Verhalten verantwortlich gemacht werden (z. B. Wissensbestände, Fähigkeiten, Temperamentsmerkmale, Interessen).
  • Was versteht man unter einer Disposition, was unter einer Dispositionshierarchie?

    Lösung

    Eine Disposition ist ein Merkmal einer Person, das eine mittelfristige zeitliche Stabilität aufweist; lässt eine Person in bestimmten Situationen ein bestimmtes Verhalten zeigen; ist nicht direkt beobachtbar, sondern nur aus den beobachtbaren Verhaltensregelmäßigkeiten einer Person erschließbar.
  • Welche Dispositionen und körperlichen Merkmale sind aus Sicht der Alltagspsychologie keine Persönlichkeitseigenschaften?

    Lösung

    Universelle Merkmale z.B. Fähigkeit zur Sprache, Fähigkeit zur eigenständigen Lebenserhaltung, ...
  • Welchen Kriterien sollen erfahrungswissenschaftliche Paradigmen genügen?

    Lösung

    (1) Explizitheit (2) Widerspruchsfreiheit (3) Vollständigkeit (4) Sparsamkeit (5) Produktivität (6) Anwendbarkeit (7) Empirische Verankerung (8) Empirische Prüfbarkeit
  • Welchen Nutzen hat die Alltagspsychologie der Persönlichkeit im Alltag?

    Lösung

    Einfache, schnelle und robuste Anwendbarkeit auf alltägliche
    Probleme der Verhaltenserklärung und -vorhersage. Die Alltagspsychologie der Persönlichkeit erlaubt es, uns auf die individuellen Besonderheiten anderer einzustellen und unseren Nutzen – oder einen gemeinsamen Nutzen – daraus zu ziehen. Sie ist intuitiv anzuwenden und enthält die detaillierte Vorstellung darüber, wie Verhaltensregelmäßigkeiten zustande kommen.
  • Warum ist die Alltagspsychologie für die Persönlichkeitspsychologie wichtig?

    Lösung

    Psychologen laufen einerseits ständig Gefahr, alltagspsychologische Konzepte mit wissenschaftlichen Begriffen zu verwechseln.
  • Welche Beziehungen bestehen nach Freud zwischen den drei psychischen Instanzen und den drei Bewusstseinsebenen?

    Lösung

    Das Seelenleben finde auf drei Ebenen psychischer Prozesse statt: unbewusste, vorbewusste, bewusste Ebene. Es gibt drei psychische Instanzen: Über-Ich, Ich und Es. Die gesamten Inhalte und Aktivitäten des Es seien unbewusst, ebenso Teile des Über-Ich und des Ich. Andere Teile des Über-Ich und Ich seien vorbewusst oder bewusst.
  • Sind Es, Ich und Über-Ich Konstrukte im erfahrungswissenschaftlichen Sinn?

    Lösung

    Eine empirische Verankerung ist nicht gegeben. Zusammen mit der Überbetonung irrationaler Prozesse ergibt sich ein verzerrtes Menschenbild, das dem heutigen Wissen über die irrationalen und rationalen Seiten menschlichen Erlebens und Verhaltens nicht entspricht.
  • Welche Beziehungen bestehen nach Freud zwischen den drei frühkindlichen Entwicklungsstufen und dem Charakter von Erwachsenen?

    Lösung

    Der Charakter (die Persönlichkeit) eines Menschen werde durch die individuelle Verarbeitung der frühkindlichen Entwicklungsphasen bestimmt. Ließen die Eltern eine zu große Triebbefriedigung zu oder schränkten sie diese zu sehr ein, komme es zu einer Fixierung der frühkindlichen Triebimpulse, die den Charakter fortan bestimmten. Orale Fixierung resultiere beispielsweise in übermäßiger Abhängigkeit von anderen und übermäßigem Trinken, Essen oder Rauchen. Anale Fixierung führe zu einem zwanghaft ordentlichen, pedantischen und geizigen Charakter. Die Bedeutung der phallischen Phase liege vor allem in der Verarbeitung des Ödipuskonflikts. Bei unzureichender Lösung resultiere ein Charakter, der durch einen „Ödipuskomplex“ gekennzeichnet sei. Z.B. können „machohaftes“ Gehabe und übertriebenes Erfolgsstreben im Beruf sei eine Fortsetzung der frühen Rivalität zum Vater mit anderen Mitteln darstellen.
  • Was wehren Abwehrmechanismen wie ab?

    Lösung

    Neurotische Angst: Bei Projektion würden die angsterregenden Impulse anderen Personen unterstellt (auf sie „projiziert“). Bei der Verschiebung würden die angsterregenden Impulse auf andere Objekte der Triebbefriedigung verschoben. Bei der Reaktionsbildung würden die angsterregenden Impulse ins Gegenteil verkehrt. - Realangst: Bei der Verleugnung würden reale Gefahren verleugnet. Bei der Rationalisierung werde inakzeptables eigenes Verhalten vor anderen oder sich selbst so umgedeutet, dass es akzeptabel erscheint. Manche Menschen reagieren bei einem Trauma mit Regression, d.h. mit Rückzug auf eine frühkindliche Entwicklungsstufe, erkennbar an entsprechend unreifem Verhalten. – Moralische Angst: Sublimierung wehrt innere Reize ab durch Befriedigung der Triebimpulse durch akzeptable Ersatzhandlungen, z.B. wenn das Ich Ansprüchen des Über-Ich nicht genügen kann.
  • Ist die klassische psychoanalytische Methodik akzeptabel als Methode der Erfahrungswissenschaft?

    Lösung

    Nein, weil psychoanalytische Konzepte häufig immun gegenüber empirischen Daten sind. Konkret bedeutet dies, dass fast alles und damit auch sein Gegenteil in einer für Analytiker und Patienten akzeptablen Weise gedeutet werden kann. Diese Immunisierung kann Analytiker in dem Glauben bestärken, recht zu haben, und verstärkt wegen ihrer Autorität als Experten suggestive Wirkungen auf die Patienten, die sich im Laufe der Therapie dann immer konformer mit den Erwartungen der Analytiker verhalten.
  • Welche Bedeutung hat die Psychoanalyse für die heutige empirische Persönlichkeitspsychologie?

    Lösung

    1. Konzept unbewusster Prozesse und implizite Kognitionen: Inzwischen kann kein Zweifel mehr daran bestehen, dass der weitaus größte Teil der menschlichen Informationsverarbeitung faktisch unterhalb der Bewusstseinsschwelle verläuft. 2. Abwehrmechanismen: Erwachsene unterscheiden sich in ihrem Umgang mit bestimmten äußeren Bedrohungen, wobei sich die von Freud postulierten Abwehrmechanismen weitgehend wiederfinden lassen. So gibt es einige empirische Hinweise darauf, dass Abwehr innerer Bedrohungen tatsächlich stattfindet und dass sich Menschen im bevorzugten Abwehrstil inneren Bedrohungen gegenüber unterscheiden (Beispiel: Verdrängung). 3. Frühe Objektbeziehungen: Die Bedeutung früher Beziehungserfahrungen wird heute noch in der Bindungstheorie thematisiert. Sie werden als interne Arbeitsmodelle kognitiv repräsentiert und erklären individuelle Unterschiede im Bindungsverhalten.
  • Mit welchen individuellen Besonderheiten beschäftigt sich die Persönlichkeitspsychologie nicht? Geben Sie Beispiele.

    Lösung

    Instabile Merkmale, nicht verhaltensrelevante körperliche
    Merkmale, pathologische Merkmale (z.B. Emotionen, Körperbauformen, Persönlichkeitsstörungen).
  • Ein Wissenschaftler führt eine Studie an 100 Personen als Beleg seiner These an, dass Schönheit und IQ nicht zusammenhängen, ein Praktiker seine jahrzehntelange Erfahrung in der Personalauswahl, dass es einen positiven Zusammenhang gibt. Wer hat Recht?

    Lösung

    Urteil des Praktikers beruht auf horizontaler Koppelung von Schönheit und IQ, individuelle Erfahrung ist in empirischer Wissenschaft irrelevant.
  • Welche inhaltlichen Fragestellungen entsprechen den vier methodischen Ansätzen im Schema von Stern?

    Lösung

    1. Variationsforschung: Wie variiert die Ausprägung von Extraversion zwischen Personen? 2. Korrelationsforschung: Wie hängen Attraktivität und Intelligenz über verschiedene Personen zusammen. Oder wie kovariiert die Ausprägung von Aggressivität von Kindern über verschiedene Situationen hinweg (transsituative Konsistenz). 3. Psychographie: Wie variieren verschiedene Aspekte der Intelligenz innerhalb einer Person (z.B. verschiedene Untertests des Wechsler Intelligenztests). 4. Komparationsforschung: Wie ähnlich sind sich verschiedene Personen in ihren Persönlichkeitsprofilen (z.B. in Q-Sort Profilen).
  • Wer erweiterte auf welche Weise Sterns Schema, um Situationen oder Zeitpunkte einzubeziehen?

    Lösung

    Cattell erweiterte das Sternsche Schema um eine dritte zeitliche Dimension von Messgelegenheiten, um die Stabilität von Persönlichkeitsmerkmalen und Persönlichkeitsprofilen untersuchen zu können.
  • Können Eigenschaftsunterschiede stabil sein, obwohl sich die Merkmalswerte aller Personen ändern?

    Lösung

    Die Eigenschaft ist stabil, wenn die Eigenschaftsunterschiede zwischen den Personen sehr ähnlich bleiben. Dies kann selbst dann der Fall sein, wenn alle Personen sich in gleicher Weise ändern.
  • Wer stieß zuerst auf das Problem der niedrigen transsituativen Konsistenz und wodurch?

    Lösung

    Hartshorne und May (1928) prüften die Ehrlichkeit von Schülern in verschiedenen Situationen (z.B. im Klassenzimmer, beim Sport oder bei den Hausaufgaben, indem sie Mogeln, Lügen und Stehlen beobachteten, das sie gezielt provoziert hatten). Zudem ließen sie „Lügenskala“ ausfüllen. Aus der Ehrlichkeit in einer Situation ließ sich die Ehrlichkeit in einer anderen Situation oder der Gesamtwert der Lügenskala kaum besser als der Zufall vorhersagen.W
  • Welche Kritik übte Mischel (1968) am Eigenschaftsparadigma und warum irrte er sich?

    Lösung

    Walter Mischel (geb. 1930) zog aus der niedrigen transsituativen Konsistenz von Verhaltensunterschieden zwischen Personen den Schluss, dass Verhalten sehr viel stärker durch Situationen als durch Persönlichkeitseigenschafen bedingt sei. Deshalb behauptete er, dass das Konzept der Persönlichkeitseigenschaft und der Persönlichkeit eine Fiktion der Alltagspsychologie sei und in der Wissenschaft keinen Platz habe. Seine Kritik beruhte jedoch auf einem Fehlschluss. Denn Verhalten kann stark situationsabhängig sein, aber dennoch kann die hierfür verantwortliche Eigenschaft transsituativ hoch konsistent sein, nämlich dann, wenn die Rangfolge der Personen innerhalb aller Situationen ähnlich ausfällt.
  • Durch welche Studie wurde die Konsistenzdebatte beigelegt?

    Lösung

    Die Konsistenzdebatte wurde mit der Studie von Shoda et al. (1994), die zeigten, dass zeitlich stabile Situationsprofile in verbaler Aggressivität mit einer niedrigen transsituativen Konsistenz von Aggressivität vereinbar sind. [Sie] ließen 53 Kinder in einem 6-wöchigen Ferienlager durch zahlreiche trainierte Beobachter intensiv beobachten. Unter anderem wurden verbale Aggressionen in fünf verschiedenen Situationstypen beobachtet. Obwohl die transsituative Konsistenz verbaler Aggressivität niedrig ausfiel, zeigten die Kinder zeitlich stabile individualtypische Situationsprofile; z.B. reagierte eine Gruppe von Kindern besonders stark auf Erwachsene, andere besonders stark auf Gleichaltrige. Diese Situationsprofile beschreiben Eigenschaften der Kinder, denn sie waren ja zeitlich stabil.
  • Wer stieß zuerst auf das Problem der niedrigen Reaktionskohärenz des Verhaltens und wodurch?

    Lösung

    Schon Lacey zeigte in Untersuchungen zu physiologischen Stressreaktionen, dass die Reaktionskohärenz physiologischer Stressreaktionen wie z. B. Herzrate, Blutdruck und Schwitzen ein ähnliches Problem aufwarf wie die transsituative Konsistenz: Sie war nahe Null und damit sehr viel niedriger als ursprünglich erwartet.
  • Warum ist der idiographische Ansatz für die Persönlichkeitspsychologie nicht ausreichend?

    Lösung

    Idiografische Analysen können individuelle Dispositionen eines Menschen beschreiben, nicht aber Aussagen über individuelle Besonderheiten machen.
  • Sind nomothetischer und idiographischer Ansatz in der Persönlichkeitsforschung Gegensätze?

    Lösung

    Die Persönlichkeitspsychologie sollte beide Ansätze kombinieren: reiche idiographische Daten mit interindividuellen Vergleichen, z.B. Einzelfallanalysen auf der Basis von Tagebuchdaten im Vergleich zwischen vielen Personen.
  • Welche Quellen für Persönlichkeitsunterschiede gibt es im Informationsverarbeitungsparadigma? Nennen Sie konkrete Beispiele!

    Lösung

    Perso_nlichkeitseigenschaften beruhen nach diesem Paradigma auf zwei unterschiedlichen Quellen: auf individualtypischen, zeitlich stabilen Parametern informationsverarbeitender Prozesse (z. B. Geschwindigkeit, Schwelle der Auslösung oder Intensität einer Reaktion, Kapazität des Arbeitsgedächtnisses) und auf individualtypischen Gedächtnisinhalten im (zeitlich stabilen) Langzeitgedächtnis.nf ver
  • Warum gelang Jensen und Nettelbeck, was Galton misslang?

    Lösung

    In beiden Fällen [Jensen; Nettelbeck] wird hauptsächlich die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung bei einfachen Aufgaben gemessen („mental speed“). Diese Aufgaben sind denen von Galton durchaus ähnlich; ein entscheidender Unterschied ist jedoch, dass jede Person sehr viel mehr Testdurchgänge machen muss, sodass Schwankungen der Leistung „weggemittelt“ werden können und so die individuelle Fähigkeit sehr viel genauer erfasst wird.
  • Wie informativ sind Befunde, die einen Zusammenhang zwischen Testintelligenz und Kapazität des Arbeitsgedächtnisses zeigen?

    Lösung

    Der Informationsgehalt von derartigen Befunden ist begrenzt, da Gedächtniskapazität durch Tests erfasst wurde, die selbst wiederum elementares schlussfolgerndes Denken erfordern, sodass die Operationalisierungen der Gedächtniskapazität und der Intelligenz nicht unabhängig waren.
  • Wodurch unterscheiden sich impulsive von reflektiven Prozessen?

    Lösung

    Informationsverarbeitungsprozesse lassen sich in impulsive und reflektive Prozesse gliedern, die parallel ablaufen und Verhalten als gemeinsame Endstrecke haben. Impulsive Prozesse nutzen assoziative Strukturen und führen ständig und automatisch zu Verhaltensimpulsen und Gedächtnisbildung über ausgeführtes Verhalten. Phasenhaft zugeschaltete reflektive Prozesse verarbeiten propositionale Strukturen und sind die Voraussetzung für die rationale Analyse und Reflektion; sie können zu willentlichem Verhalten und langanhaltenden Denk- und Handlungsprozessen führen. Die beiden Systeme können unterschiedliches, teilweise auch sich widersprechendes Verhalten anregen.
  • Wie lassen sich explizite und implizite Einstellungen erfassen? Bitte erklären Sie die Methoden.

    Lösung

    (a) Fragebogen: Direkte Erfragung der Einstellung, z.B. im Interview oder per Fragebogen; (b) Priming: Bei der Primingtechnik wird untersucht, ob die Reaktion auf einen Reiz die Reaktion auf einen nachfolgenden Reiz beeinflusst. Dies kann z. B. durch eine U_bertragung der Bewertung eines Einstellungsobjekts auf einen nachfolgenden Reiz geschehen, aber auch durch eine Erleichterung oder Erschwerung der nachfolgenden Reaktion; (c) Impliziter Assoziationstest: Das Verfahren basiert auf der Annahme, dass es Personen leichter fällt, auf miteinander assoziierte Konzepte (z. B. Assoziation zwischen jung – positiv und alt – negativ) mit derselben Antwort zu reagieren anstatt auf miteinander nicht assoziierte Konzepte (z. B. jung – negativ, alt – positiv).
  • Wann sind IATs dem affektiven Priming überlegen?

    Lösung

    Primingeffekte sind meist schwach, und beim Vergleich von einzelnen Personen zeigten sich keine stabilen Unterschiede in der Stärke der impliziten Einstellungen. Die Methode ist unzuverlässig, um Persönlichkeitsunterschiede zu erfassen. Sie ist lediglich geeignet, um mittlere Tendenzen in größeren Gruppen von Personen zu erfassen. Wenn es um Unterschiede zwischen einzelnen Personen geht ist der IAT dem Priming überlegen.n;
  • Sind die klassischen Lerngesetze universell gültig?

    Lösung

    Nein, es gibt genetische Prädispositionen zum Lernen bzw. zur individuellen Lernbereitschaft. Genetischer Einfluss und Lernen können nicht als unabhängig betrachtet werden: Was wie leicht gelernt wird, kann genetisch vorbestimmt sein. Diese genetischen Prädispositionen zum Erlernen bestimmter Lerninhalte widersprechen der behavioristischen Annahme, dass Lerngesetze universell seien.
  • Welche Schwierigkeiten ergeben sich bei der Erklärung von Eigenschaften durch die Lerngeschichte?

    Lösung

    Versuche, die Lerngeschichte durch Befragung der Betreffenden retrospektiv zu rekonstruieren, sind wegen Gedächtnisverzerrungen bei den Befragten äußerst problematisch; hier besteht eine Parallele zur Rolle der Kindheitserinnerungen in der Psychoanalyse. d
  • Sind Korrelationen zwischen Persönlichkeit und Umwelt immer rein umweltbedingt?

    Lösung

    Nein. Aktive, passive und reaktive Genom-Umwelt-Korrelationen sind alternative Möglichkeiten (Plomin et al., 1977). (1) Aktive Genom-Umwelt-Korrelation entsteht, indem Menschen aus genetischen Gründen bestimmte Umwelten suchen oder schaffen. (2) Reaktive Genom-Umwelt-Korrelation entsteht, indem andere Menschen auf genetisch beeinflusste Persönlichkeitsmerkmale reagieren und dadurch bestimmte Umwelten schaffen. (3) Passive Genom-Umwelt-Korrelation entsteht bei Kindern, die mit genetisch Verwandten aufwachsen, schon dadurch, dass sich aktive oder reaktive Genom-Umwelt-Korrelationen dieser Verwandten auf das Kind genetisch übertragen.
  • Worin unterscheiden sich die Modelle der Umweltdetermination, der Entfaltung, der Kodetermination und der dynamischen Interaktion?

    Lösung

    (1) Das Modell der Umweltdetermination entspricht der behavioristischen Auffassung, dass Menschen Opfer ihrer Umwelt sind. Wie jemand auf seine aktuelle Umwelt reagiert, sei mit Ausnahme weniger Reflexe ausschließlich erklärbar durch seine Lerngeschichte, die wiederum durch die Umwelt festgelegt sei. Was bei Betrachtung der Person als Entwicklung erscheine, sei vollständig rückführbar auf diese Umwelteinflüsse. (2) Dem Modell der Entfaltung liegen Vorstellungen zugrunde, dass es im Genom eine Art Programm gibt, das die weitere Entwicklung steuert. Die Umwelt habe nur zeitlich begrenzte Wirkungen; langfristig setze sich das Programm durch. Dadurch wirke die Entwicklung so, als würde sie auf ein Ziel hinsteuern. Es handelt sich also um ein Modell der genetischen Determination, bei dem die Umwelt nur vorübergehenden Einfluss hat. (3) Im Modell der Kodetermination wird angenommen, dass Umweltwirkungen genetisch gesteuerte Reifungsprozesse verändern können. Die weitere Entwicklung hänge aber nicht nur voVorhersagen den Umweltwirkungen ab, sondern auch von den Reifungsprozessen. Direkte genetische Wirkungen auf spa_tere Zeitpunkte sind dabei berücksichtigt. Das Modell enthält deshalb Umweltdetermination und Entfaltung als Grenzfälle. (4) Das Modell der dynamischen Interaktion unterscheidet sich von dem Modell der Kodetermination nur dadurch, dass Wirkungen von der Person auf die Umwelt zugelassen werden. Es enthält alle drei anderen Modelle als Spezialfälle. Personen können nach dieser Auffassung ihre Umwelt in mehrfacher Hinsicht beeinflussen, nänmlich in Form von Auswahl, Herstellung oder Verändeurng der Umwelt. Da diese Wirkungen der Person auf die Umwelt künftige Umweltwirkungen auf die Person verändern, entsteht eine echte Wechselwirkung zwischen Persönlichkeit und Umwelt über die Zeit.
  • In welcher Weise können Menschen Einfluss auf ihre Umwelt nehmen?

    Lösung

    (1) Auswahl: Sie können Umwelten auswählen, indem sie regelmäßig bestimmte Situationen aufsuchen oder vermeiden, z. B. Partys, den eigenen Garten. (2) Herstellung: Sie können Umwelten herstellen, indem sie dauerhaft bestimmte Situationen schaffen, z. B. eine Beziehung zu jemandem knüpfen, einen Baum pfanzen. (3) Veränderung: Sie können Umwelten verändern, indem sie längerfristig Situationen ändern, z. B. eine Freundschaft beginnen oder aufkündigen, einen Baum im Garten verpfanzen.
  • Worin unterscheiden sich statistische, dynamische und soziale Interaktion?

    Lösung

    (1) Statistische Interaktion: Die Wirkung einer Variable X auf eine andere Variable Y hängt von einer dritten Variablen Z ab. (2) Soziale Interaktion: Die Wechselwirkung zwischen den Reaktionen zweier Personen in derselben Situation. (3) Dynamische Interaktion: Echte Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt.
  • Wie lassen sich Umwelteinflüsse auf die Persönlichkeit und umgekehrt empirisch untersuchen?

    Lösung

    Interventionsstudien: Experimente, in denen Personen per Zufall einer Experimental- oder einer Kontrollgruppe zugewiesen werden und dann entweder eine Umwelt- oder eine Persönlichkeitseigenschaft in der Experimentalgruppe gezielt verändert wird, um durch Vergleich mit der Kontrollgruppe Effekte der Umweltveränderung auf die Persönlichkeit bzw. Effekte der Persönlichkeitsveränderung auf die Umwelt nachzuweisen. Natürliche Experimente: Anders als im echten Experimenten werden die Bedingungen nicht künstlich hergestellt, sondern ergeben sich. Personen, die eine bestimmte Erfahrung machen, werden mit Personen verglichen, die diese nicht machen. Kausalaussagen nicht so stark sind wie bei echten Experimenten.
  • Nennen Sie einige persönlichkeitspsychologisch wichtige biochemische Substanzen und deren Funktion.

    Lösung

    Dopamin (Neurotransmitter) - Funktion: Anreizmotivation; Serotonin (Neurotransmitter) - Funktion: Stimmungsregulation; Adrenalin (Neurotransmitter) - Funktion: Angriff bzw. Flucht
  • Wie lässt sich unter anderem die Aktivität des Immunsystems messen?

    Lösung

    Die Anzahl bestimmter Zellen im Blut gibt Auskuft über die Aktivität des Immunsystems. Diese Aktivität wird direkt über das ZNS und auch indirekt über hormonelle Systeme gesteuert. Sie lässt sich unter anderem durch die Anzahl spezifischer Zellen im Blut messen, z. B. Killer- und Helferzellen.
  • Wie wird Temperament definiert?

    Lösung

    Temperament bezeichnet Persönlichkeitseigenschaften im Bereich von Affekt, Aktivierung und Aufmerksamkeit („drei A der Persönlichkeit“).
  • Wer lernt nach Eysencks Theorie besser bei leichter Hintergrundmusik: Introvertierte oder Extravertierte?

    Lösung

    Extravertierte, da sie diese Stimulation eher brauchen als Introvertierte. Introvertierte haben eine niedrigere physiologische Aktivierungsschwelle als Extravertierte, sodass sie bereits in Situationen mit niedrigem Aktivierungspotenzial (wenig mittlere Aktivierung in der Altersgruppe) überdurchschnittlich aktiviert sind. Extravertierte haben eine höhere physiologische Aktivierungsschwelle, sie brauchen ein gesteigertes Maß an Stimulation.
  • Auf welchen Verhaltenssystemen beruhen Temperamentsunterschiede nach Gray? Bezug zu Eysenck? Bestätigung?

