Zusammenfassung

Beratung: Grundlagen – Konzepte – Anwendungsfelder

Inhalt

 

Kapitel 1: Beratung hat Geschichte: Historische Entwicklungsstränge

Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer
 

Das Kapitel informiert über die Entwicklung von Beratung seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert als Folge des gesellschaftlichen Wandels und der Industrialisierung und begründet anhand dessen (a) den zunehmenden Bedarf an Beratung und (b) die Ausbildung von Beratung als einen speziellen Bereich gesellschaftlicher Funktion in den Feldern der sozialen Fürsorge, Erziehungs- Bildungs- und Berufsberatung, speziell auch von Frauen, und der Ehe-, Lebens- und Familienberatung. Dargestellt werden weiterhin (a) die politischen, sozialen und wissenschaftlichen (besonders psychoanalytische, experimentell-psychologische und pädagogische) Strömungen, die zur Entwicklung einer professionellen Beratung beitrugen und (b) die neueren kontextorientierten Strömungen, die als lebensweltliche, sozial- und humanökologische und als systemische Konzepte die neuere Entwicklung von Beratung beeinflussten.

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Kapitel 2: Was ist Beratung?

Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer
 
  • 2.1 Beratung – ein interdisziplinäres Grundverständnis
  • 2.2 Lebensführung als zentraler Gegenstand von Beratung
  • 2.3 Aufgabengebiete von Beratung

 

Kapitel 2 entfaltet Beratung als einen interdisziplinär angelegten Ansatz, der verschiedene theoriefundierte Konzepte einbezieht. Zunächst erfolgt ein Überblick über den Gegenstand Beratung: Verständnis, Begrifflichkeit, fachliches Profil, allgemeine Aufgaben und Zielsetzungen. Näher ausgeführt werden die Interdisziplinarität von Beratung, die vor allem in den unterschiedlichen Handlungsfeldern zum Ausdruck kommt, und das transdisziplinäre Verständnis von Beratung als eine reflexive, systemisch-sozialökologische (ökosystemische) Handlungswissenschaft. Das anschließende Unterkapitel befasst sich mit der Gestaltung von individueller und gemeinsamer Lebensführung – das umfasst auch biopsychosoziale Gesundheit und Lebensqualität –, die als zentraler Gegenstand von Beratung ausgewiesen und begründet wird. Daraus werden relevante Aufgaben und Ziele abgeleitet. Eine Zusammenstellung der vier zentralen Gebiete strukturiert und klassifiziert die komplexen Aufgaben von Beratung.

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Kapitel 3: Person-Umwelt-Wechselwirkung: Wissenschaftliche Rahmenkonzepte für eine kontextorientierte Beratung

Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer
 
  • 3.1 Phänomenologie der Person-Umwelt-Beziehung
  • 3.2 Lebenswelt-Ansatz
  • 3.3 (Sozial-)Ökologischer Ansatz
  • 3.4 Das biopsychosoziale Modell
  • 3.5 Gehirngerecht beraten: Neurowissenschaftliche Aspekte der Beratung

 

Unter dem Fokus auf ein kontextorientiertes Verständnis von Beratung verfolgt das Kapitel relevante Ansätze zur Erfassung der Wechselwirkungen von Person und Umwelt. Die Beschaffenheit der Beziehung zwischen Person und Umwelt wird über einen phänomenologisch-anthropologischen Zugang erfasst, bevor die Bedeutung solcher Wechselwirkungen für das menschliche Leben und Erleben anhand der vier grundlegenden Prozessebenen nach Kriz (2017) verdeutlicht wird. Die folgenden Unterkapitel zeigen über den lebensweltlichen und sozialökologischen Ansatz, wo die Wechselwirkungen im Sinne von Lebensführung stattfinden und wie sie gestaltet sind. Anschließend bringt das biopsychosoziale Modell eine differenzierte, empirisch fundierte Erweiterung in der Erfassung und Betrachtung der Person-Umwelt-Wechselwirkungsprozesse. Mit der Darstellung neurowissenschaftlicher Wissensbestände und ihrer Nutzung für eine „gehirngerechte Beratung“ erfährt die biopsychosoziale Perspektive eine spezifische Vertiefung.

