Zusammenfassung

Entwicklungspsychologie: Eine Einführung in die Erklärung menschlicher Entwicklung

Inhalt

 

Kapitel 1: Menschliche Entwicklung: Wie kann Einzigartigkeit erklärt werden?

  • 1.1 Was ist Entwicklung?
  • 1.2 Entwicklung beschreiben
  • 1.3 Entwicklung erklären
  • 1.4 „Innen“- und „Außen“-Steuerung – Welche Faktoren gestalten unsere Entwicklung?
  • 1.5 Welche Arten von Entwicklungseinflüssen lassen sich unterscheiden?
  • 1.6 Der Aufbau dieses Buchs

Menschliche Entwicklung ermöglicht und erzeugt Individualität. Entwicklungspsychologie sucht das Allgemeine in menschlicher Entwicklung. Wie kann beides verbunden werden? Wie kann das Entstehen und die permanente Veränderung eines individuellen Menschen über die gesamte Lebensspanne erklärt werden? Selbst wenn sich allgemeine Muster der Veränderung (z. B. Entwicklungsphasen) identifizieren lassen sollten – wie und warum kommen sie zustande? Sind sie universell? Dies versuchen Entwicklungstheorien zu leisten: universelle Erklärungen menschlicher Entwicklung. Sie systematisieren die Rolle und das Zusammenspiel von inneren und äußeren Bedingungen („Faktoren“) und der Prozesse, die ihren Einfluss und diese Wechselwirkungen regulieren.

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Kapitel 2: Von der induktiven zur geordneten Beschreibung: Entwicklungsphasen

  • 2.1 Beschreibung von Entwicklung und Entwicklungsverläufen: Entwicklungsaufgaben
  • 2.2 Psychosexuelle Stadien: Bausteine einer universellen Entwicklungstheorie?
  • 2.3 Psychosoziale Krisen: Die Vielfalt von Entwicklungsverläufen
  • 2.4 Sequenzielle Logik: Die Entwicklung des Denkens folgt den Gesetzen des Denkens

Es liegt nahe, Entwicklung zunächst systematisch zu beschreiben, wenn man sie erklären will. Viele („klassische“) Entwicklungstheorien setzen genau hier an und ordnen die individuelle Vielfalt von Entwicklungsverläufen in „Phasen“. Betrachtet man einige der bekannteren Theorien näher, werden mehrere Probleme deutlich. Eine erste Schwierigkeit besteht darin, dass es auf die Umstände, den Kontext und die Konstellation ankommt: Entwicklungsaufgaben, die in einer Kultur universell von allen gefordert werden, spielen in einer anderen keine Rolle (z. B. Lesen lernen). Nur wenige Entwicklungssequenzen scheinen universell zu sein, insbesondere solche, deren Reihenfolge logisch zwingend ist. Eine zweite Schwierigkeit besteht darin, wie man empirisch prüfen soll, ob eine Entwicklungsphase oder -aufgabe tatsächlich unter allen Bedingungen und in gleicher Form auftritt; querschnittliche und längsschnittliche Designs haben jeweils Vor- und Nachteile.

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Kapitel 3: Entwicklung als Sozialisation

  • 3.1 Die Entwicklung für soziale Interaktion: Moralische Entwicklung
  • 3.2 Die Entwicklung durch soziale Interaktion: Wie prägend ist frühe Bindungserfahrung?

Menschliche Entwicklung muss ermöglichen und sicherstellen, dass Menschen mit anderen zusammenarbeiten, um die Aufgaben zu erfüllen, die das (Über)Leben an sie stellt. Das bedeutet, dass die jeweils geltenden Regeln des Zusammenlebens erlernt werden müssen. Die Entwicklung der Moral ist ein Beispiel dafür, dass der Entwicklungskontext die individuelle Entwicklung beeinflusst. Zugleich ist es eine Herausforderung für Entwicklungstheorien, die Perspektiven eines bestimmten (z. B. individualistischen) kulturellen Kontextes nicht ungeprüft auf andere Kulturen zu verallgemeinern. Die besondere Bedeutung, die andere Menschen für die individuelle Entwicklung haben, insbesondere am Beginn des Lebens, scheint auf den ersten Blick ein sicherer Kandidat für eine universelle Entwicklungsbedingung zu sein: Es ist plausibel, dass frühe Bindungserfahrungen auch spätere Entwicklungsschritte beeinflussen. Jedoch zeigt sich, dass auch hier Kontextbedingungen einen erheblichen Einfluss nehmen können.