    Lösung

    Gray nahm an, dass Temperamentsunterschiede auf Unterschieden in zwei neurowissenschaftlich beschreibbaren Verhaltenssystemen beruhen, dem Verhaltensaktivierungssystem („behavioral activation system“, BAS) und dem Verhaltenshemmungssystem („behavioral inhibition system“, BIS). Die Stärke des BAS und die Stärke des BIS würden zwei Temperamentsdimensionen bilden, die man als Aktiviertheit und als Gehemmtheit bezeichnen könne. Diese Dimensionen würden denselben zweidimensionalen Temperamentsraum wie Eysencks E und N beschreiben, aber um 45° gedreht. Asendorpf konnte diese Vorhersagen in mehreren Studien mit Studierenden und Kleinkindern bestätigen. Studierende, die sich als sozial ängstlich einschätzten, reagierten mit besonders starker Hemmung auf beide Formen der Angstinduktion. Kleinkinder, die von ihren Eltern für sozial ängstlich gehalten wurden, benötigten im Vergleich zu unängstlichen Kindern mehr Zeit, um mit einem fremden Erwachsenen oder einem fremden Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen, nahmen aber mit einem Kind aus ihrer Kindergartengruppe genauso schnell Kontakt auf wie unängstliche Kinder.
  • Welcher Zusammenhang zwischen Temperament und Neurotransmittern in der Theorie von Cloninger wurde am ehesten bestätigt?

    Lösung

    Cloningers Theorie wurde am ehestem für den Zusammenhang zwischen Neuheitssuche im Verhaltensaktivierungssystem (BAS) und den Neurotransmitter Dopamin bestätigt.
  • Kann man aus hohen Korrelationen physiologischer Reaktionen über Situationen auf hohe Korrelationen über Personen schließen? Warum nicht?

    Lösung

    Nein, individuelle Reaktionshierarchien verhindern derartige Schlussfolgerungen. Stemmler untersuchte bei 48 Versuchspersonen 9 verschiedene Variablen des Herz-Kreislauf-Systems in 22 verschiedenen Situationen, die mehr oder weniger stressvoll waren. Nach Mittelung der Daten jeder physiologischen Variable über Personen ergaben sich deutliche Zusammenhänge beim Vergleich der 22 Situationen. Je höher z. B. die mittlere Herzrate in einer Situation war, umso höher waren auch systolischer und diastolischer Blutdruck, Zahl der Hautleitfähigkeitsreaktionen und die Muskelspannung im Mittel über alle Personen. Es handelte sich also um physiologische Maße, die auf Stress ansprachen. Ganz anders fielen aber die Ergebnisse aus, wenn die Daten jeder physiologischen Variable bei jeder Person über alle Situationen gemittelt wurden und dann die Personen in ihrer mittleren Stressreaktivität in den Variablen verglichen wurden. Hier gab es fast gar keine Zusammenhänge; z. B. hing die mittlere Herzrate der Personen in drhersageen 22 Situationen überhaupt nicht mit ihrem systolischen oder diastolischen Blutdruck zusammen: Wer eine hohe Herzrate aufwies, konnte genauso gut einen hohen wie einen niedrigen Blutdruck aufweisen.
  • Warum kann unter Alltagsbedingungen ein Zusammenhang Persönlichkeit – Physiologie anders ausfallen als im Labor? Beispiel?

    Lösung

    Ganz allgemein können Persönlichkeitsunterschiede in Laborsituationen andere neuronale und hormonelle Korrelate zeigen als im Alltag. Das kann u.a. daran liegen, dass dasselbe System unterschiedliche Funktionen haben kann. So ist zum Beispiel im Alltag die intraindividuelle Variabilität von Blutdruck und Herzfrequenz größer als im Labor, da sie durch Sprechen und Bewegungsaktivität zusätzlich variiert wird. Nach deren Kontrolle ist die intraindividuelle Variation durch emotionale oder kognitive Belastung ähnlich groß wie im Labor. Dies zeigte sich beispielweise bei Untersuchungen der Herzrate bei ängstlichen Kindern, die in unvertrauten und angsterregenden Situationen nicht höher war als bei unängstlichen Kindern. Dies ließ sich dadurch erklären, dass die gehemmten Kinder in den hemmenden Situationen weniger sprachen und sich bewegten, was einen Anstieg ihrer Herzrate aufgrund ängstlicher Erregung kompensiert haben dürfte.
  • Kann Verhalten auf neuronale Strukturen oder neuronale Funktionen wirken? Beispiele?

    Lösung

    Verhalten kann auch neuroanatomische Veränderungen verursachen. So variierte z. B. Breedlove experimentell die Möglichkeit von Ratten, Geschlechtsverkehr zu haben, und fand, dass häufigerer Geschlechtsverkehr die Größe bestimmter, am Sex beteiligter Neurone erhöhte. Ein Alltagsbeispiel findet sich im Sport: Jeder Sportler weiß, dass intensiver Sport längerfristig zu körperlichen Veränderungen führt, eingeschlossen anatomische Veränderungen der Muskeln und eine Senkung der Herzrate in Ruhe.
  • Mit welchen drei Methoden wurde versucht, Persönlichkeitsunterschiede direkt auf Gene zu beziehen? Bitte erklären Sie diese.

    Lösung

    (1) Familienstudien: Ansatz der medizinischen Humangenetik, die Erbkrankheiten nach den Mendelschen Vererbungsregeln mithilfe von Stammbaumanalysen untersucht und das Aufreten dieser Krankheiten in Familien mit dem Vorkommen bestimmter Allele bei den Familienangehörigen in Beziehung setzt. Diese Allele erklären zwar pathologische Merkmale, sind aber so selten, dass durch sie Persönlichkeitsunterschiede im Normalbereich nur unwesentlich aufgeklärt werden können. (2) QTL: Ansatz beruht auf der Annahme, dass Normalvarianten der Persönlichkeit mit mehreren häufigen Allelen assoziiert sind („quantitative trait loci“; QTL). Wenn jeder einzelne QTL z. B. 2% der Eigenschaftsunterschiede erklären würde, wären mindestens 25 unabhängig voneinander operierende QTL notwendig, um die Eigenschaft molekular- genetisch aufzuklären, sofern sie zu 50% genetisch beeinflusst ist. (3) GWAS: Im Zuge genomweiter Assoziationsstudien (GWAS) können genetische Varianten in den einzelnen Bausteinen der Gene, den Basenpaaren,n drhersage bestimmten Perso_nlichkeitsunterschieden zugeordnet werden. Bei simultaner Betrachtung aller Single Nucleotide Polymorphisms (SNPs) konnten Unterschiede in der Körpergröße und im IQ älterer Erwachsener bereits zu über 50% genetisch erklärt werden.
  • Wieso teilen Mensch und Schimpanse 94% ihrer Gene, Geschwister aber nur 50%?

    Lösung

    Die Gene variieren zwischen biologischen Arten; z. B. teilen der heutige Mensch und der Schimpanse ca. 94% ihrer Gene, und der heutige Mensch und der Neandertaler ca. 99%. Heutige Menschen unterscheiden sich nicht in ihren Genen (darin sind sie zu 99,9% identisch), sondern in ihrem Allelmuster (in welcher Variante ihre Gene jeweils vorkommen). D.h. wenn man bei Geschwistern von 50%iger Übereinstimmung spricht, sind Allelmuster-Übereinstimmungen gemeint.
  • Können genetische Einflüsse durch Umweltveränderungen modifiziert werden?

    Lösung

    Ja, das ist möglich. Ein klassisches Beispiel für die Veränderung genetischer Wirkungen durch eine Umweltveränderung ist die Stoffwechselstörung Phenylketonurie. Eine Variante davon beruht auf einem Allel des zwölften Chromosoms. Wird dieses Allel von Vater und Mutter vererbt, führt diese homozygote Form zu einem Phenylalanin-Überschuss, der die Entwicklung des Zentralnervensystems beeinträchtigt und eine massive Intelligenzminderung verursacht. Wird jedoch im Kindesalter eine phenylalaninarme Diät eingehalten (einschließlich Einnahme von Medikamenten, die den Phenylalanin-Haushalt regeln sollen), wird dieser intelligenz-mindernde genetische Effekt fast vollständig unterdrückt.
  • Sind genetische Wirkungen altersabhängig? Beispiel?

    Lösung

    Ja, zum Beispiel bei Phenylketonurie ist die Einhaltung einer phenylalaninarmen Diät nicht das ganze Leben lang erforderlich, sondern nur während der Gehirnentwicklung in der Kindheit und Jugend. Ist dieser Prozess weitgehend abgeschlossen, spielt das kritische Allel keine wesentliche Rolle mehr. Ein Beispiel für genetische Effekte, die erst im mittleren Erwachsenenalter wirksam werden, ist die Chorea Huntington (Veitstanz), eine degenerative Hirnerkrankung, die auf einem Allel auf dem vierten Chromosom beruht und im Durchschnitt erst mit Mitte 40 beginnt; vorher führen die Allelträger ein völlig normales Leben. Diese Altersabhängigkeit wiederum beruht letztlich darauf, dass Gene zu bestimmten Zeitpunkten „angeschaltet“ oder „abgeschaltet“ werden können.
  • Wie können sich Umwelteinflüsse dauerhaft genetisch manifestieren?

    Lösung

    Umwelteinflüsse können sich durch (bislang 3 bekannte) epigenetische Codes dauerhaft genetisch manifestieren. Der Methyl-Code beruht auf Methylgruppen, die an die DNA andocken und so Gene ausschalten. Ob ein Gen aktiv ist oder nicht, hängt also unter anderem davon ab, ob es epigenetisch „markiert“ wurde. Der Histon-Code besteht aus vier verschiedenen Substanzen (Methyl-, Acetyl-, Ubiquitin- und Phosphatgruppen), die nicht an der DNS andocken, sondern an den Histonen, Teilen der Nukleosomen, um die sich die DNA-Doppelhelix mehrfach herumwickelt. Diese Substanzen regulieren die Aktivierbarkeit der benachbarten Gene. Der RNA-Interferenz-Code besteht aus Mikro-RNA, die verhindert, dass ein Gen mittels Boten-RNA die Zelle dazu bringt, ein bestimmtes Protein zu produzieren. Diese Wirkmechanismen legen nahe, dass stabile Persönlichkeitsunterschiede auf umweltabhängige epigenetische „Programmierung“ beruhen könnten. Besonders gut sind hierfür Tierversuche geeignet, in denen Umweltbedingungen experimentell manipulsageiert werden ko_nnen. So wurde ein enger negativer Zusammenhang zwischen zwischen der Fürsorge von Rattenmütten und der Häufigkeit und Intensität von Stressreaktionen ihrer Jungtiere beobachtet. Das galt auch dann, wenn den Müttern fremde, genetisch nichtverwandte Junge untergeschoben wurden, und wenn die Kinder wenig fürsorglicher Ratten von fürsorglichen fremden Müttern bemuttert wurden (cross-fostering design). Es handelte sich also um Umwelteffekte nach der Geburt, nicht um genetische Effekte aufgrund der genetischen Verwandtschaft und nicht um pränatale Effekte.
  • Wie konnte erstmals eine Gen-Umwelt-Interaktion nachgewiesen werden? Hauptbefund?

    Lösung

    Caspi et al. untersuchten jungen Männern den Zusammenhang zwischen erfahrener Kindesmisshandlung im Alter zwischen 3 und 11 Jahren (keine, wahrscheinlich, schwere), zwei häufigen Allelen des MAOA-Gens auf dem X-Chromosom (Allele, die geringe vs. starke Aktivität des Enzyms MAOA bedingen) und verschiedenen Indikatoren für antisoziales Verhalten im Alter von 26 Jahren. Für alle Indikatoren ergab sich dieselbe statistische Gen-Umwelt-Interaktion. Erfahrene Kindesmisshandlung erhöhte das Risiko für antisoziales Verhalten im Erwachsenenalter unabhängig vom MAOA-Gen, wobei jedoch die Erhöhung deutlich stärker bei denjenigen Männern ausfiel, die das Allel für niedrige MAOA-Aktivität hatten. So wurden z. B. die Männer, die beide Risikofaktoren aufwiesen (Misshandlung und Allel für niedrige MAOA-Aktivität) bis zum Alter von 26 Jahren dreimal so häufig verurteilt wie die 99 Männer, die auch misshandelt worden waren, aber das Allel für hohe MAOA-Aktivität aufwiesen. Genetisch bedingte unzureichende MAOentell manipulsageA-Aktivita_t scheint demnach die Entwicklung antisozialer Tendenzen zwar nicht allgemein, wohl aber nach erfahrener Kindesmisshandlung zu fördern.
  • Was wird unter einem EPM verstanden und welchen Kriterien sollte er genügen? Beispiel für einen EPM?

    Lösung

    Unter einem EPM wird ein bereichs- und kontextspezifischer proximater Mechanismus verstanden, der als Anpassungsleistung an die Umwelt unserer Vorfahren (also ultimat) verständlich ist und von dem angenommen wird, dass er genetisch fixiert ist. Beispiel EMP: Etwa die Hälfte aller Mitteleuropäer hat Angst vor Schlangen, und die Schlangenphobie ist die häufigste Tierphobie. Aus evolutionspsychologische Erklärung kann ein EPM angenommen werden, der das Erlernen von Angst Schlangen gegenüber fördert (z. B. durch Beobachtungslernen).
  • Warum sollten wir genetisch Verwandten helfen, welcher EPM könnte verantwortlich sein, warum wird Verwandten väterlicherseits meist weniger geholfen als Verwandten mütterlicherseits?

    Lösung

    Während Mütter sich sicher sein können, dass ein Kind ihr eigenes leibliches Kind ist, ist dies bei Vätern nicht der Fall. Auch heutzutage gibt es gar nicht so selten Diskrepanzen zwischen der subjektiven Überzeugung, Vater des Kindes zu sein, und der tatsächlichen genetischen Verwandtschaft (Baker, 1996). Dies tritt z. B. bei Organspenden innerhalb von Familien zutage, bei denen die genetische Ähnlichkeit bestimmt wird, um das Risiko von Organabstoßungen nach der Organverpflanzung zu minimieren. Diese Vaterschaftsunsicherheit verändert den Zusammenhang zwischen inklusiver Fitness und Hilfeleistung: Es ist weniger evolutionär adaptiv, Verwandte väterlicherseits zu unterstützen, als Verwandte mütterlicherseits,_da es in ersterem Fall nicht so sicher ist, dass sie überhaupt genetisch verwandt sind. Nach dieser Logik sollten z. B. Großeltern väterlicherseits ihre Enkel weniger stark unterstützen als Großeltern mütterlicherseits; entsprechendes lässt sich für Tanten und Onkel ableiten. Weibliche Verwandte leisteten mehr Unterstützung als männliche und unabhängig davon leisteten Verwandte mütterlicherseits mehr Unterstützung als Verwandte väterlicherseits desselben Verwandtschaftsgrades. Die Unterstützungswerte können nur innerhalb der Großeltern, Tanten bzw. Onkel verglichen werden, da die Unterstützung für diese beiden Verwandtschaftstypen in unterschiedlichen Kulturen (Deutschland bzw. USA) und mit unterschiedlichen Fragen erfasst wurde.
  • Welches Geschlechterverhältnis besteht kurz nach der Pubertät und warum?

    Lösung

    Das Geschlechtsverhältnis beträgt im Alter der maximalen Fruchtbarkeit genau 1:1 Wie Fisher gezeigt hat, kommt es zu diesem Verhältnis von 1:1, weil die genetische Fitness von Männern und Frauen frequenzabhängig ist. Wenn Frauen doppelt so häufig wären wie Männer, wäre die Chance eines männlichen Gens, an die nächste Generation weitergegeben zu werden, doppelt so hoch wie die Chance eines weiblichen Gens (da Kinder zur Hälfte Gene des Vaters und zur anderen Hälfte Gene der Mutter haben). Männliche Gene hätten also eine doppelt so große Fitness wie weibliche Gene. Dadurch würden langfristig Eltern begünstigt, die überproportional Jungen zur Welt bringen. Dies würde aber die Rate der Männer so lange erhöhen, bis sie genauso häufig sind wie Frauen. Die entsprechende Argumentation gilt auch für den umgekehrten Fall.
  • Wie können Unterschiede in der Soziosexualität innerhalb der Geschlechter evolutionär erklärt werden?

    Lösung

    Bei Frauen ist Soziosexualität schwächer ausgeprägt als bei Männern; dennoch variieren Frauen im Ausmaß ihrer Soziosexualität. Gangestad und Simpson schlugen hierfür eine Erklärung durch frequenzabhängige Auslese vor. Für die Partnerwahl von Frauen seien zwei Kriterien evolutionär relevant: die zu erwartende väterliche Investition in die gemeinsamen Kinder und die „genetische Qualität“ des Mannes (Gene, die Gesundheit und sexuelle Attraktivität fördern und so die Fitness der gemeinsamen Kinder fördern, da sie ja diese Gene zumindest z. T. erben werden). Es gebe deshalb zwei verschiedene mögliche sexuelle Strategien von Frauen: eine restriktive und eine nichtrestriktive. Bei der restriktiven Strategie würden sie auf eine langandauernde Beziehung mit einem Partner setzen, der viel in ihre Kinder investiert. Bei der nichtrestriktiven Strategie würden sie auf viele kurzfristige Beziehungen mit Männern „guter genetischer Qualität“ setzen._Diese beiden sexuellen Strategien würden durch frequenzabhängige Auslese in der weiblichen Population stabilisiert. Je größer der Anteil_der nichtrestriktiven Frauen in der weiblichen Population werde, desto größer werde auch der Anteil ihrer sexuell attraktiven Söhne (der „sexy sons“) in der männlichen Population, was aufgrund zunehmender Rivalität dieser Söhne untereinander deren Fitness mindern sollte. Je größer umgekehrt der Anteil der restriktiven Frauen in der weiblichen Population werde, desto stärker werde ihre Rivalität untereinander um Männer mit hoher elterlicher Investitionsbereitschaft, was die Fitness dieser Frauen mindern sollte.
  • Wie kann der Zusammenhang zwischen Vaterabwesenheit und Pubertätszeitpunkt bei Mädchen erklärt werden und wie nicht?

    Lösung

    Draper und Harpending formulierten die Hypothese, dass im Verlauf der Evolution väterliche Fürsorge ein relativ verlässlicher Indikator für die künftige reproduktionsrelevante Umwelt der Kinder sei, da sie von Generation zu Generation relativ stabil gewesen sei. Väterliche Fürsorge eigne sich also als Bedingung für eine konditionale Entwicklungsstrategie: Kinder entwickelten sich bei starker väterlicher Fürsorge in Richtung starker elterlicher Investition und geringen Paarungsaufwandes. Bei wahrgenommener Vaterabwesenheit oder geringer väterlicher Fürsorge hingegen entwickelten sie sich in Richtung starken Paarungsaufwandes und geringer elterlicher Investition. Deshalb sollten Töchter von Vätern, die sich gar nicht oder wenig um sie in der Kindheit kümmern, früher in die Pubertät kommen, eher den ersten Geschlechtsverkehr haben, weniger stabile Partnerschaften haben und selber weniger in ihre Kinder investieren als Töchter fürsorglicher Väter. In Übereinstimmung damit fanden Ellis und Garber, dass die erste Regelblutung als Indikator für eine frühes Einsetzen der Pubertät besser durch die Dauer des Zusammenlebens mit nichtverwandten Partnern der Mutter (Stiefvätern und Freunden) vorhergesagt wurde als durch die Dauer der Abwesenheit des leiblichen Vaters.
  • Lassen sich Persönlichkeitsunterschiede bei Tieren gut beobachten? Inwiefern sind sie informativ für evolutionspsychologische Erklärungen?

    Lösung

    Persönlichkeitsunterschiede von Tieren lassen sich mit guter Übereinstimmung zwischen Beobachtern beschreiben und sagen beobachtetes Verhalten gut vorher. Die Beschreibungen reflektieren durchaus Unterschiede im realen Verhalten, auch wenn sie nicht frei von Tendenzen zur Anthropomorphisierung sind. Sie legen zwar Homologien nahe, können diese aber nicht belegen.
  • Zwei Probleme des evolutionspsychologischen Paradigmas?

    Lösung

    Ein Risiko besteht in der schlechten empirischen Testbarkeit evolutionspsychologischer Annahmen und Interpretationen. Da neutrale oder nichtadaptive Persönlichkeitsvarianten evolutionspsychologisch wenig hergeben, besteht die Gefahr, dass Persönlichkeitsvarianten adaptive Erfolgsgeschichten zugeschrieben werden, die sie gar nicht haben. Kritikwürdig ist auch die derzeitige Einengung des EPM-Konzepts in der Evolutionspsychologie auf bereichsspezifische Mechanismen der Informationsverarbeitung. Es gibt es zumindest beim Menschen zusätzlich bereichsübergreifende Mechanismen. Hierzu gehört z. B. die Fähigkeit zu reflektivem Denken und Handeln nach bereichsunspezifischen Prinzipien, deren Existenz durchaus evolutionär verständlich ist.
  • Warum ist bei Klassifikationen die prozentuale Übereinstimmung ein schlechtes Maß der Beurteilerübereinstimmung? Alternative?

    Lösung

    Bei einer Klassifikation mittels prozentualer Übereinstimmung der Rater wird nicht für die Zufallsübereinstimmung kontrolliert. Zur Zufallskorrektur von Übereinstimmungen bei der Klassifikation wird meistens Cohens Kappa berechnet.
  • Wie sollten differenzielle Messungen verteilt sein?

    Lösung

    Schon der Mathematiker Carl Friedrich Gauß (1777– 1855) bewies, dass Abweichungen vom Mittelwert, die zufällig oder durch sehr viele unabhängige Einflussgrößen bedingt sind, annähernd normalverteilt sind (deshalb wird die Normalverteilung auch die Gaußsche Glockenkurve genannt). Da Persönlichkeitseigenschaften durch viele unabhängige Faktoren beeinflusst sind, sind sie häufig annähernd normalverteilt, d.h. symmetrisch um den Mittelwert der Verteilung herum angeordnet. Eigenschaftsvariablen sollten außerdem eine hohe Streuung aufweisen, denn dadurch werden die Personen gut voneinander unterschieden.
  • Wofür kann man die z-Transformation gebrauchen?

    Lösung

    Intervallskalierte Eigenschaftswerte x lassen sich immer als z-Werte ausdru_cken: z = (x_M)/ SD. Dadurch lassen sie sich in einer „einheitlichen Sprache“ beschreiben und zwischen verschiedenen Messverfahren direkt vergleichen.
  • Besagt eine Nullkorrelation zwischen zwei Variablen, dass es keine Beziehung zwischen ihnen gibt?

    Lösung

    r = 0 bedeutet, dass kein linearer Zusammenhang zwischen X und Y besteht. Es kann aber trotzdem eine andere Art des Zusammenhangs bestehen, z.B. ein U-förmiger Zusammenhang.
  • Was sind Trennschärfe und interne Konsistenz und wofür sind es Gütekriterien?

    Lösung

    Die Trennschärfe eines einzelnen Items einer Persönlichkeitsskala ist die Korrelation des Items mit dem Mittelwert aller anderen Items derselben Skala. Je höher die mittlere Trennschärfe der Items, desto höher ist die interne Konsistenz der Skala. Die interne Konsistenz ist ein Index für die Reliabilität einer Skala. Beim Verfahren der Itemanalyse wird nach Items mit vergleichsweise niedriger Trennschärfe gesucht. Ihr Ausschluss erhöht die mittlere Trennschärfe der neuen Skala, senkt allerdings wegen der Testverkürzung gleichzeitig die Reliabilität der neuen Skala gemäß der Spearman-Brown-Formel. Deshalb lohnt sich eine Skalenverkürzung nur dann, wenn die Trennschärfe weniger Items deutlich niedriger ist als die der anderen Items.
  • Was versteht man unter der Validität von Eigenschaftsmessungen und wie wird sie quantitativ gemessen?

