Motivation und Handeln

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Motivation und Handeln

ISBN: 
978-3-662-53926-2

Dieser Lehrbuch-Klassiker liefert einen umfassenden und lebendigen Überblick über den derzeitigen Stand der Motivationsforschung. Die 5. Auflage wurde überarbeitet und um vier Kapitel zu Motivation in den Bereichen Entwicklung, Schule, Arbeitsplatz und Sport ergänzt. Eine lernfreundliche Didaktik erleichtert das Lesen und Lernen für die Prüfung: Hervorgehobene Schlüsselbegriffe und Kapitelzusammenfassungen, Anwendungsbeispiele aus Schule, Arbeitsleben, Familie und Freizeit, Boxen mit klassischen oder originellen Studien sowie Fragen und Antworten zur Wissensüberprüfung.

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Für Psychologie-Studierende im Bachelorstudium ist dieses Lehrbuch ein Studienbegleiter, für Fortgeschrittene, Lehrende und Forscher hat es sich als Handbuch und Nachschlagewerk bewährt.

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BegriffErklärung
Absicht/Zielintention"Definiert erwünschten Endzustand der bisher noch nicht erreicht worden ist. Somit handelt es sich hierbei um ""Ziele"" im landläufigen Sinne."
AdaptationsniveauNach Helson indifferente Nullpunkt-Lagen von Bezugssystemen, die jedem Wahrnehmungseindruck und jedem Beurteilungsvorgang zugrunde liegen. Das Adaptationsniveau verschiebt sich ständig in Richtung der gemachten Erfahrungen.
Äquivalenzklassen von SituationenÄquivalenzklassen von Situationen ähneln sich hinsichtlich bestimmter Strukturmerkmale, z.B., indem sie Leistungshandeln oder aber Intimität erleichtern, indem sie sehr rasche Entscheidungen erfordern oder aber gründliches, langes Abwägen nahelegen.
Affektregulation"Fähigkeit, die durch die (selbstkonfrontative) Auseinandersetzung mit unangenehmen Erfahrungen ausgelöste negative Emotion dauerhaft herunterzuregulieren, so dass sie in das Netzwerk eigener Erfahrungen (d. h. in das ""Selbst"") integriert wird."
AktivationspotentialSituationsvariablen, die das Individuum aktivieren (anregen), ein bestimmtes Verhalten zu zeigen. Nach Berlyne sind dies vor allem solche Merkmale einer Situation, die inkongruent oder im Konflikt sind mit den Erwartungen der Person. Daneben spielen auch affektiv starke externale Stimuli (z.B., bedrohliches Tier) oder internale Bedürfnisse eine aktivierende Rolle.
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Frage 1 von 255
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  • Was sind universelle Charakteristiken menschlichen Handelns und wie werden diese definiert?

    Lösung

    Das Streben nach Wirksamkeit: Aufsuchen und Herstellen von Verhaltens-Ereignis-Kontingenzen, oder in kontrolltheoretischer Terminologie: die primäre Kontrolle über Ereignisse in der materiellen und sozialen Umwelt. Organisation des Handelns in Phasen des Zielengagements und der Zieldistanzierung: Wahrnehmungen, Gedanken, Emotionen, Fertigkeiten und Aktivitäten werden in koordinierter Weise eingesetzt, um entweder Ziele zu erreichen (Zielengagement) oder sich von nichtlohnenden oder unerreichbaren Zielen zurückzuziehen.
  • Welche Faktoren beeinflussen die resultierende Motivationstendenz?

    Lösung

    Die resultierende Motivationstendenz wird von persönlichen Präferenzen und situativen Anreizen sowie von deren Wechselwirkung beeinflusst. Sie setzt sich zusammen aus verschiedenen nach dem persönlichen Motivprofil gewichteten situativen Anreizen der Tätigkeit, des Handlungsergebnisses und der Selbst- und Fremdbewertung.
  • Was ist der Unterschied zwischen Motivation und Volition?

    Lösung

    Motivation bezieht sich auf die an der Auswahl und dem Setzen von Zielen beteiligten Prozesse. Volition bezieht sich auf regulative Prozesse, die entscheiden, welche Motivationstendenzen wann und bei welcher Gelegenheit wie in Handlungen umgesetzt werden sollen.
  • Was versteht man unter Entwicklung der Motivation im Unterschied zur Motivation der Entwicklung?

    Lösung

    Die Entwicklung der Motivation bezieht sich auf die Entwicklung universeller Grundkomponenten und individueller Unterschiede in der Motivation. Die Motivation der Entwicklung bezieht sich auf die handelnde Beeinflussung der eigenen Entwicklung im Lebenslauf durch das Individuum.
  • Welche Forschungstraditionen lassen sich in der Geschichte der Motivationsforschung unterscheiden und wer sind ihre Gründer?

    Lösung

    Willenspsychologischer Problemstrang: gegründet von Narziß Ach; Instinkttheoretischer Problemstrang: gegründet von William McDougall; Persönlichkeitstheoretischer Problemstrang: gegründet von Sigmund Freud; Assoziationstheoretischer Strang, lernpsychologische Linie: gegründet von Edward Lee Thorndike; Assoziationstheoretischer Strang, aktivationspsychologische Linie: gegründet von Iwan P. Pawlow.
  • Was versteht man unter heterogenetischen und autogenetischen Willenstheorien?

    Lösung

    Heterogenetische Willenstheorien (z.B. Ebbinghaus, Külpe) führen Wollensphänomene auf andere außerhalb des Willens liegende Erscheinungen und Sachverhalte (z.B. Muskelempfindungen, intellektuelle Schlussfolgerungen) zurück. Die Erforschung solcher heterogenetischen Mechanismen erfolgte durch reine Introspektion. Im Gegensatz dazu sieht die autogenetische Willenstheorie (z.B. Wundt, James) den Willen als eigenständigen Sachverhalt, der sich auf Willensprozesse und nicht auf ¬andere Erscheinungen zurückführen lässt.
  • Welche Rolle spielen nach den Vorstellungen Wilhelm Wundts und der Vertreter der Würzburger Schule bewusste oder auch unbewusste Prozesse in der Willensbildung und Willensverwirklichung?

    Lösung

    An der Willensbildung und -verwirklichung sind bewusste und unbewusste Prozesse beteiligt, wobei die unbewussten Prozesse besonders wichtig sind. Nach Wundt sind alle Prozesse der Aufmerksamkeit, Apperzeption, Wahrnehmung, Gedanken, Erinnerungen, also alles, was nach heutiger Terminologie Informationsverarbeitung ist, von Willenshandlungen geleitet.
  • Mit welchen Experimenten begannen die ersten Vorstöße der experimentellen Psychologie und wer war ihr Begründer?

    Lösung

    Der Begründer der experimentellen Psychologie war Wilhelm Wundt; als Experiment diente die mentale Chronometrie, die auf dem Vergleich von Reaktionszeiten unter unterschiedlichen experimentellen Bedingungen beruht und so über den Indikator der Zeitersparnis (»subtraktives Verfahren«) ermittelt, wie aufwändig bestimmte Subprozesse einer Reaktion sind.
  • Was ist unter dem Konstrukt der »determinierenden Tendenz« nach Narziß Ach zu verstehen und welches entscheidende Experiment wurde dazu durchgeführt?

    Lösung

    Sowohl bei Denk- als auch bei motorischen Aufgaben müssen unbewusst wirkende determinierende Tendenzen am Werk sein, um die intendierte Zielvorstellung zu realisieren. Das ausschlaggebende Experiment zur Messung der Willensstärke (determinierende Tendenz) verlangte von den Versuchspersonen, eine starke Assoziation (von zwei Silben) zu lösen, um eine neue Instruktion (andere Kombination der Silben) auszuführen. Die determinierende Tendenz wird als umso größer veranschlagt, je länger und wiederholter die ursprüngliche Assoziation trainiert worden war, die dann von der determinierenden Tendenz bei erfolgreicher Instruktionsausführung überwunden werden muss.
  • Charakterisieren Sie den Beitrag von William McDougalls Instinkttheorie zur Motivationspsychologie.

    Lösung

    Nach McDougall sind Instinkte ererbte psychophysische Dispositionen, die den Menschen bestimmen, Objekte einer bestimmten Klasse wahrzunehmen, sie mit Aufmerksamkeit zu bedenken und auf diese Erfahrung mit einer bestimmten Qualität emotionaler Erregung zu reagieren, sowie in einer bestimmten Weise zu handeln. Diese Definition hat in der amerikanischen Psychologie die Weichen gestellt für die selektive Erforschung von Motivationsprozessen (Beweggründen des Handelns) auf Kosten der Untersuchung von Willensprozessen. McDougall hat durch seine 18 motivationalen Neigungen (»propensities«) die Persönlichkeitspsychologie (z. B. Allport, Lersch) angeregt. Schließlich können McDougalls Konzepte des Instinkts und der Neigungen als Wegbereiter der vergleichenden Verhaltensforschung oder Ethologie gesehen werden.
  • Charakterisieren Sie den Beitrag Sigmund Freuds zur modernen Motivationspsychologie.

    Lösung

    Freud hat folgende Sachverhalte ins Zentrum gestellt und damit in der wissenschaftlichen Psychologie »gesellschaftsfähig« gemacht: die entscheidende Rolle des Unbewussten, die Triebdynamik eines aktiven Individuums bestimmt das Handeln, die Triebreduktion als grundlegender Mechanismus motivierten Verhaltens. Insbesondere folgende Annahmen waren äußerst einflussreich: Variable Verhaltensäußerung von Triebimpulsen, ständiger Konflikt zwischen Es, Über-Ich und Ich, Triebschicksal in der Kindheit bestimmt die erwachsene P¬ersönlichkeit, psychosexuelle Phasen der Triebentwicklung: Dramatisches 3-Personen-Stück: Mutter-Vater-Kind.
  • Wie hat Kurt Lewin die Motivationspsychologie beeinflusst?

    Lösung

    Lewins Theorie ist nicht differenziell (die individuellen Unterschiede betreffend), sondern allgemeinpsychologisch. Das Lewinsche Konstrukt des »Quasi-Bedürfnis« verlor Narziß Achs Fokus auf Volitionsprozesse (»determinierende Tendenz«) aus dem Blick. Verhalten wird aus gegenwärtigen feldpsychologischen Kräften der Umwelt und der Person erklärt: V=f(P, U). Lewin beeinflusste den persönlichkeitstheoretischen Problemstrang, obwohl sein Modell eigentlich vornehmlich a nalyse situativer Feldkräfte (d. h. Anreize) hat Anreiztheorien der Motivation angeregt. Weitere langfristige Einflüsse sind die Konflikttheorie, die Theorie zur Anspruchsniveausetzung und die Forschungen zu Ersatzhandlungen. Viele seiner experimentellen Paradigmen werden bis heute verwendet.
  • Was sind die Grundannahmen der Vroomschen Instrumentalitätstheorie?

    Lösung

    Handlungen und Ergebnisse haben Folgen, die mit positiven und negativen Anreizwerten verknüpft sind. Handlungs-Ergebnis-Folgen werden vom Handelnden vorweggenommen und motivieren das Handeln. Die Valenzen, die mit den positiven und negativen Folgenanreizen verknüpft sind, können individuell variieren und müssen mit der Instrumentalität des Handlungsergebnisses für die Erreichung der Folgen (Handlungs-Ergebnis-Folgen-Erwartungen (E-F-Erwartung in Kap. 1, Abb. 1.2) multipliziert werden, um den Anreizwert zu erhalten.
  • Was ist nach McClelland Motivation?

    Lösung

    Motivation ist ein durch einen Hinweisreiz Wieder-Wirksamwerden (»Redintegration«) eines früher schon erfahrenen Wandels in einer affekterzeugenden Situation einer bestimmten Situationsklasse (z. B. Leistungssituationen).
  • Wie ist in Atkinsons Risikowahl-Modell der Leistungsmotivation die Wechselwirkung zwischen Person und Situation repräsentiert?

    Lösung

    Te = Me x We x Ae; die Motivationstendenz zum Aufsuchen eines Erfolgs entspricht dem Produkt der persönlichen Motivorientierung auf Erfolg, der Wahrscheinlichkeit des Erfolgs und des Anreizwertes des Erfolgs. Das Produkt drückt die Wechselwirkung aus: Wenn eines der Produktglieder bei Null liegt, können die anderen gemeinsam auch nichts ausrichten. Wenn alle zusammenkommen wächst das Produkt, also die Motivationstendenz, sehr stark an.
  • Was ist die besondere Bedeutung der kognitionspsychologischen Linie (im persönlichkeitspsychologischen Problemstrang) für die Motivationspsychologie? Welche Forschungstraditionen hat sie begründet?

    Lösung

    Mit der kognitionspsychologischen Betrachtung kehrt die Vernunfttätigkeit zurück in die Motivationspsychologie, nachdem Trieb- und Instinktkonzepte lange dominiert hatten. Kognitive Prozesse wie etwa die Erwartungen und Überzeugungen (»beliefs«, »perceptions«, »expectancies«) zu situativen Handlungsgelegenheiten und Anreizen können Verhalten motivieren. Die kognitionspsychologische Linie hat die Konsistenztheorien hervorgebracht, nach denen motiviertes Verhalten darauf abzielt, Inkonsistenzen zu vermeiden oder in Konsistenzen aufzulösen. Zu den Konsistenztheorien gehören die Theorie der kognitiven Balance (Heider) und der kognitiven Dissonanz (Festinger). Ein weiteres Produkt der kognitionspsychologischen Linie ist die Theorie der Kausalattribuierung (Heider, Weiner).
  • Was ist der Grundgedanke des assoziationstheoretischen Problemstrangs in der Motivationspsychologie?

    Lösung

    Der Grundgedanke ist, dass im Laufe der Entwicklungsgeschichte Lustgefühle mit solchen Verhaltensweisen gekoppelt werden, die in der Auseinandersetzung mit der Umwelt erfolgreich sind, also Überlebenswert haben. Auf diese Weise wird das Verhalten mit positivem Affekt assoziiert und damit attraktiv.
  • Welche beiden Komponenten bestimmen bei Hull das Verhalten? Wie werden diese Komponenten miteinander verknüpft?

    Lösung

    Hull verknüpft eine motivationale (»drive«) und eine assoziative (»habit«) Komponente multiplikativ miteinander; diese beiden bestimmen eine Verhaltenstendenz, das so genannte »reaction-evocation-potential«.
  • Was ist nach B. F. Skinner der Unterschied zwischen Wirkreaktionen (»operant responses«) und Antwortreaktionen (»respondent behavior«)?

    Lösung

    Bei der Wirkreaktion wird das Verhalten durch die zeitliche Koppelung mit einem erwünschten Reiz bekräftigt. Das Verhalten bewirkt die Konsequenz und wird durch sie verstärkt. Im Gegensatz dazu wird bei der Antwortreaktion der ein Verhalten oder einen Affekt auslösende Reiz mit einem neuen Reiz gekoppelt, so dass nun auch der neue Reiz das Verhalten oder den Affekt auslösen kann.
  • Definieren Sie den Begriff »Eigenschaft« und beschreiben Sie ein Beispiel.

    Lösung

    Eine Eigenschaft ist eine neuropsychische Struktur, die viele Reize funktionell äquivalent macht und konsistente äquivalente Formen von Handlung und Ausdruck einleitet und ihren Verlauf lenkt. Beispiel: Leistungsmotiv (Abb. 3.1).
  • Wie lassen sich die »traits« des 5-Faktoren-Modells interpretieren?

