Psychotherapie

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Psychotherapie

ISBN: 
978-3-662-58711-9

Dieses Lehrbuch stellt die zentralen Modelle und Konzepte der Psychotherapie vor und vermittelt einen kompakten Überblick über das nötige Grundlagenwissen: Was ist Psychotherapie? Welche Ansätze gibt es? Wie steht es um deren Wirksamkeit?

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Neben den Grundlagen werden konkrete psychotherapeutische Behandlungsprozesse anhand ausgewählter Fallbeispiele anschaulich gemacht. Außerdem gibt es Anregungen für die Vertiefung ausgewählter Themengebiete.

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BegriffErklärung
AbwehrAbwehr ist ein nicht direkt beobachtbarer innerpsychischer Prozess, in dem unter Einsatz verschiedener Abwehrmechanismen, wie z.B. ungeschehen machen, Projektion oder Spaltung versucht wird, bestimmtes Erleben nicht bewusst werden zu lassen
AbwehrmechanismusDient der Regulation unbewusster Konflikte, Wünsche und Bedürfnisse und zeigt sich in unterschiedlichen Reifegraden. Bei den reifen Abwehrmechanismen handelt es sich um eine intrapsychische Regulierung eines psychischen Konflikts, der sich nur sekundär belastend auf die sozialen Beziehungen auswirkt (z.B. Rationalisierung, Wendung ins Gegenteil). Bei den unreifen Abwehrmechanismen dagegen werden im Versuch der Stabilisierung des eigenen psychischen Gleichgewichts andere Menschen einbezogen, was in der Folge zu enormen Belastungen dieser Beziehungen führen kann (z.B. Spaltung, projektive Identifizierung).
AdapationsprozessAnpassungs- bzw. Angleichungsprozess
Adhärenz / adherenceDas Ausmaß der Manualtreue in der Anwendung manualisierter Psychotherapien.
AffektisolierungAbwehrmechanismus: Bestimmte Gefühle werden ausgespart.
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Frage 1 von 67
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  • Oft wird der Beginn der modernen Psychotherapie mit der Entdeckung der Psychoanalyse zum Ende des 19. Jahrhunderts durch S. Freud gleichgesetzt. Was spricht für und was spricht gegen diese Wahl des Zeitpunktes?

    Lösung

    Bevor S. Freud die Psychoanalyse entwickelte war er bereits 10 Jahre lang psychotherapeutisch tätig. Eine wichtige Methode seines damals praktizierten Behandlungsansatzes war die Hypnose. Die Entdeckung der Psychoanalyse und die damit verbundene Abkehr von der Hypnose als Beginn der modernen Psychotherapie gleichzusetzen, wird der heutigen Bedeutung der Hypnose nicht gerecht. Gleichzeitig schuf S. Freud mit der Psychoanalyse einen theoretischen Rahmen, der zu einem völlig neuen Störungsverständnis und einem bahnbrechenden Behandlungsansatz führte, der heute noch wesentliche Bereiche des psychotherapeutischen Denkens prägt.
  • Wie lassen sich Interventionen, die dem Exorzismus zuzuordnen sind, von psychotherapeutischen Interventionen unterscheiden?

    Lösung

    Auch wenn sich Interventionen des Exorzismus und der Psychotherapie ähneln können, unterscheiden sich diese insbesondere über die theoretischen Annahmen der jeweiligen Wirkmechanismen.
  • Nennen Sie die vier zentralen Grundorientierungen, anhand derer sich die psychotherapeutischen Verfahren einteilen lassen.

    Lösung

    Antwort: psychodynamische Verfahren, systemische Verfahren, humanistisch-psychologische Verfahren, verhaltenstherapeutische bzw. kognitiv-behaviorale Verfahren

  • Welche Erfahrungen führten S. Freud zur Abkehr von dem bisher praktizierten katharischen Verfahren und leiteten so die Entdeckung der Psychoanalyse ein?

    Lösung

    In vielen Fällen konnten unter Hypnose herbeigeführten Erinnerungen seiner Patienten an frühkindliche traumatisierende Erfahrungen nicht bestätigt werden. Ferner führte die kathartische Behandlung nicht immer zum Erfolg. So zog Freud den Schluss, dass es sich bei diesen Schilderungen nicht um reale Erlebnisse, sondern um fantasierte Erlebnisse im Sinne von verborgenen Wünschen und Bedürfnissen gehandelt haben muss, die so konflikthaft waren, dass diese ins Unbewusste verdrängt werden mussten.
  • Beschreiben Sie das topografische Modell. Warum wird dieses Modell auch Eisbergmodell genannt?

    Lösung

    Bei dem topografischen Modell handelt es sich um die Einteilung in Bewusstes, Vorbewusstes, also Vorstellungsinhalte, die potentiell bewusstseinsfähig sind, und Unbewusstes. Wie bei einem Eisberg, ist auch bei dem topgrafischen Modell mit dem Bewusstsein nur ein kleiner Teil sichtbar. Der weitaus größere Teil, nämlich das Unbewusste, ist nicht sichtbar.
  • Erklären Sie die beiden Begriffe Widerstand und Abwehr und erläutern Sie die Unterschiede.

    Lösung

    Beide Begriffe beschreiben Vorgänge, die dazu dienen, Unbewusstes daran zu hindern, bewusst zu werden. Widerstand bedeutet, dass ein Mensch konkrete Handlungen unternimmt, um die Bewusstwerdung unangenehmer Inhalte zu verhindern. Dies kann z.B. beharrliches Schweigen in der Therapie oder systematisches Zuspätkommen zu den Therapiesitzungen sein. Unter Abwehr wird dagegen ein nicht beobachtbarer innerpsychischer Prozess verstanden, in dem unter Einsatz verschiedener Abwehrmechanismen, wie z.B. ungeschehen machen, Projektion oder Spaltung, versucht wird, bestimmtes Erleben nicht bewusst werden zu lassen.
  • Was versteht Freud unter „Trieb“?

    Lösung

    Triebe sind biologisch begründete innere physiologische Zustände, die nicht bewusst erfahrbar sind, eine konstante Kraft bilden und Handlungen auslösen. Bewusst erfahrbar sind nur die Triebabkömmlinge, also die bewusste Interpretation des inneren Zustands
  • Auf Grund welcher Erfahrungen führte Freud den Todestrieb ein?

    Lösung

    Seine ursprüngliche Vorstellung, jedem Traum wohne eine Wunscherfüllung inne, konnte er nicht mehr aufrechterhalten, da einige seiner traumatisierten Patienten in ihren Träumen immer wieder die schrecklichen erfahrenen Ereignisse nacherleben mussten. Aber auch mit dem „Wiederholungszwang“, in dem Menschen frühe leidvolle Erfahrungen in ihrem Leben reinszenieren müssen, konnte Freud die bisherige Annahme, dass jede Handlung einer Lustbefriedigung diene, nicht mehr aufrechterhalten. Freud nahm nun einen innewohnenden Drang an, der zum Ziel hat, einen früheren Zustand wiederherzustellen, welchen er als Todestrieb bezeichnete. Um als Individuum leben zu können, muss der Todestrieb, der den früheren anorganischen Zustand herstellen möchte, nach außen gerichtet werden. Auf Basis dieses Vorgangs erklärt Freud die aggressiven Tendenzen, die einem jeden Menschen innewohnen.
  • Welche psychosexuellen Phasen benannte Sigmund Freud?