    Lösung

    Das zweite Gütekriterium von Eigenschaftsmessungen ist ihre Validität (Gültigkeit). Messungen sind valide in dem Maße, wie sie das messen, was sie zu messen vorgeben. Vier Validitätsaspekte lassen sich unterscheiden: (1) Augenscheinvalidität - Das Messverfahren scheint nach nach dem Urteil von Experten valide zu sein. (2) Konstruktvalidität -Konstruktvalidität liegt vor, wenn die Messungen das Konstrukt erfassen, das erfasst werden soll. Wird das Konstrukt lediglich aus hochkorrelierenden Messungen erschlossen, sind Konstruktvalidität und Reliabilität identisch. Oft gibt es jedoch theoretische Vorannahmen über das Eigenschaftskonstrukt, aus denen sich zahlreiche empirisch prüfbare Hypothesen ableiten lassen. Dann bedeutet eine hohe Konstruktvalidität, dass sich diese Hypothesen gut empirisch bestätigen lassen. (3) Inhaltsvalidität - Inhaltsvalidität ist ein spezieller Aspekt der Konstruktvalidität. Sie liegt vor, wenn die durch die Messungen erfassten Inhalte eine repräsentative Stichprobe ddass die erste Rerjenigen Inhalte darstellen, die es zu messen gilt. (4) Kriteriumsvalidita_t - Kriteriumsvalidität liegt vor, wenn die Messungen mit einer anderen Messung hoch korrelieren, die bereits als konstruktvalide betrachtet wird (dem Kriterium). Die Tatsache, dass alle diejenigen Tests miteinander hoch korrelieren, deren Korrelation nach einem vorher definierten Konstrukt zu erwarten ist, ist ein stärkerer Nachweis der Validität jeder einzelnen Messung als jede paarweise Kriteriumsvalidierung. Diese Logik liegt der Konstruktoperationalisierung durch ein nomologisches Netzwerk zugrunde (von griech. „nomos“: Gesetz): Das Konstrukt wird nicht nur durch eine Messung, sondern durch ein Netzwerk vieler, untereinander korrelierender Messungen operationalisiert.
  • Ist eine hohe interne Konsistenz ausreichend für eine Eigenschaftsmessung?

    Lösung

    Nein, sie reicht nicht aus. Die Stabilität der Messung ist nicht gesichert, da zum Beispiel individuelle Stimmungen der Probanden zum Messzeitpunkt das Ergebnis verfälschen können.
  • Ist der Nachweis einer hohen Retestreliabilität notwendig für eine Eigenschaftsmessung?

    Lösung

    Eigentlich ist die Retestreliabilität die beste Methode der Reliabilitätsbestimmung für Persönlichkeitsmessungen, weil die Voraussetzung der zeitlichen Stabilität gleich mitgeprüft wird. Allerdings ist das sehr aufwendig, weil alle Personen zweimal gemessen werden müssen. Zudem gibt es das Problem, dass die erste Messung die zweite beeinflussen kann, z. B. weil ein Fragebogen mit nur wenigen Fragen im Abstand von nur einem Tag ausgefüllt wird: Die Personen könnten sich an ihre Antworten beim ersten Mal erinnern und dazu neigen, wieder dieselben Antworten zu geben. Deshalb sollte entweder der Abstand zwischen den beiden Messzeitpunkten ausreichend groß sein oder die Paralleltestreliabilität bestimmt werden. Dies gilt besonders bei der Erfassung von Lerneffekten.
  • Wozu ist die doppelte Minderungskorrektur nützlich?

    Lösung

    Durch die doppelte Minderungskorrektur wird die Minderung beobachteter Korrelationen durch Messfehler beseitigt. Sie ist u. a. nützlich, um Korrelationen miteinander zu vergleichen, die unterschiedlich stark durch Messfehler beeinträchtigt sind.
  • Wo hat das Aggregationsprinzip seine Grenzen?

    Lösung

    Das Aggregationsprinzip hat seine Grenzen in der Voraussetzung paralleler Messungen und der Interpretierbarkeit der aggregierten Messungen. Je mehr Messungen aggregiert werden, desto breiter wird die Eigenschaft und desto unklarer wird deshalb auch ihre Interpretation.
  • Ist es sinnvoll, Eigenschaftsmessungen mit konstruktfernen Variablen zu korrelieren?

    Lösung

    Ja, dies ist sinnvoll um diskriminante Validität anchzuweisen. Diskriminante Validität (lat. „discriminare“: unterscheiden) meint, dass bei mehreren alternativen Kriterien, von denen nur bestimmte eine hohe Konstruktvalidität haben, die Messung niedrig mit den Kriterien niedriger Validität korreliert und hoch mit den Kriterien hoher Validität.
  • Wie kann man Methodeneffekte auf die Eigenschaftsmessung systematisch untersuchen?

    Lösung

    Es werden mehrere Eigenschaften (engl.: „multiple traits“) betrachtet, die jeweils mit mehreren Methoden untersucht werden (engl.: „multiple methods“). Korreliert man nun die einzelnen Messungen untereinander, entsteht eine Multitrait-Multimethod-Matrix. Die Darin lassen sich vier Arten von Korrelationen unterscheiden: (1) Monotrait-Monomethod-Korrelationen geben die Reliabilität der Messung wieder. (2) Monotrait-Heteromethod-Korrelationen zeigen die konvergente Validität von Messungen an. (3) Heterotrait-Monomethod-Korrelationen und (4) Heterotrait-Heteromethod-Korrelationen verweisen auf diskriminante Validität. Korrelationen lassen sich nur vergleichen, wenn sie auf vergleichbar reliablen Messungen beruchen. Wenn Heterotrait-Monomethod-Korrelationen höher sind als Monotrait-Heterotrait-Korrelationen, besteht der Verdacht auf Methodeneffekte.
  • Wie hängen Selbstbeurteilungen, Verhalten und Fremdbeurteilungen zusammen?

    Lösung

    Das Linsenmodell beschreibt ganz allgemein die Wahrnehmung nicht direkt beobachtbarer Merkmale durch Schlussfolgerungen aus Hinweisreizen (engl.: „cues“). Wird die beurteilte Eigenschaft durch Selbstbeurteilung operationalisiert, lässt sich so beschreiben, wie selbst- und fremdbeurteilte Persönlichkeitseigenschaften zusammenhängen. Die Hinweisreize wirken dabei wie eine Linse, die die „Validitätsstrahlen“ in „Nutzungsstrahlen“ bricht. Im Beispiel äußert sich selbstbeurteilte Extraversion in modischer Kleidung und lauter Stimme, nicht aber in expressiven Bewegungen, wobei Beurteiler ihr Extraversionsurteil auf lauter Stimme und (fälschlicherweise) auf expressiven Bewegungen gründen und den validen Hinweisreiz „modische Kleidung“ nicht berücksichtigen.
  • Wodurch wird die Korrelation der Eigenschaftsurteile unterschiedlicher Beurteiler derselben Person beeinflusst?

    Lösung

    Einflussfaktoren sind hier zum Beispiel die Person des Beurteilten wie der Urteiler selbst, die Beobachtbarkeit und Alltagsnähe der Eigenschaft sowie die Dauer der Bekanntschaft zwischen Beurteilter und Beurteiltem. Außerdem können Urteilsverzerrungen wie eine differenzielle Tendenz zur sozialen Erwünschtheit oder der Halo-Effekt die individuelle Urteilsqualität beeinflussen und damit die Korrelation der Eigenschaftsurteile verändern.
  • Wie kann man differenzielle Tendenzen zu sozial erwünschten Antworten kontrollieren?

    Lösung

    Eine differenzielle Tendenz zur sozialen Erwünschtheit lässt sich teilweise durch sogenannte Soziale Erwünschtheits- oder Lügenskalen kontrollieren (z.B. Marlowe-Crowne Skala oder Balanced Inventory of Desirable Responding). Sie fragen nach der Ablehnung wahrscheinlicher, aber sozial unerwünschter Eigenschaften (z. B. „Ich habe schon mal jemanden übervorteilt“) und nach der Zustimmung zu unwahrscheinlichen, aber sozial erwünschten Eigenschaften (z. B. „Ich bin immer höflich“). Die Tendenz zur sozialen Erwünschtheit wird manchmal als Persönlichkeitseigenschaft interpretiert. Sie kann weiter untergliedert werden in zwei unabhängige Faktoren - Tendenz zur Selbsttäuschung („self-deception“) und Tendenz zur Fremdtäuschung („other-deception“). Im Gegensatz zur Selbsttäuschung führt die Tendenz zur Fremdtäuschung zu Verzerrungen von Fragebogenantworten in Richtung sozial erwünschter Antworten. Sozial erwünschte Selbstdarstellung als Persönlichkeitseigenschaft kann ferner durch hohe Ausprägungen in den die erste R "Superfaktoren" Alpha (Stablität im emotionalen, sozialen und motivatorischen Bereich) und Beta (Plastizität beim Explorieren neuer Bereiche) operationalisiert werden. Demgegenüber können urteilsspezifische Tendenzen zu sozial erwünschten Antworten z. B. durch hohe Ausprägungen auf den Halo-Faktor operationalisiert werden (d.h. den ersten „Superfaktor“ der Big Five, der sozial erwünschte Antworten auf jedes der Big Five Merkmale widerspiegelt).
  • Wie lassen sich neue Medien (z. B. Facebook) und Smartphones für die Erfassung von Verhalten, Situationen und Persönlichkeitsmerkmalen nutzen?

    Lösung

    Die Nutzung von internetbasierten sozialen Netzwerken (Online Social Networks wie z. B. Facebook; siehe hierzu Abschn. 5.2) und von Handys und Smartphones eröffnen neue Möglichkeiten der Verhaltenserfassung. Inzwischen wurden riesige Datenmengen („Big Data“) z. B. über Facebook-Nutzer gesammelt, die es erlauben, Verhalten über lange Zeiträume zu analysieren und für sehr große Nutzergruppen reliable individuelle Persönlichkeitsmerkmale (Beispiel: Mithilfe einer Facebook-Applikation können etwa 65 Facebook-Likes (Klicks rd ma"Like it!" auf Personen, Markenartikel, Webseiten usw.) für einen Algorithmus genutzt werden, durch den die selbstbeurteilten fünf Hauptfaktoren der Persönlichkeit relativ gut vorhergesagt werden). Im Prinzip können ähnliche Vorhersagen gemacht werden mit Daten, die durch die Nutzung mobiler Geräte anfallen (z. B. Gesprächsverhalten, Surfverhalten, Bewegungsverhalten erfasst durch Geolokation usw.).
  • Ist die Unterscheidung Alltag–Labor gleichbedeutend mit der zwischen unsystematischer und systematischer Situationsvariation?

    Lösung

    Nein. Bei natürlicher Situationsvariation im Alltag fluktuieren die situativen Bedingungen unkontrolliert, bei künstlicher Situationsvariation im Labor werden sie systematisch hergestellt. Bei den meisten Feldstudien variieren die Situationen unkontrolliert, etwa wenn das Verhalten von Kindergartenkindern im „Freispiel“ beobachtet wird. In Laborstudien liegt meist eine künstliche Situationsvariation vor. Es gibt aber auch Laborstudien mit natürlicher Situationsvariation, z. B. wenn Kinder im Kindergartenalter im Labor im freien Spiel mit einem unbekannten Kind beobachtet werden; was geschieht, ist hier ganz den Versuchspersonen überlassen.
  • Was sind die Big Five und wie wurden sie gefunden?

    Lösung

    Die Faktorenanalyse ist statistisches Verfahren, mehr oder weniger korrelierende Variablen in Gruppen hoch miteinander korrelierender Variablen zusammenzufassen. Sie kann genutzt werden um viele Items in Persönlichkeitsinventaren auf möglichst wenige unabhängige Faktoren zu reduzieren, aus denen sich die Items annähernd reproduzieren lassen. Die Faktoren lassen sich als Eigenschaftsdimensionen interpretieren. Die bekanntesten älteren Faktorensysteme waren die von Cattell (1946), Guilford (1964) und Eysenck und Eysenck (1969). Sie variieren erheblich in der Zahl und Art der Faktoren. Alternativ wurde der lexikalische Ansatz entwickelt. Hier wird das gesamte Lexikon einer Sprache systematisch nach Eigenschaftsworten durchsucht und diese dann in einem mehrstufigen, schrittweisen Verfahren auf einen überschaubaren Satz von Items reduziert. Die Items wurden Versuchsteilnehmern zur Selbst- und Fremdbeurteilung vorgelegt, und die gewonnenen Daten wurden faktorenanalytisch ausgewertet. Es ergaben sich wiederholt fünf Faktoren, die sog. Big Five, die man sich mit Hilfe der Eselsbrück OCEAN gut merken kann: O (Offenheit) C (Gewissenhaftigkeit; englisch: Conscientiousness), E (Extraversion), A (Verträglichkeit; englisch: Agreeableness), N (Neurotizismus).
  • In welcher Hinsicht unterscheiden sich die Big Five von den Big Seven und welche Persönlichkeitsbereiche erfassen beide Modelle nicht?

    Lösung

    Für die Sieben-Faktoren-Struktur („Big Seven“) wurden in die Analyse stark positiv oder negativ bewertete Eigenschaften und einige Einstellungen und Werthaltungen einbezogen. Die Big Seven enthalten vier der Big Five, anstelle des „Kulturfaktors“ einen Faktor „Konventionalität“ und zusätzlich die Faktoren „positive Valenz“ (höchstladendes Item: „outstanding“ – „hervorragend“) und „negative Valenz“ (höchstladendes Item: „wicked“ – „bösartig“).
  • Welchen Nutzen haben lexikalisch begründete Faktorensysteme?

    Lösung

    Lexikalisch begründete Faktorenmodelle können zur Klassifikation vorhandener Persönlichkeitsskalen und zur Konstruktion von Inventaren verwendet werden, die wichtige Bereiche alltagspsychologisch repräsentierter Eigenschaften erfassen.
  • Wie lassen sich Persönlichkeitstypen definieren?

    Lösung

    (1) Direkte Definition: Beim direkten Klassifizieren von Personen werden alle Personen in zwei oder mehr qualitativ unterschiedliche (untereinander nicht weiter vergleichbare) Typen eingeteilt, z. B. männlich – weiblich. Die Typen bilden eine Nominalskala (von lat. „nomen“: Name, d. h. den Personen werden Namen zugeordnet). (2) Extremgruppen-Definition: Stichproben werden in Extremgruppen unterteilt, d. h. Personen mit sehr hohen bzw. sehr niedrigen Ausprägungen auf einer oder zwei Eigenschaftsvariablen werden unterschieden. So kann man extravertierte Personen durch Werte im oberen Quartil (obere 25% der Verteilung) von Extraversion definieren, introvertierte Personen durch Werte im unteren Quartil. Die Hälfte der Personen bleibt dabei unklassifiziert. Alternativ kann man mithilfe des Median-Splits die oberen bzw. unteren 50% der Verteilung einteilen. (3) Profibasierte Definition: Bei der profilbasierten Definition von Persönlichkeitstypen werden Personen nach Ähnlichkeit in ihrem Persönlichkeitsprofil klassifiziert. Ein Persönlichkeitsprofil besteht aus den Eigenschaftswerten einer Person in vielen Eigenschaften auf einer einheitlichen Skala (z. B. Likert-Skala, z-Werte).
  • Wie lassen sich Persönlichkeitstypen auf der Basis von Persönlichkeitsskalen finden, und warum ist hierfür die Q-Faktorenanalyse nicht geeignet?

    Lösung

    Mittels Clusteranalyse lassen sich Persönlichkeitstypen mit einem jeweils prototypischen Profil bilden. Dies kann zur Klassifikation von Personen genutzt werden, indem diese dem Typ mit dem ähnlichsten Profil zugeordnet werden. Die Q-Faktoranalyse ist hierfür nicht geeignet, da sie auf Daten aus Q-Sort-Profilen zurückgreift, welche für die Typizitäten jeder Person denselben Mittelwert und dieselbe Standardabweichung erzeugt.
  • Wie lassen sich Persönlichkeitstypen auf der Basis von Q-Sort-Profilen finden?

    Lösung

    Mittels Q-Faktorenanalyse können Q-Sort-Profile faktorenanalysiert werden. Die resultierenden Q-Faktoren lassen sich als prototypische Persönlichkeitsprofile interpretieren. Die Ladung einer Person auf_einem solchen Q-Faktor ist die Korrelation ihres Q-Sort-Profils mit dem Q-Faktor. Die Personen der faktorisierten Stichprobe können dann dem Q-Faktor zugeordnet werden, auf dem sie am höchsten_laden; die resultierenden Personengruppen lassen sich als Persönlichkeitstypen interpretieren, wobei jeder Typ durch den ihn definierenden Q-Faktor_(das prototypische Profil des Typs) inhaltlich beschrieben ist.
  • Welches sind 3 Haupttypen der Persönlichkeit?

    Lösung

    In Anlehnung an die Persönlichkeitsdimensionen Ego-Control und Ego-Resiliency von Block und Block (1980) werden die drei Typen meist als unterkontrolliert, überkontrolliert und resilient bezeichnet. Hierbei bezieht sich „kontrolliert“ auf die Kontrolle von Emotionen und Motivationen. Der resiliente Typ ist der häufigste (ca. 50% der Stichprobe), die beiden anderen sind mit je ca. 25% seltener. Auf Basis einer sehr großen, für Deutschland repräsentativen Stichprobe wurden zusätzlich zu diesen drei Typen noch zwei weitere gefunden, nämlich „zuversichtlich“ und „reserviert“. Ähnlich wie bei der Faktorenanalyse ist hier die Zahl der Typen relativ beliebig; je mehr Typen man fordert, desto schlechter ist ihre Replizierbarkeit in anderen Stichproben des gleichen Stichprobenumfangs. Auf der Basis von Big-Five-Profilen können drei oder fünf Persönlichkeitstypen unterschieden werden: unterkontrolliert, überkontrolliert, resilient (sowie zuversichtlich und reserviert).
  • Wie lassen sich große Bewerberzahlen durch Nutzung von Persönlichkeitsprofilen effizient auf wenige potenzielle Kandidaten einschränken?

    Lösung

    Persönlichkeitsprofile spielen vor allem in der Personalauswahl eine große Rolle. Eine Einsatzmöglichkeit besteht darin, Persönlichkeitsprofile von Bewerbern mit dem Normprofil von Inhabern des zu besetzenden Arbeits- oder Fortbildungsplatzes zu vergleichen (das Normprofil ist das vorher ermittelte mittlere Profil dieser Personen). Abweichungen vom Normprofil können dann Thema eines Gesprächs sein, in dem die Abweichungen durch Rückfragen und Bitte um Konkretisierung der Selbsteinschätzung durch Beispiele überprüft oder auch infrage gestellt werden können. Hierfür gibt es z. B. im Manual des Bochumer Inventars zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung BIP Normwerte für verschiedene Berufsgruppen (z. B. Sachbearbeiter, Geschäftsführer und Vorstände) und Hinweise zur Gesprächsführung. Weitergehend ist der Ansatz, ein Anforderungsprofil aus den Arbeitsanforderungen abzuleiten (z. B. aufgrund einer Befragung von Vorgesetzten oder einer systematischen Arbeitsanalyse) und dann das Profil eines Bewerbers mit einem Profil akzeptabler Werte zu vergleichen. Abweichungen von diesem Toleranzbereich werden dann negativ gewertet. Ein Beispiel für ein derartiges personorientiertes Vorgehen ist das computerbasierte System PERLS® (www.eligo.de). Aus zahlreichen möglichen Persönlichkeitstests werden entscheidungsrelevante ausgewählt und für jede Eigenschaftsdimension der Toleranzbereich bestimmt. Dann werden die Bewerber auf diesen Dimensionen getestet und ihr Profil mit dem Toleranzbereich verglichen.
  • Was ist eine Persönlichkeitsstörung nach ICD-10?

    Lösung

    Eine Persönlichkeitsstörung liegt vor, wenn mindestens 3 der folgenden 6 Kriterien erfüllt sind: 1. Es besteht eine deutliche Unausgeglichenheit in den Einstellungen und im Verhalten in mehreren Funktionsbereichen wie Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle, Wahrnehmen und Denken sowie in den Beziehungen zu anderen. 2. Das abnorme Verhaltensmuster ist andauernd und nicht auf Episoden psychischer Krankheiten beschränkt. 3. Das abnorme Verhaltensmuster ist tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend. 4. Die Störung beginnt in der Kindheit oder Jugend und manifestiert sich auf Dauer im Erwachsenenalter. 5. Die Störung führt zu deutlichem subjektivem Leiden, manchmal erst im späteren Verlauf. 6. Die Störung ist meistens mit deutlichen Einschränkungen der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit verbunden.
  • Welches sind die spezifischen Persönlichkeitsstörungen nach ICD-10? Beispiel einer Definition?

    Lösung

    Spezifische Persönlichkeitsstörungen nach ICD-10: F60.0: Paranoide Persönlichkeitsstörung PAR - Misstrauen und Argwohn gegenüber anderen; F60.1: Schizoide Persönlichkeitsstörung SCH - Distanziertheit in sozialen Beziehungen und eingeschränkter emotionaler Ausdruck; F60.2: Dissoziale Persönlichkeitsstörung DIS - Missachtung und Verletzung der Rechte anderer, keine dauerhaften Beziehungen; F60.3: Emotional-instabile Persönlichkeitsstörung INS - Instabilität in Gefühlen und Verhalten; F60.3: Impulsiver Typ IMP - Impulsive Handlungen, starke Stimmungsschwankungen; F60.31: Borderline-Typ BOR - Instabiles Selbstbild, instabile Beziehungen; F60.4: Histrionische Persönlichkeitsstörung HIS - Heischen nach Aufmerksamkeit und übertriebener Emotionsausdruck; F60.5: Zwanghafte Persönlichkeitsstörung ZWA - Ständige Beschäftigung mit Ordnung, Perfektion und Kontrolle; F60.6: Ängstliche Persönlichkeitsstörung ÄNG - Besorgtheit, Überempfindlichkeit, Minderwertigkeitsgefühle; F60.7: Abhängige Persönlichkeitsstörung ABH - Unselbstständigkeit, anklammerndes Verhalten, Angst vor Alleinsein; F60.8: Andere spezifische Persönlichkeitsstörungen - Zum Beispiel narzisstische Persönlichkeitsstörung NAR: Selbstüberschätzung, mangelnde Empathie; Definition siehe vorherige Frage!
  • Welche Probleme bestehen bei der Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen?

    Lösung

    Erstens ist es schwierig, Personen einer spezifischen Persönlichkeitsstörung eindeutig zuzuordnen. Vielmehr sind Mehrfachdiagnosen die Norm, d. h. die spezifischen Störungen zeigen deutliche Überlappungen. Sie werden in der psychiatrischen Literatur unter dem Stichwort Komorbidität (gemeinsam auftretende Erkrankungen) abgehandelt. Zweitens muss damit gerechnet werden, dass die Reliabilität des gesamten Verfahrens zur Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen nach ICD-10, bedingt durch unterschiedliche Interviewstile der Beurteiler, niedrig ausfallen kann.
  • Sind Persönlichkeitsstörungen lediglich Extremvarianten von Big-Five-Facetten?

    Lösung

    Es gibt zwar systematische Zusammenhänge zwischen den Big Five und ihren Facetten und Persönlichkeitsstörungen (wobei die Differenzierung durch die vielen Facetten natürlich besser gelingt als durch die Big Five selbst), aber auch die Big-Five-Facetten reichen nicht aus, um die Persönlichkeitsstörungen vollständig zu charakterisieren. Empirische Untersuchungen zu dimensionalen Ratings von Persönlichkeitsstörungen bei Patienten ergaben, dass nur 30%–50% der Variabilität in den Störungen durch Big-Five-Facetten vorhergesagt werden konnten.
  • Welchen Nutzen haben Persönlichkeitsprofile bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen?

    Lösung

    Mit Hilfe einer profilgeleiteten Prüfung kann getestet werden, ob persönlichkeitstypische Probleme der Lebensführung vorhanden sind.
  • Welche Fehlschlüsse sind bei hierarchischen Datenstrukturen verbreitet?

    Lösung

    Zum einen kann es zu einem ökologischen Fehlschluss kommen. Dieser tritt auf, wenn fälschlicherweise von Zusammenhängen auf der übergeordneten Ebene auf Zusammenhänge auf der untergeordneten Ebene geschlossen wird. Ein Beispiel dafür ist die positive Korrelation zwischen der Lesefähigkeit in den US-Bundesstaaten und dem jeweiligen Anteil der Immigranten. Diese legt den Fehlschluss nahe, dass Immigranten besser lesen können als Einheimische. Zum anderen sollte nicht aus Zusammenhängen der untergeordneten Ebene auf die der übergeordneten Ebene geschlossen werden (Fehlschluss der Zusammenfügung („fallacy of composition“).
  • Sind Mehrebenenanalysen nur geeignet, um Persönlichkeitsunterschiede in sozialen Gruppen zu untersuchen?

    Lösung

    Nein, geeignet sind sie demgegenüber zum Beispiel für Tagebuchanalysen, bei denen Personen über einen längeren Zeitraum (z. B. 1 oder 2 Wochen lang) jeden Tag bestimmte Situationen bezüglich ihrer emotionalen Qualitäten beurteilen, z. B. Stresssituationen oder soziale Interaktionen. Ebenfalls häufig verwendet werden sie für Längsschnittuntersuchungen der Persönlichkeitsentwicklung mit mehr als zwei Messzeitpunkten. Hier betragen die Abstände zwischen den Messungen nicht Minuten oder Tage, sondern Jahre. Wie bei Mehrebenenanalysen zu situativen Effekten können auch hier interindividuelle Unterschiede in intraindividuellen Veränderungen durch stabile Merkmale der Personen vorhergesagt werden.
  • Kann man Korrelationen zwischen Persönlichkeit und Umwelt im Kreuzkorrelationsdesign direkt miteinander vergleichen?