    Lösung

    Die »Big Five« können im Sinne einer dispositionell erhöhten Sensibilität für bestimmte Emotionen angesehen werden: Folgende Dimensionen werden unterschieden: Extraversion, Neurotizismus, Offenheit für Erfahrung, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit. Die »traits« des 5-Faktoren-Modells sind als endogene Eigenschaften konzipiert.
  • Nennen Sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede des 5-Faktoren-Modells und der Eigenschaftstheorie von Cattell.

    Lösung

    Beide Theorien beruhen auf der »Sedimentisierungsthese«, dem lexikalischen Ansatz und der Methode der Faktorenanalyse. Cattells Theorie ist jedoch wesentlich breiter als das 5-Faktoren-Modell, da es nicht nur endogene »traits«, sondern auch davon unabhängige dynamische »ergs« beinhaltet.
  • Warum geriet McDougalls Motivklassifikation nach Instinkten unter Wissenschaftlern in Verruf?

    Lösung

    Der Schluss auf »hinter« dem Verhalten stehenden Instinkten kann zu Zirkelschlüssen führen, bei dem letztlich jedes beobachtbare Verhalten durch einen entsprechenden Instinkt erklärt wird. Angeregt durch McDougalls Instinktlisten, wurde es v. a. in den Nachbarwissenschaften wie Soziologie und politischer Wissenschaft üblich, jedem Verhaltensphänomen einen eigenen Instinkt zu unterlegen, etwa nach dem Muster: Krieg liegt am Streitinstinkt; und woran kann man sehen, dass es der Streitinstinkt ist? Weil sich die Menschen bekriegen.
  • Was versteht Murray unter einem Thema und wie versucht er deren relative Ausprägung bei Individuen zu messen?

    Lösung

    Unter einem Thema versteht er Person-Umwelt-Bezüge, die er in Form von Interaktionen aus »needs« (Person) und »press« (Umwelt) konzipiert. Der TAT wurde entwickelt, um individuelle Ausprägungen bezüglich der relativen Bedeutung von Themen messen zu können.
  • Welche Bedürfnishierarchien nach Maslow werden unterschieden?

    Lösung

    Von existenzsichernden/physiologischen Bedürfnissen über Sicherheitsbedürfnisse zum Bedürfnis nach sozialer Bindung bis zu Bedürfnissen der Selbst- und Fremdachtung. An der höchsten Stelle der Hierarchie steht die Selbstverwirklichung.
  • Diskutieren Sie den adaptiven Wert von Emotionen.

    Lösung

    Die emotionsbezogene Art der Informationsverarbeitung schafft die Möglichkeit, unverzögert auf die entstandene Situation mit eigener Aktivität einzugehen. Müsste man sich stattdessen auf eine gedanklich-argumentative Informationsverarbeitung verlassen, die Anreiz- und Erwartungsaspekte analytisch elaboriert, dann integriert und dabei noch sequenziell vorgeht, so müsste eine zeitlich zu ausgedehnte Lähmung des Handelns in Kauf genommen werden, um zwar richtig, aber zu spät und deshalb inadäquat, auf situative Herausforderungen zu antworten. Der Nachteil einer einseitig emotionsbezogenen Informationsverarbeitung ist ihre Kontextgebundenheit, die zu einem Verlust an situationsübergreifenden, abstrakten Handlungsstrategien führen kann.
  • Welches sind die drei grundlegenden Prinzipien systemtheoretischer Motivationsmodelle? Was bedeuten diese Prinzipien für unser Verständnis von Motivdispositionen?

    Lösung

    Persönlichkeit ist ein komplexes System, in dem multiple, hochgradig vernetzte Prozesse miteinander interagieren. Diese interagierenden Prozesse wiederum basieren auf grundlegenden kognitiven und affektiven Systemen, die das Verhalten initiieren und steuern. Die Persönlichkeit interagiert mit der Umwelt, die sie durch das initiierte Verhalten z. T. mitbestimmt. Motivdispositionen können aus dieser Sicht als Systemkonfigurationen interpretiert werden. Das heißt, mehrere unabhängige Dispositionen wie z. B. eine hohe Unternehmungslust, Autonomie und intuitive Verhaltenssteuerung werden verschaltet und machen gemeinsam viele Reize funktionell äquivalent und leiten konsistente äquivalente Formen von Handlung und Ausdruck ein. Indem die Systemkonfiguration auf die Umwelt einwirkt, kann letztere die Zusammensetzung der Systemkonfiguration verändern (reziproker Interaktionismus), so dass das Verhalten in der Folge inkonsistent wird, obwohl die beteiligten Dispositionen stabil geblieben sind.
  • Erläutern Sie das Konsistenzparadox.

    Lösung

    Die häufig beobachteten Inkonsistenzen im Verhalten gehen darauf zurück, dass die Untersucher jene Handlungsweisen und Situationen, die sie selbst für äquivalent halten und deshalb in Gestalt von Fragebogenitems und manipulierten Situationen zusammenwerfen, auch bei allen ihren Versuchspersonen als äquivalent voraussetzen. Beispielsweise könnte eine solche Untersucherabsicht zu der Hypothese führen, dass eine Person, die sich gegenüber ihren Mitarbeitern dominant verhält, dies auch gegenüber ihren Familienmitgliedern tun dürfte. Für einige der untersuchten Personen bedeutet es aber u. U. keinen erkennbaren Statusgewinn, sich im privaten Umfeld durchzusetzen. Dadurch fällt der Anreiz für deren idiografisch ausgeformtes Machtmotiv weg – die untersuchten Personen verhalten sich aus ihrer Sicht vollständig konsistent, da Dominanz ihnen im Familienkreis keine Motivbefriedigung bieten kann (auch der umgekehrte Fall ist denkbar).
  • Was besagt der homöostatische Ansatz?

    Lösung

    Organismen sind bestrebt einen Zustand des Gleichgewichts (Homöostase) aufrecht zu erhalten. Wenn ein Organismus aus dem Zustand des Gleichgewichts gerät, entsteht ein Trieb zur Wiederherstellung des Gleichgewichtszustandes.
  • Wovon hängt für Hull die Stärke der Reiz-Reaktions-Verknüpfungen (SHR, »habits«) ab?

    Lösung

    Nach Hull hängt die Stärke der entstehenden Reiz-Reaktions-Verbindung (SHR) allein von der Häufigkeit der Bekräftigung ab. Wie häufig oder wie intensiv dabei die gelernten Reaktionen auftreten, ist allein von der bestehenden Triebstärke abhängig.
  • Wodurch entsteht in Hulls Theorie die Energetisierung und wodurch die Steuerung des Verhaltens?

    Lösung

    In Hulls Theorie geht die Energetisierung des Verhaltens auf den allgemeinen Trieb zurück. Die Steuerung erfolgt über die gelernten Reiz-Reaktions-Verknüpfungen, die »habits«.
  • Was passiert beim affektiven Priming?

    Lösung

    Beim affektiven Priming wird die affektive Tönung von Stimuli, denen Menschen begegnen, ohne bewusstes Zutun aktiviert. Diese Aktivation der affektiven Konnotation kann darauf folgendes Urteilen und Verhalten beeinflussen.
  • Was sind nach Lewin die drei Grundfälle einer Konfliktsituation?

    Lösung

    1. Der Aufsuchen-Aufsuchen-Konflikt, 2. der Meiden-Meiden-Konflikt und 3. der Aufsuchen-Meiden-Konflikt.
  • Welche 6 Annahmen hat Miller (1951, 1956) für das Konfliktgeschehen formuliert?

    Lösung

    1. Die Aufsuchen-Tendenz ist umso stärker, je näher man an das Ziel herankommt (Aufsuchen-Gradient). 2. Die Meiden-Tendenz ist umso stärker, je näher man an den gefürchteten Reiz herankommt (Meiden-Gradient). 3. Der Meiden-Gradient ist steiler als der Aufsuchen-Gradient. 4. Von zwei miteinander unverträglichen Reaktionen setzt sich die stärkere Reaktion durch. 5. Die Höhe des Aufsuchen- oder des Meiden-Gradienten hängt von der Triebstärke ab, auf der jeder der beiden beruht. 6. Die Stärke der bekräftigenden Reaktionstendenz wächst mit der Zahl der Bekräftigungen, solange das maximale Lernplateau noch nicht erreicht ist.
  • Was geschieht bei einer Verschiebung?

    Lösung

    Bei der so genannten »Verschiebung« wird das ursprüngliche Objekt im Erleben ersetzt durch ein mehr oder weniger ähnliches, das weniger Furcht (oder Angst) auslöst. Verschiebung entspricht einer Reizgeneralisierung des ursprünglichen Objekts. Je mehr die Meiden-Tendenz die Aufsuchen-Tendenz übersteigt, umso geringer ist die Ähnlichkeit zwischen dem ursprünglichen Objekt und dem Objekt der Verschiebung, der erreichten Konfliktlösung.
  • Welche Aussagen trifft Arnolds Sequenzmodell der Emotionen?

    Lösung

    In Arnolds (1960) Sequenzmodell der Emotionen steht die Bewertung einer Situation auf ihre förderlichen oder bedrohlichen Aspekte an erster Stelle eines Motivationsprozesses. Die »intuitiv« bewertete Situationswahrnehmung führt zur Emotion und ihren physiologischen Reaktionen. Die Bewertung besteht aus einer gefühlsmäßigen Stellungnahme, die als aufsuchende oder meidende Verhaltenstendenz erlebt wird. Die begleitenden physiologischen Reaktionen bestimmen den Ausdruck der Emotionen. Der letzte Schritt in dieser Sequenz ist eine aufsuchende oder meidende Handlung.
  • Woraus setzt sich für Berlyne das Anregungspotenzial einer Situation zusammen?

    Lösung

    1. Kollative Variablen (Neuigkeit, Ungewissheit, Konflikt, Komplexität, Überraschungsgehalt), 2. affektive Reize, 3. starke äußere Reize, 4. innere Reize, die von Bedürfniszuständen herrühren.
  • Worin liegen zwischen Dissonanztheorie und Rubikon-Modell der Handlungsphasen Übereinstimmungen, wo gibt es Unterschiede?

    Lösung

    Sowohl die Dissonanztheorie als auch das Rubikon-Modell der Handlungsphasen gehen davon aus, dass Informationen vor Entscheidungen grundsätzlich objektiv und unparteiisch verarbeitet werden, nach einer Entscheidung jedoch im Sinne der getroffenen Entscheidung verzerrt werden. Das Rubikon-Modell unterteilt Informationen jedoch weiter in solche, die entscheidungs- und solche, die ausführungsrelevant sind. Nur erstere sollten nach einer Entscheidung verzerrt werden, um die Entscheidung zu stabilisieren. Da letztere für eine gute Ausführung der Handlung von Bedeutung sind, sollten sie nach dem Rubikon-Modell, selbst wenn sie an sich der getroffenen Entscheidung widersprechen, unverzerrt verarbeitet werden.
  • Was versteht man unter Anreizen?

    Lösung

    Unter Anreizen versteht man situative Reize, die auf affektiv besetzt Zielzustände verweisen.
  • Was sind die beiden Voraussetzungen für das Anstreben von Zielzuständen?

    Lösung

    Das Eintreten von Zielzuständen muss vorweggenommen werden können: dies ist die Erwartung. Der Zielzustand muss subjektive Bedeutung haben: dies ist der Wert.
  • Was sind Quasi-Bedürfnisse?

    Lösung

    Quasi-Bedürfnisse sind von »echten Bedürfnissen« abgeleitete Bedürfnisse in Form von Handlungszielen. Sie bleiben als gespanntes System so lange bestehen, bis das Ziel erreicht ist.
  • Was wird als Zeigarnik-Effekt bezeichnet?

    Lösung

    Der Befund, dass unerledigte Handlungen besser erinnert werden als erledigte, wird auch als Zeigarnik-Effekt bezeichnet, weil er zuerst in einem Experiment von der Lewin-Schülerin Bluma Zeigarnik (1927) als Bestätigung für Lewins Annahme der gespannten Systeme gefunden wurde.
  • Wie modifizierte Kenneth Spence Hulls Bekräftigungstheorie?

    Lösung

    Spence führte die Anreizmotivation ein. Er gab damit die Annahme einer Habit-Bildung in Hulls Bekräftigungstheorie ganz auf.
  • Was sind und was bewirken Erwartungsemotionen?

    Lösung

    Nach Mowrer (1960) gibt es 4 Erwartungsemotionen: - Hoffnung - Furcht - Enttäuschung und - Erleichterung. Diese intensivieren die ablaufenden instrumentellen Reaktionen auf dem Weg zum Zielzustand.
  • Welche wesentliche Veränderung nimmt Atkinson in seinem Risikowahl-Modell gegenüber der Theorie der gewichteten Valenz vor?

    Lösung

    Die Valenzfunktion für Erfolg und Misserfolg wird mit der Personvariable Motiv gewichtet (multipliziert).
  • Warum ergibt sich im Risikowahl-Modell ein Maximum an Motivationsstärke bei mittlerer Erfolgswahrscheinlichkeit?

    Lösung

    Die Werte für Erfolgsanreize und Erfolgserwartung variieren zwischen 0 und 1 und stehen in invers-linearer Beziehung zu einander. Daher ergibt sich mathematisch bei einem Wert der Erfolgswahrscheinlichkeit von 0.5 ein Wert von 0.5 für den Erfolgsanreiz und damit der höchste Wert, den das Produkt aus Anreiz und Erwartung annehmen kann.
  • Welche Ergänzung leistet die Instrumentalitätstheorie von Vroom gegenüber ihren Vorgängern?

    Lösung

    Gegenüber den vorauslaufenden Erwartungs-Wert-Theorien der Motivation liefert Vrooms Instrumentalitätstheorie eine Ergänzung durch Einbeziehung der Handlungsfolgen. Die Erwartung einer Vielfalt möglicher Folgen, die ein Handlungsergebnis nach sich ziehen kann, beeinflusst die Handlungsmotivierung. Dabei werden die Wahrscheinlichkeit des Erreichens der Handlungsfolgen, die Instrumentalität, multiplikativ mit dem wahrgenommen Wert der Handlungsfolgen verknüpft.
  • Welche Arten intrinsischer Valenzen lassen sich nach Mitchell und Albright (1972) unterscheiden?

    Lösung

    Nach Mitchell & Albright (1972) gibt es 5 Arten intrinsischer Valenzen: - Selbstwertgefühl - Gelegenheit für eigenständige Gedanken und Handlungen - Möglichkeiten zur eigenen Entwicklung - Gefühle der Selbsterfüllung - Gefühle angemessener Aufgabenerfüllung
  • Wie wird das Leistungsmotiv definiert?

    Lösung

    Das Leistungsmotiv wird als das zeitlich überdauernde Bestreben definiert, sich mit Gütestandards auseinander zu setzen und die eigene Tüchtigkeit zu erhöhen. Wer leistungsmotiviert ist, will etwas (eine bestimmte Aufgabe, Tätigkeit oder Fertigkeit) gut, besser oder am besten machen.
  • Welche empirischen Kriterien wurden an die Entwicklung des Thematischen Auffassungstests für die Erfassung individueller Unterschiede in der Leistungsmotivation angelegt?

    Lösung

    Sowohl anhand der Sensitivität des Tests für experimentell induzierte Motivationszustände (McClelland) als auch anhand der Höhe und Veränderung des Anspruchsniveaus (Heckhausen).
  • Welche Vorteile und welche Nachteile hat das TAT-Verfahren im Vergleich zu Fragebögen zur Erfassung individueller Unterschiede in der Leistungsmotivation?