    Lösung

    Orale Phase, Anale Phase, Phallische Phase, Ödipale Phase, Latenzphase, Genitale Phase
  • Beschreiben Sie die orale Phase nach S. Freud und skizzieren Sie das erweiterte Verständnis dieser Phase.

    Lösung

    Bei der oralen Phase handelt es sich um die erste von Freud beschriebene psychosexuelle Phase (1. – 2. Lebensjahr), in der die Triebbefriedigung auf die orale erogene Zone (Mundhöhle, Zunge, Lippen) ausgerichtet ist. Heute stehen in der oralen Phase neben der Triebbefriedigung auch die frühen Bindungserfahrungen (Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit) im Fokus.
  • Beschreiben Sie die anale Phase nach S. Freud und skizzieren Sie das erweiterte Verständnis dieser Phase.

    Lösung

    Mit der analen Phase (2. – 3. Lebensjahr) nach S. Freud handelt es sich um die 2. psychosexuelle Phase. Hier tritt die Afterzone als erogene Region in den Vordergrund. Mit der Ausscheidung der Exkremente wird die Schleimhaut des Afters gereizt, was nun als lustvoll erlebt wird. Folge einer Fixierung in dieser Phase können Zwanghaftigkeit, übertriebener Ordnungssinn, Pedanterie und Geiz sein. Während heute eine ausschließliche triebtheoretische Perspektive auf dies Phase stark angezweifelt wird, ist man sich doch aus entwicklungspsychologischer Perspektive darin einig, dass es in diesem Entwicklungsabschnitt um die Ausbildung eines autonomen Daseins in einer Umwelt geht, die sowohl Sicherheit als auch Einschränkungen bietet.
  • Beschreiben Sie die phallische Phase nach S. Freud.

    Lösung

    Die phallische Phase (3. -5. Lebensjahr) ist die dritte von S. Freud beschriebenen psychosexuellen Phasen. Hier erreicht die frühkindliche Sexualität ihren Höhepunkt. Beim Jungen wird der Penis und beim Mädchen die Klitoris zur zentralen Quelle des Lustempfindens. Ein bedeutsames Merkmal dieser Phase ist der Schau- und Zeigetrieb (Voyeurismus und Exhibitionismus). Entwicklungspsychologisch werden sich Kinder in dieser Phase ihrer eigenen Geschlechtszugehörigkeit bewusst, was, so Freuds Annahme, beim Jungen die Kastrationsangst und beim Mädchen den Penisneid zur Folge hat. Für Freud steht in der phallischen Phase sowohl für den Jungen als auch für das Mädchen der Phallus im Mittelpunkt. Der Junge wird sich bewusst, dass er einen Phallus hat und dieser auch Quelle der Lustempfindung sein kann. Das Mädchen muss feststellen, dass es nicht über einen solchen Phallus verfügt
  • Beschreiben Sie die Entstehung und Auflösung des Ödipuskomplexes beim Jungen und beim Mädchen:

    Lösung

    In der Freud’schen Theorie stellt der sog. ödipale Konflikt den Kulminationspunkt der psychosexuellen kindlichen Entwicklung dar. Grundsätzlich wird im Ödipuskomplex die Gesamtheit der kindlichen Liebes-, Hass- und Schuldgefühle gegenüber den Eltern beschrieben. Der zentrale Konflikt besteht in der Rivalität zwischen dem Jungen und dem Vater um die Liebe der Mutter bzw. in der Rivalität zwischen dem Mädchen und der Mutter um die Liebe des Vaters. Der rivalisierende Sohn sieht sich in dieser die Mutter begehrende Konstellation einem übermächtigen Vater gegenüber, der sich, so die ängstigende Fantasie des Sohnes, durch die Kastration seines Sohnes rächen könnte. Die libidinöse Objektbesetzung des Elternteils wird aufgegeben und durch Identifikation ersetzt. Dieser ins Ich introjizierte Elternteil bildet den Kern des späteren Über-Ichs. Diese so auch introjizierten Moralvorstellungen verhindern, so Freud, eine Wiederkehr des ödipalen Konflikts. Beim Mädchen verläuft die Überwindung des Ödipuskomplexes weniger dramatisch, da es keine Kastration zu befürchten hat. Im ödipalen Begehren des Vaters wünscht sie sich ein Kind von ihm. Da dieser Wunsch aber nie erfüllt wird, wird langsam der Ödipuskomplex verlassen.
  • Beschreiben Sie die Genitale Phase.

    Lösung

    Bei der genitalen Phase (ab Erreichen der Geschlechtsreife) handelt es sich um eine von Freud beschriebenen psychosexuellen Phasen. Mit Eintritt in die Pubertät erfolgt die Zusammenfassung der Partialtriebe in einen Sexualtrieb, der sich nun in den Dienst der Fortpflanzung stellt. Während in allen früheren Phasen das Interesse eher selbstbezogen oder auf Familienmitglieder gerichtet war, orientiert sich der Mensch ab der Vorpubertät hinsichtlich der Suche nach sexueller Befriedigung nach außen. Sexualität tritt nun in den Dienst der zwischenmenschlichen Partnerschaft.
  • Beschreiben Sie das Strukturmodell nach S. Freud

    Lösung

    Das von S. Freud entwickelte Strukturmodell oder auch Drei-Instanzen-Modell stellt eine Erweiterung des topografischen Modells dar. Während das Es die Triebe repräsentiert und das Über-Ich die verinnerlichten moralischen Vorstellungen abbildet, dient das Ich als Mittler zwischen den aus dem Es kommenden Triebbedürfnissen, den aus dem Über-Ich herrührenden moralischen Anforderungen sowie den Erfordernissen der realen Außenwelt. Eine Handlung ist dann korrekt, wenn sie gleichzeitig den Anforderungen des Es, des Über-Ich sowie der Realität gerecht werden kann.
  • Was ist die Ich-Psychologie?

    Lösung

    Eine Strömung innerhalb der Psychoanalyse, in dem die Aufmerksamkeit auf die direkte Beobachtung des Ichs des Patienten gerichtet wird, welches darum bemüht ist, bestimmte unbewusste Regungen und Wünsche vom Bewusstsein fernzuhalten. Der Mensch wurde also nicht mehr aus einer rein konflikthaften Perspektive betrachtet, sondern als ein Lebewesen verstanden, das mit angeborenen Fähigkeiten ausgestattet ist, um sich grundsätzlich konfliktfrei über die Ausbildung entsprechender Ich-Funktionen im Einklang mit seiner Umwelt zu entwickeln. In der Ich-psychologischen Behandlung geht es nicht um die Bewusstmachung unbewusster Inhalte, sondern um die Beeinflussung intrapsychischer Aushandlungsprozesse und Kompromissbildungen zwischen Wünschen, Abwehrvorgängen, Über-Ich-Forderungen und Anforderungen der Realität.
  • Beschreiben Sie den Unterschied zwischen reifen und primitiven Abwehrmechanismen.

