Zusammenfassung

Psychologie der Persönlichkeit

 

 

Kapitel 1: Persönlichkeit in Alltag, Wissenschaft und Praxis

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Wer sich mit der Psychologie als Wissenschaft beschäftigt, tut dies immer vor dem Hintergrund der Alltagspsychologie – der von den meisten Mitgliedern einer Kultur geteilten Annahmen über das Erleben und Verhalten von Menschen. Wissenschaftliche Persönlichkeitskonzepte gehen über diese naiven Vorstellungen hinaus. Sie lassen sich in Paradigmen gliedern, die bestimmten wissenschaftlichen Kriterien genügen sollen. Besonders streng sind diese Anforderungen bei empirischen Wissenschaften, deren Aussagen sich anhand von Beobachtungsdaten überprüfen lassen müssen. Das psychoanalytische Persönlichkeitskonzept beispielsweise ist zwar ein wissenschaftliches Paradigma, genügt aber nicht den strengen Anforderungen an eine empirische Persönlichkeitspsychologie, deren Methoden, Ergebnisse und Anwendungen in der Praxis in diesem Lehrbuch dargestellt werden.

Lernziele

-       Verwendung von Persönlichkeitseigenschaften im Alltag besser verstehen,

-       Unterschiede zwischen dem Alltagsbegriff der Persönlichkeit und wissenschaftlichen Konzepten der Persönlichkeit benennen können,

-       psychoanalytische Persönlichkeitskonzepte aus Sicht der empirischen Psychologie beurteilen können sowie

-       einen ersten Überblick über Anwendungsmöglichkeiten der Persönlichkeitspsychologie in der beruflichen Praxis gewinnen.

 

Kapitel 2: Sechs Paradigmen der Persönlichkeitspsychologie

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Wie alle empirischen Wissenschaften lässt sich auch die heutige Persönlichkeitspsychologie in mehrere Paradigmen gliedern: Bündel theoretischer Leitsätze, Fragestellungen und Methoden zu ihrer Beantwortung. Diese Paradigmen lassen sich historisch bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. In diesem Kapitel werden die sechs wichtigsten Paradigmen der heutigen empirischen Psychologie dargestellt. Es geht dabei nicht darum, das Lebenswerk ihrer Begründer auszubreiten oder die zahllosen Verästelungen und Sackgassen ihrer historischen Entwicklung zu beschreiben. Vielmehr geht es darum, einige Hauptlinien ihrer Entwicklung nachzuzeichnen und die Fragestellungen, Methoden und Hauptergebnisse der sechs Paradigmen an wenigen Beispielen zu skizzieren.

Lernziele

-      Fragestellungen, Methoden und Entstehungsgeschichte der heutigen Paradigmen der empirischen Persönlichkeitspsychologie nachvollziehen können;

-         einige Hauptergebnisse dieser Paradigmen schildern können.

 

Kapitel 3: Methodik

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Anwendungen der empirischen Persönlichkeitspsychologie in beruflicher Praxis und Wissenschaft setzen voraus, dass die Persönlichkeitsvariation, d. h. Persönlichkeitsunterschiede in einer oder mehreren Persönlichkeitseigenschaften, empirisch beschrieben wird. Dazu müssen Personen nach ihrer Persönlichkeit klassifiziert oder ihre Persönlichkeitseigenschaften gemessen werden. In diesem Kapitel wird zunächst eine Übersicht über Methoden gegeben, die das leisten. Anschließend werden zwei anspruchsvollere Methoden der empirischen Persönlichkeitsforschung skizziert, die zunehmend Verwendung finden: Mehrebenenmodelle und Kreuzkorrelationsdesigns. Wie auch bei der Darstellung von Faktoren- und Clusteranalysen werden nur Grundprinzipien anhand konkreter Beispiele geschildert, um Ergebnisse, die mithilfe dieser Methoden gewonnen werden, interpretieren zu können.

Lernziele

-       Beurteilerübereinstimmung zufallskorrigiert feststellen können,

-       Eigenschaften auf Skalen verschiedenen Niveaus messen können,

-       die Reliabilität und Validität von Eigenschaftsmessungen bestimmen können,

-       den Nutzen der Spearman-Brown-Formel verstehen,

-       Zusammenhänge zwischen Eigenschaftsvariablen mit Korrelationen beschreiben können,

-       Prinzipien der Eigenschaftserfassung durch Beurteilung und Verhaltenserfassung verstehen,

-       Prinzipien der Eigenschaftserfassung im Alltag und Labor verstehen, 

-       Ergebnisse von Faktorenanalysen interpretieren können,

-       die Ähnlichkeit von Persönlichkeitsprofilen und auf dieser Basis Persönlichkeitstypen bestimmen können,

-       eine Übersicht über Persönlichkeitsstörungen und ihre Erfassung bekommen,

-       Ergebnisse von Mehrebenenanalysen interpretieren können und

-       Ergebnisse von Kreuzkorrelationsanalysen interpretieren können.