    Lösung

    - Vorteile: Der TAT umgeht Selbstdarstellungstendenzen, erfasst den spontanen Ausdruck von leistungsthematischen Motivationstendenzen und weist keine substanziellen Korrelationen mit Fähigkeitsselbstkonzepten auf. - Nachteile: Trotz hoher Auswertungsobjektivität ist das Verfahren für situative Einflüsse (z. B. Testleiterverhalten) sensitiv, weist eine geringe interne Konsistenz (Reliabilität) auf und ist von seiner Durchführung und Auswertung her aufwändig (Ökonomie).
  • Anhand welcher Kriterien wurde der Leistungsmotiv-TAT validiert?

    Lösung

    - Anhand von Leistungsmaßen, die bei anstrengungs- und konzentrationsabhängigen Aufgaben ermittelt wurden (z. B. Addition einstelliger Zahlen); - anhand von einfachen Lernaufgaben (z. B. Wortpuzzles); - anhand von realen Lebensleistungen (z. B. Berufserfolg, Innovationsfreudigkeit).
  • Wie lässt sich der Zusammenhang zwischen der Verbreitung von Leistungsthemen in Schulbüchern und der Bildungsleistung von Bundesländern erklären?

    Lösung

    Leistungsthematische Aussagen (etwas meistern, etwas besser machen) und Schlüsselwörter (strebsam, erfolgreich) können von ihrem Bedeutungsgehalt her das Leistungsmotiv aktivieren. Das so angeregte Leistungsmotiv mobilisiert wiederum Ressourcen, wie Ausdauer und Anstrengung, die für die Bewältigung anspruchsvoller Aufgaben benötigt werden.
  • Welche neuroendokrine Besonderheit zeigen hoch leistungsmotivierte Personen, wenn sie Aufgaben bearbeiten, die mit Erfolgsungewissheit verbunden sind?

    Lösung

    Ein hohes Leistungsmotiv (erfasst mit dem TAT) ist mit der Dämpfung der Stressreaktion korreliert. Die Konzentration von Cortisol in Speichelproben fällt bei hoch Leistungsmotivierten unter Stress vergleichsweise schwächer aus als bei weniger Leistungsmotivierten. Subjektiv wird eine Aufgabe hoher Schwierigkeit bzw. hoher Erfolgsungewissheit von leistungsmotivierten Personen als Herausforderung gesehen, die auf die Möglichkeit der Meisterung hindeutet und entsprechend positiver bewertet wird.
  • Wie wird die Erfolgsvalenz im Risikowahl-Modell definiert und wie wird sie gemessen?

    Lösung

    Als Erfolgsvalenz wird das Produkt aus Erfolgsanreiz und Erfolgsmotiv bezeichnet: Ve=MexAe. Die Messung erfolgt durch Zufriedenheitsurteile, die sich auf Leistungen unterschiedlicher Niveaus bzw. unterschiedlicher Schwierigkeit beziehen. Die Erfolgsvalenz ist umso höher, je stärker die erwartete Zufriedenheit mit wachsendem Erfolg ansteigt. Der Gradient der Erfolgsvalenz (Zufriedenheit über verschiedene Schwierigkeitsniveaus hinweg) ist bei hoch Erfolgsmotivierten steiler als bei niedrig Erfolgsmotivierten. Dies bedeutet, dass hoch Erfolgsmotivierte für Veränderungen des Leistungsniveaus sensibler sind als weniger Erfolgsmotivierte. Entsprechend hängt ihre Zufriedenheit vergleichsweise stärker vom erreichten Leistungsniveau ab.
  • Welche Schwierigkeitsgrade bevorzugen Erfolgs- und Misserfolgsmotivierte bei der Aufgabenwahl? Beziehen Sie Ihre Antwort zunächst auf die Aussagen des Risikowahl-Modells und skizzieren Sie anschließend die tatsächlich ermittelten Befunde.

    Lösung

    Nach dem Risikowahl-Modell bevorzugen Erfolgsmoti-vierte Aufgaben mittlerer Schwierigkeit (We=.50), wäh-rend Misserfolgsmotivierte diesen Schwierigkeitsbereich meiden und statt dessen auf extreme Schwierigkeitsgrade ausweichen. Die empirischen Befunde zeigen, dass Erfolgsmotivierte eher erhöhte Schwierigkeiten bevorzugen, die unter dem nach dem Risikowahl-Modell zu erwartenden Wert von We=.50 liegen. Misserfolgsmotivierte wählen im Vergleich zu Erfolgsmotivierten zwar häufiger extremere Schwierigkeiten. Sie vermeiden aber nicht gezielt den mittleren Schwierigkeitsbereich.
  • Wie erklären sich nach dem Risikowahl-Modell atypische Veränderungen im Anspruchsniveau bei Misserfolgsmotivierten?

    Lösung

    Durch die Annäherung an das mittlere Schwierigkeitsniveau nach einem Misserfolg bei einer einfachen Aufgabe oder einem Erfolg bei einer schwierigen Aufgabe. In beiden Fällen nähert sich die Erfolgswahrscheinlichkeit dem kritischen Wert von We=.50 an. Dies führt zu einer sprunghaften Veränderung des Anspruchsniveaus auf den gegenüberliegenden Extrembereich (also von anfangs sehr einfachen zu sehr schwierigen Aufgaben oder umgekehrt).
  • Welches Versuchsparadigma verwendete Feather, um die Höhe der Ausdauer nach dem Risikowahl-Modell vorherzusagen?

    Lösung

    Es werden zwei Aufgaben eingesetzt. Die Erstaufgabe wird als schwierig oder einfach ausgegeben, ist tatsächlich aber unlösbar. Hierdurch nähert sich die Erfolgswahrscheinlichkeit dem Wert von We=.50 an (einfache Aufgabe) oder entfernt sich zunehmend von ihm (schwierige Aufgabe). Die Erfolgswahrscheinlichkeit für die Zweitaufgabe wird gleichfalls vorgegeben. Erfolgsmotivierte sollten umso ausdauernder sein, je mehr die Erstaufgabe eine mittlere, die Zweitaufgabe hingegen eine extreme (sehr hohe oder niedrige) Erfolgswahrscheinlichkeit aufweist. Bei Misserfolgsmotivierten verhält es sich genau umgekehrt. Der Wechsel zur Zweitaufgabe ist für sie umso attraktiver, je extremer deren Schwierigkeit ist und je mehr sich die Erfolgswahrscheinlichkeit der Erstaufgabe dem Wert von We=.50 annähert.
  • Wie lässt sich die Kontroverse zwischen Risikowahl-Modell (Atkinson) und Zieltheorie (Locke) hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Schwierigkeitsniveau und Aufgabenleistung erklären?

    Lösung

    Das Risikowahl-Modell bezieht sich primär auf die Auswahl von Aufgaben. Generell werden Aufgaben mittlerer Schwierigkeit bevorzugt. Die Zieltheorie bezieht sich hingegen auf die Realisierung bereits gesetzter Ziele. Dabei wird der Anstrengungsgrad an das Schwierigkeitsniveau linear angepasst (Schwierigkeitsgesetz der Motivation), bis ein Punkt überschritten wird, welcher der maximalen Anstrengungsbereitschaft entspricht.
  • Wovon hängt die Stärke der Beziehung zwischen Leistungsmotivation und Aufgabenleistung ab? Nennen Sie wenigsten zwei Faktoren, welche die Art dieser Beziehung moderieren.

    Lösung

    Zunächst hängt die Stärke der Beziehung von den Anforderungen ab, die eine Aufgabe stellt. Nur bei sehr einfachen, geschwindigkeitsabhängigen Aufgaben ist von einer linearen Beziehung zwischen Motivation und Leistung auszugehen.
    Bei komplexen und fehleranfälligen Aufgaben kann hohe Motivation die Leistung schmälern, weil Schnelligkeit dann auf Kosten der Genauigkeit geht. Zusätzlich sind die kognitiven und selbstregulativen Fertigkeiten, über die eine Person verfügt, wichtig. Mangelnde Fähigkeiten können auch durch hohe Motivation kurzfristig nicht ausgeglichen werden. Selbstregulative Fertigkeiten sind erforderlich, damit die aktuelle Motivation an das für eine Aufgabe optimale Motivationsniveau angeglichen wird.
  • Wie erklärt Covington das Phänomen der Übermotivation?

    Lösung

    Durch die Kombination hoher Erfolgs- mit hoher Misserfolgsmotivation. Personen, auf die dies zutrifft, bezeichnet Covington als »Overstriver«. Diese arbeiten und lernen viel und angestrengt, sind aber ineffektiv, weil sie zumeist überhastet und oberflächlich vorgehen.
  • Welche Funktion erfüllt die Motivationsstärke in Atkinsons Modell der kumulativen Leistung?

    Lösung

    Motivation erfüllt in diesem Modell eine doppelte Funktion: Gemeinsam mit der Fähigkeit beeinflusst sie die Effizienz, mit der eine aktuelle Aufgabe bearbeitet wird. Nicht maximale, sondern optimale Motivation begünstigt gute Leistungen.
    Motivation beeinflusst zudem den Zeitaufwand, der für das Erlernen von Fertigkeiten aufgebracht wird. Unter einer langfristigen Perspektive wirkt sich hohe Motivation daher auch positiv auf den Erwerb von Wissen und die Aneignung von Kompetenzen aus.
  • Welche Argumente sprechen gegen die Berechnung der »resultierenden Motivationstendenz« aus der Differenz zwischen Erfolgs- und Misserfolgsmotivation?

    Lösung

    Hier lassen sich 4 Argumente anführen:- Erfolgs- und Misserfolgsmotive bilden theoretisch unabhängige Konstrukte. Durch die Bildung von Differenzwerten werden zwei Dimensionen künstlich zu einer einzigen bipolaren Dimension der Leistungsmotivation verschmolzen. - Bei Differenzwerten ist nicht zu sehen, ob die eine oder die andere Variable (oder ggf. ihre Interaktion) für die vorhergesagten Effekte verantwortlich ist. - Bei der Differenzwertbildung wird Personen, die in beiden Motiven hohe Werte aufweisen, der gleiche resultierende Wert zugewiesen wie Personen, bei denen beide Motive schwach ausgeprägt sind. - Misserfolgsmotivation dämpft nicht immer die Erfolgstendenz, sondern kann auch aktive bzw. handlungsorientierte Formen der Misserfolgsbewältigung begünstigen.
  • Welche Rolle spielen leistungsthematische Affekte in Heckhausens Selbstbewertungsmodell der Leistungsmotivation?

    Lösung

    Sie verstärken (oder bekräftigen) die Handlungsdirektiven, die erfolgs- vs. misserfolgsbezogenem Verhalten zugrunde liegen: Steigerung der Kompetenz im Falle der Erfolgsmotivation oder Schutz des Selbstwerts im Falle der Misserfolgsmotivation. Ursachenerklärungen vermitteln die Wirkung von Erfolg und Misserfolg auf die affektiven Reaktionen bei erfolgs- und misserfolgsmotivierten Personen. Misserfolgsmotivierte vermeiden anspruchsvolle Aufgaben, um selbstwertabträgliche Attributionen und Gefühle des Versagens zu vermeiden. Erfolgsmotivierte wählen gerade solche Aufgaben, weil sie über kompetenz- und selbstwertfördernde Attributionsmuster verfügen. Auch wenn ihre Ergebnisbilanz (Verhältnis von Erfolgen zu Misserfolgen) ausgeglichen ist, so bleibt ihre Affektbilanz (Überwiegen von Stolz gegenüber Beschämung) dennoch positiv.
  • Welche Bezugsnormen können an die Bewertung eines Leistungsergebnisses angelegt werden?

    Lösung

    - Individuelle Bezugsnorm: temporaler Vergleich der Leistung mit eigenen früheren Leistungen; - Soziale Bezugsnorm: Vergleich der erbrachten Leistung mit der Leistung anderer Personen; - Sachliche Norm: aufgabenimmanente Erfolgskriterien, wie Lösung vs. Nicht-Lösung der Aufgabe oder Erreichen vs. Verfehlen eines vorgegebenen Lernziels.
  • Durch welche Vermittlungsprozesse fördert die individuelle Bezugsnorm leistungsmotiviertes Verhalten?

    Lösung

    - Anstrengungsattributionen für Erfolg und Misserfolg: Die individuelle Bezugsnorm verdeutlicht, dass die Höhe der Leistung von der Höhe der eigenen Anstrengung abhängig ist. - Realistische Zielsetzung: Die gesteckten Ziele orientieren sich am eigenen Leistungsvermögen bzw. der Entwicklung des individuellen Leistungsverlaufs. - Erfolgserlebnisse und Lernfortschritte: Vor allem Leistungsschwächere erleben häufiger Erfolge, die ihnen bei der sozialen Bezugsnorm fehlen würden. Dies führt zu einem Zuwachs an Stolz und verstärkt Gefühle der Kompetenz und Wirksamkeit des eigenen Handelns.
  • Welche Merkmale des Interaktionsverhaltens von Müttern »begünstigen« die Ausbildung eines starken Misserfolgsmotivs bei Kindern im früheren Schulalter?

    Lösung

    Trudewind und Husarek (1979) identifizierten folgende Merkmale in einer Hausaufgabensituation: - Orientierung an der sozialen Bezugsnorm; - Überforderung des Kindes durch unrealistisch hohe Ziele und Erwartungen; - Attribution von Misserfolg auf Begabungsmangel; - Tadel bei Misserfolg, keine Reaktion bei Erfolg.
  • Auf welche Weise beeinträchtigen Vermeidungsziele die Leistung und Freude beim Lernen?

    Lösung

    - Vermeidungsziele weisen zumeist keine klaren Kriterien auf, sind also schlecht definierte Ziele, bei denen sich Fortschritte schwer planen und abschätzen lassen. - Durch Vermeidungsziele wird die Aufmerksamkeit auf Misserfolge gelenkt; Erfolge werden weniger stark beachtet. - Vermeidungsziele sind mit negativen Affekten (Angst, Anspannung) verknüpft und reduzieren die Lernfreude und das Interesse an einer Aufgabe, die nur unter Druck bearbeitet wird (d. h. zur Vermeidung von Versagenserlebnissen, nicht aber zur Steigerung der eigenen Kompetenz).
  • Was ist das Ziel des Anschlussmotivs?

    Lösung

    Das Ziel des Anschlussmotivs besteht im Herstellen positiver sozialer Interaktionen und Beziehungen.
  • Was haben Affiliations- und Intimitätsmotiv gemeinsam, und was unterscheidet sie?

    Lösung

    - Beide Motive beruhen auf dem gleichen Bedürfnis nach sozialer Verbundenheit, positiven sozialen Interaktionen und Beziehungen.
    - Das Affiliationsmotiv repräsentiert die Meidungskomponente des Anschlussmotivs (Furcht vor Zurückweisung) stärker.
    - Das Intimitätsmotiv repräsentiert die Annäherungskomponente des Anschlussmotivs (Hoffnung auf Anschluss) stärker.
  • Was sind typische Merkmale von Personen mit einem starken Intimitätsmotiv?

    Lösung

    - Sie sind zuversichtlicher und haben mehr positive Gefühle im Umgang mit anderen, die sie dem Gegenüber auch durch ihr nonverbales Verhalten vermitteln.
    - Sie beschäftigen sich generell mehr mit sozialen Inhalten, denken häufiger an ihre Freunde und tauschen sich häufiger mit ihnen aus.
    - Sie werden von anderen als aufrichtiger, freundlicher, kooperativer und weniger dominant eingeschätzt.
    - Sie tendieren zu höherem Wohlbefinden und besserer psychosozialer Anpassung.
  • Was sind typische Merkmale von Personen mit starker Furcht vor Zurückweisung?