    Lösung

    Kreuzkorrelationen können nur direkt miteinander vergleichen werden, wenn die Stabilität der beiden verglichenen Variablen gleich hoch ist. Ist das nicht der Fall, kommt es zu Fehlschlüssen. Das liegt daran, dass Kreuzkorrelationen aus zwei Anteilen bestehen: einem direkten Pfad und einem indirekten Pfad über die Stabilität.
  • Wieso sind Kausalaussagen über die Persönlichkeitsentwicklung modellabhängig?

    Lösung

    Wenn X und Y korrelieren, könnte das auf der Wirkung einer verborgenen, d. h. nicht betrachteten Variable Z beruhen, die auf X und Y wirkt. Dadurch gibt es eine große Anzahl von Interpretationsmöglichkeiten für eine Korrelation. Korrelieren zum Beispiel mütterlicher feindseliger Erziehungsstil und kindliche Aggressivität, so könnte das daran liegen, dass Mütter und Söhne bestimmte Gene teilen, die die Aggressivität beider fördern, wobei ein feindseliger Erziehungsstil lediglich ein spezieller Aspekt der Aggressivität von Müttern ist.
  • Welche methodischen Fehler begingen Kretschmer und Sheldon?

    Lösung

    Bei Kretschmer bestand das Problem vor allem darin, dass der Zusammenhang zwischen Körperbau und psychiatrischer Diagnose schlicht altersbedingt sein könnte, denn mit zunehmendem Alter verändert sich der alterstypische Körperbau vom leptosomen über den athletischen zum pyknischen Typ. Kretschmers Befund ist ein gutes Beispiel für eine Scheinkorrelation, die einen direkten Zusammenhang zwischen zwei Variablen vortäuscht, tatsächlich aber durch eine nicht gemessene Drittvariable bedingt ist. Sheldons, Stephens’ und Tuckers (1940) gefundene Korrelationen erwiesen sich bei nachfolgender kritischer Prüfung ebenfalls als Scheinkorrelationen, bedingt durch das Alter der Beurteilten und Urteilsverzerrungen bei den Urteilern. 
  • Worauf beruht die Attraktivität von Gesichtern? Warum?

    Lösung

    Werden nur Gesichter der Normalbevölkerung herangezogen, korreliert Gesichtsschönheit um .40 mit der Durchschnittlichkeit und um .25 mit der Symmetrie (Rhodes, 2006); die „virtuelle Miss Germany“ wirkt nur geringfügig schöner als die durchschnittliche gleichaltrige Deutsche. Erklärt werden diese Korrelationen evolutionspsychologisch oder durch allgemeine Prinzipien der Informationsverarbeitung (vgl. Rhodes, 2006). Evolutionspsychologisch ist plausibel, dass größere Abweichungen vom Durchschnitt oder Asymmetrien Hinweise auf Krankheiten oder Entwicklungsstörungen sind, sodass eine Präferenz für Durchschnittlichkeit und Symmetrie bei der Partnerwahl einen Reproduktionsvorteil hat. 
  • Welche physischen Merkmale sind attraktiv für das andere Geschlecht bei der Partnerwahl?

    Lösung

    In einer Berliner Speed-Dating-Studie von Asendorpf, Penke und Back (2011) war die Attraktivität des Gesichts bei Frauen und Männern der stärkste Prädiktor für das Interesse ihrer Gesprächspartner (Korrelationen um .50), gefolgt von der Attraktivität ihrer Stimme (ebenfalls von neutralen Beurteilern aufgrund von Tonaufnahmen vor dem Speed-Dating eingeschätzt) und den geschlechtstypischen Merkmalen Größe der Männer und niedriger Body-Mass-Index der Frauen (BMI: Körpergewicht in kg geteilt durch Quadrat der Körpergröße in m). 
  • Macht Schönheit glücklich?

    Lösung

    Schönheit macht das soziale Leben etwas einfacher, weil Interaktionspartner positiver reagieren. Das erleichtert es, Kontakte zu knüpfen, und schützt so vor Einsamkeit. Mit dem Älterwerden kehrt sich dieser Vorteil jedoch um: Ältere Frauen, deren Jugendfotos von altersgleichen Männern beurteilt wurden (die also das ehemalige Schönheitsideal kennen sollten) und für ehemals sehr attraktiv gehalten wurden, gaben ein etwas niedrigeres Selbstwertgefühl an als gleichaltrige Frauen, die als ehemals unattraktiv eingeschätzt wurden (Berscheid & Walster, 1974). Vermutlich beruht dies darauf, dass Schönheit im Alter weniger Vorteile hat als in der Jugend, was in Form eines intraindividuellen Kontrasteffekts das Selbstwertgefühl der ehemals Schönen minderte und das Selbstwertgefühl der ehemals weniger Schönen erhöhte. 
  • Welche Rolle spielt physische Attraktivität bei Bewerbungen?

    Lösung

    Bei besonders „schönen“ Menschen kommt es zum sogenannten Halo-Effekt in der Persönlichkeitswahrnehmung, bei dem ein wahrgenommenes positiv bewertetes Merkmal auf die Beurteilung anderer Merkmale derselben Person abfärbt. Solche Halo-Effekte spielen auch bei der Personalauswahl eine Rolle. Die Passung zwischen Attraktivität und Art der Stelle ist dabei wesentlich. So verstärkt physische Attraktivität bei Männern die Bewerbungschancen für Stellen mit typisch männlichen Tätigkeiten und bei Frauen für Stellen mit typisch weiblichen Tätigkeiten, vermutlich weil physische Attraktivität bei den Beurteilern geschlechtstypische Anforderungen an die auszuübende Tätigkeit präsenter macht. 
  • Wie verändert sich die Korrelation zwischen positivem und negativem Affekt mit zunehmendem Zeitraum der Beobachtung und warum?

    Lösung

    Sie nimmt ab, da allgemeine Emotionalität vermehrt an Bedeutung gewinnt. Hoch emotionale Menschen können oft positive und negative Gefühle haben, wenn auch meistens in anderen Situationen, und wenig emotionale Menschen erleben Emotionen jeglicher Art nur selten. Deshalb sind positive und negative Affektivität umso schwächer korreliert, je größer die Zeiträume sind, auf die sie sich beziehen und über die sie gemittelt werden. 
  • Mit welcher der beiden Affektivitätsdimensionen korreliert Extraversion stärker, mit welcher Neurotizismus?

    Lösung

    Der Temperamentsanteil von Extraversion bezieht sich auf eine überwiegend positive Stimmungslage und die Häufigkeit und Dauer positiver Emotionen wie z. B. Fröhlichkeit und Freude. Extraversion korreliert also höher positiv mit positiver Emotionalität. Neurotizismus dagegen korreliert stark positiv mit der Häufigkeit und Intensität negativer Emotionen in Bezug auf lange Zeiträume, aber nur wenig negativ mit der Häufigkeit und Intensität positiver Emotionen. 
  • Welche Merkmale im Arbeitsleben sagt Extraversion vorher?

    Lösung

    Nach der Übersicht von Tett und Christiansen (2008) sagt Extraversion neben Kundenkontakt vor allem Führungsqualität und auch den objektiv ermittelten Erfolg als Verkäufer vorher. 
  • Welche Merkmale im Arbeitsleben sagt Neurotizismus vorher?

    Lösung

    In der Arbeitswelt sagt Neurotizismus vielfältige Probleme vorher: mangelnder Einsatz aufgrund schnell einsetzender subjektiver Überforderung, Probleme im Kundenkontakt und in Teams vor allem aufgrund hoher Reizbarkeit und Verletzlichkeit und häufiges Wechseln des Arbeitsplatzes (Tett & Christiansen, 2008). 
  • Welche Merkmale im Arbeitsleben sagt Gewissenhaftigkeit vorher?

    Lösung

    Der Big-Five-Faktor Gewissenhaftigkeit sagt besser als alle anderen der 5 Hauptfaktoren der Persönlichkeit Leistungen vorher, insbesondere Schul- und Studienleistungen und Berufserfolg. Eine hohe Gewissenhaftigkeit sagt zum Beipiel positiven Kundenkontakt und Teamfähigkeit im Arbeitsalltag vorher. 
  • Welcher der Big-Five-Faktoren sagt Berufserfolg (Vorgesetztenurteil) am besten vorher?

    Lösung

    In einer Metaanalyse von Barrick und Mount (1991) sagte die selbstbeurteilte Gewissenhaftigkeit das Vorgesetztenurteil über den Berufserfolg am besten vorher.
  • Welche Persönlichkeitsdimension sagt Berufserfolg (Vorgesetztenurteil) am besten vorher?

    Lösung

    Die Dimension der Integrität (Vertrauenswürdigkeit) sagt im beruflichen Kontext noch etwas besser als Gewissenhaftigkeit das Vorgesetztenurteil über die berufliche Leistung, insbesondere die künftig erwartete Leistung (das Leistungspotenzial) vorher. 
  • Welche praktische Bedeutung hat der Befund, dass subjektives Krankheitsgefühl und objektive Krankheitssymptome fast nicht korrelieren?

    Lösung

    Wenn subjektive Beschwerden und objektiv nachweisbare Störungen nur unwesentlich korrelieren, sollte es nicht nur Gesunde und Kranke, sondern auch viele gesunde Kranke (subjektiv krank, objektiv gesund) und viele kranke Gesunde (subjektiv gesund, objektiv krank) geben. In diesem Fall stimmen also subjektives Erleben und objektiver Befund nicht überein. 
  • Auf welchen Annahmen beruhte das Konzept des Intelligenzalters von Binet und Simon und wie versuchten diese Autoren, das Intelligenzalter zu messen?

    Lösung

    Binet und Simon entwickelten für jede Altersstufe zwischen 3 und 15 Jahren fünf oder mehr mittelschwere Aufgaben (sie konnten von 50%–75% der Kinder des entsprechenden Alters gelöst werden. Um das Intelligenzalter eines Kindes, z. B. eines Siebenjährigen, zu bestimmen, wurden ihm so lange Aufgaben niedrigerer Altersstufen vorgelegt, bis es gerade noch alle Aufgaben lösen konnte, z. B. alle Aufgaben bis zur Altersstufe 6 (in diesem Fall wäre dies das Grundalter). Dann testete man so lange weiter, bis das Kind keine einzige Aufgabe einer höheren Altersstufe mehr lösen konnte. Dieser Test setzt voraus, dass die Leistung in Intelligenztests mit wachsendem Alter linear zunimmt. 
  • Was verstand Stern unter dem IQ und wie wird er heute gemessen?

    Lösung

    Stern definierte den Intelligenzquotienten als Quotient aus Intelligenzalter durch Lebensalter multipliziert mit 100. Dieser Quotient zeigte nämlich eine ähnliche Standardabweichung auf unterschiedlichen Altersstufen, die bei den Binet-Aufgaben ungefähr 15 betrug. Sein Mittelwert muss, wenn die Aufgaben adäquat gewählt sind, 100 betragen, da bei einem IQ von 100 Intelligenzalter und Lebensalter identisch sind. Heute werden IQ-Werte innerhalb jeder Altersstufe normiert. Auf allen Altersstufen beträgt ihr Mittelwert 100 und ihre Standardabweichung 15. 
  • Welche historischen Veränderungen lassen sich im mittleren IQ westlicher Kulturen feststellen und welche Probleme können daraus entstehen?

    Lösung

    Die Intelligenztestrohwerte nahmen in westlichen Kulturen in den letzten Jahrzehnten ständig zu (vgl. Flynn, 1987; Neisser, 1998). Der säkulare IQ-Trend führt dazu, dass die faktisch gefundenen IQ-Mittelwerte für einigermaßen repräsentative Stichproben einer Population umso mehr den Wert 100 überschreiten, je länger die letzte Testnormierung zurückliegt. Deshalb müssen Intelligenztests regelmäßig neu normiert werden. Eine besonders kontroverse Methode zur Diagnose von Legasthenie besteht darin, die Differenz zwischen dem IQ und der Leistung in einem Lese-Rechtschreib-Test zu bestimmen. Ist der IQ mindestens durchschnittlich und die Lese-Rechtschreib-Leistung sehr viel niedriger, wird auf Legasthenie geschlossen. Da der IQ, nicht aber die Lese-Rechtschreib-Leistung in den letzten Jahrzehnten säkular zunahm, führte dies dazu, dass von Jahr zu Jahr immer mehr Legastheniker „entdeckt“ wurden (denn die Intelligenz wurde durch den IQ zunehmend überschätzt). 
  • In welcher Annahme unterscheiden sich die Intelligenzbegriffe von Spearman und Thurstone?

    Lösung

    Spearman (1904) formulierte ein einflussreiches Intelligenzmodell, später oft Zwei-Faktoren-Theorie der Intelligenz genannt, nach dem unterschiedliche Intelligenzmessverfahren immer zwei Faktoren repräsentieren: einen gemeinsamen Faktor und einen speziellen Faktor. Thurstone (1938) gab die Forderung nach nichtüberlappenden spezifischen Faktoren auf und formulierte das Modell der Primärfaktoren, nach dem die Fähigkeit zur Lösung einer bestimmten Intelligenzaufgabe immer auf mehreren Intelligenzfaktoren beruht. 
  • Welche Faktoren beeinflussen die Zusammenhänge zwischen IQ und Grundschulnoten, Abiturnoten, Bildungsdauer, Berufsprestige und Berufserfolg?

    Lösung

    Die Vorhersagbarkeit von Noten durch den IQ ist durch die Unreliabilität der Notengebung und im Falle von Abitur- und Studienabschlussnoten zusätzlich durch Varianzeinschränkung in der Intelligenz stark eingeschränkt.
  • Lässt sich Intelligenz durch Reaktionszeitmessungen objektivieren?

    Lösung

    Ja, es ist möglich, spezifische Intelligenz über Reaktionszeitmessungen zu objektivieren (z.B. nichtverbaler IQ, schlussfolgerndes Denken). Dieser Ansatz konzentriert sich auf die Effektivität, mit der einzelne, einfache Informationsverarbeitungsprozesse ausgeführt werden können, und versucht sie auf Testintelligenz zu beziehen. Studien der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, die spezifische Beziehungen zwischen bestimmten kognitiven Anforderungen und IQ-Untertests nachweisen, können zu einem besseren Verständnis der einzelnen Untertests und der Heterogenität von Intelligenzleistungen beitragen.  
  • Wie wird versucht, Kreativität zu messen, und mit welchem Erfolg?

    Lösung

    In der Tradition von Guilford (1950) messen viele Kreativitätstests die Fähigkeit zum divergenten Denken. Diese besteht darin, die Problemstellung selbst erst einmal klar zu definieren und dann, in Abhängigkeit von den möglichen Problemstellungen, unterschiedliche Lösungen zu generieren. Diese Kreativitätstests korrelieren mäßig untereinander. Es gestaltet sich oft schwierig, alltagsnahe Kriterien zu finden, die für eine Validierung der Tests geeignet sind. Unterschieden werden sollten nach Kandler et al. (2016) die Leistung in Kreativitätstests („kreative Testperformanz“) und wahrgenommene Kreativität. Hierbei sind mit Kreativitätstests Tests in der Tradition von Guilford gemeint, während wahrgenommene Kreativität das alltägliche kreative Denken und Verhalten widerspiegelt, so wie es von einem selbst wahrgenommen, aber auch von anderen beobachtet werden kann. 
  • Kann man soziale Kompetenz von Intelligenz unterscheiden?

    Lösung

    Alltagspsychologisch ist „soziale Kompetenz“ die Fähigkeit, gut mit anderen Menschen zurechtzukommen. Diese ist klar abgrenzbar von intellektuellen Fähigkeiten. Da soziale Kompetenz zumindest in Persönlichkeitsbeurteilungen als einheitlicher, von intellektuellen Fähigkeiten deutlich unterschiedener Faktor repräsentiert ist, hat es immer wieder Versuche gegeben, soziale Kompetenz durch geeignete Testverfahren zu erfassen. Nach Thorndike (1920) lassen sich zwei Aspekte sozialer Kompetenz unterscheiden: Soziale Sensitivität, d.h. wie gut man andere versteht und soziale Handlungskompetenz, d.h. wie gut man schwierige soziale Situationen meistern kann. 
  • Welche Probleme gibt es bei der Operationalisierung von sozialer Sensitivität und Handlungskompetenz?

    Lösung

    Ein Problem bei der Erfassung des Konstruktes „Soziale Sensitivität“ ist es, dass möglicherweise keine einheitliche Eigenschaft der sozialen Sensitivität besteht, sondern mehrere relativ unabhängige Eigenschaften, die hier eine Rolle spielen und die in unterschiedlichen sozialen Situationen unterschiedlich relevant sind. Das Hauptproblem bei der Untersuchung sozialer Kompetenz ist, dass die Beurteilungen innerhalb einer Situation hoch zwischen verschiedenen Beurteilungsdimensionen korrelieren, innerhalb einer Beurteilungsdimension jedoch nur gering zwischen den Situationen (Sackett & Dreher, 1982). Ein weiteres Problem bei beiden besteht darin, dass die Leistung in den jeweiligen Tests „zu hoch“ mit Intelligenz korreliert: Die Korrelationen mit Intelligenztests sind meist genauso hoch wie die Korrelationen der Tests untereinander (vgl. z. B. Keating, 1978). 
  • Ist emotionale Intelligenz ein sinnvolles psychologisches Konstrukt?

    Lösung

    Was derzeit unter „emotionaler Intelligenz“ verstanden wird, hat mit Intelligenz wenig bis gar nichts zu tun. Bei den untergeordneten, sehr heterogenen Fähigkeiten handelt es sich nur teilweise um Intelligenzleistungen, emotionale Expressivität beispielsweise ist eher dem Temperament zuzuordnen. „Emotionale Intelligenz“ kann entweder als fähigkeitsbasierte emotionale Kompetenz oder als Mischkonstrukt emotionaler Kompetenzen auftreten, die sich wiederum durch gut etablierte Persönlichkeitsmerkmale beschreiben lassen. Deshalb korrelieren Maße dieses Mischkonstrukts auch kaum mit fähigkeitsbasierten Maßen der emotionalen Intelligenz. Skalen zur Erfassung des Konstruktes sind oft nicht hinreichend reliabel. Trotz fragwürdiger Konstruktvalidität lässt sich Berufserfolg mithilfe emotionaler Kompetenzmaße gut vorhersagen. 
  • Was erfassen Assessment Center und wie gut sagen sie den Berufserfolg vorher?

    Lösung

    Ein Assessment Center soll Aufschluss über arbeitsbezogene Fähigkeiten, insbesondere soziale Kompetenzen, geben. Außerdem können berufsspezifische Anforderungen durch Leistungstests und Arbeitsproben erfasst werden. Untersuchungen zur prädiktiven Validität von Assessment Centern zeigen, dass die Beurteilungen der Gruppendiskussion stark durch den IQ und Selbstvertrauen und Dominanz beeinflusst sind (die wiederum stark mit den sozialen Kompetenzskalen korrelieren). Dies wirft die Frage auf, ob das Assessment Center gegenüber IQ-Tests und Persönlichkeitsfragebögen inkrementelle Validität aufweist. Die Vorhersage des Leistungspotenzials (zukünftig erbrachte Leistung) gelingt hier besser als die der tatsächlichen Leistung. 
  • In welcher Hinsicht unterscheiden sich Mangelbedürfnisse und Wachstumsbedürfnisse nach Maslow?

    Lösung

    Die Bedürfnisse unten in der Hierarchie bezeichnete Maslow (1955) als Mangelbedürfnisse. Sie würden nur verhaltenswirksam, wenn ein Mangel auftrete; nach der Bedürfnisbefriedigung ruhten sie wieder. Die Bedürfnisse oben in der Hierarchie bezeichnete Maslow dagegen als Wachstumsbedürfnisse (im psychologischen Sinn). Sie würden dauerhafter das Verhalten bestimmen, weil sie sozusagen unersättlich seien: Sie ließen sich nie ganz befriedigen. Somit unterscheiden sich Mangel- und Wachstumsbedürfnisse darin, dass bei Wachstumsbedürfnissen der Sollwert nie erreicht wird. 
  • Welche Motive lassen sich unterscheiden? In welche Komponenten lassen sie sich differenzieren

    Lösung

    Allgemein werden vier grundlegende Motivdispositionen unterschieden: das Leistungsmotiv (Präferenz für Erfolg), das Machtmotiv (Präferenz andere zu beeinflussen), das Anschlussmotiv (Präferenz für soziale Interaktionen) und das Intimitätsmotiv (Präferenz für Nähe und Vertrautheit mit anderen). Die Motive lassen sich hinsichtlich ihrer Annäherungs- und Vermeidungskomponenten (englisch: „approach“ und „avoidance“) differenzieren. 
  • Wie ist im Risikowahlmodell von Atkinson die Wertkomponente definiert und warum?

    Lösung

    Im Risikowahlmodell nach Atkinson ist die Wertkomponente definiert als Leistungsmotiv einer Person multipliziert mit der Attraktivität des Erfolgs in Form einer Risikokomponente der Handlung. 
  • Welche methodischen Probleme gibt es bei projektiven Tests? Alternativen der Erfassung impliziter Motive?

    Lösung

    An projektiven Verfahren zur Motivmessung wird häufig die  mäßige interne Konsistenz sowie eine mäßige zeitliche Stabilität der Testwerte kritisiert. Oft ist auch die Interpretation der Testwerte unklar: So messen Projektive Tests häufig die Sensitivität gegenüber einem Thema, nicht aber unbedingt motivationale Tendenzen zu entsprechendem Verhalten bei den Getesteten. Eine alternative Erfassung impliziter Motive kann zum Beispiel über den Operanten Motivtest (OMT) von Kuhl und Scheffer (1999) erfolgen, in dem die Getesteten nur noch Stichworte aus der Geschichte zum jeweiligen Bild niederschreiben müssen. Auch denkbar wäre die Gittertechnik von Schmalt (1976), welche auf vorgegebene Antwortalternativen zu den Bildern setzt und damit nur semi-projektiv ist. Eine weitere Alternative ist der Implizite Assoziationstest (IAT), welcher die Reaktionszeiten von Personen auf gegensätzliche Wortpaare erfasst.
  • Welche zwei Komponenten des Leistungs- und des Anschlussmotivs lassen sich unterscheiden, und welche Persönlichkeitstypen resultieren daraus?

    Lösung

    Das Anschlussmotiv bezieht sich auf das Streben nach Kontakt und Austausch mit bekannten oder unbekannten Personen und kann in die Komponenten Hoffnung auf Anschluss (Annäherung) und Furcht vor Zurückweisung (Vermeidung) aufgespalten werden. Das Leistungsmotiv bezieht sich auf den Wunsch nach Leistungsfähigkeit und kann in die Komponenten Hoffnung auf Erfolg (Annäherung) und Furcht vor Misserfolg (Vermeidung) unterteilt werden. Daraus resultieren jeweils vier Typen bei Kreuzklassifikation von Annäherungs-  bzw. Vermeidungstendenz: So können für das Anschlussmotiv der ungesellige, der vermeidende, der gesellige und der schüchterne Typ unterschieden werden.  
  • Warum ist es sinnvoll, motiviertes Verhalten wie im Zürcher Modell der sozialen Motivation zu modellieren?

    Lösung

    Das Zürcher-Modell von Bischof (1993) beinhaltet Wechselwirkungen zwischen Situations- und Personenvariablen. So sind computergestützte, individuumzentrierte Schätzungen von Persönlichkeitseigenschaften aufgrund beobachteter Situations-Reaktions-Beziehungen möglich. Durch die Modellierung motivationaler Prozesse lässt sich das Problem der simultanen Abhängigkeit des Verhaltens von mehreren Bedürfnissen oder Motiven und das Problem der Motivationsdynamik innerhalb von Testsituationen lösen. Solche Modellierungen könnten sich als fruchtbar für die Persönlichkeitspsychologie erweisen, wenn die Modelle reiche Annahmen über Eigenschaften und ihre Koppelung enthalten. 
  • Wie lassen sich Berufsinteressen klassifizieren?

    Lösung

    Berufe lassen sich auf den zwei Dimensionen „Menschen – Dinge“ und „Daten – Ideen“ verorten. Diese definieren wiederum nach Holland (1997) sechs verschiedene Interessenstypen: Praktisches Interesse, Wissenschaftliches Interesse, Künstlerisches Interesse, Soziales Interesse, Unternehmerisches Interesse und Interesse an Büroberufen. 
  • Was passiert, wenn persönliche Ziele und Motive in Konflikt stehen?