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Kapitel 4: Beratungsansätze

Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer
 
  • 4.1 Therapieschulenorientierte Beratungsansätze
  1. 4.1.1 Tiefenpsychologisch fundierte psychodynamische Beratungsansätze
  2. 4.1.2 Verhaltenstherapeutisch orientierte Beratungsansätze
  3. 4.1.3 Humanistische Beratungsansätze
  4. 4.1.4 Systemische Beratungsansätze
  • 4.2 Kontextorientierte Beratungsansätze
  1. 4.2.1 Lebensweltorientierter Ansatz
  2. 4.2.2 Sozialökologisch-transaktionaler Ansatz
  • 4.3 Ressourcenorientierte Beratungsansätze

 

Kapitel 4 stellt konzeptionell fundierte Ansätze vor, die Grundlage für ein integratives Beratungshandeln bilden: Zum einen tiefenpsychologisch-psychodynamische, verhaltenstherapeutische, humanistische und systemische Ansätze; sie entstammen etablierten therapeutischen Schulen und Richtungen. Zum anderen kontextorientierte und ressourcenorientierte Ansätze; sie rücken das wechselseitige Zusammenwirken von Individuen und Umwelt in den Fokus. Humanistische und systemische Ansätze werden vertieft dargestellt, nicht zuletzt wegen ihrer weitreichenden Bedeutung in der Praxis und im konzeptionellen Verständnis von Beratung als Handlungsdisziplin. Der ressourcenorientierte Beratungsansatz kann als Querformat zu den vorab thematisierten Beratungsansätzen verstanden werden. Er erweitert zudem den Blick von einer einengenden Defizit- und Belastungsorientierung hin auf bislang unbeachtete Potenziale und die wirkmächtige Funktion von Ressourcen.

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Kapitel 5: Beratung als Prozess

Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer
 
  • 5.1 Komponenten von Beratung
  • 5.2 Prozesse im Vorfeld einer Beratung
  • 5.3 Veränderungsprozess
  • 5.4 Beratungsphasen
  1. 5.4.1 Phasenmodelle des Beratungsprozesses
  2. 5.4.2 Phasenablauf innerhalb einer Beratungssitzung
  • 5.5 Beziehungsgestaltung und Kommunikation: Das Gespräch als Basismedium
  • 5.6 Ziel-und Auftragsklärung
  • 5.7 Mehrdimensionale Diagnostik

 

Kapitel 5 befasst sich mit dem Beratungsprozess und seinen konstituierenden Merkmalen und fokussiert folgende Themen und Fragestellungen: Welche Erfahrungen und Prozesse wirken sich auf die Entscheidung aus, eine Beratung aufzusuchen, bzw. kristallisieren sich als Beratungsanlass heraus? Welche Komponenten (Personen, Inhalte, Kontexte, Beziehungsformen, Erfahrungen, Erwartungen) und Wechselwirkungen sind beteiligt und beeinflussen eine Beratung? Welche Modelle zur Erklärung von Veränderung (Veränderungsmodelle) kommen in der Beratung zum Tragen, und wie gestaltet sich Veränderung über die Beratungsphasen (Phasenmodelle)? Ausführlich wird das Gespräch als Basismedium von Beratung und für die Beziehungsgestaltung erläutert und über Beispiele veranschaulicht. Inhalte und Prozesse der Ziel- und Auftragsklärung bilden einen weiteren Fokus. Schließlich werden unter einem biospsychosozialen Verständnis Aufgaben einer mehrdimensionalen Diagnostik für die Beratung dargestellt.

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Kapitel 6: Wirksamkeit und Evaluation von Beratung

Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer
 
  • 6.1 Wirksamkeit
  • 6.2 Evaluation

 

Kapitel 6 thematisiert Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit und Verfahren zur Evaluation von Beratung. Die Aussagen zu beiden Gebieten basieren vornehmlich auf Ergebnissen der Psychotherapieforschung und werden, unter Verweis auf die besonderen Gegebenheiten, behutsam auf Beratung übertragen. Im Besonderen werden Wirkfaktorenkonzepte und schulenübergreifende allgemeine, empirisch fundierte Wirkfaktoren vorgestellt. Das zweite Unterkapitel erläutert Prozess- und Ergebnisevaluation und stellt übersichtsmäßig erprobte Evaluationsverfahren vor.

 

Kapitel 7: Wo und wie erfolgt Beratung?

Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer
 
  • 7.1 Formate von Beratung
  • 7.2 Beratung als Kernaufgabe und als Querschnittsaufgabe
  • 7.3 Aufsuchende/zugehende Beratung
  • 7.4 Beratung im Kontext von Freiwilligkeit und Verpflichtung
  • 7.5 Krisenberatung und präventive Beratung
  • 7.6 Beratung im Umgang mit Lebensalter und Generationenzugehörigkeit
  • 7.7 Beratung mit Familien in prekären Lebenslagen
  • 7.8 Kultursensible Beratung
  • 7.9 Digitalisierung von Beratung
  1. 7.9.1 Zum aktuellen Stand der Onlineberatung
  2. 7.9.2 Onlineberatung für Jugendliche und junge Erwachsene
  3. 7.9.3 Peerberatung im Internet
  4. 7.9.4 Kollegiale Beratung im Internet

 