    Lösung

    Abwehrmechanismen sind eine Form der Regulation unbewusster Konflikte, Wünsche und Bedürfnisse und zeigen sich in unterschiedlichen Reifegraden. In einer sehr groben Unterteilung wird heute zwischen sog. reifen und unreifen Abwehrmechanismen differenziert. Bei den reifen Abwehrmechanismen handelt es sich um eine intrapsychische Regulierung eines psychischen Konflikts, der sich nur sekundär belastend auf die sozialen Beziehungen auswirkt (z.B. Rationalisierung, Wendung ins Gegenteil). Bei den unreifen Abwehrmechanismen dagegen werden im Versuch der Stabilisierung des eigenen psychischen Gleichgewichts andere Menschen einbezogen, was in der Folge zu enormen Belastungen dieser Beziehungen führen kann (z.B. Spaltung, projektive Identifizierung). Während die reifen Abwehrmechanismen vorwiegend bei Menschen mit Konfliktpathologien anzutreffen sind, zeigen Menschen mit strukturellen Defiziten eher unreife Abwehrmechanismen.
  • Skizieren Sie die wesentlichen Merkmale der Objektbeziehungstheorie.

    Lösung

    Mit der Entwicklung der Objektbeziehungstheorie in den 1950er Jahren wurde innerhalb der psychoanalytischen Theoriebildung ein grundlegender Paradigmenwechsel eingeleitet. Während der bisherige Fokus im Sinne der Ein-Personen-Psychologie auf das Individuum mit seiner innerpsychischen Dynamik gelegt wurde, rücken nun die zwischenmenschlichen Erfahrungen, also das Beziehungserleben und sein Einfluss auf die Entwicklung des Menschen, in den Vordergrund. Folgerichtig spricht man in Zusammenhang mit der Objektbeziehungstheorie nun auch von der Zwei-Personen-Psychologie. im Mittelpunkt der therapeutischen Arbeit steht das unmittelbare Beziehungserleben des Patienten mit seinem Therapeuten sowie die Möglichkeit, im Laufe des therapeutischen Prozesses korrigierende Beziehungserfahrungen machen zu können.
  • Was ist ein Übergangsobjekt?

    Lösung

    Die Bedeutung des Übergangsobjekts wurde von Winnicott erkannt und beschrieben. Kinder ab dem vierten Monat wählen häufig ein äußeres Objekt, wie ein Kuscheltier oder eine Schmusedecke, das den Raum zwischen Mutter und Kleinkind einnimmt und somit eine wichtige Stütze des Kindes darstellt, um Zeiten der Abwesenheit der Mutter überbrücken zu können.
  • Was beschreibt Kohut mit dem Begriff Selbstobjekt?

    Lösung

    Selbstobjekte sind all jene Objekte, die in irgendeiner Form für das Selbst bedeutsam und somit selbststrukturgebend bzw. -stabilisierend sind. So kann die Tochter für den Vater zum Selbstobjekt werden, weil ihm über seine Tochter wichtige Anteile seiner inneren Repräsentanz als guter Vater gespiegelt werden.
  • Beschreiben Sie an einem Beispiel das Phänomen der Spiegelübertragung.

    Lösung

    Ein Kind hat sich gestoßen und weint. Die Mutter nimmt das Kind auf den Arm und tröstet es und spiegelt dem Kind somit empathisch wider, was es gerade erleiden muss. Das Kind kann sich so über die Mutter in einem emotionalen Spiegel betrachten und fühlt sich dadurch aufgehoben und verstanden.
  • Beschreiben Sie an einem Beispiel das Phänomen der Zwillingsübertragung.

    Lösung

    Enkelin und Großmutter stehen nebeneinander in der Küche und backen gemeinsam Weihnachtsplätzchen. In dieser Szene erlebt die Enkelin, dass sie wie ihre Großmutter ist und Plätzchen backt. Dieses Erleben von Ähnlichkeit wird zu einer selbststützenden Erfahrung.
  • Was wird mit dem Begriff „idealisierende Selbstobjektübertragung“ beschrieben?

    Lösung

    Oft nutzen kleine Kinder ihre Eltern als idealisierende Selbstobjekte. Die Überzeugung, dass Mama und Papa die Besten sind, stellt für die Kinder, die in einer Welt leben, in der sie so vieles noch nicht können und nicht verstehen, einen wichtigen Schutz, aber auch eine wichtige Selbstwerterhöhung dar. Denn so schlecht kann ein Kind nicht sein, wenn es so großartige Eltern hat. Im Laufe der Entwicklung baut das Kind eigene Selbststrukturen immer weiter aus und kann es sich somit zunehmend leisten, die archaischen Selbstobjektübertragungen durch realistischere zu ersetzen.
  • Skizzieren Sie die Position der Intersubjektivisten und den daraus abgeleiteten Behandlungsfokus.

    Lösung

    Mit der Theorie der Intersubjektivität findet eine Fokusverschiebung dahingehend statt, dass, wie auch die Säuglingsforschung bestätigt, die Intersubjektivität der Subjektivität vorausgeht. Die Vertreter der intersubjektiven Theorien halten die Vorstellung von einer autonomen Psyche für eine Illusion. Das therapeutische Geschehen wird als eine kontextabhängige Ko-Konstruktion zwischen Therapeut und Patient verstanden. Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse finden sowohl im Patienten als auch im Therapeuten statt und bilden ein intersubjektives System eines reziproken gegenseitigen Einflusses. Der therapeutische Fokus ist in diesem Ansatz vor allem auf die Beziehung zwischen Therapeut und Patient gerichtet. Es geht also darum, zu verstehen, was sich in der Begegnung zwischen Therapeut und Patienten im intersubjektiven Feld entwickelt. Die zentralen Methoden in der therapeutischen Arbeit sind vor allem die Empathie und die Introspektion.
  • Skizzieren Sie die Besonderheiten der Relationalen Psychoanalyse.

    Lösung

    In der Relationalen Psychoanalyse wird die psychische Realität als eine relationale Matrix gesehen, die sich sowohl aus dem intrapsychischen als auch aus einem interpersonalen Bereich zusammensetzt. Verinnerlichte und konflikthafte Beziehungskonfigurationen bilden die Basis der Psyche. Psychische Gesundheit bedeutet in der relationalen Theorie die Fähigkeit, sich flexibel auf unterschiedliche Beziehungen einlassen zu können. Demnach entstehen psychische Störungen aus einer Starrheit, mit der an bestimmten Beziehungskonfigurationen festgehalten wird. In der relationalen Therapie soll sich der Therapeut authentisch in die Beziehung mit dem Patienten einlassen und ihm so neue beziehungskorrigierende Erfahrungen ermöglichen. Ein völliges Novum innerhalb der Psychoanalyse ist die Möglichkeit des Therapeuten zur Selbstenthüllung.
  • Skizzieren Sie die Grundlagen der Mentalisierungsbasierten Psychotherapie.