    Lösung

    Weichen persönliche Ziele und Motive stark oder dauerhaft voneinander ab, so scheint dies negative emotionale Konsequenzen zu haben. Brunstein, Lautenschläger, Nawroth, Pöhlmann und Schultheiss (1995) fanden in einer Querschnittstudie an Studierenden, dass sie sich besser fühlten, wenn ihre persönlichen Ziele im Bereich Macht und Intimität mit ihren entsprechenden projektiv gemessenen Motiven übereinstimmten.
  • Wie drückt sich Handlungsoptimismus in Erwartungs-, Handlungskontroll- und Attributionsstilen aus?

    Lösung

    Handlungsoptimismus korreliert in vielfacher Weise mit Erwartungs-, Handlungskontroll- und Attributionsstilen. So zeigt sich im Leistungsbereich etwa ein Zusammenhang zwischen starkem Handlungsoptimismus und dem Erfolgsmotiv "Hoffnung auf Erfolg". Hingegen geht mit dem Misserfolgsmotiv "Furcht vor Misserfolg" meist ein geringer Handlungsoptismus einher. Zudem gehen Lageorientierung und geringer Optimismus sowie Handlungsorientierung und starker Optimismus meist Hand in Hand. Bei hohem Handlungsoptimismus wird Erfolg eher auf die eigene Fähigkeit attribuiert, jedoch bei geringem Optimismus wird der Erfolg meist auf die günstigen Umstände zurückgeführt.
  • Welcher Unterschied besteht zwischen Situations-Ergebnis-Erwartung und Selbstwirksamkeitserwartung?

    Lösung

    Der Unterschied besteht darin, dass bei der Selbstwirksamkeitserwartung das eigene Handeln und nicht, wie bei der Situations-Ergebnis-Erwartung, das erzielte Ergebns in den Fokus gerückt wird.
  • Ist eine intrapsychische Bewältigung von Belastungen schlechter als eine problemorientierte?

    Lösung

    Während sich die problemorientierte Bewältigung als Defensivstrategie erweist (insb. Flucht vor der Situation), bietet die intrapsychische Bewältigung Optionen zur aktiven Auseinandersetzung mit den bedrohlichen Aspekten.
  • Lässt sich die Politik eines Präsidenten durch seine Persönlichkeit vorhersagen?

    Lösung

    Der Politikstil eines Präsidenten lässt sich nicht allein durch seine Persönlichkeit erklären. Vielmehr müssen weitere Faktoren wie etwa der Einfluss durch politische Berater, aktuelle Stimmungen in der Bevölkerung oder Mit- und Gegenspieler des Präsidenten berücksichtigt werden. Winter (2011) untersuchte das Persönlichkeitsprofil Barack Obamas auf Grundlage von dessen Antrittsrede. Dabei wurde dem US-Präsidenten ein durchschnittliches Leistungs- und Anschlussmotiv sowie ein erhöhtes Machtmotiv attestiert. Die von Winter getätigten Schlussfolgerungen zum Politikstil Obamas erwiesen sich zwar nicht als gänzlich falsch, jedoch waren sie sehr allgemein gefasst.
  • Worin unterscheiden sich Werthaltungen, Einstellungen und Motive?

    Lösung

    Werthaltungen sind individuelle Besonderheiten in der Bewertung wünschenswerter Ziele oder Handlungsdispositionen (wie z.B. Freiheit, Ehrlichkeit). Einstellungen sind individuelle Besonderheiten in der Bewertung spezifischer Objekte der Wahrnehmung oder Vorstellung (wie z.B. politische Parteien oder Konsumgüter). Motive sind Bewertungsdispositionen für die eigenen Handlungsfolgen, während Werthaltungen sich sowohl auf die eigenen als auch die Handlungen anderer bezieht. 
  • Gibt es eine interkulturell gesehen universale Struktur von Werthaltungen und wie verhalten sie sich zu anderen Persönlichkeitsmerkmalen?

    Lösung

    Schwartz (1992) entwickelte ein Werteinventar aus 56 Items, das er von 40 Stichproben in 20 Kulturen nach individueller Bedeutsamkeit beurteilen ließ . Es ergab sich eine kulturübergreifende Struktur: Zehn der 11 Wertebereiche bildeten in fast allen Kulturen homogene Regionen. Die 10 Wertebereiche wurden von Schwartz und Boehnke (2004) durch konfirmatorische Faktorenanalyse bestätigt. Zwar bestehen systematische korrelative Zusammenhänge mit den Big Five; aber Werthaltungen lassen sich nicht auf die Big Five reduzieren und sind demnach unabhängige Persönlichkeitsbereiche zu sehen.
  • Was verstanden Adorno et al. unter der autoritätshörigen Persönlichkeit, wie wird sie gemessen und welche Probleme ergaben sich?

    Lösung

    Unter autoritätshöriger Persönlichkeit verstehen Adorno et al. jene Persönlichkeiten, die die Items der Faschismusskala tendenziell  mit „ja“ beantworten. Merkmale dieses Persönlichkeitstyps sind:  die Bevorzugung konventioneller Werte, die Tendenz zu gesellschaftlich legitimierten aggressiven Gefühlen gegenüber Minderheiten und die kritiklose Unterordnung unter Autoritäten.
  • Was messen Autoritarismus (RWA) und soziale Dominanzorientierung (SDO), welche Beziehungen besitzen sie zu anderen Persönlichkeitsmerkmalen und was sagen sie vorher?

    Lösung

    Altemeyer (1988) entwickelte die Autoritarismusskala (RWA), die die Aspekte „autoritäre Aggression“,  „autoritäre Submission“  und  „Konventionalismus“ umfasst. Später  entwickelten Pratto, Sidanius, Stallworth und Malle (1994) die Soziale Dominanzskala (SDO), die ganz allgemein die Präferenz für hierarchische Beziehungen und die Ablehnung ethnischer und sozialer Minderheiten erfasst. Obschon RWA und SDO soziale Vorurteile gut vorhersagen können, bestehen zwischen ihnen bedeutsame Unterschiede, die später in einem Zweiprozessmodell von Duckitt (2001) näher spezifiziert und empirisch gut bestätigt wurden: Während RWA durch das Ziel der Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Ordnung motiviert sei, liege SDO das Ziel der Aufrechterhaltung von Dominanz, Macht und Überlegenheit zugrunde.
  • Welche Versuche gibt es, die Vorhersage von Verhalten durch explizite Einstellungen zu verbessern?

    Lösung

    Jones und Sigall (1971) konzipierten ein Verfahren, durch das Versuchspersonen dazu gebracht werden können zu glauben, dass der Wahrheitsgehalt ihrer Antworten durch eine Art Lügendetektor überprüft werden könne (die sogenannte Bogus-Pipeline-Technik). In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass dieses Verfahren tatsächlich Fremdtäuschungstendenzen vermindert. Es ist wohl dem großen technischen Aufwand zu verdanken, dass es nicht häufiger genutzt wurde. Wäre es andererseits häufiger genutzt worden, wäre dieses Täuschungsverfahren schnell öffentlich bekannt und dadurch für die Praxis untauglich geworden.
  • Wie kann man implizite Einstellungen erheben, welche Rolle spielen sie in der Verhaltensvorhersage und wovon hängt ihr Zusammenhang mit expliziten Einstellungen ab?

    Lösung

    Implizite Einstellungen können anhand der Primingtechnik oder durch implizite Assoziationstests erfasst werden. Fazio (1990) formulierte das MODE-Modell der Verhaltensvorhersage, wonach explizite Einstellungen eher willentlich kontrolliertes Verhalten, implizite Einstellungen hingegen eher spontanes Verhalten vorhersagen. Der Zusammenhang zwischen expliziten und impliziten Einstellungen hängt von einer Reihe von moderierenden Variablen ab. Darunter fallen etwa triviale Moderatoren wie die inhaltliche Korrespondenz der impliziten vs. expliziten Einstellungen oder Reliabilität der Messverfahren. Zudem lassen sich Moderatoren der bewussten Anpassung (z. B. Verfälschung durch Tendenz zu sozial erwünschten Antworten), der propositionalen Transformation(z. B. Zeitdruck), der Assoziationsstärke (z. B. starke vs. schwache Einstellungen) und der Aktivierung assoziativer Repräsentationen (z. B. durch vorangehende Beschäftigung mit dem Einstellungsobjekt) ausmachen.
  • Wie gut lässt sich das Rückfallrisiko von Sexualstraftätern vorhersagen und welche Konsequenzen hat das für die Praxis?

    Lösung

    Es werden Merkmale identifiziert, in denen sich rückfällige Sexualstraftäter von anderen Sexualstraftätern unterscheiden, und dann ermittelt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Rückfall aufgrund dieser Eigenschaften vorhergesagt werden kann. Zu diesen Eigenschaften zählen neben der antisozialen Persönlichkeitsstörung vor allem abnorme sexuelle Einstellungen, die sich z. B. auf Kinder, Frauen oder die männliche Geschlechtsrolle beziehen. Mittels optimaler Gewichtung dieser Prädiktoren kann im individuellen Fall eine Prognose des Rückfallrisikos vorgenommen werden. Solche Prognosen sind jedoch riskant, weil sich fehlerhaft sein können, z. B. falsch-positiv oder falsch-negativ. Die möglichen Konsequenzen solcher Prognosefehler sind bei Entscheidungen, z. B. über vorzeitige Haftentlassung, zu berücksichtigen.
  • In welcher Hinsicht unterscheiden sich Ich, Mich, Selbstkonzept und Selbstwertgefühl?

    Lösung

    Das Ich ist nach James (1980) der Akteur, der Urheber der eigenen Handlungen und des eigenen Wissens. Das Mich ist das Objekt des eigenen Wissens. Das Selbstkonzept ist der zeitlich mittelfristig stabile Anteil des Mich oder anders gesagt das subjektive Bild von der eigenen Person. Das Selbstkonzept kann als Wissenssystem beschrieben werden, welche das Wissen über die eigene Person umfasst und dieses ordnet. Das Selbstwertgefühl  ist die Bewertung der eigenen Person.
  • Wie bereichsspezifisch ist das Selbstwertgefühl organisiert?

    Lösung

    Während die mehrdimensionale Struktur des Selbstwertgefühls inzwischen unumstritten ist, wird die Beziehung zwischen den bereichsspezifischen Faktoren und dem bereichsunspezifischen allgemeinen Selbstwertgefühl kontrovers diskutiert.
  • Welche Unterschiede bestehen zwischen dem Selbstwert in der Kindheit und im Erwachsenenalter?

    Lösung

    Das allgemeine Selbstwertgefühl ist, zumindest in der Kindheit, zeitlich weniger stabil ist als die einzelnen bereichsspezifischen Faktoren. Vom Jugendalter bis zum Erwachsenenalter erreicht das allgemeine bereichsunspezifische Selbstwertgefühl aber eine recht hohe Stabilität, die vergleichbar ist mit der anderer Persönlichkeitseigenschaften.
  • Welche Beziehungen bestehen zwischen Selbstwert und selbstbeurteilter Lebensqualität?

    Lösung

    Orth, Robins und Widaman (2012) überprüften mit einer Längsschnittstudie die Wechselwirkungen zwischen allgemeinem Selbstwertgefühl und verschiedenen Merkmalen der selbstbeurteilten Lebensqualität  und objektiven Lebensqualität. Die Teilnehmer wurden alle drei Jahre befragt; das Selbstwertgefühl wurde mit der Rosenberg-Skala erfasst. Orth et al. nutzten die Methodik des Kreuzkorrelationsdesigns , um zu ermitteln, ob im Zeitverlauf das Selbstwertgefühl stärker von der Lebensqualität abhängt oder umgekehrt die Lebensqualität stärker das Selbstwertgefühl beeinflusst. Orth et al. fanden heraus, dass das Selbstwertgefühl die Lebensqualität in allen zentralen Bereichen beeinflusst – und nicht umgekehrt.
  • An welche Grenzen stoßen symbolisch-interaktionistische Erklärungen des Selbstkonzepts?

    Lösung

    Die vor allem vom Soziologen Mead (1934) begründete Schule des symbolischen Interaktionismus geht davon aus, dass unser Bild von uns selbst durch zwei Arten von Bildern im Spiegel anderer geprägt wird: die Bilder, die uns wichtige konkrete Bezugspersonen („significant others“) vorhalten, und das daraus durch Generalisierung entstehende verallgemeinerte Bild (das Bild des „generalized other“). Eine Grenze dieses Ansatzes besteht darin, dass wir den vermuteten Eindruck anderer nicht klar von unserem eigenen Selbstkonzept abgrenzen können. Die Fähigkeit, Abweichungen zwischen diesem Eindruck und unserem Selbstkonzept wahrzunehmen, scheint nur gering entwickelt zu sein. 
  • Inwiefern ist das Selbstwertgefühl durch soziale Vergleiche beeinflusst?

    Lösung

    Soziale Vergleichseffekte machen sich bemerkbar, wenn Menschen ihre Bezugsgruppe wechseln. So haben z. B. im klassischen deutschen Schulsystem spätere Gymnasiasten gegen Ende der Grundschulzeit ein positiveres Selbstwertgefühl im schulischen Bereich als spätere Hauptschüler, weil sie in ihrer Klasse überdurchschnittliche Noten haben. Nach dem Übergang ins Gymnasium wechseln sie jedoch in eine Bezugsgruppe, in der sie im Vergleich zu ihren Klassenkameraden nicht mehr besser sind, sodass ihr Selbstwertgefühl relativ zu den Hauptschülern zwischen der 4. und 5. Klasse sinkt.
  • Ist Selbstüberschätzung gesund?

    Lösung

    Die Frage, ob Selbstüberschätzung gesund sei, lässt sich aus zweierlei Blickwinkeln beantworten: Die Frage kann bejaht werden, wenn mit Selbstüberschätzung die normale mäßige Selbstüberschätzung gemeint ist. Wird allerdings das Problem differenzierter betrachtet und Selbstüberschätzung als Persönlichkeitsdimension mit dem einen Pol der Selbstunterschätzung und dem anderen Pol der starken Selbstüberschätzung verstanden, ist die Schlussfolgerung falsch. Dies gilt besonders für Personen, die sozial unerwünschte Formen einer überdurchschnittlich starken Selbstüberschätzung zeigen. Hierzu zählt insbesondere der Narzissmus. 
  • Welche dispositionalen Aspekte der Selbstdarstellung lassen sich unterscheiden?

    Lösung

    Das Konstrukt der Selbstüberwachung („self-monitoring“, Snyder (1974, 1987)) beschreibt eine Disposition zum Eindrucksmanagement durch Selbstdarstellung. Nach Nowack und Kammer (1987) lässt sich das gemessene Konstrukt der Selbstüberwachung in zwei klar trennbare Faktoren aufteilen: Soziale Fertigkeit und Inkonsistenz. Laux und Renner (2002) unterscheiden außerdem zwischen akquisitiver und protektiver Selbstdarstellung (nach dem Konzept von Arkin (1981)). 
  • Welche dispositionalen Aspekte der Selbstaufmerksamkeit lassen sich unterscheiden?

    Lösung

    Fenigstein, Scheier und Buss (1975) unterscheiden drei dispositionale Aspekte der Selbstaufmerksamkeit: Private Selbstbewusstheit, öffentliche Selbstbewusstheit und soziale Ängstlichkeit. Private Selbstbewusstheit erfasst die Tendenz, oft über sich selbst nachzudenken, und öffentliche Selbstbewusstheit die Tendenz, über die eigene Wirkung auf andere besorgt zu sein. Wieweit sich öffentliche und private Selbstbewusstheit unterscheiden lassen, scheint von der emotionalen Qualität der Situation abzuhängen. In negativ getönten Situationen korrelieren beide Eigenschaften hoch miteinander, nicht aber in positiv getönten Situationen. 
  • Was versteht man unter der dunklen Triade?

    Lösung

    Die dunkle Triade umfasst die sozial negativ bewerteten Eigenschaften Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie. Diese Merkmale korrelieren schwach bis mittelhoch (r = .20 bis r = .60) und haben einen gemeinsamen Kern, der nach Paulhus (2014) in emotionaler Kälte, d. h. einem Mangel an Empathiefähigkeit, besteht und sich weiterhin in geringer Verträglichkeit äußert. Ein zentraler Unterschied zwischen den Merkmalen besteht darin, dass es sich nur bei Narzissmus um eine selbstbezogene Disposition handelt. Die beiden anderen Merkmale sind zwar auch selbstwertrelevant (z. B. für Selbstdarstellung), lassen sich aber eher interpersonellen Stilen (Psychopathie) oder sozialer bzw. emotionaler Kompetenz (Machiavellismus) zuordnen. 
  • Worin unterscheiden sich Narzissten von anderen?

    Lösung

    Narzissmus ist eine Dimension der normalen Persönlichkeit, gekennzeichnet durch Selbstüberschätzung, mangelnde Empathie, Überempfindlichkeit gegenüber Kritik und Stimmungsschwankungen. Narzissmus als „normale“ Persönlichkeitseigenschaft wird mit dem sog. Narcissistic Personality Inventory (NPI) von Raskin und Terry oder alternativ mit dem Narcissistic Admirationand Rivalry Questionnaire (NARQ) von Back et al. (2013) erfasst. Eine Gruppe von Untersuchungen mit dem NPI an Studierenden bestätigte, dass Narzissten zur Selbstüberschätzung in Bezug auf ihre Leistungen, ihre Intelligenz oder ihre Attraktivität neigen. Zudem ist das Selbstwertgefühl bei Narzissten besonders labil.
  • Wer ist glücklich?

    Lösung

    Das subjektive Wohlbefinden korreliert mit dem allgemeinen Selbstwertgefühl, dem Gefühl persönlicher Kontrolle über das Leben, Extraversion, geringem Neurotizismus und Religiosität, kaum aber mit dem absoluten Einkommen, sondern eher mit dem relativen Einkommen in Bezug auf eine Vergleichsgruppe. Diese Korrelate des Wohlbefindens korrelieren wiederum untereinander teilweise stark, z. B. Kontrollgefühl, allgemeines Selbstwertgefühl und die Big Five, und die Kausalrichtung dürfte in diesem nomologischen Netzwerk des Wohlbefindens in alle Richtungen laufen. Nach dem Regelkreismodell von Headey und Wearing schwankt das subjektive Wohlbefinden um einen individuellen Sollwert herum. Dieser Sollwert des Glücks ist eine mittelfristig stabile Persönlichkeitseigenschaft. Einschneidende Lebensereignisse (positiv und negativ) haben nur dann einen Effekt auf das subjektive Wohlbefinden, wenn sie  in den letzten 3 Monaten eingetreten waren. Hingegen scheinen länger zurückliegende Ereignisse keinen Effekt zu haben.
  • Wie stark werden Selbstdarstellungen in neuen Medien geschönt?

    Lösung

    Persönliche Homepages im Internet liefern valide Informationen über deren Inhaber, auch wenn deren Extraversion und Verträglichkeit aufgrund entsprechender Selbstdarstellung überschätzt wird. Facebook-Selbstdarstellungen sind mindestens so valide wie Homepage-Selbstdarstellungen. Ein Grund ist die größere Interaktivität von Facebook. Verzerrungen persönlicher Informationen sind beim Online-Dating weit verbreitet, insbesondere bei Fotos, wobei sie meist jedoch eher subtiler Natur sind.
  • Wie kann die Situationsexposition einer Person sinnvoll erfasst werden?

    Lösung

    Man kann die Situationsexposition einer Person auf verschiedene Arten erfassen. Beispiele sind das Abfragen retrospektiver Einschätzungen,_sowie das Führen eines Tagebuchs oder Logbuchs. Bei der sogenannten Experience Sampling Methode (ESM) werden die Versuchsperson durch ein von den Untersuchern festgelegtes Signal zu bestimmten Zeitpunkten aufgefordert, ihre aktuelle Situation zu beschreiben. Möglich ist auch eine direkte Beobachtung. Dabei werden die Situationen durch anwesende Beobachter protokolliert (z. B. Beobachtungen in Kindergartengruppen) oder aus Verhaltensmessungen erschlossen.
  • Können Umwelten persönlichkeitsunabhängig definiert werden?

    Lösung

    Manche Umwelteigenschaften einer Person können völlig unabhängig von ihrer Person operationalisiert werden. Solche Situationen werden oft Settings genannt. „X begegnet Fritz“ wäre eine Beschreibung eines Settings. Ob X Fritz kennt oder nicht, wäre nicht Teil der Settingbeschreibung. Der Settingansatz hat den Vorteil, dass Person und Umwelt und damit auch Persönlichkeits- und Umwelteigenschaften streng getrennt operationalisiert werden.
  • Ist der sozioökonomische Status einer Person eine distale Variable?

    Lösung

    Der sozioökonomische Status ist kein Merkmal der Umwelt einer Person, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal. Bei Doppelverdienern ist er eine Mischung aus Persönlichkeitsmerkmal und proximaler Umweltvariable (der Ehepartner ist Teil der persönlichen Umwelt). Bei Kindern ist der sozioökonomische Status eine proximale Umweltvariable (die Persönlichkeit ihrer Eltern ist Teil ihrer persönlichen Umwelt). Obwohl also der sozioökonomische Status von seiner Operationalisierung her gar keine distale Umweltvariable ist, wird er in der klassischen Sozialisationsforschung als solche behandelt.
  • Wie kann man egozentrierte Netzwerke erfassen und welche Arten von Beziehungsvariablen lassen sich ermitteln?

    Lösung

    Um egozentrierte Netzwerke zu erfassen, kann eine Beziehungsmatrix erstellt werden. Dabei tragen die Befragten zeilenweise zunächst namentlich ihre Bezugspersonen ein, z. B. die Menschen, die ihnen persönlich wichtig sind und zu denen sie im letzten Monat mindestens einmal Kontakt hatten, und geben objektive Daten wie Alter und Geschlecht an. Dann wird auch der Beziehungstyp bestimmt und spaltenweise die Qualität ihrer Beziehung zu diesen Bezugspersonen mithilfe mehrstufiger Skalen beurteilt. Aus diesen Beurteilungen können dann Merkmale für einzelne Beziehungen abgelesen werden. Die Angaben oder Beurteilungen können aber auch über alle oder mehrere Beziehungen aufsummiert oder gemittelt werden, sodass man aggregierte Beziehungsvariablen erhält. Eine zentrale aggregierte Variable ist die Netzwerkgröße, die die Zahl der verfügbaren Beziehungen insgesamt widergibt und damit eine wichtige soziale Ressource abbildet. Aber auch andere aggregierte Variablen sind relevant, z. B. die durchschnittliche Kontakthäufigkeit mit den Peers oder die von ihnen durchschnittlich erhaltene Unterstützung.
  • Warum sind Merkmale sozialer Beziehungen in der Regel weniger stabil als die Persönlichkeit und welche Konsequenzen hat dies für Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Beziehungen?

    Lösung

    Der Stabilitätsunterschied zwischen Merkmalen sozialer Beziehungen und Persönlichkeitsmerkmalen kann darauf zurückgeführt werden, dass Beziehungsqualitäten nicht nur von der individuellen Persönlichkeit, sondern auch von der Persönlichkeit der Bezugsperson und ihrer Interaktionsgeschichte abhängen. Wenn Beziehungsmerkmale instabiler sind als die Persönlichkeit, kann nicht erwartet werden, dass sie mit Persönlichkeitseigenschaften hoch korrelieren.
  • Beeinflusst im Erwachsenenalter die Persönlichkeit die Beziehungen und umgekehrt?

    Lösung

    Ja, im Erwachsenenalter beeinflussen Persönlichkeit und soziale Beziehungen sich gegenseitig, wobei die Wechselwirkungen alters- und kontextabhängig sind. In der Berliner Beziehungsstudie von Asendorpf und Wilpers (1998) wurden diverse Beziehungsmerkmale bei Studierenden in einem Längsschnittdesign erhoben. Die Teilnehmer erlebten dabei den Übergang von der Schule an die Universität. Ihre Persönlichkeit war bereits so stabil, dass sie durch Veränderungen in ihren sozialen Netzwerken nicht beeinflusst wurde. Der inzwischen gut belegte Einfluss der ersten stabilen Partnerschaft auf die Abnahme des Neurotizismus dafür, dass die Persönlichkeit junger Erwachsener sensibel ist für andere Beziehungseinflüsse (Neyer & Asendorpf, 2001). Solche Partnerschaften werden in der Regel erstmals im jungen Erwachsenenalter eingegangen, und individuelle Unterschiede im Timing oder gar das Ausbleiben einer Partnerschaft können durchaus nachhaltige Einflüsse auf die Persönlichkeit mit sich bringen.
  • Was versteht Kenny unter einem Beziehungseffekt im Modell sozialer Beziehungen?