    Lösung

    - Sie fühlen sich in sozialen Situationen leicht überfordert oder unsicher und agieren eher ungeschickt.
    - Sie sehen sich selbst eher als unbeliebt und einsam, obwohl sie tatsächlich nicht weniger soziale Kontakte haben.
    - Sie neigen dazu, Interaktionspartner, die andere Einstellungen haben als sie, abzuweisen.
    - Bei Zurückweisung können sie (passiv) aggressiv reagieren.
  • Welche Verfahren stehen zur Messung des impliziten und expliziten Anschlussmotivs zur Verfügung?

    Lösung

    - Das implizite Motiv wird traditionell mit Varianten der Picture Story Exercise erfasst.
    - Neuere Methodenentwicklungen schließen semiprojektive Verfahren, reaktionszeitbasierte IAT-Maße, bereichsspezifische Messungen und physiologische Maße mit ein.
    - Das explizite Motiv wird in der Regel durch Selbstberichtsfragebögen gemessen. Dabei kann das erfragte Motivkonstrukt in seinem Abstraktionsgrad von sehr konkreten Zielen bis zu abstrakten Werthaltungen variieren.
  • Unter welchen Bedingungen entsteht Power Stress?

    Lösung

    Insgesamt müssen drei Bedingungen für das Power-Stress-Phänomen erfüllt sein. Erstens muss das Machtmotiv durch eine Situation angeregt werden. Die Situation muss also die Möglichkeit versprechen, Einfluss zu nehmen. Zweitens muss das Machtmotiv dann aber frustriert werden. Dies kann z. B. dadurch geschehen, dass ein Interaktionspartner Widerstand gegen die Einflussnahme leistet oder dominant auftritt. Power Stress wird dann erlebt unter der Voraussetzung, dass – drittens – das implizite Machtmotiv der Person hoch ist. Niedrig Machtmotivierte erleben keinen Power Stress.
  • Was lässt sich aus der Beobachtung nichtmenschlicher Primaten über die Bedeutung von Dominanz lernen?

    Lösung

    Auch bei nichtmenschlichen Primaten kann Dominanz als relativ stabile Persönlichkeitseigenschaft angenommen werden. Dieser Befund ist insofern evolutionär sinnvoll, als Dominanz den Zugang zu und die Sicherung von Ressourcen erleichtern. In der Tat lassen sich Dominanz und evolutionärer Erfolg bei nichtmenschlichen Primaten in Zusammenhang bringen, z. B. über die höhere Überlebenswahrscheinlichkeit dominanter Gorillaweibchen. Da Ressourcen aber auch für den Menschen überlebenswichtig sind, liegt die Annahme nahe, dass das Streben nach Dominanz als Motiv auch in der Stammesgeschichte der Spezies Mensch evolviert ist.
  • Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem Machtmotiv und dem Sexualhormon Testosteron bei Männern?

    Lösung

    Zwar gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Machtmotiv und dem Baseline-Testosteronspiegel bei Männern, aufschlussreicher ist es jedoch, situative Bedingungen wie z. B. Wettbewerbssituationen zu berücksichtigen. Je nach Ergebnis eines Wettkampfes können zwei Mechanismen auf die Testosteronproduktion einwirken. Die leichte Erregung, die mit dem bevorstehenden Wettbewerb, der ja Dominanzerleben verspricht, einhergeht, führt zu einer Ausschüttung von Epinephrin/Norepinephrin, welche wiederum die Testosteronbildung anregen. Unterliegt eine Person aber im Wettbewerb, so wird das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet, welches die Testosteronbildung hemmt. Beide Mechanismen werden von der Stärke des impliziten Machtmotivs beeinflusst, so dass bei hoch machtmotivierten Männern die Anregung bzw. Hemmung der Testosteronbildung stärker ausfällt als bei niedrig machtmotivierten Männern.
  • Was sagen die bisherigen empirischen Befunde zur Entwicklung des impliziten Machtmotivs aus?

    Lösung

    Die Ausprägung des impliziten Machtmotivs zeigte bei Erwachsenen im Alter von ca. 30 Jahren Zusammenhänge zu spezifischen Erziehungsverhaltensweisen, die ihre Mütter ungefähr 25 Jahre zuvor in einem Interview berichtet hatten. Speziell für sexuell konnotiertes und aggressives Verhalten ließ sich ein positiver Zusammenhang nachweisen. Je toleranter Mütter also auf machtmotivisches Verhalten ihrer Kinder reagierten, desto stärker war das Machtmotiv bei den erwachsenen Kindern entwickelt. Dieser Befund widerspricht der zunächst in der Literatur vertretenen Defizithypothese der Machtmotiventwicklung. Die Auftretenswahrscheinlichkeit solch machtthematischen Verhaltens der Kinder, an dem elterliche Sozialisationspraktiken ansetzen können, wird ihrerseits möglicherweise durch Unterschiede in der intrauterinen Testosteronkonzentration mitbestimmt.
  • Was versteht man unter den „zwei Gesichtern der Macht“?

    Lösung

    Das Machtmotiv kann sich in verschiedenen Verhaltensweisen ausdrücken: Man spricht von personalisierter Macht, wenn das rücksichtslose Erleben von eigener Stärke und Überlegenheit im Vordergrund steht. Bei der sozialisierten Macht hingegen steht das Interesse einer größeren Gruppe im Zentrum. Es gibt einige Persönlichkeitseigenschaften, die machtmotiviertes Verhalten von seiner personalisierten Form in sozial verträglichere Bahnen kanalisieren können: Besonders ausgeprägt ist der Zusammenhang zwischen dem Machtmotiv und rücksichtslosem Verhalten z. B., wenn das Anschlussmotiv bzw. die Aktivierungsinhibition nur schwach ausgeprägt sind.
  • Wie hängen Macht und Wohlbefinden zusammen?

    Lösung

    Macht geht mit erhöhtem positivem Affekt und subjektiv eingeschätzter Lebenszufriedenheit einher. Dies lässt sich z. B. dadurch erklären, dass Macht verhaltensbahnend wirkt und Personen sich dadurch in ihrem Verhalten als authentischer erleben. Darüber hinaus lässt sich ein Motivkongruenzeffekt für das Machtmotiv belegen. Das bedeutet, dass die Verfolgung von Machtzielen dann als besonders befriedigend erlebt wird, wenn das implizite Machtmotiv ebenfalls stark ausgeprägt ist. Eine dauerhafte Frustration des Machtmotivs ist schädlich für das Wohlbefinden einer Person und kann sogar gesundheitliche Konsequenzen haben.
  • Welche Befunde sprechen für die Annahme, dass implizite und explizite Motive zwei unterschiedliche Motivationssysteme repräsentieren?

    Lösung

    McClelland, Koestner und Weinberger (1989) führen vier Gruppen von Befunden an:
    1. Messungen beider Arten von Motiven sind statistisch nahezu unabhängig voneinander. Direkte (Fragebögen) und indirekte (TAT) Messverfahren für nominell gleich lautende Motive teilen höchsten 2% gemeinsame Varianz.
    2. Die beiden Arten von Motiven sagen unterschiedliche Verhaltensmerkmale vorher:
    - Implizite Motive: spontanes, selbst initiiertes und langfristiges Verhalten (z. B. die Erhöhung der Anstrengung bei schwierigen Aufgaben; die Häufigkeit, mit der eine Person in ihrem Alltag mit anderen Personen Kontakt aufnimmt).
    - Explizite Motive: Bewusst reflektiertes, willentlich kontrollierbares, an Selbstkonzepten orientiertes Verhalten (z. B. überlegte Entscheidungen und Bewertungen).
    3. Beide Arten von Motiven reagieren auf unterschiedliche Anreize:
    - Implizite Motive: Tätigkeits- und aufgabenimmanente Anreize (z. B. Schwierigkeit und Neuheit beim Leistungsmotiv).
    - Explizite Motive: sozial vermittelte Folgeanreize (z. B. soziale Anerkennung und Wertschätzung für eine Leistung).
    4. Implizite Motive entwickeln sich aus frühen affektiven Lernerfahrungen (z. B. zunehmende Meisterung einer Aufgabe; ungestörte Erfahrungen der sozialen Wirksamkeit), während explizite Motive erst später und dann zumeist in enger Verbindung mit der Ausbildung von sprachlich repräsentierten Selbstkonzepten entwickelt werden.
  • Skizzieren Sie einen Versuchsplan, mit dem Sie die Ergebnisse der Metaanalyse Spanglers (1992) überprüfen könnten. Welche Faktoren müssen variiert werden?

    Lösung

    Es müssen drei Faktoren berücksichtigt werden:
    1. die Methode zur Messung des Leistungsmotivs (indirekt/TAT vs. direkt/Fragebögen),
    2. die Art des Verhaltenskriteriums (spontanes vs. willentlich kontrolliertes Verhalten),
    3. die Art der Leistungsanreize (aufgabenimmanente Anreize vs. sozial-evaluative Anreize).
  • Erläutern Sie den Begriff des „affektiven“ Bedürfnisses anhand des impliziten Leistungsmotivs (speziell für die Annäherungskomponente „Hoffnung auf Erfolg“).

    Lösung

    Die Anregung des impliziten Leistungsmotivs bzw. eines starken Erfolgsbedürfnisses ist mit Erwartungsemotionen verknüpft (Hoffnung auf Erfolg). Diese nehmen ergebnisabhängige Emotionen (Stolz über die Meisterung einer herausfordernden Aufgabe) vorweg und fungieren als Antriebsfeder für die Ausführung instrumentellen Verhaltens. Das Leistungsmotiv ist auf Affektwechsel spezialisiert. Es wird durch eine unbefriedigende Situation angeregt (Schwierigkeiten, eine Aufgabe zu meistern), die in eine emotional befriedigendere Situation überführt werden soll (Meisterung der schwierigen Aufgabe). Dazu dienen Anstrengung und Ausdauer, die im Falle des Erfolgs durch Zufriedenheit und Stolz belohnt werden.
  • French und Lesser (1964) fanden, dass der Ausdruck des Leistungsmotivs durch persönliche Rollenbilder in bestimmte Bahnen kanalisiert wird. Wie könnte eine entsprechende Wechselwirkung zwischen dem Machtmotiv und einer sozialen Wertorientierung aussehen?

    Lösung

    Neben dem Machtmotiv könnte z. B. soziales Verantwortungsbewusstsein als Werthaltung erfasst werden (vgl. dazu Winter & Barenbaum, 1985). In Kombination mit hohem Verantwortungsbewusstsein müsste das Machtmotiv mit prosozialem und generativem Verhalten verbunden sein (z. B. Mitarbeit in Menschenrechtsorganisationen; Bereitschaft zur Übernahme von Führungsaufgaben in Gruppen; Einsatz für Schwächere; Wahl eines pädagogischen Berufs). Bei geringem Verantwortungsbewusstsein müsste das Machtmotiv in egozentrischen und sozial auffälligen Verhaltensweisen zum Ausdruck kommen (kriminelle Delikte; physische Auseinandersetzungen; impulsives, rücksichtsloses Handeln gegenüber anderen; risikoreiches Verhalten im Straßenverkehr; Promiskuität und sexuelles Besitzstreben).
  • Nennen Sie drei Beispiele für Untersuchungen, die zeigen konnten, dass hohe Kongruenz zwischen impliziten und expliziten Motiven nur dann wirklich adaptiv ist, wenn sich die Kongruenz auf einem hohen Niveau der Bedürfnisstärke einstellt.

    Lösung

    Brunstein und Maier (2005) fanden, dass in ich-involvierenden Kontexten nur Personen, die sowohl implizit als auch explizit über ein starkes Leistungsbedürfnis verfügen, ihre Anstrengung steigern, sobald die Gefahr besteht, dass sich die eigene Leistung im Vergleich zu den Leistungen anderer verschlechtern könnte.
    Lang, Zettler, Ewen und Hülsheger (2012) berichteten, dass die Leistungen von Berufstätigen durch deren Vorgesetzte am höchsten eingestuft wurden, wenn die Beschäftigten implizit wie explizit über ein hohes Leistungsmotiv verfügten.
    Hagemeyer, Neberich, Asendorpf und Neyer (2013) konnten zeigen, dass die Zufriedenheit in Paarbeziehungen dann am höchsten ist, wenn das Bedürfnis nach partnerbezogener Nähe sowohl implizit als auch explizit stark ausgeprägt ist.
  • Begründen Sie, warum motivationale Kongruenz auf einem niedrigen Niveau der Bedürfnisstärke weniger vorteilhaft ist.

    Lösung

    Sind in einer bestimmten Verhaltensdomäne (z. B. Leistung oder Intimität) implizite wie explizite Motive schwach ausgeprägt, so werden alle Anreize, die in der betreffenden Domäne existieren, von ihrer Valenz her weitgehend neutralisiert (Valenz = Anreiz × Motiv). Zumindest spontan werden keine starken Handlungsimpulse generiert. Zudem fehlt es an belohnenden Erfahrungen, welche die betreffende Domäne reizvoll und anziehend machen.
  • Welche Persönlichkeitsmerkmale beeinflussen das Ausmaß, in dem sich Personen an Ziele binden, die zu ihren impliziten Motiven thematisch passen?

    Lösung

    Die Fähigkeit, negative Affekte „herabzuregulieren“, um so Zugriff auf affektiv getönte Netzwerke zu erhalten, in denen die eigenen impliziten Präferenzen abgespeichert sind. Nach Kuhl (2001) ist diese Fähigkeit bei handlungsorientierten Personen stärker als bei lageorientierten Personen ausgeprägt (Kap. 13).
    Hohe Selbstbestimmtheit (nach Deci & Ryan, 2002) begünstigt die Wahl von Zielen, die mit eigenen Bedürfnissen kongruent sind, und schützt davor, Ziele ungeprüft zu übernehmen, die eher die Interessen anderer Personen als die eigenen Bedürfnisse widerspiegeln.
    Referentielle Aktivität (nach Bucci, 1984), hier verstanden als die Fähigkeit, verbale Informationen in nonverbale und umgekehrt zu übersetzen. Sensu Epstein (1994) wird hierdurch ein Austausch zwischen dem experientiellen Format, in dem implizite Präferenzen verarbeitet werden, und dem rational-sprachlichen Format, in dem explizite Motive abgespeichert sind, gewährleistet (s. Schultheiss, Patalakh, Rawolle, Liening & MacInnes, 2011).
  • Schultheiss und Brunstein (1999) berichteten, dass Zielimaginationen zu einer höheren Stimmigkeit zwischen ausgewählten Zielen und impliziten Motiven führen. Welche anderen Verfahren könnten gleichfalls dazu beitragen, explizite Ziele auf implizite Handlungsmotive abzustimmen? Nennen Sie Beispiele und begründen Sie deren Wirkung.

    Lösung

    Denkbare Beispiele wären:
    - Training der sozialen Selbstbehauptung (Zurückweisung fremdbestimmter Ziele)
    - Fantasiereisen in die Welt der eigenen Wünsche und Sehnsüchte (Exploration eigener Handlungspräferenzen)
    - Entspannungsverfahren, in denen Fertigkeiten zur Regulation der emotionalen Befindlichkeit unter Stress vermittelt werden (Abbau negativer Affektlagen, welche den Zugang zu impliziten Motiven behindern)
  • Beschreiben Sie drei Forschungsstrategien, die häufig in der Biopsychologie der Motivation zur Anwendung kommen. Womit werden diese Strategien fast immer kombiniert?

    Lösung

    Die biopsychologische Forschung zur Motivation nutzt oft 1. Techniken, die sich experimenteller Läsionen bedienen, um den Beitrag bestimmter Hirnareale zu einem Verhalten zu untersuchen; 2. Aufzeichnungstechniken (z. B. Aufzeichnung der Aktivität einzelner Zellen; In-vivo-Dialyse), um das Verhalten bestimmter Nervenzellen zu untersuchen, und 3. pharmakologische Manipulation der Signalübertragung in den Synapsen, um die Rolle bestimmter Transmittersysteme zu erforschen. Diese Strategien werden fast immer mit behavioralen Methoden kombiniert (z. B. klassische oder instrumentelle Lernverfahren), um aufzuklären, welchen Beitrag bestimmte Hirnareale oder Transmittersysteme bei speziellen kognitiven oder behavioralen Funktionen leisten.
  • Welches sind die wichtigsten Kennzeichen der Motivation aus Sicht der Biopsychologie?