    Lösung

    Ausgangspunkt dieses Ansatzes sind die Erkenntnisse über die frühe menschliche Entwicklung vor allem im Hinblick auf die Qualität der psychischen Repräsentanzen der Umwelt, des sozialen Umfeldes sowie der eigenen Person. Die Qualität der Mentalisierungsfähigkeit entscheidet darüber, wie das Individuum sich selbst, seine Bedürfnisse und Emotionen, aber auch soziale Situationen, wie z.B. Konflikte, wahrnehmen, erleben und regulieren kann. Das Ziel der mentalisierungsbasierten Psychotherapie ist, für die Patienten einen Raum zu schaffen, in dem sie das Nachdenken über Gefühle und Gedanken als gefahrlos erleben können. Die Aufgabe des Therapeuten besteht darin, in Verbindung mit dem mentalen Zustand des Patienten zu treten, die inneren Zustände des Patienten in Worte zu fassen und so archaisches überwältigendes Erleben in handhabbare Einheiten zu zerlegen und somit zu differenzieren. Nach und nach erwirbt der Patient so die Fähigkeit, Gedanken nicht mehr als Realität, sondern als Vorstellung zu begreifen und gleichzeitig den Kontakt zur inneren Welt zu bewahren
  • Was wird mit dem Begriff „Analytische Psychologie“ beschrieben?

    Lösung

    Analytische Psychologie ist die Bezeichnung für das von C.G. Jung entwickelte Psychotherapieverfahren, welches sich vor allem in Hinblick auf das Verständnis des Unbewussten (vgl. kollektives Unbewusste) sowie der Libidotheorie von der Psychoanalyse Freuds unterscheidet.
  • Erläutern Sie die Begriffe Anima und Animus.

    Lösung

    Beide Begriffe gehen auf die Theorie C.G. Jungs zurück. Anima umschreibt die unbewussten weiblichen Anteile im Mann und Animus die unbewussten männlichen Anteile der Frau.
  • Was umschreibt der Begriff „Bioenergetik“?

    Lösung

    Bioenergetik ist ein von A. Lowen entwickelter körperpsychotherapeutischer Ansatz, der im Wesentlich aus der von W. Reich begründeten Vegetotherapie weiterentwickelt wurde
  • Was wird mit der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD) erfasst und wie ist diese aufgebaut?

    Lösung

    Auf Grundlage eines halbstrukturierten Interviews werden mit dem OPD Beurteilungen auf den folgenden fünf Achsen vorgenommen: Achse I: Krankheitserleben und Behandlungsvoraussetzungen, Achse II: Beziehung, Achse III: Konflikt, Achse IV: Struktur, Achse V: Psychische und psychosomatische Störungen
  • Worin unterscheiden sich die beiden kassenärztlich zugelassenen psychodynamisch begründeten Psychotherapien „Analytische Psychotherapie“ und „Tiefenpsychologisch Fundierte Psychotherapie“?

    Lösung

    Die Analytische Psychotherapie (AP) unterscheidet sich von tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie (TP) sowohl hinsichtlich des Behandlungssettings als auch hinsichtlich der Behandlungsdauer. Während bei der AP zunächst 160 Sitzungen beantragt werden, die dann auf 300 erweitert werden können, werden in der TP als Langzeittherapie zunächst 50 Sitzungen beantragt, die auf 80 und maximal auf insgesamt 100 Sitzungen aufgestockt werden können. In der Regel findet die TP in wöchentlichen Sitzungen statt, während in der AP die Frequenz bis zu drei Sitzungen die Woche betragen kann. Bei der AP liegt der Patient klassischerweise auf der Couch, während die TP im Sitzen stattfindet. Sowohl das Setting als auch die Frequenz haben ganz unterschiedliche Behandlungsdynamiken und Behandlungsfoki zur Folge. In der AP, in der der Therapeut für den Patienten nicht sichtbar ist und in der Regel mit einer gewissen Abstinenz den Therapieprozess begleitet, entsteht im Vergleich zur TP ein sehr viel größerer Raum für regressive und Übertragungsprozesse, in der sich dann alte Beziehungsmuster in der Beziehung zwischen Therapeut und Patient wiederholen können. In der TP dagegen steht die Realbeziehung zwischen Therapeut und Patient sehr viel klarer im Vordergrund, so dass das aktuelle Geschehen und die aktuellen psychosozialen Konflikte den Hauptfokus der Therapie bilden. Von daher bezieht sich die TP sehr viel stärker auf die gegenwärtigen Kompromissbildungen, die sich in den aktuellen Beziehungskonflikten zeigen. Dieser Bereich wird auch mit „Gegenwarts-Unbewusstes“ umschrieben. In der AP liegt die Aufmerksamkeit dagegen stärker auf dem „Vergangenheits-Unbewussten“. Hier werden verdrängte frühkindliche Konflikte und Wünsche angesprochen, die sich zwar in der Gegenwart reaktivieren, aber in ihrer Ausgestaltung sehr viel archaischer auf die frühkindliche Situation beziehen.
  • Was ist Humanistische Psychologie?

    Lösung

    Humanistische Psychologie ist eine Strömung innerhalb der Psychologie, die sich Anfang der 1960er Jahre in den USA formierte. Sie bezeichnet sich neben dem Behaviorismus und der Psychoanalyse als sog. Dritte Kraft. Die Humanistische Psychologie stellt den gesunden Menschen in den Mittelpunkt der Betrachtung und geht davon aus, dass der Mensch ein von Grund auf gutes und soziales Wesen ist, das danach strebt sich in sinnvoller Weise weiterzuentwickeln. Aus der Humanistischen Psychologie sind eine Vielzahl unterschiedlicher psychotherapeutischer Ansätze, wie Gesprächspsychotherapie, Gestaltpsychotherapie, Psychodrama, Themenzentrierte Interaktion und auch Logo- und Existenztherapie hervorgegangen.
  • Welche Beziehung besteht zwischen Humanistische Psychologie und Existenzphilosophie?

    Lösung

    Die Existenzphilosophie hatte entscheidenden Einfluss auf das Menschenbild der Humanistischen Psychologie. Insbesondere die Annahme, dass der Mensch frei ist und jeder für sich allein die Verantwortung trägt, sein Leben zu ergreifen oder zu verfehlen, prägen die Menschenbildvorstellungen der Humanistischen Psychologie.
  • Welche Beziehung besteht zwischen Humanistische Psychologie und Phänomenologie.