    Lösung

    Nach Kenny und LaVoie (1984) lassen sich Beziehungsqualitäten und Persönlichkeitseigenschaften durch ein gemeinsames Modell schätzen, wenn alle Personen die gleiche Möglichkeit haben, miteinander in soziale Interaktion zu treten. Beispiel: Eine Gruppe von acht Kindergartenkindern spielte an sieben Tagen jeweils eine Stunde zusammen. Ausgewertet wurde die soziale Orientierung der Kinder zueinander (ein bestimmtes Kind länger ansehen oder mit ihm sprechen oder spielen). Der Akteurparameter misst in diesem Beispiel die Tendenz eines Kindes, sich anderen Kindern zuzuwenden. Der Partnerparameter misst die Tendenz eines Kindes, Zuwendung von anderen Kindern hervorzurufen. Der Beziehungsparameter misst die spezifische Tendenz eines Kindes, sich einem bestimmten Spielpartner mehr (oder weniger zuzuwenden), als von seinem Akteur- und Partnerparameter zu erwarten wäre.
  • In welcher Hinsicht unterscheiden sich die Bindungskonzepte von Bowlby und Ainsworth von objekttheoretischen Konzepten primärer Beziehungen?

    Lösung

    Nach Bowlby (1969) gibt es nicht nur beim Menschen, sondern auch bei höheren Säugetieren im Allgemeinen ein evolutionär tief verankertes Bindungssystem, das bei Gefahr die Nähe zwischen dem Kind und der primären Bezugsperson gewährleiste (primär sowohl im Sinne der ersten als auch der wichtigsten Beziehung; meist die Mutter): Kind und Bezugsperson würden Nähe und Sicherheit suchen bzw. spenden. Die Erfahrungen in solchen Situationen prägten beim Kind ein inneres Arbeitsmodell von Beziehungen (Bowlby, 1973). Nach Bowlby sind es besonders Bindungserfahrungen in als bedrohlich empfundenen Situationen, die das innere Arbeitsmodell von Beziehungen prägen. Ainsworth entwickelte ein Beobachtungsparadigma, das es erlaubt, bei Kleinkindern drei verschiedene Bindungsstile gegenüber einer Bezugsperson zu unterscheiden: sicher, vermeidend, ängstlich-ambivalent.
  • Wie stabil ist die Bindungsqualität im 2. Lebensjahr und wie konsistent ist sie zwischen Vater und Mutter?

    Lösung

    Die Stabilität des Bindungsstils an die Eltern variiert stark; insbesondere ist die Stabilität bei instabiler sozialer Umwelt niedrig. Der Bindungsstil an die Eltern zeigt eine geringe (Bindungssicherheit) bis starke (Art der Unsicherheit) Konsistenz zwischen den Eltern
    und sagt einige Merkmale der späteren sozialen Kompetenz im Umgang mit Peers schwach vorher.
  • Worauf beruht die Bindungsqualität eines Kindes an seine Mutter?

    Lösung

    Die Qualität der Bindung an die Eltern ist bei Kleinkindern sowohl von Merkmalen der Eltern (insbesondere Einfühlsamkeit als Prädiktor der Sicherheit) als auch von Temperamentsmerkmalen des Kindes (insbesondere emotionale Labilität als Prädiktor einer ängstlich-ambivalenten Bindung) abhängig. Dabei können Risikofaktoren der Eltern und des Kindes in Wechselwirkung geraten, z. B. sich gegenseitig potenzieren. Allerdings erklären diese Merkmale nicht vollständig die Transmission der Bindungsqualität von Müttern auf ihre Kinder (vgl. van IJzendoorn, 1995).
  • In welcher Hinsicht unterscheiden sich die Bindungskonzepte von George et al., Hazan & Shaver und Bartholomew?

    Lösung

    Hazan und Shaver (1987) verließen sich beim Thema „Bindungsstil an Liebespartner“ auf Selbstbeurteilungen. Sie gingen von drei Bindungsstilen aus: sicherer, ängstlich-ambivalenter und vermeidender Bindungsstil.Die Leser sollten ankreuzen, welcher der drei Bindungsstile sie hinsichtlich ihrer wichtigsten Liebesbeziehung am besten charakterisiert. Bartholomew (1990) entwickelte diesen Ansatz für Erwachsene weiter, indem sie den vermeidenden Stil in einen abweisenden („dismissing“) und einen ängstlichen („fearful“) Stil differenzierte und den ängstlich-ambivalenten Stil als besitzergreifend („preoccupied“) bezeichnete. Im Adult Attachment Interview (AAI) von Main et al. werden mit Interviews die Repräsentationen der Bindung an die Eltern erfasst.
  • Wie konsistent sind Bindungsstile im Erwachsenenalter zwischen unterschiedlichen Beziehungstypen?

    Lösung

    Asendorpf et al. (1997) fanden für die Dimension sicher – ängstlich eine Konsistenz zwischen der Bindung an Vater und Mutter und für die Bindung an gleich- vs. gegengeschlechtliche beste Freunde von jeweils .40 und zwischen Eltern und besten Freunden um .30; die Konsistenz für die Dimension abhängig– unabhängig war ähnlich niedrig. Vergleichbare Ergebnisse fanden Fraley, Heffernan, Vicary und Brumbaugh (2011) mit beziehungsspezifischen Varianten der Experiences in Close Relationship Scales (ECR-RS) in Online-Studien an über 21 000 Teilnehmern. Grund dafür ist die Beziehungsspezifität von Bindungsstilen.
  • Was besagt das Revisionsmodell der Bindungsentwicklung?

    Lösung

    Das Revisionsmodell der Bindungsentwicklung beschreibt die Veränderungen des Bindungsstils zwischen Kindheit und Erwachsenenalter als eine Entwicklungssequenz, in der in unterschiedlichem Alter unterschiedliche Bindungen bestehen, wobei jeweils bei den Übergängen die vorhandenen Bindungsrepräsentationen den jeweiligen Bindungserfahrungen angepasst werden.
  • Welche empirische Evidenz gibt es für das Modell des Bindungsverhaltens von Mikulincer und Shaver?

    Lösung

    Das Modell des Bindungsverhaltens von Mikulincer und Shaver (2003) bettet die Bindungsforschung in das Informationsverarbeitungsparadigma ein. Bindungsstile variieren in diesem Modell primär auf einer Dimension sicher – unsicher, sekundär werden hyper- und deaktivierende unsichere Stile unterschieden. Ein-Dor, Mikulincer und Shaver (2011) untersuchten in einer Reihe von Studien typische kognitive Schemata für bindungsängstliche und bindungsvermeidende Personen, die sie als „Überwachungs-„ bzw. „Kampf-Flucht-Schema“ bezeichneten und vom „Sichere-Basis-Schema“ abgrenzten, das für bindungssichere Personen so typisch ist. Das Überwachungsschema kennzeichnet eine hyperaktivierende Strategie, bei der bindungsängstliche Personen einerseits eine relativ niedrige Wahrnehmungsschwelle für Beziehungsprobleme haben und andererseits belastende Interaktionen mit dem Partner schneller vergessen. Das Kampf-Flucht-Schema lässt sich wiederum als Ausdruck einer deaktivierenden Strategie verstehen: Bindungsvermeidende Personen sprechen Beziehungsprobleme lieber nicht an und gehen deren Lösung eher aus dem Weg.
  • In welcher Hinsicht unterscheiden sich erhaltene, erfahrene und potenzielle soziale Unterstützung?

    Lösung

    Die Unterscheidung zwischen zwischen, erhaltener, erfahrener und potenzieller Unterstützung wird am Beispiel der verstorbenen Ehefrau deutlich: Andere erfahren von ihrem Tod teilweise ohne Zutun des Witwers, teilweise aber auch nur durch seine Mitteilung. Wieweit andere Kenntnis vom Trauerfall erhalten, kann deshalb bereits von der potenziellen Unterstützung abhängen: Wer glaubt, dass ihm nicht geholfen wird, wird andere gar nicht erst informieren. Die Zahl erhaltener Beileidsbriefe, Telefonate und Besuche ist deshalb nicht nur von der Zahl der Freunde abhängig, sondern auch von der potenziellen Unterstützung. Der Tod der Ehefrau, die potenzielle Unterstützung und die Zahl der Freunde wiederum können durch Persönlichkeitsmerkmale beeinflusst sein – potenzielle Unterstützung und Freundeszahl v. a. durch das soziale Selbstwertgefühl. Potenzielle Unterstützung und die Wahrnehmung der tatsächlichen Unterstützung sowie andere Persönlichkeitsmerkmale wie z. B. Selbstwirksamkeitserwartungen fördern effektive Bewältigungsversuche und damit eine erfolgreiche Verarbeitung des Verlustes.
  • Ist soziale Unterstützung durch Angehörige immer hilfreich?

    Lösung

    In bestimmten Fällen kann sich tatsächliche Unterstützung durch Angehörige sogar negativ auswirken. Die gutgemeinte Unterstützung durch den Partner ist im Falle von Schmerzpatienten deshalb kontraproduktiv, weil sie nicht nur das subjektive Schmerzempfinden bei starken Schmerzreizen verstärkt, sondern auch die Schmerzschwelle schwachen Schmerzreizen gegenüber
    senkt. Das kann zu einem Teufelskreis zwischen Schmerzempfinden, Bemitleidung durch den Partner und gesteigerter Schmerzsensibilität führen.
  • Wer ist ein guter Partner?

    Lösung

    Zufriedenheit und die Stabilität einer Partnerschaft können zum einen durch die Persönlichkeitsmerkmale beider Partner und zum anderen durch die Passung der Persönlichkeit beider Partner beeinflusst werden.
  • Wie lassen sich Einflüsse der eigenen Persönlichkeit und der des Partners auf die Beziehungszufriedenheit ermitteln?

    Lösung

    Partnerschaftliche Zufriedenheit und Stabilität können im Prinzip auf zweifache Weise durch Persönlichkeitsmerkmale vorhergesagt werden. Erstens kann bestimmt werden, welche Merkmale der eigenen Persönlichkeit und der des Partners zu einer guten Partnerschaft beitragen, und zweitens, welche Rolle dabei die Passung der Persönlichkeit beider Partner spielt . Empirische können sogenannte Akteur-Partner-Interdependenzmodelle (APIM nach Kenny, Kashy & Cook, 2006) geneutzt werden. Das APIM entspricht konzeptuell einem Pfadmodell, wobei die einzelnen Pfade zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen der Partner und ihrer Beziehungszufriedenheit sogenannte Akteur- und Partnereffekte darstellen. Akteureffekte geben die Beziehung zwischen der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Zufriedenheit wieder, während Partnereffekte die Beziehung zwischen der eigenen Persönlichkeit und der vom Partner berichteten Zufriedenheit wiedergeben. Akteur- und Partnereffekte sind wechselseitig kontrolliert, d. h. Akteureffekte sagen die eigene Partnerschaftszufriedenheit unabhängig von der Persönlichkeit des Partners vorher und Partnereffekte tun dies unabhängig von der eigenen Persönlichkeit.

  • Was muss beim Online-Dating aus persönlichkeitspsychologischer Sicht beachtet werden?

    Lösung

    Die Zuordnung potenzieller Partner beim Online-Dating sollte auf wissenschaftlich fundierten Matching-Algorithmen basieren. Dabei sollte die Ähnlichkeit von Persönlichkeitsprofilen potenzieller Partner unter Berücksichtigung der per Zufall zu erwartenden Ähnlichkeit und der individuellen Unterschiede in Profilniveaus und Profilstreuungen ermittelt werden.Für die Passung der Persönlichkeitsprofile dürfte im Prinzip gelten, dass Ähnlichkeit hinsichtlich physischer Attraktivität und Einstellungen zu diversen Lebensbereichen aufgrund ihrer größeren Bedeutung für beginnende Partnerschaften stärker gewichtet werden müssten als eine Passung hinsichtlich basaler Persönlichkeitsmerkmale wie der Big Five. Zudem sollte auch die Passung in beziehungsrelevanten Merkmalen berücksichtigt werden, z. B. Bindungsstile wie Angst und Vermeidung, Präferenzen für Nähe und Distanz sowie Einstellungen zur Sexualität wie Verhütung oder Treue.
  • Ist Speed-Dating sinnvoll?

    Lösung

    Beim Speed-Dating können Partnersuchende Gleichgesinnte kennenlernen. Die Wahrscheinlichkeit
    einen romantischen Partner zu finden ist zwar gering, aber nicht gleich Null. Online-Dating und Speed-Dating können die Partnerwahl unterstützen, wenn persönlichkeitspsychologisches Wissen über die Relevanz von Persönlichkeitsmerkmalen und deren Partnerpassung angemessen berücksichtigt wird. Dazu gehört auch die empirisch begründete Einsicht, dass der Erfolg von Online-Dating und Speed-Dating keineswegs garantiert ist, beide Methoden aber wahrscheinlich effizienter als eine reine Zufallsauswahl sind.
  • Was versteht man unter Mittelwert- und Positionsstabilität und wie lassen sie sich operationalisieren?

    Lösung

    Bei der Mittelwertstabilität steht die Frage im Raum: Wie stabil ist die durchschnittliche Ausprägung einer Eigenschaftsmessung in einer Referenzgruppe? Hingegen stellt sich bei der Positionsstabilität die Frage: Wie stabil sind die interindividuellen Unterschiede in Eigenschaftsmessungen zwischen den Mitgliedern einer Referenzgruppe? Die Positionsstabilität wird mithilfe von Korrelationen bestimmt, genau wie die kurzzeitige Retestreliabilität durch die Korrelation zwischen zwei Eigenschaftsmessungen, nur dass der Abstand zwischen den Messungen nunmehr Jahre und nicht Tage oder Wochen beträgt. Zum Vergleich der beiden: Mittelwertstabilität ist gerichtet, Positionsstabilität ist ungerichtet. Beide sind im Prinzip unabhängig voneinander. Mittelwertstabilität ist persönlichkeitspsychologisch nicht interessant, weil sie nichts über die Stabilität interindividueller Unterschiede aussagt.
  • Was versteht man unter differenzieller Entwicklung?

    Lösung

    Für die Persönlichkeitspsychologie sind vor allem differenzielle Entwicklungsverläufe relevant, d. h. dass die individuellen Entwicklungsverläufe vom durchschnittlichen Verlauf mehr oder weniger stark abweichen. Dies wird überprüft, indem individuelle Entwicklungsverläufe mit durchschnittlichen Entwicklungsverläufen verglichen werden.
  • Was versteht man unter Konstruktstabilität, warum ist sie wichtig und wie lässt sie sich operationalisieren?

    Lösung

    Konstrukstabiliutät meint das Ausmaß, in dem Konstruktmessungen zu verschiedenen Zeitpunkten dieselbe Konstruktvalidität aufweisen. Sie ist relevant, da sie als Bedingung der Stabilitätsmessung angesehen werden kann. Die Konstruktstabilität lässt sich nicht nur über die Invarianz der Konstruktindikatoren prüfen, sondern auch über die zeitliche Konstanz des nomologischen Netzwerkes, das das Konstrukt umgibt. Die Big Five zeigen eine solche Kontinuität ab dem Kindergartenalter selbst dann, wenn Erfassungsinstrument und Beurteiler wechseln.
  • Welche Mittelwertveränderungen zeigen sich in Big-Five-Beurteilungen im Verlauf des Erwachsenenalters? Warum?

    Lösung

    Mittelwertveränderung sind am stärksten im jungen Erwachsenenalter (von ca. 20 bis 40 Jahren). Sie lassen sich durch eine Abnahme des Neurotizismus und eine Zunahme der Gewissenhaftigkeit und der Verträglichkeit charakterisieren. Für Extraversion und Offenheit werden kurvilineare Verläufe berichtet mit einem leichten Anstieg bis zum mittleren Erwachsenalter und anschließender Abnahme.
  • Wie hoch ist die Stabilität von Persönlichkeitseigenschaften und von welchen Faktoren hängt sie ab?

    Lösung

    Die Positionsstabilität sozial-emotionaler Persönlichkeitseigenschaften wächst bis zum mittleren Erwachsenalter (zwischen 50 und 60 Jahren) an und erreicht dort ein sehr hohes Niveau. Dies ist unvereinbar mit der Auffassung, die Persönlichkeit werde bereits in der frühen Kindheit weitgehend geprägt. Die Stabilität der Persönlichkeitseigenschaften ist abhängig vom Alter bei der ersten Testung sowie den Testabständen. So kann es etwa pubertätsbedingt zu einer vorübergehenden Destabilisierung kommen. Ferner spielt die Art der gemessenen Persönlichkeitseigenschaften eine Rolle (z.B. IQ-Big Five, Lebenszufriedenheit und einzelne Werthaltungen.
  • Welche Ausnahmen gibt es von der Regel, dass die Stabilität von Persönlichkeitseigenschaften mit zunehmendem Testabstand gemäß der Conley-Formel sinkt?

    Lösung

    Die Conley-Formel besagt, dass die Stabilität von Persönlichkeitseigenschaften mit zunehmendem Testabstand sinkt. Abweichend von dieser Regel kann die Körpergröße in der Pubertät gesehen werden, die eine langfristige Stabilität.
  • Welche Faktoren tragen zu der zunehmenden Stabilisierung von Persönlichkeitseigenschaften während der Kindheit bei?

    Lösung

    Abgesehen von Messproblemen in der Kindheit scheint die zunehmende Stabilität der Persönlichkeit unter anderem auf einer Stabilisierung des Selbstkonzepts und auf einem zunehmenden Persönlichkeitseinfluss auf die eigene Umwelt zu beruhen. In Anlehnung an Caspi, Bem und Elder (1989) kann der Prozess der langfristigen Stabilisierung von Persönlichkeitsmerkmalen auch als kumulative Stabilität bezeichnet werden.
  • Was versteht man unter Profilstabilität und typologischer Stabilität?

    Lösung

    Die Stabilität der Persönlichkeit im Sinne des kompletten Eigenschaftsmusters einer Person wird als Profilstabilität bezeichnet. Typologische Stabilität bezieht sich auf die Zurodnung zu einem Persönlichkeitstypus. Sie liegt vor, wenn über die Zeit kein Wechsel von einem zu einem anderen Persönlichkeitstyp stattfindet. Asendorpf und van Aken (1991) untersuchten die Stabilität von Q-Sort Profilen im Verlauf der Kindheit. Dabei zeigte sich: Die Stabilität der Q-Sort-Profile variierte enorm, von deutlich negativer Stabilität bis zu sehr hoher Stabilität. Die Ergebnisse deuten also auf eine zunehmende Stabilisierung der Persönlichkeit hin, die der zunehmenden Stabilisierung einzelner Eigenschaften entspricht. Meeus et al. (2011) untersuchen in einer niederländischen Längsschnittstudie, wie stabil die Zuordnung von Personen zu Personlichkeitstypen ist und ob Wechsel zwischen den Typen stattfinden. Insgesamt blieben 74% der Zuordnungen stabil, was auf die hohe typologische Stabilität schon im Jugendalter verweist. Ein Wechsel zu einem anderen Persönlichkeitstyp fand in der Regel höchstens einmal statt.
  • Warum sind manche Kinder stabiler in ihrer Persönlichkeit als andere?

    Lösung

    Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen Resilienz und Stabilität der Persönlichkeit bei Kindern. Asendorpf und van Aken (1991) diskutierten drei verschiedene Erklärungsmöglichkeiten für diesen Zusammenhang: (a) Resiliente Kinder können ihre Umwelt besser kontrollieren, weil sie flexibler mit Umweltänderungen umgehen können. (b) Kinder, die in einer stabileren Umwelt aufwachsen, sind stabiler in ihrer Persönlichkeit und können auch leichter ein hohes Maß an Resilienz entwickeln. (c) Persönlichkeitsstabilität bedeutet in der vorliegenden Studie auch Kohärenz des Bildes unterschiedlicher Beurteiler. Je besser unterschiedliche Bezugspersonen in ihrem Urteil über das Kind übereinstimmen, desto besser vorhersagbar ist die Umwelt für das Kind, was wiederum sowohl die Stabilität seiner Persönlichkeit als auch seine Resilienz fördern dürfte.
  • Ist es immer sinnvoll, eine Persönlichkeitseigenschaft in unterschiedlichem Alter durch dasselbe Messverfahren zu operationalisieren?

    Lösung

    Nein, denn wenn Stabilitätsmessungen große Zeiträume umfassen, ist es oft nicht möglich, dieselben Messinstrumente zu verwenden. Dies gilt z. B. für Stabilitätsmessungen der Intelligenz oder der Bindungsqualität und vieler anderer Merkmale. Man spricht hier von homotyper (gleichartiger) Stabilität, wenn ein Konstrukt zu zwei Messzeitpunkten mit demselben Messinstrument untersucht wird. Oft sind die Messungen des Konstrukts dann aber nicht äquivalent und können im Prinzip nicht miteinander verglichen werden. Deshalb ist es eventuell nötig, die sogenannte heterotype (andersartigen) Stabilität über verschiedene Messinstrumente zu erfassen.
  • Welche langfristigen Prognosen lassen sich aus Persönlichkeitseigenschaften ableiten?

    Lösung

    Die Dunedin Longitudinal Study hat gezeigt, dass überzufällige Prognosen von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter hinein möglich sind, wenn nicht isolierte Eigenschaften, sondern Persönlichkeitstypen zur Vorhersage verwendet werden. In einer schottischen Längsschnittstudie von Deary et al. (2004) zeigte sich, dass ein niedriger IQ in der Kindheit die Lebenserwartung bei Frauen und Männern deutlich senkte, ein hoher IQ jedoch nur bei Frauen die Langlebigkeit förderte. Friedman et al. (1993, 1995) fanden in einer von Terman begonnenen Längsschnittstudie heraus, dass bei hochintelligenten Kindern niedrige Gewissenhaftigkeit und hohe Fröhlichkeit Risikofaktoren für einen früheren Tod darstellten. In der Nonnenstudie von Danner, Snowdon und Friesen (2001) erhöhte eine positive Einstellung zum Leben im jungen Erwachsenenalter deutlich die Lebenserwartung. Ein Vergleich der Dunedin-, Terman- und Nonnenstudie ergibt, dass die Vorhersagekraft mit zunehmendem Alter stärker wurde. Das ist kein Zufall, sondern Konsequenz der zunehmenden Stabilisierung von Persönlichkeitseigenschaften): Je höher die Stabilität eines Persönlichkeitsmerkmals ist, desto größer ist die Chance, dass sich aus ihm langfristige Vorhersagen ableiten lassen.
  • Wie unterscheiden sich psychologische von alltagspsychologischen Persönlichkeitserklärungen?

    Lösung

    In der Alltagspsychologie erklären wir individuelle Besonderheiten, indem wir eine Erklärungsregel auf den Einzelfall anwenden. Wir greifen auf ein Repertoire folkloristischer Erklärungsprinzipien zurück, das uns die Alltagspsychologie anbietet, und suchen Prinzipien davon aus, die sich auf den speziellen, vorliegenden Fall anwenden lassen. Unabhängig von diesen eher diffusen Vermutungen über die vermittelnden Prozesse zwischen Ursache und Wirkung ist das Muster der Erklärung stets das gleiche: Aus einer Ursache folgt eine Wirkung. Bei psychologischen Erklärungen dagegen wird grundsätzlich von probabilistischen Wenn-dann-Beziehungen ausgegangen. Außerdem besteht die Aufgabe der wissenschaftlichen Persönlichkeitserklärung darin, ein Repertoire von Einflüssen und ihnen zugrunde liegenden Prozessen überhaupt erst zu ermitteln.
  • Wie lassen sich Einflüsse auf Persönlichkeitseigenschaften direkt und indirekt bestimmen?

    Lösung

    Bei der direkten Bestimmung wird typischerweise eine Eigenschaft mit mehreren unterschiedlichen Prädiktoren korreliert. Ob ein Prädiktor relevant für die Aufklärung der Eigenschaftsvarianz ist, kann mit Hilfe der multiplen Regression beantwortet werden. Dabei kann es vorkommen, dass ein Prädiktor einen Zusammenhang nur mediiert, das heißt, dass ein bestehender Zusammenhang erst über diese Drittvariable zustande kommt. Ebenfalls können manche Variablen als Moderatoren fungieren und damit die Stärke des Zusammenhangs bestimmen. Die indirekte Einflussschätzung geschieht durch den Vergleich von Personen, die bestimmte Einflüsse auf ihre Persönlichkeit teilen. Je ähnlicher sich die Personen sind, desto stärker ist der von ihnen geteilte Einfluss auf ihre Persönlichkeit. So lässt sich z. B. die Frage, ob sich Ehepartner im Verlauf der Zeit immer ähnlicher in einer Eigenschaft werden, dadurch prüfen, dass in einer Längsschnittstudie mit vielen Ehepaaren die Eigenschaft zwischen den Partnern der Paare korreliert wird.
  • Wie lässt sich der genetische Einfluss auf Persönlichkeitseigenschaften durch die Zwillingsmethode schätzen und welche methodischen Probleme bestehen dabei?