    Lösung

    Motivation basiert auf (erwarteten) angenehmen und unangenehmen Erfahrungen, nachdem ein positiver oder negativer Anreiz aufgefunden wurde, und stellt einen Maßstab für die mögliche Bevorzugung bestimmter Handlungen dar. Motiviertes Verhalten kann darauf gerichtet sein, Belohnungen zu bekommen (Annäherungsmotivation) oder Strafreize von sich fernzuhalten (Vermeidungsmotivation). Motivation besteht aus zwei unterschiedlichen Phasen: einer eigentlichen motivierenden Phase, in der die Person darauf aus ist, eine Belohnung zu bekommen (oder einen Strafreiz zu vermeiden), und einer Bewertungsphase, in der die Person die Belohnung vollzieht und bewertet, wie gut sie ist. Obwohl es viele unterschiedliche Klassen von Belohnungen gibt (z. B. Nahrung, Sex, Dominanz), kann es bei allen um ähnliche motivationale Prozesse gehen (z. B. Festigung einer Reaktion, Lernen). Motiviertes Verhalten verändert seine Ziele dynamisch in Abhängigkeit davon, wie lange es zurückliegt, dass ein bestimmtes Bedürfnis befriedigt wurde, und welche Arten von Anreizen in einer gegebenen Situation zur Verfügung stehen. Eine Motivation kann durch ein physiologisches Bedürfnis, das Vorhandensein von Anreizen oder durch beides zusammen herbeigeführt werden. Die Motivation nutzt und formt das Lernen von Zusammenhängen zwischen Reiz und Reiz (klassische Konditionierung) und zwischen Zielen und Mitteln (instrumentelle Konditionierung). Bei biopsychologischen Motivationsansätzen wird nicht angenommen, dass Motivation volle Bewusstheit erfordert, sondern es wird anerkannt, dass spezialisierte Hirnsysteme beim Menschen das bewusste Setzen und die bewusste Ausführung von Zielen absichern.
  • Welches ist die Schlüsselfunktion der Amygdala im Zusammenhang mit der Motivation?

    Lösung

    Die Amygdala formt Assoziationen zwischen affektiv neutralen Stimuli (CS) und den affektiv aufgeladenen Ereignissen oder Stimuli (US), die zuverlässig durch sie vorhersagbar sind. In diesem Prozess nehmen die prädiktiven Reize selbst eine affektive Bedeutung an und können motivationale Zustände herbeiführen. Die Amygdala wirkt somit als motivationaler Apparat, mit dessen Hilfe man sich auf etwas konzentriert und der es Menschen ermöglicht, ihren physiologischen Zustand und ihr offenes Verhalten an Hinweisreize anzupassen, aufgrund derer sich das Vorkommen unkonditionierter Belohnungen und Bestrafungen vorhersagen lässt und die sie näher zum Ersteren und weiter weg vom Letzteren bringen.
  • Welches ist die Schlüsselfunktion des Striatum im Zusammenhang mit der Motivation?

    Lösung

    Das Striatum hat zwei Hauptfunktionen im Zusammenhang mit der Motivation, die beide durch den Neurotransmitter Dopamin vermittelt werden: Das ventrale Striatum ist entscheidend für die Verstärkung bestimmter Verhaltensweisen in Reaktion auf Belohnungen, wohingegen das dorsale Striatum beim Erlernen von Ursache-Wirkung-Zusammenhängen und selektiven Verhaltensweisen, die instrumentell für die Belohnungserhaltung (oder Bestrafungsvermeidung) sind, eine wichtige Rolle spielt.
  • Welches ist die Schlüsselfunktion des orbitofrontalen Cortex (OFC) im Zusammenhang mit der Motivation?

    Lösung

    Das OFC bewertet, wie gut die primären und sekundären (also gelernten) Belohnungen sind. Dies erfolgt aufgrund des momentanen Bedürfniszustands der Person, ihrer Lernerfahrungen und ihrer Konfrontation mit der Belohnung in der Zeit davor.
  • Welches ist die Schlüsselfunktion des lateralen präfrontalen Cortex (LPFC) im Zusammenhang mit der Motivation?

    Lösung

    Das LPFC lenkt das Verhalten durch die Festlegung komplexer, verbal repräsentierter Ziele und Pläne für deren Umsetzung. Es beeinflusst auch das Verhalten, indem es das reguliert, was aus dem Netz der Anreizmotivation im Gehirn nach außen dringt. Und es kann die expliziten Ziele von der Beeinflussung durch die vom Anreiz geleiteten motivationalen Impulse abschirmen.
  • Was ist der Unterschied zwischen aktiver und passiver Vermeidung? Welche Motivationsstruktur im Gehirn spielt eine entscheidende Rolle bei Ersterem, aber nicht bei Letzterem?

    Lösung

    Der Unterschied zwischen aktiver Vermeidung und passiver Vermeidung besteht darin, dass bei Letzterer Verhalten gehemmt wird, um eine Bestrafung zu vermeiden, während bei Ersterer Verhalten ausgeführt wird, um Sicherheit zu erreichen. Die Funktionen des mesolimbischen Dopaminsystems spielen eine entscheidende Rolle bei der aktiven, aber nicht bei der passiven Vermeidung.
  • Was ist Alliästhesie? Führen Sie ein Beispiel dafür an.

    Lösung

    Alliästhesie ist die sich verändernde subjektive Bewertung einer Belohnung, nachdem man wiederholt mit ihr konfrontiert wurde oder wenn unterschiedliche Reizkontexte vorliegen. So nehmen die meisten Menschen ein Stück Schokolade als recht wohlschmeckend und angenehm war, sie würden aber mit Übelkeit und Aversion reagieren, wenn sie ein Kilo davon gegessen hätten.
  • Stellen Sie sich vor, Sie hätten gerade ein üppiges Essen hinter sich. Beschreiben Sie die Signale, die an Ihren Hypothalamus ausgesandt werden, um darauf hinzuweisen, dass Sie satt sind, und stellen Sie dar, wie die Neuropeptidsysteme im Hypothalamus reagieren würden.

    Lösung

    Der Leptinspiegel im Blut nimmt zu; der Spiegel des CCK aus dem Darm steigt ebenfalls an. Das CCK sendet Signale an den Nervus vagus aus. Leptin und CCK bzw. das CCK-Signal vom Nervus vagus wirken auf den Hypothalamus ein, damit die Aktivität der α-MSH-Nervenzellen zunimmt und die Aktivität der NPY-Nervenzellen abnimmt.
  • Wie unterscheiden sich Opioide und das NPY in Bezug auf die Steuerung der Nahrungsaufnahme bzw. die Motivation zu essen?

    Lösung

    Das NPY ist an einer Form von Hunger beteiligt, der sich an Energiebedürfnissen orientiert. Das NPY bringt Lebewesen dazu, mit Vorliebe das kalorienreichste Essen zu wählen, das es gibt, selbst auf Kosten des Geschmacks. Opioide haben etwas mit der Motivation zu tun, mit Freude zu essen. Opioide verleiten Lebewesen dazu, sich für die wohlschmeckendere Option zu entscheiden, und zwar auf Kosten von Kalorien und von Energie.
  • Beschreiben Sie eine Rolle, die Opioide bei Anschluss oder bei Bindung spielen.

    Lösung

    Alle folgenden: 1. Opioide lassen die Verzweiflung bei ganz jungen Säugetieren, die von ihrer Mutter getrennt wurden, abnehmen; dies ist ein Hinweis darauf, dass die Opioidsysteme etwas mit der Bindung zwischen Eltern und Säugling zu tun haben. 2. Bei Primaten sind die Opioide an der Motivation beteiligt, sich gegenseitig zu putzen. 3. Beim Menschen können die Opioidsysteme etwas mit Anschlussgefühlen zu tun haben; dies wird durch Folgendes belegt: Menschen mit einem ausgeprägten Persönlichkeitsmerkmal der „sozialen Nähe“ haben eine höhere Schmerztoleranz, nachdem sie einen Film gesehen haben, in dem Anschluss ein Thema war. Hier handelt es sich um einen Effekt, der durch einen Opioidantagonisten gehemmt wurde.
  • Beschreiben Sie die Rolle des Oxytocins bei der Bindung zwischen Eltern und Nachwuchs sowie zwischen Partnern. Ist Oxytocin erforderlich, um eine Bindung in Gang zu setzen? Für die Aufrechterhaltung der Bindung? Reicht das aus?

    Lösung

    Man braucht einen hohen Oxytocinspiegel im Blut, um eine Bindung zwischen Eltern und Nachwuchs sowie zwischen Partnern auszubilden. Oxytocin allein reicht jedoch nicht aus – andere Hormone und Lernfaktoren sind ebenfalls erforderlich. Oxytocin ist nicht notwendig für die Aufrechterhaltung der Bindung, wenn sie sich erst einmal ausgebildet hat.
  • Was ist der Unterschied zwischen intrasexuellem und intersexuellem Wettbewerb?

    Lösung

    Intrasexueller Wettbewerb tritt auf, wenn die Angehörigen eines Geschlechts miteinander kämpfen oder konkurrieren, um festzulegen, wer Zugang zu den Angehörigen des anderen Geschlechts haben darf. Dagegen kommt es zu intersexuellem Wettbewerb, wenn die Angehörigen eines Geschlechts als potentielle Paarungspartner um Aufmerksamkeit und Anerkennung der Angehörigen des anderen Geschlechts wetteifern.
  • Worin besteht der Zusammenhang zwischen Dominanz und Aggression?

    Lösung

    Aggression ist eine Form des Dominanzverhaltens. Jedoch nicht alle Formen der Aggression dienen der Dominanz (Raubtieraggression oder defensive Aggression zielen nicht auf Dominanz ab). Und Dominanz umfasst auch nichtaggressive Verhaltensweisen, die besonders wichtig für den Erfolg von Primatenarten sind.
  • Welche Struktur im Hypothalamus spielt eine entscheidende Rolle bei der Dominanz, und wie lässt sich das veranschaulichen?

    Lösung

    Der Nucleus anterior (NA) im Hypothalamus spielt eine entscheidende Rolle bei der Dominanz; dies lässt sich durch die Piloerektion und durch den seitlichen Angriff erfassen. Wenn der NA verletzt wird, geht das Dominanzverhalten zurück; wird der NA stimuliert, wird das Dominanzverhalten gefördert.
  • Worin besteht der Zusammenhang zwischen Dominanz und Sexualhormonen?

    Lösung

    Ein hoher Spiegel an Sexualhormonen (vor allem Testosteron, aber auch Estradiol) fördert dominantes und aggressives Verhalten; und Erfolg bei durch Dominanz geprägten Interaktionen kann umgekehrt den Spiegel der Sexualhormone ansteigen lassen. Daher ist der Zusammenhang zwischen Dominanz und Sexualhormonen wechselseitig.
  • Durch welche Mechanismen kommen die schnellen Testosteronveränderungen zustande, die man beobachtet, wenn die männliche Dominanz infrage gestellt wird?

    Lösung

    Bei Angehörigen des männlichen Geschlechts werden schnelle Veränderungen der Testosteronausschüttung durch die stimulierenden Wirkungen der Sympathikus-Katecholamine (Norepinephrin und Epinephrin) und die hemmenden Wirkungen des Cortisols auf die Hoden gesteuert. Bei dominanten Individuen gleicht der Effekt der Sympathikus-Katecholamine den des Cortisols aus, woraus sich unter dem Strich eine Zunahme des Testosteronspiegels ergibt. Bei nichtdominanten Individuen gleicht der Effekt des Cortisols den der Sympathikus-Katecholamine aus, was zu einer Senkung des Testosteronspiegels führt.
  • Welche Zentren im Hypothalamus regulieren das männliche und das weibliche Sexualverhalten und welche besonderen Aspekte des Sexualverhaltens hängen speziell von diesen Zentren ab?

    Lösung

    Der ventromediale Nucleus (VMN) und das mediale präoptische Areal (MPOA) im Hypothalamus sind jeweils die Steuerungszentren für das Sexualverhalten bei Angehörigen des weiblichen und des männlichen Geschlechts. Bei Angehörigen des weiblichen Geschlechts hängen sowohl Prozeptivität (aktive Einforderung des sexuellen Interesses bei Angehörigen des männlichen Geschlechts) und Rezeptivität (Bereitschaft, es Männchen zu gestatten, sich mit ihnen zu paaren) von einem intakten VMN und einem ausreichend hohen Estradiol- und Progesteronspiegel ab. Bei Angehörigen des männlichen Geschlechts beruht die Kopulationsfähigkeit auf einem intakten MPOA und auf einem ausreichend hohen Testosteronsspiegel, während es bei der sexuellen Motivation nicht auf das MPOA ankommt.
  • Welche Belege deuten darauf hin, dass die Steuerungszentren für das Sexualverhalten im Hypothalamus funktionell in andere Strukturen des zerebralen Netzes der Anreizmotivation integriert sind, die für die sexuelle Motivation zuständig sind?

    Lösung

    Weibliche Ratten in der fruchtbaren Phase weisen beim Anblick einer männlichen Ratte eine erhöhte Dopaminausschüttung im Nucleus accumbens auf und diese erhöhte Dopaminausschüttung ist Ausdruck einer größeren Motivation, sich dem Männchen zu nähern. Bei Männchen führt eine Verringerung der Dopaminübertragung im mesolimbischen Dopaminsystem zu einer Abnahme der sexuellen Motivation; doch dies hat keinen Einfluss auf die Kopulationsfähigkeit. Zudem führen Läsionen am MPOA bei Männchen zum Verlust der Kopulationsfähigkeit, während die sexuelle Motivation erhalten bleibt. Wenn umgekehrt die Amygdala verletzt wird und das MPOA verschont wurde, sind die männlichen Ratten nicht mehr motiviert, Zugang zu einem Weibchen in der fruchtbaren Phase zu bekommen, sie sind aber in der Lage, mit ihm zu kopulieren, wenn man sie auf sie legt. Diese Befunde deuten darauf hin, dass die sexuelle Motivation nicht nur vom Hypothalamus abhängt, um kopulieren zu können, sondern auch von der Amygdala und dem mesolimbischen Dopaminsystem; sie lenken das Verhalten eines Tiers, das darauf gerichtet ist, Zugang zu einem Partner zu bekommen, und festigen es.
  • Welche Faktoren und Prozesse spielen bei der Zielsetzung eine Rolle?

    Lösung

    Gemäß den sehr einflussreichen Erwartung-Wert-Theorien basiert die Entscheidung für ein Ziel (Zielsetzung) auf der Realisierbarkeit (Erwartung) sowie der Attraktivität (Wert) des Ziels, die ihrerseits von vielfältigen person- und situationsseitigen Einflussfaktoren abhängen (z. B. Selbstwirksamkeits- bzw. Kontrollüberzeugungen, Aufgabenschwierigkeit, Attributionsstil, implizites Leistungs-, Anschluss-, Machtmotiv, Werte). Die Stärke der Bindung an ein Ziel (Commitment) ist ein wichtiger Prädiktor für den Erfolg beim Zielstreben. Sie kann durch das sog. mentale Kontrastieren (zusammenfassend Oettingen, 2012) gefördert werden. Hierbei werden die antizipierten positiven Anreize der Zielerreichung in der Fantasie ausgekostet, gleichzeitig jedoch mit den zu überwindenden Handlungsanforderungen und Schwierigkeiten kontrastiert. Dies führt dazu, dass die Zielbindung sich an der subjektiven Realisierbarkeit ausrichtet – unrealistische Ziele werden erst gar nicht gewählt, an realistische Ziele bindet man sich umso entschlossener.
  • Worin besteht in funktionaler Hinsicht der Vorteil, dass zielbezogene Konzepte in einem erhöhten Aktivationszustand im Gedächtnis repräsentiert sind?