    Lösung

    Der Einfluss besteht vor allem in der Forderung, dem Menschen ohne Vorannahmen, d.h. ohne diagnostische Einordnungen oder psychopathologische Einschätzungen zu begegnen, sondern zu versuchen, den Menschen so wahrzunehmen, wie er wirklich ist. Interpretationen sollten also nicht zu schnell vorgenommen werden, Theorien sollte man nicht verabsolutieren. Vielmehr soll man dem konkreten Erfahrungsbereich des Alltags verbunden bleiben sowie die Autonomie der Erfahrung des Anderen achten.
  • Skizzieren Sie das Menschenbild der Humanistischen Psychologie.

    Lösung

    In der Humanistischen Psychologie wird davon ausgegangen, dass der Mensch von seiner Natur her ein Wesen ist, das danach strebt, seine Möglichkeiten und Fähigkeiten in Beziehung zur Welt in konstruktiver Weise auszudrücken. Jedem Menschen wohnt eine Aktualisierungstendenz inne, also ein Streben, die eigenen Potenziale in sinnvoller Weise weiterzuentwickeln. Im Idealfall handelt es sich um ein Streben nach Selbstverwirklichung, also die Verwirklichung der ureigenen individuellen Potenziale, Wünsche, Sehnsüchte und Begabungen. Auch wenn der Einzelne durch seine genetischen Faktoren, seine physische Konstitution, seine Kultur und seine sonstigen Lebensumstände immer wieder Einschränkungen erfährt, verfügt der Mensch über das Potenzial, Autor seines eigenen Lebens sein zu können. Der Mensch ist stets in seiner Ganzheit zu betrachten, so dass seine Physis und sein emotionales Erleben nicht voneinander separiert werden dürfen.
  • Beschreiben Sie an einem Beispiel den Zustand der Inkongruenz.

    Lösung

    Ein Mensch beispielsweise, der als Kind in einem Umfeld aufwuchs, in dem jede Form von aggressiver Äußerung mit Missbilligung begegnet wurde, hatte keine Möglichkeit, eigene aggressive Tendenzen adäquat zu zeigen bzw. auszuleben. Aggression ist dann nicht kompatibel mit dem während der Kindheit erworbenen Selbstkonzept. Dennoch wird auch diese Person auf der Ebene der organismischen Erfahrung immer wieder Aggressionen erleben, die aber nicht ins Selbstkonzept integriert werden können bzw. dürfen und daher nicht, nur unvollständig oder verzerrt symbolisiert werden. Tritt eine solcher Zustand ein, befindet sich die Person in einem Zustand der Inkongruenz, welche den inneren Spannungszustand erhöht und gleichzeitig mit einer massiven Einschränkung der Offenheit und Spontanität einhergeht. Dies wird als Ausgangspunkt der Ausbildung jeder psychischen Störung verstanden.
  • Wie lauten die von C. Rogers formulierten sechs notendigen und hinreichenden Bedingungen therapeutischer Persönlichkeitsveränderung?

    Lösung

    1. Zwei Personen befinden sich in psychologischem Kontakt. 2. Die erste Person, der Klient, befindet sich im Zustand der Inkongruenz, ist verletzbar bzw. ängstlich. 3. Die zweite Person, der Therapeut, ist in der therapeutischen Beziehung kongruent. 4. Der Klient erfährt gegenüber seinem Therapeuten bedingungsfreie positive Beachtung. 5. Der Therapeut versteht empathisch den inneren Bezugsrahmen des Patienten. 6. Der Patient nimmt zumindest in Ansätzen die bedingungsfreie positive Beachtung und das empathische Verstehen des Therapeuten wahr.
  • Beschreiben Sie die Merkmale der Kybernetik 1. Ordnung und der Kybernetik 2. Ordnung.

    Lösung

    Zentral in der Kybernetik 1. Ordnung ist die Vorstellung, als neutraler Beobachter oder Forscher ein System von außen beobachten und betrachten zu können und durch gezielte Interventionen in absichtsvoller Weise auf dieses System einwirken zu können. Merkmal der Kybernetik 1. Ordnung ist also das Bemühen, komplexe und chaotische Systeme zu kontrollieren und zu steuern, so dass sie sich in eine bestimmte vorgegebene Richtung bewegen. Im Sinne der Kybernetik 2. Ordnung dagegen lässt sich ein System weder objektiv erfassen noch gezielt in eine bestimmte Richtung manipulieren. Vielmehr unterliegen insbesondere biologische Systeme dem Prinzip der Selbstorganisation, das heißt, sie streben danach, sich in sinnvoller Weise zu organisieren. Therapeutisch bedeutet dies, dass der Therapeut seine Patienten nicht mehr in eine zentrale Richtung verändern kann, sondern lediglich Entwicklungs- bzw. Veränderungsanstöße geben kann, die wiederum die jeweils eigene Selbstorganisation stimulieren
  • Was ist ein Genogramm?

    Lösung

    Ein Genogramm ist, ähnlich wie bei einem Stammbaum, eine über zwei bis drei Generationen hinweg verlaufende schematische Darstellung der einzelnen Familienmitglieder, in der über die Verwendung bestimmter Symbole Beziehungsaspekte, wie kennengelernt, verheiratet, uneheliche Beziehung, geschieden, und andere relevante Information, wie Geburt, verstorben, Abtreibung, Fehlgeburt, grafisch festgehalten werden.
  • Worin besteht die Besonderheit des lösungsorientierten Ansatzes von de Shazer?

    Lösung

    Wie die Bezeichnung dieses Ansatzes schon andeutet, geht es nicht wie in vielen anderen therapeutischen Ansätzen darum, das Problem in seiner Komplexität und Genese genau zu verstehen, zu analysieren und hieraus eine Intervention abzuleiten. Vielmehr geht es sehr pragmatisch darum, direkt einen Lösungsprozess in Gang zu setzen. Sprechen über das Problem, so eine der Grundannahmen, bringt wieder neue Probleme hervor. Nach de Shazer sei es ein Irrtum, anzunehmen, dass zwischen Problemen und ihrer Lösung ein Zusammenhang bestehe. Vom ersten Moment der therapeutischen Begegnung an steht also nicht das Problem, sondern seine Lösung im Fokus.
  • Machen Sie an einem Beispiel die Methode des Zirkulären Fragens deutlich.

    Lösung

    Der Therapeut könnte sich z.B. in einer familientherapeutischen Sitzung mit Mutter, Vater und Tochter an die Tochter wenden und sie fragen, was sie denn glaube, was gerade im Vater vorgehe, wenn er die Mutter so weinen sehe. Diese zirkuläre Frage dient dazu, systemische Strukturen innerhalb der Familie transparent zu machen und so Denk- und Handlungsmuster zu bereichern bzw. zu verflüssigen.
  • Machen Sie an einem Beispiel diffuse Grenzen innerhalb eines familiären Systems deutlich.