    Lösung

    Die Zwillingsmethode geht von der Annahme aus, dass die Umweltvarianz von ein- und zweieiigen Zwillingen gleich groß ist. Die größere Ähnlichkeit eineiiger Zwillinge beruht dann nur noch auf ihrer größeren genetischen Ähnlichkeit. Da zweieiige Zwillinge durchschnittlich 50% ihrer Allele teilen, eineiige jedoch 100%, schätzt die Differenz der Korrelationen der Eigenschaft zwischen ein- und zweieiigen Zwillingspaaren 50% des genetischen Varianzanteils, also die doppelte Differenz den genetischen Varianzanteil. Methodische Probleme bei der Zwillingsmethode sind zum Beispiel nichtadditive genetische Effekte, Kontrasteffekte, die genetische Ähnlichkeit der Eltern und eine zu hohe Umweltähnlichkeit bei eineiigen Zwillingen.
  • Wie lässt sich der genetische Einfluss auf Persönlichkeitseigenschaften durch die Adoptionsmethode schätzen und welche methodischen Probleme bestehen dabei?

    Lösung

    Die Adoptionsmethode geht von der Annahme aus, dass die Umweltvarianz von Adoptivgeschwistern so groß ist wie die Umweltvarianz leiblicher Geschwister. Die größere Ähnlichkeit von leiblichen Geschwistern beruht dann nur noch auf ihrer größeren genetischen Ähnlichkeit. Da leibliche Geschwister durchschnittlich 50% ihrer Allele teilen, Adoptivgeschwister jedoch 0%, schätzt die doppelte Differenz zwischen den Korrelationen für leibliche und Adoptivgeschwister den genetischen Varianzanteil. Zum Beispiel korreliert der IQ zwischen leiblichen Geschwistern typischerweise um .47 und zwischen Adoptivgeschwistern um .32; hieraus ergibt sich ein genetischer Anteil an der IQ-Varianz von 30%. Methodische Probleme sind hier unter anderem nichtadditive genetische Effekte, Kontrasteffekte und die genetische Ähnlichkeit der Eltern. Außerdem können sich Adoptiv- und Herkunftsfamilie sehr ähnlich sein, dies ist vor allem aufgrund von selektiver Platzierung der Fall.
  • Wie groß ist der genetische Einfluss auf Persönlichkeitseigenschaften?

    Lösung

    Nach der Metaanalyse von Vukasovic_ und Bratko (2015) erklärt der genetische Einfluss ca. 40% der beobachtbaren Varianz in den Big Five. Nach Haworth et al. (2010) können altersabhängig zwischen 40 und 65% der Varianz des IQ über genetische Einflüsse erklärt werden. Die verbleibende Varianz geht auf Umwelteffekte und den Messfehler zurück. Dieses Muster ist gut vereinbar mit der Annahme, dass genetische und Umwelteffekte in etwa gleich stark sind.
  • Wie lässt es sich erklären, dass Geschwister trotz geteilter Allele in ihrer Persönlichkeit unähnlich sind?

    Lösung

    Zweieiige Zwillinge und leibliche Geschwister teilen im Durchschnitt 50% der additiven Effekte, aber weit unter 50% der nichtadditiven Effekte. Darüber hinaus können auch geteilte eigenschaftsrelevante Allele Unähnlichkeit erzeugen, wenn deren Wirkung durch Umwelteinflüsse verändert wird. Schließlich wirken nichtgeteilte Umwelteinflüsse stark auf die Geschwister ein.
  • Wie lassen sich Umwelteffekte durch das Kontrollzwillingsdesign untersuchen?

    Lösung

    Umwelteffekte lassen sich durch das Kontrollzwillingsdesign untersuchen, indem bei der Untersuchung eineiiger Zwillinge der andere Zwilling als Kontrollbedingung dient. Caspi et al. (2004) prüften so den Einfluss der Einstellung von Müttern zu ihren eineiigen Zwillingen auf deren antisoziales Verhalten. Die Mütter beschrieben ihre beiden Zwillinge im Alter von 5 Jahren getrennt voneinander. Tonaufnahmen dieser freien Beschreibungen wurden dann für negativen Affekt kodiert. Der jeweils negativer beschriebene Zwilling von den Müttern, aber auch von Lehrern, zwei Jahre später als antisozialer beurteilt als der positiver beschriebene Zwilling (Kontrast innerhalb der Familie). Die Effekte waren nicht stark, aber kohärent zwischen den Urteilern.
  • In welchen zwei Hauptpunkten unterscheiden sich die Befunde der Populationsgenetik von Annahmen der klassischen Sozialisationstheorie?

    Lösung

    Die Befunde der Populationsgenetik unterscheiden sich von den Annahmen der klassischen Sozialisationstheorie in zwei Punkten: Erstens wird angenommen, dass Persönlichkeitsunterschiede auch genetisch beeinflusst sind. Zweitens wird angenommen, dass bis zum Verlassen des Elternhauses die von Geschwistern nichtgeteilten Umwelteinflüsse weitaus bedeutsamer für ihre Persönlichkeitsentwicklung sind als die von ihnen geteilten Umwelteinflüsse. Geteilte Umwelteinflüsse machen Geschwister ähnlich, nichtgeteilte Umwelteinflüsse jedoch unähnlich.
  • Führen objektiv geteilte Umwelten auch zu geteilten Umwelteffekten?

    Lösung

    Objektiv geteilte Umweltbedingungen führen nicht unbedingt zu geteilten Umwelteffekte. Dies wird deutlich an folgendem Beispiel: Ein Musiklehrer, der zwei Geschwister unterrichtet (eine objektiv geteilte Umweltbedingung), könnte nur auf eines der beiden Geschwister für das Klavierspielen begeistern. Folglich könnte der Umwelteffekt (etwa die Häufigkeit des Übens der beiden Geschwister) sehr unterschiedlich ausfallen.
  • Was versteht man unter einer statistischen Genom-Umwelt-Interaktion?

    Lösung

    Bei der statistischen Genom-Umwelt-Interaktion wirken Unterschiede im Genom in Abhängigkeit von Unterschieden in der Umwelt auf Persönlichkeitsunterschiede. Die Studie von Cadoret et al. zeigte, dass es die Kombination genetischer bzw. sehr früher Risikofaktoren und Risikofaktoren in der Umwelt nach der Adoption ist, die antisoziales Verhalten vorhersagt; einer der beiden Faktoren allein erhöht das Risiko für antisoziales Verhalten nicht.
  • Sind Korrelationen zwischen Umwelt- und Persönlichkeitseigenschaften umweltbedingt?

    Lösung

    Das Konzept der aktiven Genom-Umwelt-Korrelation meint einfach gesagt: Genome schaffen sich ihre Umwelten z. T. selbst. Das Konzept der reaktiven Genom-Umwelt-Korrelation berücksichtigt genetische Effekte auf die Umwelt, die durch soziale Interaktionsprozesse vermittelt sind. Immer dann, wenn die soziale Umwelt auf Persönlichkeitseigenschaften reagiert, die genetisch beeinflusst sind, wird eine systematische Beziehung zwischen Genom und Umwelt aufgebaut. Dies ist am stärksten der Fall bei stark genetisch bedingten Eigenschaften, die das Verhalten von Interaktionspartnern stark beeinflussen, z. B. bei physischer Attraktivität und Intelligenz. Im Gegensatz zur aktiven und reaktiven Genom-Umwelt- Korrelation ist das Ausmaß der passiven Genom-Umwelt-Korrelation durch Adoptionsstudien empirisch schätzbar. Eine passive Genom-Umwelt-Korrelation setzt voraus, dass genetisch Verwandte einen wesentlichen Teil der Umwelt bilden. Das ist in der frühen Kindheit dann der Fall, wenn Kinder bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen.
  • Wie verändert sich der genetische Einfluss auf den IQ und die Big Five mit wachsendem Alter und warum?

    Lösung

    Mit wachsendem Alter steigt der genetische Einfluss auf den IQ, während der Einfluss der von Geschwistern geteilten Umweltbedingungen auf den IQ sinkt. Demgegenüber sinkt der genetische Einfluss auf die Big Five leicht ab zugunsten einer Zunahme nichtgeteilter Umwelteinflüsse. Für Persönlichkeitsbeurteilungen der Big Five fanden McCartney et al. (1990) im Mittel über alle betrachteten Eigenschaften eine leichte Abnahme der Ähnlichkeiten von ein- und zweieiigen Zwillingen (jeweils um .30). Dies weist auf einen konstanten genetischen Einfluss bei leicht wachsendem Einfluss nichtgeteilter Umweltbedingungen auf Kosten geteilter Umweltbedingungen hin.
  • Was versteht man unter der Stabilität genetischer Einflüsse bzw. der Stabilität von Umwelteinflüssen und wie unterscheiden sie sich zwischen IQ und Big Five?

    Lösung

    Die Stabilität der genetischen Einflüsse und Stabilität der Umwelteinflüsse werden als Retestkorrelation zwischen den genetischen bzw. Umweltunterschieden zu verschiedenen Messzeitpunkten operationalisiert. Genetische und nichtgeteilte Umwelteinflüsse auf den IQ stabilisieren sich früher und sind auch stabiler als genetische und nichtgeteilte Umwelteinflüsse auf die Big Five. Unterschiede könnten darauf zurückgehen, dass Intelligenzunterschiede bereits sehr früh relevant werden, Unterschiede in den Big Five eher später und kontextabhängig bewertet werden.
  • Sind Persönlichkeitsstabiltät und Persönlichkeitsveränderung stärker genetisch oder umweltbeeinflusst?

    Lösung

    Die Unterschiede zwischen Intelligenz und Big Five sind auffallend: Die Stabilisierung von Intelligenzunterschieden wird überwiegend genetisch und die Stabilisierung der Big Five wird sowohl genetisch als auch durch individuelle Lebenserfahrungen beeinflusst. Wie lässt sich dies erklären? Briley und Tucker-Grob argumentieren, dass Intelligenzentwicklung durch gerichtete Prozesse und die Entwicklung der Big Five durch stärker fluktuierende Prozesse charakterisiert ist. Das liegt daran, dass hohe Intelligenz funktional gesehen eindeutig vorteilhafter ist als niedrige Intelligenz, während vorteilhafte Ausprägungen in den Big Five unterschiedlicher und stärker in Abhängigkeit vom Kontext definiert werden.
  • Warum nehmen geteilte Umwelteinflüsse auf Intelligenz in der Kindheit ab?

    Lösung

    Mit dem Eintritt in das Schulalter erhalten Kinder zunehmende Kontrolle über ihre Umwelt. Der abfallende geteilte Umwelteinfluss geht unter anderem auch auf den Effekt der Einschulung zurück, nach der sich die soziale Umwelt von Kindern dramatisch ändert. Ab der mittleren Kindheit differenzieren sich fluide und kristalline Intelligenz derart, dass individuelle Stärken und Schwächen stärker sichtbar werden.
  • Wieso werden individuelle Stärken und Schwächen in intellektuellen Leistungen erst ab der mittleren Kindheit deutlicher?

    Lösung

    Im Vorschulalter sind fluide und kristalline Intelligenz relativ hoch korreliert. d.h. kaum unterscheidbar. Eine geringere Korrelation zwischen fluider und kristalliner Intelligenz kann erst ab der mittleren Kindheit beobachtet werden und bleibt dann auch über nahezu das gesamte Erwachsenenalter bestehen. Diese trägt zur bereichsspezifischen Ausdifferenzierung intellektueller Leistungsfähigkeit ab der mittleren Kindheit bei und führt dazu, dass Eltern, Lehrer und nicht zuletzt die Kinder selbst in die Lage versetzt werden, individuelle Fähigkeiten zu erkennen und ggf. zu fördern. Diese Differenzierung ist charakteristisch für die differenzielle Entwicklung intellektueller Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter.
  • Wie lassen sich individuelle Unterschiede in der Entwicklung von Expertise erklären?

    Lösung

    Anhand des Modells der selektiven Optimierung durch Kompensation (SOK) nach Baltes et al. können die Unterschiede in der Entwicklung von Expertise erklärt werden (Krampe und Baltes, 2003): In der Kindheit fördert Intelligenz den Erwerb spezifischer Expertisen, sodass intelligente Kinder hier einen gewissen Startvorteil haben. Später kommt es jedoch zu einer Entkoppelung von Intelligenz und Expertise derart, dass Expertisen sogar Intelligenzdefizite kompensieren können. Hier kommen nun die SOK-Strategien ins Spiel: Entwicklungsziele werden selegiert (z. B. Interesse am Architekturberuf), bestimmte Kompetenzen durch Übung optimiert (z. B. Mathe üben), was unter Umständen auch auf Kosten anderer potenzieller Kompetenzen (z. B. soziale Kompetenz) gehen könne; damit werde diese Kompetenz zur Expertise und so zu einer Kompensation von Defiziten in anderen Entwicklungsbereichen.
  • Welche Rolle spielt Übung für die Entwicklung von Expertise?

    Lösung

    Expertisen entstehen durch differenzielle Übungseffekte (z. B. könnte jeder durch ausreichendes Trainieren räumlichen Vorstellungsvermögens Architekt werden). Übung ist eng verknüpft mit der neuronalen Plastizität. Unter neuronaler Plastizität versteht man allgemein die Fähigkeit des Nervensystems, sich in Abhängigkeit von seiner Aktivität zu verändern, etwa durch Lernen, Erinnern oder sogar durch Erholung von einem Hirntrauma. Ähnlich wie professionelle Radfahrer sich im Umfang und der Leistungsfähigkeit ihrer Oberschenkel von Freizeitradlern unterscheiden, unterscheiden sich Experten, zum Beispiel Musiker, von anderen in der Anatomie und Funktionalität bestimmter neuronaler Strukturen.
  • Welche motivationalen Faktoren beeinflussen die Schulleistung?

    Lösung

    In erster Linie wirkt das Interesse der Schüler auf die Schulleistung. Etwas interessant zu finden bedeutet, seine Aufmerksamkeit dem Gegenstand des Interesses selektiv zuzuwenden. Interessen haben einen wesentlichen Einfluss auf intellektuelle Leistungen und somit zum Beispiel auch auf schulische Leistungen. Das Leistungsmotiv (die Präferenz für Erfolg) wirkt ebenfalls auf die schulische Leistung. Selbstwirksamkeit spielt in diesem Kontext ebenfalls eine wichtige Rolle, darunter die eigene Überzeugung aufgefasst, Erfolg zu haben.
  • Welche Faktoren beeinflussen die Entwicklung von antisozialem Verhalten bis zum Ende der Kindheit?

    Lösung

    Welche Faktoren die Entwicklung von antisozialem Verhalten in der Kindheit begünstigen, zeigt das in 6.24 vorgestellte Modell. Es ist empirisch nur für das männliche Geschlecht gut belegt und darf daher nicht unbesehen auf weibliche antisoziale Tendenzen angewandt werden. Das Modell nennt folgende Faktoren zur Begünstigung der Entwicklung von antisozialem Verhalten: (1) Genetische und Pränatale Risikofaktoren; (2) Perinatale Risikofaktoren (z.B. Hirnschädigung); (3) Temeramentsfaktoren (z.B. Aggressivität); (4) Bindungs- und Erzeihungsstil; (5) Ablehnung durch Familie und Peers; (6) Selbstwertgefühl; (7) Anschluss an deviate Gruppe
  • Welche Argumente sprechen dafür, dass die Aggressivität eines Kindes Einfluss auf den Erziehungsstil seiner Eltern hat?

    Lösung

    Medikamentöse Dämpfung hyperaktiver Kinder (z. B. durch Ritalin) wirkt sich auch auf das elterliche Erziehungsverhalten aus; Kinder, die in einer Laborstudie instruiert wurden, sich aggressiv zu gebärden, riefen bei Müttern rigideautoritäres Verhalten ihnen gegenüber hervor; In einer Laborstudie riefen aggressive Jungen bei Müttern nichtaggressiver Jungen rigide-autoritäres; Bestrafung vermehrt aggressives Verhalten bei aggressiven Kindern, vermindert es aber bei nichtaggressiven Kindern.Bei aggressiven Kindern finden sich gehäuft minimale körperliche Anomalien, die auf pränatale Störungen hinweisen; Jungen sind im Durchschnitt wesentlich aggressiver
    als ihre Schwestern; Adoptierte Jungen ähneln in ihrer Aggressivität ihrem leiblichen Vater stärker als ihrem erziehenden Vater.
  • Wodurch kommt die pubertätsgebundene antisoziale Tendenz zustande?

    Lösung

    Moffitt (1993) begründete das Auftreten der pubertätsgebundenen Form antisozialen Verhaltens durch die Reifungslücke zwischen dem Einsetzen der Pubertät und der Möglichkeit der Übernahme einer Erwachsenenrolle (Erikson, 1960). Durch den säkularen Trend hin zu einer immer früheren Pubertät und einer immer längeren Ausbildungszeit entstehe eine wachsende Lücke zwischen „biologischem“ und „sozialem Alter“. Ansprüche nach Sexualität und Sozialprestige könnten nicht in Übereinstimmung mit sozialen Normen erfüllt werden. Harris (1995, 2000) sah in der pubertätsgebundenen Form antisozialen Verhaltens eher einen Fall der In-Group-Out-Group-Kontrastierung und versuchte, antisoziales Verhalten im Jugendalter als einen Aspekt dieses Kontrastierungsversuchs in einer Phase extremer In-Group-Orientierung zu begreifen.
  • Welche Belege gibt es für die Zweifaktorentheorie der Schüchternheit?

    Lösung

    Nach der Zweifaktorentheorie der Schüchternheit von Asendorpf kann Schüchternheit sowohl auf einem Temperamentsmerkmal beruhen (Stärke des Verhaltenshemmungssystems) als auch auf häufiger sozialer Ablehnung. Das Muster einer hohen Stabilität und Konsistenz in Bezug auf unvertraute Situationen und einer niedrigen Konsistenz zwischen unvertrauten und vertrauten Situationen von Kindern lässt sich gut im Rahmen der Zweifaktorentheorie der Schüchternheit erklären. Die Konsistenz zwischen unvertrauten Situationen (Konfrontation mit Unbekannten im Labor oder unvertraute Gruppe) beruht auf der Stärke des Verhaltenshemmungssystems, also auf einem Temperamentsmerkmal. Zusätzlich können Kinder unabhängig von Temperamentsmerkmalen unterschiedliche Erfahrungen mit ihren Peers machen, was Ignoriert werden und Ablehnung angeht. Dieser zweite Schüchternheitsfaktor wirkt sich konsistenzmindernd aus.
  • Welche Konsequenzen hat die Zweifaktorentheorie der Schüchternheit für die Beratung von Eltern und Lehrern?

    Lösung

    Eltern sollten zunächst versuchen herauszufinden, ob es sich wirklich um Schüchternheit oder lediglich um Ungeselligkeit handelt. Nur wenn die Gehemmtheit gegenüber dem Unbekannten sehr stark ist, sollten Eltern behutsam und auf indirektem Wege versuchen, es dem Kind zu erleichtern, seine Angst zu überwinden. Das Knüpfen von Freundschaften können Eltern z. B. dadurch erleichtern, dass sie einzelne Klassenkameraden zu sich nach Hause zum Spielen einladen. Erzieher und Lehrer sollten mehr auf die stillen „Mauerblümchen“ in der Gruppe achten; Hier sollte zunächst versucht werden herauszufinden, ob das Kind von den anderen nicht genügend beachtet oder gar abgelehnt wird und warum dies der Fall ist. Im zweiten Fall könnte versucht werden, Einfluss auf die ablehnende Haltung der Gruppenmitglieder zu nehmen.
  • Werfen uns kritische Lebensereignisse immer aus der Bahn?

    Lösung

    Nein, ein kritisches Lebensereignis muss eine Person nicht zwingend aus der Bahn werfen. Ob jemand überhaupt ein bestimmtes Ereignis erlebt, könnte zumindest zu einem Teil persönlichkeitsabhängig sein und wichtiger als das Ereignis selbst könnte dessen individuelle Verarbeitung sein, die wiederum von der Persönlichkeit abhängt. Das kritische Lebensereignis führt zu einer aktuellen Störung der Person-Umwelt-Passung. Diese Störung löst vielfältige Bemühungen aus, die alte oder eine neue Person-Umwelt- Passung herzustellen; das kann durch Veränderung der Umwelt oder der Persönlichkeit geschehen. Insofern ist die Wirkung kritischer Lebensereignisse auf die Persönlichkeitsentwicklung wiederum selbst persönlichkeitsabhängig.
  • Wie zufällig ist die Persönlichkeitsentwicklung?

    Lösung

    Der individuelle Verlauf der Persönlichkeitsentwicklung ist wegen des Wechselspiels von Eigendynamik und Fremdbestimmung weder völlig zufällig noch stark vorbestimmt, sondern mittelstark vorhersagbar. Das heißt, die Persönlichkeitsentwicklung ist das Produkt aus Zufall und Notwendigkeit. Dabei wird die Zufälligkeit von Ereignissen häufig drastisch überschätzen, wenn die Ereignisse nicht ganz wahrscheinlich sind und einen Sinn für uns ergeben.
  • In welcher Hinsicht unterscheiden sich das biologische Geschlecht, das psychologische Geschlecht und das Geschlechtsstereotyp?

    Lösung

    Während das Geschlecht biologisch definiert werden kann als „sex“, sind Geschlechtsstereotype in einer Kultur sozial verankert. Darauf basierend lassen sich Geschlechterrollen und damit verbundene Erwartungen ausmachen („gender“). Psychologische Merkmale sind oft geschlechtstypisch verteilt, aber die Verteilungen der beiden Geschlechter überlappen sich in der Regel stark. Im Geschlechtsstereotyp werden tatsächlich vorhandene Unterschiede in den Verteilungen übertrieben.
  • Wird das psychologische Geschlecht durch Geschlechtshormone beeinflusst?

    Lösung

    Geschlechtshormone können in bestimmten Fällen einen Einfluss auf das psychologische Geschlecht haben. Im Fall der kongenitalen adrenalen Hyperplasie, einer vererbbaren genetischen Störung, die zu einer Überproduktion männlicher Geschlechtshormonein frühen Stadien der Fetalentwicklung führt, kann es bei Mädchen zu „vermännlichenden“ Effekten kommen. So lässt sich ein Zusammenhang zwischen pränatalem Testosteronspiegel und "männlichem" Spielverhalten im Kindergartenalter beobachten.
  • Sind geschlechtstypische Präferenzen Konsequenzen des Geschlechtsverständnisses?

    Lösung

    Allgemein weisen geschlechtstypische Präferenzen lediglich eine geringe Korrelation mit dem Geschlechtsverständnis auf. Bei sehr jungen Kindern, etwa in Kinderkrippen, gibt es noch keine Bevorzugung des eigenen Geschlechts, aber schon zu Beginn der Kindergartenzeit lassen sich deutliche Präferenzen für das eigene Geschlecht feststellen, die sich während der Grundschulzeit bis hin zur Vorpubertät zu einer extremen Geschlechtertrennung steigern; mit Einsetzen der Pubertät nimmt dieser Geschlechtsunterschied dann wieder ab (vgl. Maccoby & Jacklin, 1987).
  • Warum misst man die Größe von Geschlechtsunterschieden nicht einfach durch Mittelwertsdifferenzen?

    Lösung

    Als quantitatives Maß für die Größe von Geschlechtsunterschieden ist die Effektgröße d geeignet (Cohen, 1977). Die Effektgröße ist die Mittelwertsdifferenz geteilt durch die Standardabweichung (genauer handelt es sich um ein gewichtetes Mittel der Standardabweichungen innerhalb der beiden Geschlechter). Die Mittelwertdifferenz allein als Maß von Geschlechtsunterschieden heranzuziehen, wäre mit einer mangelnden Vergleichbarkeit sowie einer hohen Variabilität innerhalb der Geschlechter verbunden. Variabilität kann auch im interkulturellen Vergleich von Geschlechtsunterschieden beobachtet werden.
  • Sind Frauen besser in verbalen und Männer besser in räumlichen Fähigkeiten?

    Lösung

    Die Annahme, dass Frauen in verbalen Fähigkeiten besser seien als Männer lässt sich, gemäß der Metanalyse von Hyde und Linn (1988), nicht bestätigen. Wirklich klare Unterschiede gibt es nur im unteren Extrembereich. Starke Leseschwierigkeiten und Legasthenie sind bei Jungen etwa fünfmal häufiger als bei Mädchen (Halpern, 2012). Männer haben im Durchschnitt etwas bessere räumliche Fähigkeiten als Frauen, wobei der Geschlechtsunterschied je nach Art der betrachteten Fähigkeit variiert; bei mentaler Rotation ist er am größten.
  • Sind Mädchen weniger mathematisch begabt als Jungen und welche Erklärungen gibt es für die tatsächlich vorhandenen Unterschiede?