 

Kapitel 4: Persönlichkeitsbereiche

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In diesem Kapitel werden inhaltliche Ergebnisse der empirischen Persönlichkeitspsychologie zu verschiedenen Persönlichkeitsbereichen exemplarisch dargestellt. Es geht also nicht darum, eine ausgewogene Übersicht über die inzwischen gewaltige Literatur zu einzelnen Persönlichkeitsbereichen zu geben, sondern an ausgewählten Beispielen typische Konstrukte, Ergebnisse und methodische Probleme darzustellen. Bisher gibt es in der Persönlichkeitspsychologie kein funktionsorientiertes Gliederungsschema, das sich allgemein durchgesetzt hätte. Um den Einstieg in die weiterführende Literatur zu erleichtern, orientiert sich die hier vorgenommene Gliederung an traditionellen persönlichkeitspsychologischen Forschungsthemen, z. B. physische Merkmale, Temperament und Fähigkeiten.

Lernziele

-       Halo-Effekte bei der Wahrnehmung physischer Merkmale verstehen und die eigene Wahrnehmung entsprechend korrigieren können,

-       die Bedeutung der physischen Attraktivität besser verstehen.

-       Bedeutung von Temperament und interpersonellen Stilen besser verstehen, insbesondere für den beruflichen Alltag.

-       Historische Entwicklung des IQ-Begriffs kennen,

-       wissen, wie IQ heute bestimmt wird,

-       wissen, was der IQ bedeutet und vorhersagt,

-       verstehen, wie sich Intelligenz von Kreativität sowie von sozialer und emotionaler Kompetenz unterscheidet.

-       Operationalisierung von Motiven in Regelkreismodellen, Erwartung-mal-Wert-Modellen und Modellen der impulsiven-reflektiven Informationsverarbeitung verstehen,

-       projektive Motivtests kritisch bewerten können,

-       Berufe im Modell von Holland einordnen können,

-       Zusammenhänge zwischen Erwartungs-, Handlungskontroll- und Attributionsstilen herstellen können,

-       Angemessenheit von Bewältigungsstilen für spezifische Belastungen beurteilen können.

-       Unterschiede zwischen Werthaltungen, Einstellungen und Motiven kennen,

-       Methoden zur Erfassung von Werthaltungen kennen,

-       zur kulturellen Universalität von Werthaltungen Stellung nehmen können,

-       Konzepte der Autoritätshörigkeit kennen,

-       mehrere Methoden zur Erfassung impliziter Einstellungen kennen,

-       verstehen, warum sich Verhalten nur begrenzt aus expliziten und impliziten Einstellungen vorhersagen lässt.

-       Bereichsspezifität des Selbstkonzepts verstehen,

-       Beeinflussung des Selbstkonzepts durch soziale Rückmeldungen, soziale Vergleiche und intraindividuelle Kontrasteffekte erkennen,

-       Diskrepanzen zwischen Selbstkonzept und „objektiver“ Persönlichkeit besser verstehen,

-       die dunkle Triade kennen und einordnen können

-       doppelte Abhängigkeit des Wohlbefindens von Temperament und kritischen Lebensereignissen am Beispiel von Scheidung und Arbeitslosigkeit erläutern können.

 

Kapitel 5: Umwelt und Beziehung

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In der Psychologie wird unter der Umwelt eines Menschen die Gesamtheit aller externen Bedingungen verstanden, die sein Erleben und Verhalten beeinflussen. In der Persönlichkeitspsychologie wird dieser Umweltbegriff auf regelmäßig wiederkehrende Situationen eingegrenzt: So wie es mittelfristig stabile Persönlichkeitseigenschaften gibt, gibt es auch mittelfristig stabile Umwelteigenschaften, die Personen charakterisieren. In diesem Kapitel werden diese Umwelteigenschaften, Beziehungen zwischen Umwelt und Persönlichkeit und Methoden zu deren Erfassung diskutiert. Ferner werden persönliche Beziehungen als zentrale Aspekte der persönlichen Umwelt vorgestellt und am Beispiel von sozialen Netzwerken und ausgewählten Beziehungen (Eltern-Kind- und Partnerbindung) erörtert. Schließlich wird diskutiert, welchen Beitrag die Persönlichkeitspsychologie zur professionellen Partnervermittlung leisten kann.