Kapitel 7 befasst sich mit den Orten und Problembereichen von Beratung. Zur Bewältigung von Problemen, die aus Ereignissen und Anforderungen der alltäglichen und arbeitsweltlichen Lebensführung entstehen, braucht es Orte, die einen Rahmen für Beratung schaffen. Die wesentlichen Settings, die das Wie von Beratung ausmachen, werden erläutert und nach Kategorien gefasst. Vorgestellt werden Einrichtungen, die Beratung in öffentlicher oder privater Trägerschaft oder freiberuflich anbieten sowie Zielgruppen beschrieben und nach Belastungserfahrungen zusammengefasst. Ausführlich werden typische Problembereiche von Beratung dargestellt, wie Erziehung, Ehe und Familie, Trennung und Scheidung, ungewollte Schwangerschaft, ungewollte Kinderlosigkeit, Krisenereignisse, krisenhafte Übergänge, Bewältigung von bzw. Leben mit chronischer (somatischer und/oder psychischer) Erkrankung, wie auch soziale und wirtschaftliche Notlagen. Weiterhin befasst sich das Kapitel mit der Digitalisierung von Beratung, im Besonderen mit Onlineberatung.

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Kapitel 8: Spezielle Beratungsformate

Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer
 
  • 8.1 Coaching
  1. 8.1.1 Definition
  2. 8.1.2 Anliegen der Coachees
  3. 8.1.3 Grundprinzipien
  4. 8.1.4 Kompetenzen und Haltungen eines guten Coachs
  5. 8.1.5 Haltung
  6. 8.1.6 Techniken und Methoden
  7. 8.1.7 Settings im Coaching
  • 8.2 Supervision
  1. 8.2.1 Begriffsbestimmung und historische Entwicklung
  2. 8.2.2 Ziele und Aufgaben
  3. 8.2.3 Kompetenzen und Grundhaltungen
  4. 8.2.4 Settings von Supervision
  • 8.3 Mediation
  1. 8.3.1 Historische Entwicklung
  2. 8.3.2 Anwendungsbereiche
  3. 8.3.3 Anlässe für eine Mediation
  4. 8.3.4 Konflikt als zentraler Gegenstand
  5. 8.3.5 Begriff, Merkmale und Ziele
  6. 8.3.6 Funktion und Aufgaben von Mediator und Medianden
  7. 8.3.7 Strukturierter Ablauf

 

In Kapitel 8 werden spezielle Beratungsformate dargestellt: Coaching, Supervision und Mediation. Für diese drei Formate werden jeweils Begriffsbestimmungen, Anwendungsbereiche, Anlässe, Ziele, Funktionen und Aufgaben, Kompetenzen und Haltungen der Berater erörtert. Bei Coaching und Supervision wird jeweils auf Einzel-, Gruppen- und Teamsettings eingegangen, bei der Mediation wird der strukturierte Ablauf vorgestellt. Somit werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der speziellen Beratungsformate deutlich. 

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Kapitel 9: Beratungskompetenz durch Weiterbildungen

Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer
 
  • 9.1 Zwischen formellem und halbformellem Lernen: Ein Blick in die Geschichte
  • 9.2 EQR und lebenslanges Lernen
  • 9.3 Systemische Weiterbildung in Beratung, Supervision,Coaching und ihre Spezifika

 

Kapitel 9 erläutert, wie man Beratungskompetenzen erwirbt. Neben der Theorie und Methodik bestehen Beratungsweiterbildungen aus Übungen, Selbsterfahrung, Peer-Learning, Praxis und Supervision. Das Kapitel befasst sich mit formellem und halbformellem Lernen, einem Blick in die Geschichte sowie in andere europäische Länder, dem Europäischen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen sowie beispielhaft mit der systemischen Weiterbildung in Beratung, Supervision, Coaching.

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Kapitel 10: Schlusswort

Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer
 
Beratung ist als Einladung zu verstehen, die Grenzen psychotherapeutischen Denkens zu überschreiten und mit den benachbarten psychosozialen Disziplinen und Berufen zu kooperieren, statt zu konkurrieren. Die Kompetenzen der Psychologie, ihre Erklärungsmodelle, ihre diagnostischen und interventiven Konzepte bilden für eine kontextorientierte Beratung und generell für psychosoziale Berufe und Tätigkeitsfelder ein maßgebliches Fundament. Für die Beratung sind weitere Disziplinen einzubeziehen, um die Komplexität der Lebenswirklichkeit von Klienten und Klientinnen angemessen erfassen und beratend handeln zu können. Gerade die kontextuelle Ausrichtung, die die Vielfalt in der Gestaltung und Handhabung von Lebensführung aufnimmt, gibt der Beratung die professionelle Position und Kontur. Dies wäre missverstanden, wenn nur vordergründig an den Umweltbedingungen von Menschen und Lebenslagen gearbeitet würde. Vielmehr muss Beratung auch die psychodynamischen Aspekte erklärend und interventiv einbeziehen können. Aus den verschiedenen Therapierichtungen ist viel methodologisches Erfahrungswissen entstanden, das es in einer Passung zu den Fragen nach Lebensgestaltung und Bewältigung von Lebensanforderungen im Beratungssetting zu nutzen gilt.