    Lösung

    Ziele verbleiben in einem erhöhten Aktivationszustand, bis sie erreicht werden. Das bedeutet, dass sie auch dann nicht vergessen werden, wenn sich gerade keine Gelegenheit zum Handeln ergibt oder eine Handlungssequenz unterbrochen werden muss (Goschke & Kuhl, 1993). Die Zielverfolgung kann also wieder aufgenommen werden, sobald sich neue Gelegenheiten bieten und Hindernisse aus dem Weg geschafft wurden. Der erhöhte Aktivationszustand erleichtert es außerdem, solche Gelegenheiten zur Zielverfolgung zu erkennen. Wer z. B. einen Brief abschicken möchte, dem fällt es leichter, Briefkästen in seiner Umgebung zu identifizieren, wenn das Ziel „Brief abschicken“ kognitiv aktiviert bleibt, bis ein Briefkasten gefunden wurde. Gleichzeitig hemmen aktive Ziele Gedanken an Versuchungen, die mit diesen Zielen konkurrieren (Fishbach, Friedman, & Kruglanski, 2003), und schirmen Gedanken an weniger wichtige Alternativziele ab („goal shielding“; Shah, Friedman, & Kruglanski, 2002). So kann Verhalten dauerhaft auf antizipierte Anreize ausgerichtet werden, anstatt in erster Linie von direkten Reizen aus dem Körperinneren oder aus der Umwelt abzuhängen.
  • Diskutieren Sie die Vor- und Nachteile, die sich daraus ergeben, dass Personen mehrere Ziele in verschiedenen Lebensbereichen verfolgen. Unter welchen Bedingungen hat dies Vorteile, welche Schwierigkeiten ergeben sich jedoch auch daraus?

    Lösung

    Ziele können sich gegenseitig unterstützen. Wer Ziele verfolgt, die sich gegenseitig fördern (z. B. einen Marathonlaufen zu gewinnen und 5 kg abzunehmen), erlebt stärkere positive Gefühle (Riediger & Freund, 2004). Auch wenn sich in Bezug auf ein fokales Ziel Misserfolge häufen und die Ablösung von diesem Ziel nötig wird, kann es helfen, nicht „alles auf eine Karte gesetzt“ zu haben und sich nach der Zielablösung alternativen Zielen zuwenden zu können (z. B. Miller & Wrosch, 2007; Wrosch, Scheier & Miller, 2013).
    Schwierigkeiten ergeben sich möglicherweise daraus, dass Ressourcen zur Zielverfolgung, wie z. B. Zeit, Energie, Geld oder soziale Unterstützung, begrenzt sind. Ziele, die die gleichen Ressourcen beanspruchen, können daher miteinander in Konflikt geraten. Wer z: B. sowohl anstrebt, in wenigen Monaten an einem Triathlon teilzunehmen als auch mehr Zeit im Büro zu verbringen, um befördert zu werden, mag z.B. an die Grenzen seiner zeitlichen Kapazitäten geraten. Laut einer Studie von Emmons und King (1988) leiden Personen, die miteinander konfligierende Ziele verfolgen, stärker unter negativem Affekt, Depressionen und psychosomatischen Symptomen, was teilweise durch ein geringeres Ausmaß an Zielfortschritt erklärt werden kann.
  • Welche Rolle spielen positive und negative Gefühle in der Zielverfolgung? Wie entstehen sie im Rahmen der Zielverfolgung und welche Folgen haben sie auf das zielbezogene Verhalten?

    Lösung

    Laut kybernetischer Kontrolltheorie (z. B. Carver & Scheier, 1990) und empirischen Studien (z. B. Brunstein, 1993) resultiert positiver Affekt aus hohem Zielfortschritt, wohingegen negativer Affekt als Folge von geringem Zielfortschritt auftritt. (Die kybernetische Kontrolltheorie macht die spezifische Annahme, dass unerwartet hoher und unerwartet niedriger Zielfortschritt positiven bzw. negativen Affekt auslösen.) Positiver und negativer Affekt erfüllen somit eine Art Feedbackfunktion und steuern darüber hinaus nachfolgendes Verhalten: Negativer Affekt löst eine Anstrengungssteigerung in Bezug auf das fokale Ziel aus („Pushing“), wohingegen positiver Affekt dazu verleitet, die Anstrengung in Bezug auf das fokale Ziel vorerst zu reduzieren („Coasting“) und vorhandene Ressourcen ggf. zwischenzeitlich für andere Ziele einzusetzen.
  • Was sind die Merkmale „guter“ Ziele, die Leistung und Wohlbefinden fördern?

    Lösung

    Laut Zielsetzungstheorie sind spezifische und schwierige Ziele leistungsförderlich und „Tu-dein-Bestes“-Zielen gegenüber vorzuziehen. Wichtig ist jedoch, dass auch schwierige Ziele prinzipiell erreichbar sind, Personen also über Ressourcen und Fähigkeiten für ihre erfolgreiche Verfolgung verfügen, und der eigene Zielfortschritt – oder der Mangel daran – erkennbar ist (z. B. Locke & Latham, 1990; 2013).
    Relativ konkrete Ziele sind sehr abstrakten Zielen gegenüber ebenfalls von Vorteil. Sie ermöglichen es, besser den eigenen Zielfortschritt zu beurteilen, was eine Voraussetzungen für Anpassungen des eigenen Verhaltens darstellt. Die Verfolgung abstrakter Ziele kann hingegen mit einem höheren Stressempfinden und einer stärkeren Erfahrung depressiver Symptome einhergehen (Emmons, 1992).
    Des Weiteren wirken sich, insbesondere für junge Erwachsene, Annäherungsziele positiver auf Leistung und Wohlbefinden aus als Vermeidungsziele. Vermeidungsziele reduzieren die subjektive Verfügbarkeit selbstregulatorischer Ressourcen und das Wohlbefinden (Oertig et al., 2013). Sie reduzieren, relativ zu Annäherungszielen, außerdem Anstrengung und Ausdauer bei der Zielverfolgung, was sich wiederum negativ auf die Leistung auswirkt (Elliot, McGregor, & Gable, 1999). Vermeidungsziele rücken nämlich unerwünschte Möglichkeiten, wie das eigene Versagen, in den Mittelpunkt des eigenen Handelns, wodurch sie u. a. dazu verleiten, zielrelevante Situationen eher zu meiden als sie aufzusuchen (Derryberry & Reed, 2002; Elliot & McGregor, 1999; Öhman, Flykt, & Esteves, 2001).
    Insbesondere wenn Personen ihre eigenen Fähigkeiten anzweifeln, ermöglichen Lernziele es, konstruktiv mit Rückschlägen umzugehen, während Performanzziele der Leistung abträglich sind (z. B. Ames & Archer, 1988; Eliott & Dweck, 1988; Grant & Dweck, 2003). Insbesondere Performanz-Vermeidungsziele, die darauf abzielen, die eigene Unfähigkeit zu verbergen, führen dazu, dass Personen Prüfungen mit Angst begegnen und schlechtere Leistungen erreichen. Performanz-Annäherungsziele können sich hingegen positiv auswirken, da sie dazu führen, dass Personen Prüfungen als positive Herausforderung statt als Bedrohung sehen, sich höhere Ziele setzen und schließlich bessere Leistungen erreichen (Grant & Dweck, 2003; McGregor & Elliott, 2002).
  • Oettingen und Kollegen haben in ihrer Forschung zur Fantasierealisierung zeigen können, dass das reine Schwelgen in positiven Fantasien (nach dem Motto: „Think positive! Du bist schön, Du bist erfolgreich, Du hast es geschafft!“) Zielbindung und Zielengagement dämpft. Wie lässt sich dieser vielfach replizierte Befund erklären?

    Lösung

    Wenn man in positiven Fantasien schwelgt, d. h. sich lebhaft ausmalt, welche positiven Konsequenzen die Zielerreichung nach sich ziehen wird, werden Aspekte der Zielerreichung gedanklich schon vorweggenommen, wodurch bereits eine gewisse Bedürfnisbefriedigung eintritt (z. B. positives Erleben, Selbstbekräftigung). Dadurch wird die Notwendigkeit zum Handeln reduziert.
  • Was versteht man unter „ego depletion“ im Sinne von Baumeister et al. (1998)? Wie erklären die Autoren dieses Phänomen?

    Lösung

    Man versteht darunter den Sachverhalt, dass Menschen nach einer Aufgabe, die Selbstkontrolle verlangt, bei einer zweiten, ebenfalls Selbstkontrolle erfordernden Aufgabe unter ihrem Leistungsniveau bleiben. Baumeister, Bratlavsky, Muraven und Tice (1998) erklären dieses Phänomen damit, dass die Willenskraft eine begrenzte Ressource sei, die sich durch Einsatz erschöpft (vergleichbar der Muskelkraft, die bei anhaltender Muskelanspannung schwindet) und sich durch Ruhephasen erst wieder aufbauen muss.
  • Welche theoretischen Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede bestehen zwischen den zentralen volitionspsychologischen Konzepten der Handlungskontrollstrategien (Kuhl, 1994), der planende Bewusstseinslage (Heckhausen & Gollwitzer, 1987) sowie Implementierungsintentionen (Gollwitzer, 1993)?

    Lösung

    Gemeinsamkeiten zwischen den zentralen volitionspsychologischen Konzepten der Handlungskontrollstrategien (Kuhl, 1994), der planende Bewusstseinslage (Heckhausen & Gollwitzer, 1987) sowie Implementierungsintentionen (Gollwitzer, 1993) bestehen darin, dass sie sich alle auf die Zielrealisierung beziehen und den Blick über die klassischen Erwartung-Wert-theoretischen Konstrukte hinaus auf weitere relevante Einflussfaktoren und vermittelnde Mechanismen erweitern. Übereinstimmend gehen Vertreter dieser theoretischen Konzeptionen davon aus, dass selbst hoch attraktive und erreichbare Ziele nicht in die Tat umgesetzt werden, weil sich der Zielrealisierung die unterschiedlichsten Schwierigkeiten entgegenstellen können (z. B. konkurrierende Ziele, Ablenkungen, Abneigung gegen die zielführende Tätigkeit). Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass im Zusammenhang mit allen drei Konzepten einerseits kognitive Prozesse thematisiert werden (z .B. in Hinblick auf Aufmerksamkeitsprozesse, kognitive Repräsentationen zielbezogener Inhalte), andererseits sowohl bewusst gesteuerte als auch unbewusst (automatisch ablaufende) Prozesse angenommen werden. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass im Zusammenhang mit dem Konzept der planenden Bewusstseinslage und der Implementierungsintention keine, im Hinblick auf Handlungskontrollstrategien jedoch interindividuelle Unterschiede angenommen werden. Ferner werden Handlungskontrollstrategien in Beziehung zu affektiven Prozessen gesetzt, was im Zusammenhang mit Bewusstseinslagen und Implementierungsintentionen in keiner Weise der Fall ist.
  • Welche Zielorientierung (Lern- vs. Performanzziele) halten Sie für Führungskräfte und Lehrpersonen für günstiger?

    Lösung

    Führungskräfte mit einer Lernzielorientierung vermitteln ihren Mitarbeitenden, dass es wichtig ist, neues Wissen oder neue Fähigkeiten zu erwerben. Das bedeutet, dass sie wohl auch eher Personalentwicklungsmaßnahmen fördern und Mitarbeitende diese auch eher in Anspruch nehmen (weil ihre Führungskraft dieses Verhalten schätzt). Führungskräfte mit einer Lernzielorientierung ermöglichen auch eine konstruktive Fehlerkultur: Anstatt zu vermitteln, dass ein Mitarbeiter, der einen Fehler gemacht hat, „versagt“ hat, weil er bestimmte Fähigkeiten nicht besitzt, wie eine Performanzzielorientierung nahelegen würde, wird kommuniziert, dass Fehler Verbesserungspotenzial auf Seiten des Mitarbeiters oder in Bezug auf Arbeitsprozesse aufzeigen. Performanz-Annäherungsziele können dann sinnvoll sein, wenn die Führungskraft selbst (zu Recht) ein hohes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die ihrer Mitarbeitenden besitzt. In dem Fall können aus der Annäherungsorientierung ambitionierte Zielsetzungen resultieren, die wiederum laut Locke und Latham (z. B. 1990, 2013) bessere Leistungen vorhersagen. Leistungs-Vermeidungsziele führen hingegen zu weniger ambitionierten Zielsetzungen, weil Führungskräfte danach streben, ihre eigene Unfähigkeit vor ihren Mitarbeitenden zu verbergen, und dies am ehesten bei anspruchslosen Zielen gewährleistet ist.
  • Inwiefern kann die Ablösung von einem Ziel ein Zeichen von gelungener Handlungsregulation sein?

    Lösung

    In der Motivationspsychologie hat man lange auf die Bedingungen fokussiert, die Ausdauer und Hartnäckigkeit beim Zielstreben fördern (z. B. Wrosch et al., 2003). Dies verwundert nicht, würden wir doch ohne Persistenz (angesichts von Schwierigkeiten, Rückschlägen oder Handlungsunterbrechungen) keines unserer Ziele je erreichen und – noch gravierender – keinerlei Kompetenzen erwerben. Gleichzeitig ist jedoch auch die Fähigkeit, sich von zunehmend unrealistischen oder unattraktiven Zielen zu lösen, eine wichtige Voraussetzung für Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Bleibt man einem in dieser Hinsicht fragwürdigen Ziel verhaftet, häufen sich möglicherweise die Rückschläge und Frustrationserlebnisse, was einerseits das emotionale Befinden beeinträchtigt, andererseits Ressourcen (z. B. Zeit, Geld, Energie) für produktivere Ziele bindet.
  • Welche vier Phasen unterscheidet das Rubikon-Modell der Handlungsphasen?

    Lösung

    Unterschieden werden die prädezisionale, die postaktionale, die aktionale und die postaktionale Handlungsphase.
  • Am Ende welcher Phase des Rubikon-Modells wird eine verbindliche Intention gebildet und somit »der Rubikon« überschritten?

    Lösung

    Am Ende der prädezisionalen Phase.
  • Welche Effekte auf die Selbsteinschätzung werden durch die abwägende bzw. die planende Bewusst-seinslage generiert?

    Lösung

    Durch Induktion der planenden Bewusstseinslage erfolgt eine positivere Einschätzung der eigenen Person als durch Induktion der abwägenden Bewusstseinslage.
  • Wie wird die planende Bewusstseinslage, wie die abwägende Bewusstseinslage experimentell manipuliert?

    Lösung

    Für die Induktion jeder Bewusstseinslage gibt es zwei Möglichkeiten: - Planende Bewusstseinslage: 1. Man lässt Versuchspersonen zwischen Alternativen wählen, d. h. eine Entscheidung treffen; 2. Man lässt Versuchspersonen verschiedene Handlungsschritte (wann, wo und auf welche Weise) »planen«, die dazu führen sollen, einen bestimmten Wunsch in die Tat umzusetzen. - Abwägende Bewusstseinslage: 1. Versuchspersonen werden in einem Entscheidungsprozess unterbrochen; 2. Versuchspersonen wägen positive und negative kurz- und langfristige Folgen von Handlungen und Nichthandlungen ab.
  • Welche Effekte hat die abwägende Bewusstseinslage, welche Effekte die planende Bewusstseinslage auf die Informationsverarbeitung?