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Kapitel 4: Natürliche Entwicklung: Die biologische Perspektive

  • 4.1 Biologisches Wachstum: Reifung
  • 4.2 Natur und Kultur: Das „Anlage/Umwelt-Problem“
  • 4.3 Evolutionäre Prinzipien: Entwicklung ist selbst ein Evolutionsprodukt

Die Suche nach universellen Gesetzmäßigkeiten, die menschliche Entwicklung steuern, legt es nahe, nach biologischen Prozessen zu suchen, die Entwicklung regulieren. Eine Vielzahl von Befunden und Argumente weist darauf hin, dass insbesondere das System der Gene Entwicklung steuert. Aber weder die Entwicklung des Körpers noch des Gehirns ist vom Kontext unabhängig, sondern spiegelt ihn zwangsläufig wider. Gene und Umweltbedingungen interagieren in vielerlei Hinsicht miteinander: Entwicklung ist das Resultat sehr komplexer Wechselwirkungen. Das gilt auch für die Entwicklungsgeschichte (Evolution) der genetischen Konstellation des Menschen: Entwicklung, Entwicklungsverläufe und Entwicklungsprozesse sind selbst Evolutionsprodukte. Die Flexibilität einer langen Kindheit verringert die Abhängigkeit der Spezies von einem spezifischen Entwicklungskontext. Die lange Lebenszeit des Menschen eröffnet andere Wege der transgenerationalen Weitergabe von Informationen.

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Kapitel 5: Entwicklung über die Lebensspanne: Entwicklungsprozesse

  • 5.1 Von der Beschreibung zur Erklärung von Entwicklung: Ein zusammenfassendes Zwischenfazit
  • 5.2 Selbstregulation: Die aktionale Entwicklungsperspektive
  • 5.3 Selbst-Regulation: Die Entwicklung des Selbst
  • 5.4 Lebenslauf als psychologisches Problem: Entwicklungsregulationstheorien
  • 5.5 Entwicklung als Problemlösen: Adaptation und Äquilibration

Die Perspektive, dass Entwicklung sich über die gesamte Lebensspanne der Menschen erstreckt (und nicht nur in bestimmten – frühen – Abschnitten stattfindet), eröffnet den Blick auf Arten von Entwicklungsprozessen, die in klassischen Theorien selten behandelt werden. Erst wenn eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sind, können Menschen auf ihre eigene Entwicklung selbst intentional Einfluss nehmen. Auch dann spielen Rahmenbedingungen eine Rolle, aber zugleich auch eigene Entwicklungsziele. Diese aktionale Entwicklungsperspektive lenkt den Blick nicht nur auf die Entwicklung des Selbst, sondern macht zugleich darauf aufmerksam, dass Entwicklungsprozesse Stabilität erzeugen (sichern) können: Im mittleren und höheren Erwachsenenalter wird der Umgang mit Blockaden und Verlusten ein wichtiger Teil der Entwicklungsregulation. Dies legt nahe, dass die Lösung von Problemen ein möglicher gemeinsamer Nenner von Entwicklungsprozessen sein könnte.

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Kapitel 6: Entwicklungssysteme: Dynamische Adaptation auf verschachtelten Ebenen

  • 6.1 Die Komplexität der Entwicklungskontexte: Entwicklungseinflüsse und Entwicklungsbedingungen auf verschiedenen Ebenen
  • 6.2 Entwicklungsdynamik: Entwicklung als Entwicklungsbedingung
  • 6.3 Entwicklungssysteme: Die Komplexität von Bedingungen, Folgen und Prozessen

Entwicklung kann nicht als universelle Sequenz von bestimmten Zuständen bestimmt werden, weil Kontextbedingungen Adaptationsanforderungen („Probleme“) stellen, deren Bearbeitung Entwicklung ausmacht. Kontextbedingungen wiederum sind eingebettet in umfassendere Bedingungen: Entwicklungsbedingungen sind als verschachtelte Systeme verschiedener Einfluss- und Abstraktionsebenen von Bedingungen zu denken. Zu den Bedingungen von Entwicklung gehören auch der aktuelle Entwicklungszustand und der bisherige Entwicklungsverlauf. Dies macht Entwicklung zu einem dynamischen System von systematischen Veränderungen auf verschiedenen Ebenen, die sich wechselseitig beeinflussen und bedingen.

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