    Lösung

    Mädchen sind Jungen mathematisch nicht grundsätzlich unterlegen. In einer Metaanalyse von 259 Studien zu mathematischen Fähigkeiten von über drei Millionen Personen, bestimmt durch Mathematiktests, fanden Hyde, Fennema und Lamon (1990) für unausgelesene Stichproben insgesamt keine männliche Überlegenheit, sondern praktisch identische Werte für beide Geschlechter. Lediglich unter mathematisch Hochbegabten lässt sich eine männliche Dominanz verzeichnen (Stanley, 1990). Für die manchmal  beobachteten Geschlechtsunterschiede in Mathematiktests wurden in den letzten Jahren wurden v. a. zwei Erklärungsansätze für die diskutiert. Zum einen genetische Argumente, zum anderen könnte sich die kumulative Demotivierung von Mädchen durch das Geschlechtsstereotyp, Frauen seien mathematisch unbegabt, auf die mathematischen Fähigkeiten von Mädchen auswirken.
  • Welche Merkmale des Partners werden von Männern bzw. Frauen für besonders wichtig gehalten und warum?

    Lösung

    Aus evolutionspsychologischer Perspektive lassen sich zahlreiche Hypothesen über die Merkmale aufstellen, welche Frauen und Männer bei ihren Partnern für wichtig erachten. Ein Mann kann theoretisch wesentlich mehr und über einen längeren Zeitraum Kinder zeugen, als eine Frau gebären kann. Also sollte sich durch natürliche Selektion bei Männern eine andere Fortpflanzungsstrategie herausgebildet haben als bei Frauen. Männer könnten auf Quantität setzen (viele Kinder mit vielen Frauen zeugen, ohne sich viel um das einzelne Kind zu kümmern) oder auf Qualität (wenige Kinder zeugen und sich intensiv um sie kümmern, um deren Nachkommenzahl zu maximieren); Frauen könnten nur auf Qualität setzen. Daraus folgt: Männer legen bei der Partnerwahl mehr Wert auf physische Attraktivität, Frauen mehr Wert auf sozialen Status und Ambitioniertheit. 
  • Gibt es Geschlechtsunterschiede in Persönlichkeitsbeurteilungen und wieweit könnten sie durch Geschlechtsstereotypien bedingt sein?

    Lösung

    Persönlichkeitsbeurteilungen weisen Geschlechtsunterschiede auf, die sich Geschlechtsstereotypen orientieren können. Park et al. (2016) analysierten die Texte von über 15 000 Facebook-Nutzern. Frauen schrieben wärmer und zugewandter, aber genauso selbstsicher wie Männer. Joiner et al. (2014) untersuchten die Reaktionen von 600 studentischen Facebook-Nutzern auf Updates anderer Nutzer. Frauen schrieben öffentliche Nachrichten wärmer und zugewandter als Männer, bei privaten Nachrichten gab es keinen Geschlechtsunterschied. Dies lässt vermuten, dass die geringfügigen Geschlechtsunterschiede im sprachlichen Verhalten vor allem durch Geschlechtsunterschiede in der Selbstdarstellung bedingt sind.
  • Nehmen Geschlechtsunterschiede mit zunehmender Geschlechteregalität ab? Zwei Gegenbeispiele?

    Lösung

    Eine Abnahme der Geschlechtsunterschiede mit zunehmender Geschlechteregalität lässt sich zwar hinsichtlich mathematischen Leistungen und Partnerpräfenzen beobachten, jedoch zeigten Schwartz und Rubel (2005) in ihrer Metaanalsye, dass je egalitärer Nationen hinsichtlich sozialer, gesundheitlicher und berufsbezogener Kriterien sind, um größer die Geschlechtsunterschiede in der Bewertung von Macht und Wohltätigkeit erscheinen. Ähnliches wurde auch für selbst- und fremdbeurteilte Persönlichkeitsmerkmale (Big Five) gefunden. Von einer allgemeinen Nivellierung mit zunehmenderEgalität kann demnach keine Rede sein.
  • Wie erklärten Freud und Chodorov die Entstehung von Geschlechtsunterschieden und welche empirischen Argumente sprechen dagegen?

    Lösung

    Sowohl Freund als auch Chorodov gingen davon aus, dass sich Geschlechtsunterschiede in der frühen Kindheit herausbilden. Beide stützen sich auf den Ödipuskomplex, Chorodov jedoch in abgeschwächter Weise. Freud glaubte: Bei Jungen richteten sich die phallischen Triebimpulse auf die Mutter; der Vater werde als Rivale erlebt, der Angst vor Kastration auslöse. Diese Angst werde vom Jungen bewältigt, indem er sich mit dem Vater identifiziere und seine Triebimpulse gegenüber der Mutter in Zärtlichkeit verwandle. Chodorov (1978) argumentierte, dass sich alle Kinder zunächst mit der Mutter als der wesentlichen Bezugsperson identifizieren. Die Übernahme der weiblichen Geschlechtsrolle sei deshalb bei Mädchen einfach eine Fortsetzung dieser frühen Identifikation mit der Mutter. Bei Jungen führe die ödipale Krise zu einem Bruch in der Identifikation mit der Mutter. Um sich männlich zu fühlen, müsse ein Junge sich also getrennt von der Mutter definieren. Aufgrund dieser Überlegungen müsste erwartet werden, dass Jungen eher ihren Vätern und Mädchen eher ihren Müttern in ihrer Persönlichkeit ähneln. Beides lässt sich allerdings nicht bestätigen. 
  • Wie entsteht Homosexualität?

    Lösung

    Zu Homosexualität kommt es laut Bem (1996) dann, wenn Kinder aus genetischen oder anderen Gründen (z. B. umweltbedingten pränatalen hormonellen Wirkungen) Interessen entwickeln, die typisch für das andere Geschlecht sind (also wenn z. B. Jungen feminine Interessen entwickeln). Dann nämlich würden sie bevorzugt mit dem anderen Geschlecht spielen, wodurch das eigene Geschlecht exotisch werde. Da Exotisches erotisch werde, würden ihre sexuellen Interessen ab der Adoleszenz auf das eigene Geschlecht gelenkt. Reine Vererbungs- und Umwelttheorien (z.B. Verführung) sind nicht haltbar.
  • Wieweit sind lerntheoretische und kognitive Erklärungsversuche für Geschlechtsunterschiede miteinander vereinbar?

    Lösung

    Das integrative Modell für Geschlechtsunterschiede verdeutlicht, dass lerntheoretische und kognitive Erklärungsversuche für Geschlechtsunterschiede einander ergänzen. Dabei steht die aktive Rolle des Individuums beim Lernen durch Präferenzen für bestimmte Lerninhalte und die Auswahl und Gestaltung der Umwelt im Fokus. Die Tendenz, Verhalten anderer zu imitieren, das typisch für das eigene Geschlecht ist, gehört ebenso hierzu wie die Bevorzugung gleichgeschlechtlicher Interaktionspartner bis zur Pubertät.
  • Wieweit sind kulturpsychologische und evolutionspsychologische Erklärungsversuche für Geschlechtsunterschiede miteinander vereinbar?

    Lösung

    Während evolutionspsychologische Erklärungen den Zusammenhang zwischen neuronalem und psychologischem Geschlecht zu ergründen versuchen, wird dieser Pfad von kulturpsychologischen Erklärungen ignoriert. Sie setzen beim „motorischen Geschlecht“ an (Kraft und Geschwindigkeit vs. motorisches Geschick und Ausdauer) und sehen auf dieser Grundlage das psychologische Geschlecht geprägt durch unterschiedliche Arbeitsteilungen, Geschlechtsstereotype und daraus resultierende geschlechtstypische Umwelten.
  • Worin besteht der naturalistische Fehlschluss im Falle von Geschlechtsunterschieden?

    Lösung

    Im Rahmen des naturalistischen Fehlschlusses darf vom Sein nicht auf das Sollen geschlossen werden. Deshalb kann aus der Existenz universeller Geschlechtsunterschiede nicht abgeleitet werden, dass diese erstrebenswert oder nicht erstrebenswert seien.
  • Können Ökologie, Kultur und Genpool von Populationen korrelieren und warum?

    Lösung

    Ökologische, kulturelle und genetische Veränderungen von Populationen stehen oft in enger Wechselwirkung miteinander. Ein Beispiel hierfür ist die Laktosetoleranz, die am stärksten in der germanischen und gälischen Gemeinschaft verbreitet, bei Persern und Indern jedoch gering ausgeprägt war. Die unterschiedliche Entwicklung der Laktosetoleranz könnte ökologischen und kulturellen Veränderungen, aber auch Veränderungen des Genpools geschult sowie Wechselwirkungen zwischen diesen geschuldet sein.
  • Sind Intelligenztests zwischen Populationen mit unterschiedlicher Ökologie vergleichbar?

    Lösung

    Die Bedeutung einer Intelligenztestaufgabe kann von der Ökologie der Kultur abhängen. Deshalb können Intelligenzaufgaben, die in einer Kultur valide sind, in einer anderen ungeeignet sein, Intelligenz zu erfassen. Zum Beispiel waren die australischen Aborigines bekannt für ihre Fähigkeit, aus menschlichen Fußabdrücken Rückschlüsse auf die Person des Verursachers zu ziehen (Alter, Gewicht, Eigentümlichkeiten der Gangart; vgl. Klich, 1988). Diese Fähigkeit lässt sich allerdings bei Europäern allerdings nicht beobachten. Irvine (1979) konnte durch eine Metaanalyse eine universelle korrelative Struktur von Intelligenztests aufzeigen. Demnach gelten 6 Dimensionen als kulturell universelle Intelligenzdimensionen: Die allgemeine Intelligenz (g-Faktor), logisches Denken, verbale Fähigkeiten, räumliche und Wahrnehmungsfähigkeiten, numerische Fähigkeiten, Gedächtnisfähigkeiten und Schnelligkeit.
  • Was ist die Out-of-Africa Hypothese und wie wurde sie hauptsächlich bestätigt?

    Lösung

    Die Out-of-Africa-Hypothese besagt, dass der Ursprung der heutigen Menschheit in Südostafrika liegt und dass von dort aus kleine Teilgruppen die Weltregionen besiedelten. Belegt wurde diese Annahme vor allem durch Befunde zu genetischer Ähnlichkeit und unterschiedlichen genetischen Variabilitäten von Populationen. Cavalli-Sforza, Menozzi und Piazza (1994) illustrierten die genetische Ähnlichkeit durch die Häufigkeit von Allelen in 42 Populationen. Ihre Befunde erweisen sich als kompatibel mit der Out-of-Africa-Hypothese. Auch Ramachandran et al. (2005) untermauerten die Hypothese durch ihre Befunde zur genetischen Variabilität in Populationen in Beziehung zur geographischen Distanz von Ostafrika. 
  • Wie groß sind genetische Unterschiede zwischen Populationen relativ zu genetischen Unterschieden innerhalb von Populationen und was bedeutet das für den Begriff der Rasse?

    Lösung

    Die genetischen Unterschiede innerhalb von Populationen sind erheblich größer als die genetischen Unterschiede zwischen Populationen; das Verhältnis beträgt etwa 6:1. Rassen werden definiert aufgrund von Oberflächenmerkmalen (Hautfarbe, Augenform), für die jedoch nur geringe genetische Unterschiede verantwortlich sind. Rassununterschiede werden alltagspsychologisch aufgrund von Stereotypisierung stark übertrieben und sind von daher nicht geeignet, um die genetische Ähnlichkeit von Populationen zu charakterisieren.
  • Sind Schwarze in den USA im Mittel weniger intelligent als Weiße und wenn ja, warum?

    Lösung

    Um 1970 hatten Schwarze in den USA einen mittleren IQ von 84 bezogen auf einen IQ der Weißen von 100 (Jensen, 1980; Dickens & Flynn, 2006). Bekanntlich unterscheiden sich Weiße und Schwarze in den USA aber auch in ihrem sozialen Status und dieser korreliert mit dem IQ. Neuere Ergebnisse aus den USA zeigen in repräsentativen Stichproben eine langsame Abnahme der Unterschiede von ca. 2 IQ-Punkten pro Jahrzehnt bei Schwarzen (Dickens & Flynn, 2006). Dieser historische Effekt ist in etwa so groß wie der Flynn-Effekt. Ein weiteres Ergebnis ist eine Zunahme des Unterschieds mit wachsendem Alter. Scarr und Weinberg (1976) initiierten eine Studie an überwiegend nichtweißen Adoptivkindern, die von weißen Familien der oberen Mittelschicht in den USA adoptiert worden waren. Das zentrale Ergebnis ihrer Studie ist, dass es eine äußerst stabile Rangfolge der IQ-Mittelwerte bei den leiblichen, weißen und schwarzen Adoptivkindern gab und dass die Extreme in dieser Rangfolge stets um mindestens eine ganze Standardabweichung im IQ unterschieden (15 bzw. 17 IQ-Punkte). Diese Ergebnisse sind weder klar genetisch noch klar nichtgenetisch interpretierbar. Damit könnten sie auch auf Genom-Umwelt-Korrelationen zurückzuführen sein. 
  • Welche Vor- und Nachteile haben der etische und der emische Ansatz im Kulturvergleich? Beispiel?

    Lösung

    Problematisch bei emischen Ansätzen ist es, dass sie westliche Persönlichkeitskonstrukte nur teilweise bestätigen konnten: So fanden De Raad et al. (2010) bei lexikalischen Analysen von nicht-germanischen Sprachen mit emischem Ansatz nur drei der Big Five (CEA) in allen diesen Sprachen, nicht aber Offenheit und Neurotizismus. Cheung et al. (1996) entwickelten ein chinesisches Persönlichkeitsinventar mit emischen Anteilen (Chinese Personality Assessment Inventory, CPAI). Cheung et al. (2001) ließen diverse Stichproben das CPAI und das Big-Five-Inventar NEO-PI-R beantworten. Analysen aller Items zeigten, dass der Big-Five-Faktor Offenheit durch keine der 22 Skalen erfasst wurde und umgekehrt der chinesische Faktor Interpersonelle Bezogenheit („Interpersonal Relatedness“) von keiner Big-Five-Facette erfasst wurde, deshalb tauchte er in einer gemeinsamen Faktorenanalyse aller Items als eigenständiger sechster Faktor auf. Emische Konstrukte erscheinen nur dann nachweislich sinnvoll, wenn sie zu besseren Vorhersagen führen als etische. Ansonsten ist hier der Aufwand zu groß. 
  • Gibt es Intelligenzunterschiede zwischen Nationen und warum?

    Lösung

    Mit dem „Greenwich IQ“ gaben Lynn und Vanhanen (2002, 2006) erstmals eine umfassende Übersicht über Mittelwerte in getesteter Intelligenz in 113 Nationen. Der "Greenwich IQ" bezieht sich auf die Standardisierung am Mittelwert von Großbrittannien 1979 (IQ = 100). Die Mittelwerte waren am höchsten in Südostasien, moderat in Nord-, West- und Zentraleuropa sowie Nordamerika, Australien und Neuseeland und etwas geringer in Nordafrika, den Golfstaaten sowie in Zentral- und Südafrika. Die mittlere Schulleistung eines Landes kann als gute Schätzung des mittleren Intelligenzniveaus eines Landes betrachtet werden: So beobachtete Rindermann (2007), dass nationale Mittelwerte in internationalen Schulleistungsstudien wie PISA je nach Test und Jahr sehr hoch mit dem Greenwich-IQ korrelierten. Das mittlere Intelligenzniveau eines Landes variiert stark mit dem Bildungsniveau, der Ausbildungsdauer, der Lebenserwartung und der Kinderzahl, wobei damit über die kausalen Zusammenhänge noch nichts gesagt ist. Die starken Zusammenhänge könnten z. B. auf Unterschieden zwischen Nationen im Einsetzen des Flynn-Effekt beruhen. 
  • Kann man Mittelwertunterschiede zwischen Kulturen in beurteilten Persönlichkeitsmerkmalen unbesehen interpretieren?

    Lösung

    Interkulturelle Mittelwertunterschiede in Persönlichkeitsmerkmalen sind oft komplex zu interpretieren, da hier Referenzgruppeneffekte eine größere Rolle spielen. Persönlichkeitsbeurteilungen unterliegen aus Gründen der sozialen Erwünschtheit einem Kontrasteffekt: Je geringer ein sozial erwünschtes Merkmal in einer Kultur tatsächlich ausgeprägt ist, desto mehr tendieren Selbst- und Fremdbeurteilungen zu einer Überschätzung des Merkmals. Wenn dies so ist, wären Schlüsse von Mittelwertunterschieden zwischen Kulturen in Selbst- oder Fremdbeurteilungen auf reale Unterschiede zwischen den Kulturen nicht möglich. Dies können nur Studien klären, in denen interkulturelle Unterschiede in Persönlichkeitsbeurteilungen mit interkulturellen Unterschieden in beobachtetem Verhalten korreliert werden. 
  • Sind Stereotype über Persönlichkeitsunterschiede zwischen Kulturen valide?

    Lösung

    Terracciano et al. (2005) korrelierten die vermuteten Big-Five-Mittelwerte von Angehörigen anderer Nationen mit den mittleren Selbst- und Bekanntenurteilen in den Big Five dieser Nationen. Die Autoren schlossen aus ihren Ergebnissen, dass Stereotype über die typische Persönlichkeit anderer Nationen invalide sind. Ebenso sehr könnten diese Korrelationen aber auch als Hinweis auf die Invalidität der Selbst- und Fremdurteile interpretiert werden (Heine et al., 2008). Wieder helfen hier nur objektive Persönlichkeitsmaße weiter. Heine et al. (2008) fanden klar positive Korrelationen zwischen den Nationalstereotypen über Gewissenhaftigkeit und der Arbeitsgeschwindigkeit von Postangestellten, der Genauigkeit von Uhren in Banken und der Laufgeschwindigkeit von Fußgängern. Nicht die Stereotype waren invalide, sondern die Mittelwerte der nationalen Selbst- und Fremdurteile. 
  • Wie unterscheidet sich das Selbstkonzept in individualistischen Kulturen vom Selbstkonzept in kollektivistischen Kulturen und mit welchen Konsequenzen?

    Lösung

    Nach Markus und Kitayama (1991) kann das Selbstkonzept in individualistischen Kulturen als unabhängig („independent self “) charakterisiert werden und das Selbstkonzept in kollektivistischen Kulturen als vernetzt („interdependent self “). Während das unabhängige Selbstkonzept die Individualität des Einzelnen unabhängig von seinen sozialen Beziehungen betont, betont das vernetzte Selbstkonzept die Einbettung in soziale Gruppen. Auf die Frage „Wer bist du?“ würde z. B. in individualistischen Kulturen geantwortet „intelligent, sportlich“, in kollektivistischen Kulturen „Abteilungsleiter bei Sony, Mitglied des Ski-Clubs Sapporo“. Eine Konsequenz hiervon ist, dass Werte wie die Rücksichtnahme auf Mitglieder der In-Gruppe in kollektivistischen Kulturen wesentlich höher rangieren als in individualistischen. Die Autoren betonten jedoch, dass sich das kollektivistische Selbstkonzept keineswegs auf beliebige andere Personen bezieht, sondern nur auf die eigene In-Gruppe. 
  • Warum ist die Erfassung des Individualismus und Kollektivismus einer Kultur durch Einstellungs- und Wertefragen problematisch?

    Lösung

    Bei der Erfassung des Individualismus und Kollektivismus einer Kultur durch Einstellungs- und Wertefragen liegt fast immer ein Referenzgruppeneffekt vor.  Vergleichen sich z. B. deutsche Studierende, die nach ihren Einstellungen und Werten befragt werden, wirklich mit chinesischen oder nigerianischen Studierenden? Doch wohl eher mit anderen Deutschen und v. a. mit anderen Studierenden! Solche Fragebögen sind unproblematisch zur Erfragung von Unterschieden in den Einstellungen und Werthaltungen innerhalb einer Population, die auch die Referenzgruppe darstellt, aber die Interpretation von Populationsmittelwerten ist problematisch. 
  • Unterscheiden sich Persönlichkeitskorrelate zwischen individualistischen und kollektivistischen Kulturen?

    Lösung

    Ja, dies betrifft z.B. den Zusammenhang zwischen Empfindsamkeit bzw. Sensitivität und Beliebtheit bei Klassenkameraden. So wurde laut Chen et al. (1992) schüchterne Empfindsamkeit in China positiver bewertet als in Kanada, was vermutlich auf seine Nähe zu Einfühlsamkeit zurückgeht, die in kollektivistischen Kulturen höher geschätzt wird als in individualistischen. Ein zweites Beispiel für unterschiedliche Korrelate von Persönlichkeitseigenschaften betrifft die Lebenszufriedenheit innerhalb von Kulturen. In individualistischen Kulturen wird nach empirischen Befunden die individuelle Lebenszufriedenheit wesentlich vom privaten Erleben (Affektbalance, Selbstwertgefühl, Zufriedenheit mit Freundschaften) bestimmt, während sie sich in kollektivistischen Kulturen auch daran orientiert, wie zufrieden man glaubt sein zu dürfen. 
  • Korreliert individuelle Religiosität immer mit dem Selbstwertgefühl?

    Lösung

    Viele Studien fanden innerhalb einer Kultur positive Korrelationen zwischen Religiosität und diversen sozial erwünschten Persönlichkeitsmerkmalen wie z. B. Lebenszufriedenheit und psychische Gesundheit inkl. positives Selbstwertgefühl (Koenig, King & Carson, 2012). Neuere Studien zeigen jedoch, dass dieser Haupteffekt durch kulturelle Unterschiede in Religiosität moderiert wird: Er findet sich in stark religiös geprägten Ländern, nicht aber in wenig religiösen Ländern (Diener, Tay & Myers, 2011; Gebauer, Sedikides & Neberich, 2012). Gebauer et al. (2012) interpretieren dies durch die Religiosität-als-sozialer-Wert Hypothese: Je höher die Religiosität der sozialen Umwelt, desto sozial erwünschter ist Religiosität, sodass religiösere Menschen positiver wahrgenommen werden, was wiederum ihr Selbstwertgefühl erhöht und ihre psychische Gesundheit fördert. 
  • Welche Faktoren nehmen darauf Einfluss, ob Migranten sich in ihrer Persönlichkeit von alteingesessenen Einheimischen unterscheiden? Beispiel?

    Lösung

    Wie stark sich Migranten von Einheimischen der aufnehmenden Kultur in einem Persönlichkeitsmerkmal unterscheiden, hängt in erster Linie von der Definition ab, was ein Migrant genau ist. Hinsichtlich der Frage, ob sich die Verteilung einer Persönlichkeitseigenschaft durch Migration verändert, sind außerdem Selektionsprozesse aufseiten der Migranten und Unterschiede in den Mittelwerten der Eigenschaft zwischen Herkunftsland und aufnehmendem Land bedeutsam. Zusätzlich müssen bei Migranten Sozialisationsprozesse durch die Kultur des aufnehmenden Landes berücksichtigt werden, die die Eigenschaft verändern können (Akkulturation). So schnitten um das Jahr 2000 die Migranten der 2. Generation hinsichtlich des nicht-verbalen IQ und der PISA-Mathematikleistung durchweg besser ab als die Migranten der 1. Generation aus demselben Herkunftsland, sodass ein Selektions- oder Akkulturationseffekt nicht mehr nachweisbar war (Ausnahme: türkischstämmige Schüler der 2. Generation in Deutschland). 
  • Probleme bei der Übertragung der Ergebnisse der kulturvergleichenden Forschung auf interkulturelle Interaktionen.

    Lösung

    Die Ergebnisse von Kulturvergleichen lassen sich nicht einfach auf konkrete interkulturelle Interaktionen übertragen (Helfrich, 2013). Erstens behindert die unreflektierte Anwendung von „Regeln“ solche Interaktionen durch Übergeneralisierung und Stereotypisierung. Nicht jeder Angehörige einer fremden Kultur zeigt das typische Verhalten dieser Kultur; die dort vorhandenen Persönlichkeitsunterschiede sind fast immer größer als die kulturellen Unterschiede. Zweitens wissen die Interaktionspartner, dass sie sich in einer interkulturellen Situation befinden; dies kann zu einer gegenseitigen Anpassung führen oder dazu, dass dem Gegenüber ein „Idiosynkrasie-Kredit“ eingeräumt wird (Hollander, 1958). Nicht zuletzt sind interkulturelle Situationen oft Neuland für die Beteiligten, in denen es besser sein mag, nach neuen Wegen der Zusammenarbeit zu suchen als vorhandene Unterschiede zu perpetuieren (Hofstede, 2001). 
  • Fertig!

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