    Lösung

    Die abwägende Bewusstseinslage bewirkt, dass ein Handelnder sich generell mehr »abwägende« Gedanken macht, abwägende Gedanken besser erinnern kann als planende Gedanken, generell sehr offen für Informationen ist (diese objektiv und un-parteiisch verarbeitet), außerdem ist die Aufmerksamkeit breit gestreut; in der planenden Bewusstseinslage sind diese Effekte genau umgekehrt.
  • Nach Induktion welcher Bewusstseinslage werden Ziele eher realisiert?

    Lösung

    Nach Induktion der planenden Bewusstseinslage.
  • Welche Auswirkungen hat eine abwägende Bewusstseinslage auf die Einschätzung von Partnerschaften?

    Lösung

    Hängt vom Commitment des jeweils befragten Partners hinsichtlich seiner Partnerschaft ab: ist dieses hoch, dann wird nach Induktion einer abwägenden Bewusstseinslage der Partner positiver bewertet als nach Induktion einer planenden Bewusstseinslage; ist das Commitment niedrig, sind die Effekte genau umgekehrt.
  • Wie wird eine »Zielintention« definiert?

    Lösung

    Zielintentionen sind erwünschte Endzustände, die ein Handelnder erreichten möchte; sie besitzen das Format »Ich will X erreichen!«
  • Wie wird ein »Vorsatz« definiert?

    Lösung

    Bei Vorsätzen handelt es sich um so genannte »Wenn-Dann-Pläne«, die spezifizieren, unter welchen Bedingungen man welches zielgerichtete Verhalten zeigen will.
  • Was will man mit Vorsätzen erreichen?

    Lösung

    Besonders schwierig zu realisierende Zielintentionen sollen hinsichtlich ihrer Verwirklichung unterstützt werden.
  • Welche Moderatorvariablen gibt es hinsichtlich der Wirkung von Vorsätzen?

    Lösung

    Es gibt folgende Moderatorvariablen: - Schwierigkeitsgrad der zu realisierenden Zielintention, - Commitment auf die Zielintention, - Commitment auf den Vorsatz, - Aktivierungsgrad der Zielintention.
  • Erfordert die Realisierung von Vorsätzen kognitive Ressourcen?

    Lösung

    Die Realisierung von Vorsätzen basiert auf automatischen Prozessen und erfordert deshalb keine kognitiven Ressourcen.
  • Welche positiven Effekte können Vorsätze im Gesundheitsbereich haben?

    Lösung

    Beispiele: Regelmäßige Einnahme von Vitaminpillen; Teilnahme an Krebsvorsorgeuntersuchungen; regelmäßiges Training von Hüftgelenkspatienten.
  • Wie können unerwünschte Effekte wie Stereotypisierung anderer Personen durch Vorsätze verhindert werden?

    Lösung

    - Indem man sich einen Vorsatz fasst, der entweder die Aktivierung oder die Anwendung des unerwünschten Verhaltens inhibiert; - im »Wenn-Teil« des Vorsatzes sollte entsprechend eine Situation oder ein Reiz spezifiziert werden, der eine Aktivierung bzw. eine Anwendung eines Stereotyps ziemlich wahrscheinlich macht; - im »Dann-Teil« des Vorsatzes sollte ein zielgerichtetes Verhalten definiert werden, das dazu in der Lage ist, das Stereotyp zu inhibieren (z. B. indem es individuierende Eindrucksbildungsprozesse startet oder bereits gestartete unterstützt).
  • Warum erleichtert die Berücksichtigung individueller Unterschiede das Auffinden allgemeiner Gesetze?

    Lösung

    Das Ignorieren von individuellen Unterschieden kann als eine der Ursachen für die vielen inkonsistenten Effekte in der experimentellen Psychologie angesehen werden (Vergleich: Würde man das Gewicht von fallenden Objekten nicht messen - etwa um das »allgemeine«, d. h. von individuellen Unterschieden »unabhängige« Fallgesetz zu finden - so käme man nie zu dem bekannten Fallgesetz, dessen Allgemeingültigkeit gerade darauf beruht, dass es individuelle Unterschiede in der Masse fallender Körper berücksichtigt).
  • Was ist der Unterschied zwischen Bedürfnissen und Motiven?

    Lösung

    Bedürfnisse sind subkognitive und subaffektive Ist-Sollwert-Diskrepanzen, die Verhalten auslösen können (allerdings relativ starres), selbst wenn sie nicht kognitiv repräsentiert oder durch Affekte unterstützt werden. Motive sind nicht bewusstseinspflichtige, kognitive Repräsentationen, die aus bedürfnisrelevanten autobiografischen Erfahrungen implizite Netzwerke von Handlungsmöglichkeiten und zu erwartenden Folgen extrahieren und kontextangemessenes, flexibles und kreatives Verhalten bei der Befriedigung von Bedürfnissen ermöglichen.
  • Welche Systemkonfigurationen (von Affekten und kognitiven Funktionen) sind für das Leistungs- bzw. Anschlussmotiv besonders adaptiv?

    Lösung

    Für die Anschlussmotivation kann ein beständiger positiver Affekt durchaus adaptiv sein (z. B. weil er die für zwischenmenschliche Beziehungen wichtige intuitive Verhaltenssteuerung erleichtert). Dagegen ist für das Leistungsmotiv der Affektwechsel von der Hemmung zur Bahnung positiven Affekts unverzichtbar (von der »Frustrationstoleranz« zur Selbstmotivierung): Die Fähigkeit, einen Zustand reduzierten positiven Affekts zu tolerieren, ist wichtig, um Schwierigkeiten auszuhalten statt ihnen auszuweichen (was durch die Beibehaltung eines schwierigen Ziels im Intentionsgedächtnis unterstützt wird). Um dann, wenn eine Lösung gefunden ist, auch wirklich handeln zu können, ist es notwendig, die gedämpfte Stimmung wieder auflösen und sich für die entsprechende Handlung motivieren zu können.
  • Warum können Motive als Komponenten der Selbststeuerung betrachtet werden?

    Lösung

    Motive sind bedürfnisrelevante Komponenten des impliziten Selbstsystems, das aufgrund seiner Einbindung emotionaler und somatosensorischer Prozesse, seiner integrativen Kompetenz und seiner parallelen Verarbeitungscharakteristik die Grundlage für die Überwachung und Koordination aller kognitiven und affektiven Prozesse bietet, die das Verhalten so steuern, dass es einer Vielzahl persönlicher Bedürfnisse, Ziele, Werte und anderer selbstdefinierender Merkmale gerecht wird.
  • Warum misst man Motive mit »narrativen« Methoden?

    Lösung

    Da Motive aus einer Vielzahl erlebter autobiografischer Episoden, d. h. aus der persönlichen »Geschichte« entstehen, erreicht man das hohe kognitive Integrationsniveau von Motiven am besten, wenn man Personen Geschichten erfinden lässt. Fragebögen messen dagegen die bewussten Ziele, die durchaus von den impliziten Bedürfnissen und Motiven abweichen können (z. B. bei nicht ins Selbst integrierten Leistungsintrojekten, die psychosomatische Symptome auslösen können: Abb. 12.4).
  • Wie unterscheidet sich der OMT vom TAT?

    Lösung

    Der Operante Motivtest (OMT) erfordert im Unterschied zum Thematischen Auffassungstest (TAT) nicht das Erzählen der imaginierten Geschichten, sondern lediglich das Aufschreiben von Stichwörtern zu diesen Geschichten. Dadurch sollen Verzerrungstendenzen, die beim Ausformulieren der Geschichten entstehen, vermieden werden und durch die Zeitersparnis die Testlänge (und damit die Reliabilität) vergrößert werden. Außerdem unterscheidet der Inhaltsschlüssel des OMT vier verschiedene Varianten des Aufsuchungsmotivs in den Bereichen der Anschluss, Leistungs- und Machtmotivation (und als 5. Variante die passiv-ängstliche Vermeidungsform). Die vier Varianten der Aufsuchungsmotivation ergeben sich aus der Kombination von zwei affektiven (d. h. von positivem oder negativem Affekt motivierten) mit einer selbstgesteuerten und einer anreizgesteuerten Motivform (Tabelle 12.1).
  • Wie kann man funktionsanalytisch erklären, dass intrinsische Motivation wie von selbst aus der Tätigkeit fließt und durch Belohnung oder externe Kontrolle reduziert wird?

    Lösung

    Wenn das Verhalten überwiegend durch Anreize oder Anweisungen gesteuert wird (d. h. »nur« wegen der Belohnung ausgeführt wird), wird die Beteiligung des Selbst an der Handlungssteuerung reduziert. Dadurch fehlen die verschiedenen Selbststeuerungsfunktionen wie die Selbstmotivierung, die dazu beiträgt, dass die Freude an einer Tätigkeit immer wieder heraufreguliert wird, auch dann, wenn schwierige oder unangenehme Seiten auftauchen. Da die Selbstmotivierung weitgehend unbewusst arbeitet, wird ihre Wirkung so erlebt, als würde die Freude an der Tätigkeit »wie von selbst«, d. h. ohne eigenes Zutun aus dem Tätigkeitsvollzug (»intrinsisch«) fließen (»Flow«).
  • Welche Formen des Willen bzw. der Selbststeuerung lassen sich unterscheiden?

    Lösung

    Die vier Formen der Selbststeuerung sind: 1. Die Selbstregulation, bei der aus dem inneren Überblick (des Selbst) und einer gelassenen Grundstimmung heraus Ziele gebildet werden, die vielen eigenen und fremden Bedürfnissen und Werten gerecht werden und wegen der emotionalen Vernetzung des Selbst motivationale Unterstützung haben. 2. Die Selbstkontrolle, bei der das bewusste Ich auf Ziele fokussiert, die gegen alle konkurrierenden Alternativtendenzen durchgesetzt werden. 3. Die Willensbahnung (vs. -hemmung), die auch bei auftretenden Schwierigkeiten die für die Umsetzung der aktuellen Handlungsabsicht erforderliche Energie vermittelt (Selbstmotivierung bzw. »prospektive Handlungsorientierung«). 4. Die Selbstbahnung (statt -hemmung), die auch bei schmerzhaften oder Angst machenden Erfahrungen durch nichtdefesive (d. h. selbstkonfrontative) Herabregulierung von negativem Affekt den Zugang zur Selbstwahrnehmung aufrecht erhält (Selbstberuhigung bzw. »Handlungsorientierung nach Misserfolg«).
  • Welche Befunde bestätigen die Hypothese, dass prospektive Handlungsorientierung den handlungsbahnenden Affekt bei Belastung aufrecht erhält und selbst- (statt fremd-)initiiertes Verhalten bahnt?

    Lösung

    Koole und Jostmann (2004) zeigten, dass prospektiv Handlungsorientierte (HOP) nach Konfrontation mit einer Belastung schneller als Lageorientierte auf positive Reize reagierten und dass diese Reaktion durch den Selbstzugang vermittelt war (Abb. 12.1). Dibbelt (1997) zeigte, dass prospektiv Lageorientierte nur dann verlängerte Reaktionszeiten beim Handlungswechsel nach Induktion einer unerledigten Absicht hatten (d. h. bei Belastung des »Absichtsgedächtnisses«), wenn dieser Wechsel nicht von außen, sondern »selbst« initiiert wurde (Abb. 12.2).
  • Warum reicht es nicht, bei Menschen, die sich hilflos oder depressiv fühlen, positive Kontrollüberzeugungen zu induzieren (»you can do it«)?

    Lösung

    Hilflosigkeit, die durch Kontrollverlust bei einer Trainingsaufgabe induziert wird, führt auch dann zu einer Beeinträchtigung der objektiven Leistungsfähigkeit bei einer andersartigen Aufgabe, wenn der subjektive Kontrollverlust gar nicht auf die neue Aufgabe generalisiert wird: Die Ursache für generalisierte Leistungsdefizite nach erlebtem Kontrollverlust liegt in der Unfähigkeit, den negativen Affekt und die durch ihn ausgelösten Grübelkognitionen abzuschalten (Kuhl, 1981). Deshalb reicht es nicht, Depressiven einfach nur Mut zu machen (»you can do it«), wenn man ihnen nicht hilft, ihre objektiven Fähigkeiten zur Affektregulation zu entwickeln (7 Frage 15).
  • Wie lässt sich das Paradox auflösen, dass das starke Nachdenken über unerledigte Absichten (d. h. die Aktivierung des Absichtsgedächtnisses) die Umsetzung solcher Absichten erschwert?

    Lösung

    Der bei prospektiv Lageorientierten (LOP) geringe handlungsbahnende Affekt führt zu einer Aktivierung des Absichtsgedächtnisses (Goschke & Kuhl, 1993), die normalerweise mit einer Handlungshemmung verbunden ist (z. B. um Problemlösen zu ermöglichen) und nur bei von außen angeregtem positiven Affekt (Kuhl & Kazén, 1999) oder durch Selbstmotivierung (HOP) überwunden werden kann (1. Modulationsannahme der PSI-Theorie).
  • Warum ist Grübeln oft mit der Verwechslung fremder und eigener Ziele verbunden?

    Lösung

    Der mit unkontrollierbarem Grübeln verbundene negative Affekt erschwert dauerhaft den Selbstzugang (2. Modulationsannahme der PSI-Theorie), so dass nicht mehr gut zwischen eigenen und fremden Zielen unterschieden werden kann (Abb. 12.3).
  • Was ist der Unterschied zwischen misserfolgsbezogener Lageorientierung und Ängstlichkeit bzw. Neurotizismus und zwischen prospektiver Handlungsorientierung und Extraversion?

    Lösung

    Extraversion (E) und Ängstlichkeit bzw. Neurotizismus (N) beschreiben die emotionale »Erstreaktion« (emotionale Sensibilität), d. h. die Wahrscheinlichkeit, mit der eine Person auf neue Situationen mit positivem (E) bzw. negativem Affekt (N) reagiert. Handlungsorientierung beschreibt nicht den Einstieg in, sondern den Ausstieg aus dem negativen Affekt (HOM) bzw. aus der Hemmung positiven (HOP) Affekts.
  • Warum behindern emotionale Fixierungen die Zielumsetzung und das Selbstwachstum?

    Lösung

    Zielumsetzung erfordert die Kommunikation (Interaktion) zwischen Absichtsgedächtnis (IG) und intuitiver Verhaltenssteuerung (IVS) und damit einen Wechsel von der Hemmung positiven Affekts zu ihrer Aufhebung (durch Selbstmotivierung oder Ermutigung von außen). Selbstwachstum erfordert den Kontakt (Interaktion) zwischen dem Zulassen unerwarteter oder schmerzhafter Einzelerfahrungen (Objekterkennung) und dem Netzwerk aller persönlichen Erfahrungen (d. h. des Selbst als Teil des EG), das bei der Bewältigung von Schmerz und Angst hilft (Abb. 12.5). Der Kontakt zwischen linkshemisphärischer Objekterkennung (OES) und rechtshemisphärischer Selbstwahrnehmung (EG) wird erst durch den Wechsel von negativem Affekt (der das Zur-Kenntnis-Nehmen der schwierigen Erfahrung erleichtert) und der Gelassenheit ermöglicht (die den Zugang zum Selbstsystem bahnt).
  • Wie kann man emotionale Fixierungen überwinden (d. h. Affektregulation lernen)?