 

Kapitel 6: Persönlichkeitsentwicklung

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In diesem Kapitel wird an das dynamisch-interaktionistische Paradigma angeknüpft, das von langfristigen Eigenschaftsänderungen trotz mittelfristiger Stabilität ausgeht. Wenn sich einzelne Eigenschaftswerte einer Person ändern, findet Persönlichkeitsveränderung statt. Wenn umgekehrt instabile Tendenzen des Erlebens oder Verhaltens in stabile Persönlichkeitseigenschaften überführt werden, findet eine Stabilisierung der Persönlichkeit statt. Veränderung und Stabilisierung der Persönlichkeit sind beide Ausdruck von Persönlichkeitsentwicklung. In diesem Kapitel werden zunächst wichtige Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung diskutiert. Weiterhin wird die Frage nach der Erklärung der Persönlichkeit und ihrer Entwicklung gestellt: Wie wirken genetisches Erbe und individuelle Umwelt bei der Entstehung und Veränderung von Persönlichkeitseigenschaften zusammen? Und welche Rolle spielen Zufall und Notwendigkeit in der Persönlichkeitsentwicklung?

Lernziele

-       Verstehen, was Stabilität und Veränderung bedeuten,

-       die Konzepte Mittelwertstabilität, Positionsstabilität, Profilstabilität, typologische Stabilität und Konstruktstabilität voneinander abgrenzen können,

-       erklären können, was unter genetischem Einfluss auf Persönlichkeitsunterschiede bzw. Persönlichkeitsentwicklung zu verstehen ist und welche Rolle Umwelteinflüsse dabei spielen,

-       Wechselwirkungsprozess zwischen Erbe und Umwelt an ausgewählten Beispielen nachvollziehen können.

 

Kapitel 7: Geschlechtsunterschiede

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Das Thema der psychologischen Geschlechtsunterschiede ist noch immer stark emotional und ideologisch besetzt. Hier geht es um eine nüchterne, wissenschaftliche Betrachtung dieser Geschlechtsunterschiede: Wie groß sind Geschlechtsunterschiede in welchen Persönlichkeitsmerkmalen in welchem Alter in welchen Kulturen, wie entwickeln sich diese Unterschiede und wie ist ihre Entwicklung zu erklären? Im Gegensatz zu den vorangegangenen Kapiteln wird also die interkulturelle Perspektive mit einbezogen. Es zeigt sich, dass lerntheoretische, kognitive, kulturpsychologische und evolutionspsychologische Erklärungen sich keineswegs ausschließen, sondern sich in ein Rahmenmodell der Entwicklung von Geschlechtsunterschieden integrieren lassen, das mit den vorliegenden empirischen Befunden zu Geschlechtsunterschieden gut vereinbar ist.

Lernziele

-     Entwicklung der Geschlechtsunterschiede in Grundzügen kennen,

-       tatsächliche Größe psychologischer Geschlechtsunterschiede einschätzen können,

-       Geschlechtsstereotype dementsprechend kritisch hinterfragen können,

-       die vielfältigen Prozesse, die zu Geschlechtsunterschieden führen, in ihrem Zusammenhang einordnen können.

 

Kapitel 8: Persönlichkeit im Kulturvergleich

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In diesem Kapitel wird das Verhältnis von Kultur und Persönlichkeit behandelt: Wie stark variieren Persönlichkeitsunterschiede und ihre Bedingungen und Konsequenzen zwischen unterschiedlichen Kulturen und warum? Unterschiede in der Persönlichkeit zwischen Populationen werden in genetischen, ökologischen und kulturellen Unterschieden gesehen. Populationsunterschiede und ihre Veränderung durch Migration werden am Beispiel von Intelligenz und Schulleistung dargestellt, Kulturunterschiede am Beispiel Individualismus – Kollektivismus. Persönlichkeit variiert viel stärker innerhalb von Populationen als zwischen ihnen. Das Wissen um die große Gemeinsamkeit aller Menschen schützt vor der Stereotypisierung der vorhandenen Unterschiede und Rassismus. Das Wissen um die kulturellen Unterschiede ist andererseits ebenso wichtig für den Kontakt und das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen. Hier wird es praxisrelevant und hat in Zeiten der Globalisierung und Migration eine wachsende Bedeutung.

Lernziele

-     Methoden kennen, wie Persönlichkeitsunterschiede zwischen verschiedenen Kulturen vergleichbar gemacht werden können,

-       verschiedene Gründe dafür kennen, dass sich Mittelwerte von Persönlichkeitseigenschaften zwischen Kulturen unterscheiden,

-       den Begriff der Rasse kritisch hinterfragen,

-       kulturelle Unterschiede in beurteilten Persönlichkeitseigenschaften kritisch hinterfragen,

-       Unterschiede zwischen individualistischen und kollektivistischen Kulturen benennen können,

-       Ursachen für Persönlichkeitsunterschiede zwischen Migranten und Einheimischen kennen,

-       den Nutzen des Wissens über Kulturunterschiede für interkulturelle Interaktionen problematisieren können.

 

Kapitel 9: Nachwort: Unterschiede sind menschlich

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Unser Fazit: Es gilt, die genetische und kulturelle Vielfalt der Menschheit zu bewahren.