    Lösung

    Ein dreijähriger Sohn kommt jede Nacht ins elterliche Schlafzimmer, um dort den Rest der Nacht zu verbringen. Diese Angewohnheit bedeutet eine Belastung bzw. Schwächung des elterlichen Subsystems, da den Eltern der gemeinsame, private und auch intime Raum genommen wird.
  • Was ist Systemische Therapie?

    Lösung

    Systemische Therapie bildet neben Psychoanalyse, Verhaltenstherapie und Humanistische Psychotherapie eines der vier Grundorientierungen der Psychotherapie. Besonderes Merkmal ist der Fokus auf die dynamische Wechselwirkung zwischen den biologischen und psychischen Eigenschaften einerseits und den sozialen Bedingungen des Lebens andererseits, um das Individuum und seine psychischen Störungen angemessen verstehen zu können. Ziel der Therapie ist eine Erweiterung der Wahrnehmungs- und Handlungsmöglichkeiten des/der Einzelnen und des Gesamtfamiliensystems. Hierfür verfügt die Systemische Therapie über ein breites und heterogenes Methodenrepertoire.
  • Skizzieren Sie knapp die Unterteilung der Verhaltenstherapie in erste, zweite und dritte Welle.

    Lösung

    Die erste Phase, die die Grundsteinlegung der Verhaltenstherapie darstellt, wird mittlerweile auch als die 1. Welle bezeichnet. Vor allem Erkenntnisse des operanten und klassischen Konditionierens fanden systematisch Eingang. Die 2. Welle geht mit der sog. „Kognitiven Wende“ in den 1960er/70er Jahre einher und hatte zur Folge, dass kognitive Phänomene Gegenstand der Diagnostik und Intervention wurden. Der Fokus lag nun nicht mehr wie noch in der 1. Welle auf objektiv beobachtbarem Verhalten, das gezielt verändert werden sollte. Stattdessen waren es die subjektiven Annahmen, die Vorstellungen und Bewertungen der Patienten, also die inneren Repräsentanzen der äußeren Welt, die z.B. auf ihre Irrationalität hin überprüft wurden und durch gezielte Interventionen verändert werden sollten. Anfang der 1990er Jahre setzte die sog. 3. Welle ein. Die Verhaltenstherapie fokussierte sich nun zunehmend auf das gesamte innere Erleben des Patienten. Auf therapeutischer Ebene fanden achtsamkeits- und akzeptanzbasierte Strategien Eingang in den psychotherapeutischen Prozess.
  • Beschreiben Sie an einem Beispiel, wie ein Menschen über klassisches Konditionieren ein bestimmtes Verhalten erlernen kann.

    Lösung

    Um das Prinzip des klassischen Konditionierens anzuwenden, benötigt man zunächst eine bereits gegebene Reiz-Reaktions-Sequenz. Beim Menschen wird daher regelmäßig auf bestehende Reflexe, wie z.B. den Lidschlussreflex, zurückgegriffen. Trifft ein Luftstoß auf das Auge, schließen sich automatisch die Augenlider. Der Luftstoß ist in diesem Fall der unkonditionierte Stimulus (UCS) und der Lidschlussreflex die unkonditionierte Reaktion (UCR). Koppelt man nun diesen Luftstoß mit einem bestimmten Ton, wird nach nur wenigen Versuchsdurchgängen allein dieser Ton den Lidschlussreflex auslösen können. Der Ton ist demnach der konditionierte Stimulus (CS) und der durch ihn ausgelöste Lidschlussreflex die konditionierte Reaktion (CR). Somit wurde über das klassische Konditionieren gelernt, bei einem bestimmten Ton den Lidschlussreflex auszulösen.
  • Beim operanten Konditionieren werden vier Konsequenzen beschrieben, die die Wiederauftretenswahscheinlichkeit des zuvor gezeigten Verhaltens beeinflussen. Benennen Sie diese vier Konsequenzen, geben Sie jeweils ein Beispiel für eine solche Situation und stellen sie den jeweiligen Einfluss auf die Wiederauftretenswahrscheinlichkeit dar.

    Lösung

    Positive Verstärkung (Erhöhung der Auftrittswahrscheinlichkeit): Eine positive Verstärkung liegt dann vor, wenn die Konsequenz dazu führt, dass die Auftretenswahrscheinlichkeit des zuvor gezeigten Verhaltens zunimmt. Hier wird auch von Belohnung gesprochen. Beispiel: Der kleine Peter hat sein Spielzimmer aufgeräumt und darf danach seine Lieblingssendung im Fernsehen sehen. Bestrafung (Reduzierung der Auftrittswahrscheinlichkeit): Eine Bestrafung liegt dann vor, wenn die Konsequenz dazu führt, dass die Auftretenswahrscheinlichkeit des zuvor gezeigten Verhaltens abnimmt. Der 12-jährige Klaus hat länger als vereinbart auf seinem Handy gespielt und muss deshalb das Badezimmer putzen. Negative Verstärkung (Erhöhung der Auftrittswahrscheinlichkeit): Nach der erfolgten Reaktion wird die aversive Konsequenz beseitigt. Am Beispiel der im Aufzug entstandenen Angst, wird das daraufhin entwickelte Vermeidungsverhalten (nicht in Aufzüge gehen) negativ verstärkt, da man so der erwarteten aversiven Konsequenz (Bewusstsein verlieren, ohnmächtig werden) entgeht. Indirekte Bestrafung (Reduktion der Auftrittswahrscheinlichkeit): Nach dem gezeigten Verhalten wird eine erwartete positive Konsequenz nicht dargeboten. Entzieht man dem Kind sein Taschengeld, weil es sein Zimmer nicht aufgeräumt hat, wäre dieses eine indirekte Bestrafung mit dem Ziel, das Verhalten (Nichtaufräumen des Zimmers) in seiner Auftretenswahrscheinlichkeit zu reduzieren.
  • Welches Phänomen beschrieb M. Seligmann mit dem Begriff „Preparedness“?

    Lösung

    Seligmann wollte mit dem Begriff „Preparedness“, das Phänomen erklären, dass der Mensch evolutionsbiologisch begründet eine hohe Bereitschaft zeigt, z.B. gegenüber Enge, Höhe, Spinnen, Schlangen etc. relativ schnell Ängste auszubilden. Diese Bereitschaft war in der frühen stammesgeschichtlichen Entwicklung des Menschen von überlebenswichtiger Bedeutung und spiegelt sich heute in den zentralen Inhalten der einfachen Phobien, wie Spinnenangst, Höhenangst etc., wider.
  • Was ist das Merkmal der Konfrontationsverfahren? Nennen und beschreiben Sie ausgewählte Konfrontationsverfahren.

    Lösung

    Die Konfrontationsverfahren bezeichnet eine Gruppe therapeutischer Interventionen aus der Verhaltenstherapie. Patienten werden im Rahmen der Therapie mit Situationen bzw. Stimuli konfrontiert, die bisher gemieden wurden, weil sie in der Regel mit Ängsten besetzt waren. Exposition und Reaktionsverhinderung: Grundlage ist eine in vivo Konfrontation mit der angstauslösenden Situation. Durch die Unterbindung des Vermeidungsverhaltens wird der Prozess der Habituation ermöglicht. Graduierte Löschung: In vivo Konfrontation mit zunächst minimal angstauslösenden Situationen mit sukzessiver Steigerung des Grades der angstbesetzten Situationen. Daher i.d.R. keine Reaktionsverhinderung notwendig. Soziales Kompetenztraining: Mehr oder weniger standardisierte Gruppenprogramme zur Erhöhung der sozialen Kompetenz. Flooding: In vivo Reizüberflutung, also massierte Konfrontation mit der angstauslösenden Situation (z.B. Kirchturmbesteigung bei Höhenangst). Implosion: Massive in sensu Reizkonfrontation. Der Patient wird in der Vorstellung mit Angstsituationen höchster Intensität konfrontiert, die oft ins Unrealistische übersteigert werden. Reaktionsverhinderung durch verbale Instruktion: Patient muss bei den induzierten Vorstellungen bleiben. Wird heute kaum mehr angewandt.
  • Was wird in der Verhaltenstherapie mit dem Begriff „Kontingenz“ beschrieben?

    Lösung

    Die Kontingenz ist wesentlich für den operant gesteuerten Lernprozess und charakterisiert die Verbindung zwischen Verhalten und Konsequenz. Diese ist am ehesten gegeben, wenn die Konsequenz in räumlicher und zeitlicher Nähe zum Verhalten steht.
  • Beschreiben Sie an einem Beispiel den verhaltenstherapeutischen Einsatz von shaping.

    Lösung

    Shaping kann z.B. zum Einsatz kommen, um geistig behinderten Kindern das selbstständige Einräumen der Geschirrspülmaschine beizubringen. In einer ersten Phase werden die Kinder bereits gelobt, wenn sie ihre eigene Tasse einräumen. Ist dies erreicht, erfolgt die positive Verstärkung erst, wenn einige weitere Geschirrteile eingeräumt wurden. Schließlich kommt es erst dann zur positiven Verstärkung, wenn das gesamte Geschirr eingeräumt wurde.
  • Nehmen Sie kritisch Stellung zur den Bestrafungsverfahren in der Verhaltenstherapie.

    Lösung

    Der Einsatz von Bestrafung darf nur auf Grundlage eingehender ethischer Überlegungen erfolgen, sollte dem Patienten mit entsprechender Transparenz vermittelt werden und parallel mit dem Aufbau von Verhaltensalternativen einhergehen. Vielleicht ist es kein Zufall, dass die therapeutische Arbeit mit dem systematischen Einsatz von Bestrafungsreizen vor allem für Verhaltensweisen zur Anwendung kam, die als moralisch verwerflich galten (Sucht, Paraphilien etc.). Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass ein solcher therapeutischer Ansatz in der Regel nur kurzfristige Effekte erzielt, da er weniger zum Verlernen, sondern eher zur Unterdrückung des unerwünschten Verhaltens beiträgt. Von daher ist diese Methode heute weitgehend aus der Verhaltenstherapie verschwunden.
  • Definieren Sie Kontingenzmanagement und nennen Sie konkrete Verfahren des Kontingenzmanagements.

    Lösung

    Mit Kontingenzmanagement wird die systematische Anwendung verschiedener operanter Strategien umschrieben, bei denen komplexe Verhaltensmuster beeinflusst werden. Typische Beispiel sind: Token Economy, Response-Cost und Kontingenzverträge.
  • Skizzieren Sie die Bedeutung der sog. „kognitive Wende“ (2. Welle) für die Entwicklung der Verhaltenstherapie.

    Lösung

    Mit der kognitiven Wende bzw. 2. Welle verlässt die Verhaltenstherapie ihre bis dahin bestehende mechanistische Position, die weitgehend vom Black-Box-Modell geprägt war und bei der der Mensch und seine Umwelt als eindeutig objektiv fassbar und direkt veränderbar angesehen wurden. Ins Zentrum rücken nun die individuellen menschlichen kognitiven Repräsentanzen hinsichtlich der eigenen Person einschließlich ihrer Biografie, der Umwelt und ihrem sozialen Umfeld. Es geht um die Bedeutung von Wahrnehmungsprozessen, die Art, wie der Mensch seine Erfahrungen strukturiert und Umweltreize in verwertbare Informationen transformiert.
  • Was wird mit der horizontalen und was mit der vertikalen Verhaltensanalyse erfasst.

    Lösung

    Horizontale Verhaltensanalyse, auch situative Verhaltensanalyse oder Mikroanalyse genannt, bedient sich in der Regel des SORKC-Modells nach Kanfer. Im Sinne dieses Modells gibt es eine bestimmte auslösende Situation (S), durch die sich ein Mensch mit einer bestimmten biologischen Grundverfassung und einem bestimmten physiologischen Zustand (O) konfrontiert sieht, woraufhin er ein bestimmtes Verhalten (emotional, kognitiv, physiologisch, motorisch) (R) initiiert, welches in einer bestimmten Kontingenz (K), also einer zeitlichen und räumlichen Nähe, unterschiedliche kurzfristige und langfristige Konsequenzen (C) nach sich zieht. Vertikale Verhaltensanalyse, auch Makroanalyse, Plananalyse oder Schemaanalyse genannt, wird erhoben, um kognitive Schemata, also typische kognitive Muster des Patienten, und die jeweiligen Werte, Normen und Ziele zu erfassen. Ferner geht es um die Erfassung dysfunktionale Beziehungsmuster und Persönlichkeitsstrukturen.
  • In welche vier Phasen lässt sich die Psychotherapieforschung unterteilen?

    Lösung

    1. Phase: Klassische Phase (1895–1952). 2. Phase: Outcome-Forschung bzw. Rechtfertigungsphase (1952–1977). 3. Phase: Prozessforschung (1955–heute). 4. Phase: Rückkehr in die Rechtfertigungsphase (Empirical Validated Treatments) (1992–heute).
  • Was war die provokante These, die Eysenck auf Grund seiner im Jahr 1952 publizierten Psychotherapiestudie formulierte?

    Lösung

    Psychotherapie ist genauso wirksam wie Spontanremission.
  • Skizzieren Sie die wesentlichen Merkmale der Outcome-Forschung.

    Lösung

    Das klassische Design ist ein Prä-Post-Kontrollgruppen-Design. Vor Beginn der psychotherapeutischen Intervention wird ein Outcome-Maß, z.B. psychische Befindlichkeit, erhoben. Per Zufallsauswahl erhält eine Gruppe der Patienten Psychotherapie, während eine andere Gruppe, die sog. Kontrollgruppe, auf eine Warteliste gesetzt wird. Am Ende der Psychotherapie wird das Outcome-Maß ein zweites Mal erhoben. Die Veränderungen im Outcome-Maß innerhalb der Psychotherapiegruppe können dann kausal mit der erfolgten Psychotherapie in Verbindung gebracht werden, wenn in der Psychotherapiegruppe gegenüber der Kontrollgruppe eine signifikante Veränderung nachgewiesen werden kann.
  • Was bedeutet in der Psychotherapieforschung das sog. Dodo-Verdikt?

    Lösung

    Antwort: Das sog. Dodo-Bird-Verdikt ist ein seit Rosenzweig (1936) feststehender Begriff in der Psychotherapieforschung und bedeutet, dass grundsätzlich kein Psychotherapieverfahren einem anderen überlegen ist. Der Begriff geht auf das Märchen „Alice im Wunderland“ zurück, in dem der Vogel Dodo nach einem Wettrennen, das keinen Sieger hervorbrachte, feststellt: „Everybody has won and all must have prices“.
  • Was wird mit dem Begriff „Äquivalenzparadox“ in der Psychotherapieforschung beschrieben?

    Lösung

    Mit dem Begriff „Äquivalenzparadox“ soll zum Ausdruck gebracht werden, dass die Psychotherapieforschung deshalb keine Wirksamkeitsunterschiede zwischen den verschiedenen Verfahren nachweisen konnte, da die bisherigen Forschungsmethoden nicht in der Lage seien, bestehende Unterschiede sichtbar zu machen.
  • Skizzieren Sie das Matrix-Paradigma in der Psychotherapieforschung

    Lösung

    Um die Wirkung von Psychotherapie differenziert zu erfassen, bedarf es einer multidimensionalen Matrix (Behandlungsverfahren x Therapeut x Klient x Problem x Setting). Das Problem in diesem Matrix-Ansatz stellt allerdings die ausreichende Besetzung der einzelnen Zellen dar. Würde man z.B. jede Dimension mit 10 Varianten (also 10 Verfahren, 10 Klienten etc.) besetzen wollen, würde man eine Matrix von 10.000 Zellen generieren.
  • Was wird in der Psychotherapieforschung mit allgemeinen und spezifischen Wirkfaktoren beschrieben. Geben Sie jeweils ein Beispiel.

    Lösung

    Bei den allgemeinen Wirkfaktoren handelt es sich um therapieverfahrenübergreifende Wirkfaktoren (z.B. Therapeut-Patient Beziehung). Spezifische Wirkfaktoren sind dagegen therapieverfahrenspezifische Wirkfaktoren, wie z.B. Konfrontationsverfahren in der Verhaltenstherapie oder die Übertragungsdeutung in den psychodynamischen Verfahren.
  • Was wird in der Psychotherapieforschung unter Prozessforschung verstanden?

    Lösung

    Ziel der Prozessforschung ist es, die jeweiligen theoretischen Annahmen über Veränderungsprozesse in den einzelnen Psychotherapien empirisch zu erfassen und zu überprüfen. Ferner geht es im Sinne einer explorativen Annäherung an das Prozessgeschehen darum, ein besseres Verständnis für die zugrundliegenden Dynamiken und die hilfreichen und weniger hilfreichen Interaktionen zwischen Therapeut und Patient zu bekommen. In der Regel werden in der Prozessforschung drei unterschiedliche Foki gesetzt: Entweder steht der Klient, der Therapeut oder die Klient-Therapeut-Dyade im Mittelpunkt der Betrachtung.
  • Erläutern Sie die Annahme, dass die Beziehung zwischen therapeutischer Allianz und Psychotherapie Outcome kurvenlinear sein könnte.

    Lösung

    Das heißt, dass sowohl eine geringe als auch eine sehr hohe Allianz eher mit einem schlechteren Outcome assoziiert sein könnten. Im ersten Fall würde mangelndes Vertrauen und im zweiten Fall ein zu hohes Maß an gegenseitiger Verstrickung ein gutes Therapieergebnis behindern.
  • Im Zuge der Dosis-Wirkungsforschung zur Psychotherapie werden das dose-effect-model und das good-enough-model diskutiert. Stellen Sie beide Modelle dar.

    Lösung

    Im dose-effect-model wurden über eine Vielzahl von einzelnen Psychotherapien hinweg und unabhängig von den jeweiligen Sitzungszahlen Veränderungsverläufe zusammengefasst und eine typische Dosis-Wirkungskurve generiert. Diesem Model liegt die Annahme zu Grunde, dass die Veränderungsrate über die einzelnen Sitzungen hinweg unabhängig von der Gesamtdauer der Therapie verläuft. Als Alternative zu diesem Model existiert das sog. Good-Enough-Level Model, das besagt, dass Psychotherapien in der Regel dann beendet werden, wenn ein ausreichendes Maß an positiver Veränderung erreicht worden ist. Je nach Störung variiert die hierfür erforderliche Anzahl an Sitzungen. Ausgehend von diesem Modell gibt es für Psychotherapie also keine einheitliche Dosis-Wirkungs-Kurve, sondern sie verändert sich in Abhängigkeit der Störrung bzw. Gesamtdauer der Psychotherapie.
  • Was war die berufsrechtliche Grundlage der praktizierenden Psychotherapeuten mit einem Psychologieabschluss vor Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes.

    Lösung

    Es war das Heilpraktikergesetz. Die Landesgesundheitsbehörden stellten durch die Erteilung der Heilpraktikererlaubnis fest, dass die betreffende Person keine Gefahr für die Volksgesundheit darstellt.
  • Welche Psychotherapieverfahren sind aktuell berufsrechtlich zugelassen?

    Lösung

    Bisher sind die psychoanalytisch begründete Verfahren (tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und analytische Psychotherapie), die Verhaltenstherapie, die Gesprächspsychotherapie (nur zur Behandlung von Erwachsenen) und Systemische Therapie zur vertieften Ausbildung zugelassen.
  • Definieren Sie Psychotherapieverfahren, Psychotherapiemethoden und psychotherapeutische Technik. Geben Sie Beispiel zu den einzelnen Kategorien.

    Lösung

    Psychotherapieverfahren verfügen über eine umfassende Theorie der Entstehung und Aufrechterhaltung von psychischen Störungen und sind in einem breiten Spektrum verschiedener psychischer Störungen einsetzbar. Zu den Psychotherapieverfahren zählen psychoanalytisch begründete Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Gesprächspsychotherapie und Systemische Therapie. Psychotherapiemethoden verfügen über eine Theorie der Entstehung und Aufrechterhaltung mindestens einer bestimmten psychischen Störung und sind für diese therapeutisch einsetzbar. Zu den Psychotherapiemethoden zählen z.B. EMDR („eye movement disensitization and reprocessing“), Hypnotherapie und Neuropsychologische Therapie. Eine psychotherapeutische Technik ist eine konkrete Vorgehensweise im Rahmen der Anwendung eines Psychotherapieverfahrens oder einer Psychotherapiemethode. Hierunter werden z.B. Achtsamkeitsübungen, Entspannungsverfahren und bestimmte Rollenspielen subsumiert.
  • Fertig!

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