    Lösung

    Affekte und Emotionen selbst zu regulieren, lernt man, wenn die Aktivierung des Selbst hinreichend oft mit der Erfahrung gekoppelt ist, dass der eigene Affekt durch Ermutigung bzw. Trost, die von Interaktionspartnern (z. B. Eltern, Freunden, Ehepartnern, Lehrern, Therapeuten) vermittelt werden, wirksam gegenreguliert wird (»Systemkonditionierung«): Das Selbst kann (wie der CS beim klassischen Konditionieren) nur dann mit den affektregulatorischen Prozessen (der CR) verknüpft werden, wenn die Person ihre eigenen Gefühle ausdrückt und sich von der anderen Person verstanden fühlt (sonst wird das Selbst »abgeschaltet« und kann nicht mit noch so wirksamen Ermutigungs- oder Beruhigungserfahrungen verknüpft werden).
  • Welche Verständnisse der Unterscheidung von intrinsischer vs. extrinsischer Motivation kennen Sie?

    Lösung

    Intrinsisch als in der Tätigkeit, als Motivation, die auf Selbstbestimmung und Kompetenzerleben basiert, als Interesse und Involviertheit und als Motivation, bei der Tätigkeit und Resultat gleichthematische Anreize haben.
  • Kennen Sie Phänomene, die je nach Definition von intrinsisch verschieden zu klassifizieren wären?

    Lösung

    - Jemand führt mit großer Freude und voll involviert eine Tätigkeit aus (z. B. Malen, Programmieren von Computern), obwohl er weiß, dass er dafür bezahlt wird. - Jemand zwingt sich ganz selbstbestimmt zu einer Tätigkeit, deren Vollzug ihm keinen Spaß macht. - Eine Aktivität, bei der es schon deshalb keine Gleichthematik von Tätigkeit und Resultat gibt, weil es kein angestrebtes Ergebnis gibt, kann im Vollzug große Freude machen und immer wieder ausgeübt werden.
  • Welche Erwartungstypen und Anreizarten werden im Erweiterten kognitiven Motivationsmodell von Heckhausen (1977b) unterschieden?

    Lösung

    Situations-Ergebnis-Erwartung, Handlungs-Ergebnis-Erwartung, Ergebnis-Folge-Erwartung und Folgen-Anreize. Eine erneute Modellerweiterung berücksichtigt zusätzlich die Tätigkeitsanreize.
  • Wenden Sie dieses Modell auf Ihre aktuelle Motivation an, diese Frage jetzt beantworten zu wollen.

    Lösung

    Die Situation sei, dass Sie den Text aus bestimmten Gründen (bestimmte Folgen, Interesse am Inhalt, Spaß am Lesen etc.) bis zu dieser Stelle gelesen haben; Handlung sei, diese Frage jetzt beantworten zu wollen; Ergebnis sei, zu wissen, ob Sie den Textinhalt hinreichend beherrschen; unmittelbare Folge sei, miteinem guten Gefühl gleich etwas anderes tun zu können, ohne dass weitere erwünschte Folgen (Prüfung zu bestehen, Referat halten zu können, die Kapitelinhalte im »richtigen Leben« anwenden zu können etc.) gefährdet würden. Gegebenenfalls erwarten Sie auch die Folge, einen gezielten Hinweis zu erhalten, welchen Textteil Sie noch genauer durchdenken müssten.
  • Mit welcher Methodik werden die Eigenanreize des Tätigkeitsvollzugs untersucht? Geben Sie zwei Beispiele und diskutieren Sie Vor- und Nachteile.

    Lösung

    - Befindlichkeitsskalierung im Tätigkeitsvollzug. - Vorteil: Die Daten werden quasi »online« gewonnen; durch die abstrahierten Skalen sind Vergleiche über verschiedene Tätigkeiten, Bedingungen und Personen möglich. - Nachteil: Die hoch abstrahierten Einschätzungen geben nur wenig von den qualitativen Besonderheiten eines bestimmten Tätigkeitsvollzugs wieder. - Explorative Interviews zu spezifischen Anreizqualitäten. - Vorteil: Die tätigkeitsspezifischen Vollzugserlebnisse machen nachvollziehbar, was genau an einer Tätigkeitsausführung so attraktiv ist. - Nachteil: Die Daten werden im Nachhinein erhoben. Sie sind zudem nicht ohne weiteres zwischen verschiedenen Tätigkeiten vergleichbar.
  • Was ist mit Flow-Erleben gemeint und welche Komponenten sind für diesen Zustand charakteristisch?

    Lösung

    Das selbstreflexionsfreie Aufgehen in einer glatt laufenden Tätigkeit, bei der man trotz voller Kapazitätsauslastung den Ablauf noch gut unter Kontrolle hat. Zu den Komponenten Übersicht in Abschn. 13.5.2.
  • Worin liegt der Unterschied zwischen der qualitativen und quantitativen Flow-Forschung?

    Lösung

    Bei der qualitativen Flow-Forschung wurden auf der Basis von rückblickend explorierenden Interviews die 6 bis 9 relevanten Flow-Komponenten gefunden. Bei der quantitativen Flow-Forschung wurde mit der Erlebens-Stichproben-Methode (ESM) signalgesteuert Befindlichkeiten auf Skalen erfasst, die sich aber nur z. T. mit den Flow-Komponenten aus der qualitativen Forschungsphase decken.
  • Wie wurde in der quantitativen Forschungsphase bei der ESM-Technik Flow definiert? Welche Probleme treten dabei auf?

    Lösung

    Flow wurde über die Balance von Anforderung und Fähigkeit auf individuell überdurchschnittlichem Niveau definiert. Probleme: Man definiert einen Zustand über lediglich eine seiner vielen Komponenten. Speziell bei dieser Balance-Komponente sind theoretisch wie empirisch begründet starke individuelle Unterschiede zu erwarten. Mitunter wurden Anforderung und Herausforderung (»challenge«) miteinander verwechselt, wobei es auch noch individuell unterschiedliche Verständnisse zu diesen Begriffen gibt.
  • Was ist der Expertise-Effekt beim Flow-Erleben und wie kommt er zustande?

    Lösung

    Bei komplexen Tätigkeiten müssen erforderliche Basiskompetenzen erst hinreichend automatisiert sein, bevor sich der flow-typische glatte Verlauf der Ausführung einstellen kann. Bei einfach strukturierten Aktivitäten gibt es diesen Effekt nicht.
  • Welche Interpretationsschwierigkeiten ergeben sich beim Nachweis, dass Flow leistungsförderlich ist?

    Lösung

    Die Einflussrichtung ist zweiseitig. Flow kann (Lern-)Leistung fördern, aber bei besseren (Lern-)Leistungen kann auch die Chance von Flow-Erleben steigen (siehe oben Expertise-Effekt in Frage 9).
  • Welcher Zusammenhang von Flow-Erleben und Cortisolausschüttung wurde gefunden? Lässt sich von physiologischen Maßen eindeutig auf Flow-Erleben schließen?

    Lösung

    Flow-Erleben korreliert positiv mit der Cortisolausschüttung. Übersteigt jedoch der Wert für Cortisol eine bestimmte Schwelle, wird die Korrelation negativ. Dies lässt sich mathematisch als ein umgekehrt U-förmiger Zusammenhang beschreiben. Der U-förmige Zusammenhang konnte von verschiedenen Arbeitsgruppen bestätigt werden. Inhaltlich lässt sich dies so verstehen, dass mit wachsenden Anforderungen Flow-Erleben und Cortisol zunächst ansteigen. Übersteigen die Anforderungen ein optimales Niveau (d. h. die Anforderungen werden zu hoch), sinkt Flow-Erleben, wohingegen Cortisol weiter steigt (insofern die Aufgabe für die Person wichtig ist). Ein sehr hoher Cortisolwert ist somit ein Anzeichen für Überforderung und Stress. Inwieweit der U-förmige Zusammenhang auch bei körperlichen Aktivitäten (z. B. Klettern, Surfen) gilt, ist offen. Bei weiteren physiologischen Maßen ließen sich ebenfalls systematische Zusammenhänge mit dem Flow-Erleben finden. Jedoch ist das Ziel noch nicht erreicht, von physiologischen Indikatoren sicher auf das Erleben von Flow schließen zu können. So geht Flow-Erleben zwar mit physiologischen Veränderungen einher, jedoch sind die Zusammenhänge zu spezifischen physiologischen Maßen nicht außergewöhnlich stark und zudem sind physiologische Veränderungen von vielen weiteren Faktoren abhängig. Somit ist der Schluss von physiologischen Korrelaten auf Flow-Erleben nach jetzigem Stand nicht hinreichend eindeutig.
  • Warum sollte bei hoher »motivationaler Kompetenz« Flow-Erleben häufiger auftreten können?

    Lösung

    Die wichtigste Komponente der motivationalen Kompetenz ist die Übereinstimmung von impliziten Motiven und motivationalem Selbstbild. Bei hoher Übereinstimmung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Person sich selbstbildgestützt Ziele setzt, bei deren Verfolgung sie motivpassende Aktivitäten ausführen kann. Diese Unterstützung durch die impliziten Motive macht dann eine volitionale Aktivitätskontrolle überflüssig. Die Person kann sich dem Lauf der Aktivität überlassen, womit die Chance für Flow-Erleben steigt. Diese Annahmen sind aber erst über zwei Befunde gestützt.
  • Was ist der Unterschied zwischen Attributionstheorien und attributionalen Theorien?

    Lösung

    Attributionstheorien befassen sich mit dem Zustandekommen von Attributionen. Attributionale Theorien dagegen geben Antworten auf die Frage nach den Auswirkungen der Attributionen auf Verhalten und Erleben.
  • Wann findet nach Weiners attributionaler Theorie eine Suche nach den Ursachen eines Handlungsergebnisses statt? Gibt es Kritik an dieser Annahme Weiners?

    Lösung

    Weiner geht davon aus, dass man stets nach den Ursachen eines Ereignisses sucht, wenn dieses entweder unerwartet, negativ oder wichtig ist. Hierbei handelt es sich um hinreichende Bedingungen, d. h., jede für sich ist ausreichend, um die Ursachensuche in Gang zu setzen. Diese Annahme Weiners hält einer genaueren Analyse nicht stand, wie das Beispiel des Schülers zeigt, der in Mathematikklausuren stets die Note »mangelhaft« bekommen hat. Wenn dieser Schüler in der Abiturklausur wiederum die Note »mangelhaft« bekommt, so ist dies zweifellos ein für ihn wichtiges und negatives Handlungsergebnis, das aber vollkommen erwartet ist und daher wohl kaum zu einer Ursachensuche führen wird.
  • Welche kausalen Antezendenten können die Ursachenzuschreibung beeinflussen?

    Lösung

    Die Ursachenzuschreibung kann z. B. beeinflusst werden durch: - Informationen, die über das Handlungsergebnis vorliegen, - kausale Schemata, - hedonistische Voreingenommenheiten, - Perspektive, unter der man ein Ergebnis betrachtet (als Handelnder oder Beobachter).
  • Welche Ursachenfaktoren werden bevorzugt herangezogen, um akademische Leistungen zu erklären?

    Lösung

    Faktoren, die als Erklärung für akademische Leistung identifiziert wurden, sind hohe oder mangelnde Fähigkeit, hohe oder mangelnde Anstrengung,Aufgabenschwierigkeit oder Zufall.
  • Auf welche Fragen gibt Weiners attributionale Analyse von Motivation, Emotion und Verhalten keine Antworten?

    Lösung

    Weiners attributionale Analyse gibt keine Antworten auf die Fragen, wie lange und intensiv man nach Ursachen sucht, bzw. mit welchem Grad an Genauigkeit man sich bei der Ursachenanalyse zufrieden gibt.
  • Welche allgemeine Gleichung benutzt Heider als Grundlage für seine »naive« Handlungsanalyse und wie erweitert er in dieser Analyse die Gleichung?

    Lösung

    Heider geht von Lewins allgemeiner Verhaltensgleichung aus, die besagt, dass das Verhalten eine Funktion von Person und Umwelt ist. Er spaltet die Variable Person in Bemühen (variabel) und Fähigkeit (konstant) auf. Bemühen ist dabei das Produkt aus Intention und Anstrengung. Auf der Umweltseite gibt es nach Heider eine konstante Hauptgröße, die Schwierigkeit, die durch den Zufall (Glück, Pech; variable Größe) gelegentlich beeinflusst werden kann. Die Differenz aus Fähigkeit und Schwierigkeit bildet das Konzept Können.
  • Welche Schritte können nach Jones und Davis zu einer Intentionsattribuierung führen?

    Lösung

    Nach Jones und Davis Modell der korrespondierenden Schlussfolgerungen können drei Schritte zu einer Intentionsattribuierung führen: 1. Sicherung von zwei Voraussetzungen: Vorausschauendes Wissen des Handelnden über das Ergebnis des Handelns und die Fähigkeit des Handelnden das Ergebnis herbeizuführen. 2. Klärung der Frage: Welche Folgen oder Effekte des Handlungsergebnisses haben den Handelnden motiviert dieses Ergebnis herbeizuführen? 3. Abschätzung der allgemeinen Erwünschtheit des Handlungseffekts für die Art von Personengruppe, der der Handelnde angehört.
  • Welche sind in Kelleys Kovariationsmodell die vier Kriteriums- bzw. Informationsdimensionen, die herangezogen werden, um die Ursache einer gegebenen Handlung zu erschließen?

    Lösung

    Die vier Kriteriumsdimensionen nach Kelley sind: 1. Distinktheit der Entitäten, 2. Konsens (Übereinstimmung zwischen verschiedenen Personen), 3. Konsistenz des Handelns über die Zeit, 4. Konsistenz über verschiedene Modalitäten.
  • Was ist die Voraussetzung für motivationale Voreingenommenheit der Attribution und wann tritt sie besonders deutlich hervor?

    Lösung

    Motivationale Voreingenommenheit kann auftreten, wenn bei einer Attribution der Selbstwert tangiert wird. Dabei wird die logisch-rationale Informationsnutzung für die Ursachenzuschreibung von selbstwertdienlichen Interessen verzerrt. Dies tritt besonders deutlich nach Erfolg und Misserfolg auf. Erfolg schreibt man sich demnach selbst zu, während Misserfolg eher auf externale Gründe attribuiert wird.
  • Welche Gründe führen Miller und Ross (1975) für eine rationale und nicht motivational verzerrte Informationsverarbeitung bei der Selbstattribution an? Haben sich diese in Untersuchungen bestätigen lassen?

    Lösung

    Miller und Ross machten drei Gründe für eine rationale Informationsverarbeitung bei der Selbstattribuierung geltend: 1. Menschen erwarten eher Erfolg als Misserfolg ihrer Bemühungen und schreiben sich deswegen auch eher erwartete als unerwartete Handlungsergebnisse zu. 2. Zwischen Anstrengungsbemühungen und einer zuneh-menden Erfolgsserie wird eine engere Kovariation als im Falle von Misserfolgssequenzen wahrgenommen. 3. Menschen halten irrtümlicherweise den Wirkungszusammenhang von eigenem Bemühen mit Erfolg für enger als mit Misserfolg. Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass die oben aufgeführten Gründe eine motivationale Ursache der selbstwertdienlichen Attribuierungsasymmetrie nicht vollständig entkräften können.
  • Inwieweit wirken sich Unterschiede in der Höhe des Fähigkeitsselbstkonzepts auf die Attribution von Misserfolg aus? Lassen sich diese Befunde mit der motivational verzerrten Informationsverarbeitung der Attribution vereinbaren?

    Lösung

    Bei der Attribution zeigte sich, dass Menschen mit niedrigem Fähigkeitsselbstkonzept Misserfolg bevorzugt auf mangelnde eigene Fähigkeiten zurückführen. Menschen mit hohem Fähig-keitsselbstkonzept dagegen machen eher externale Faktoren wie den Zufall für Misserfolge verantwortlich. Diese Befunde lassen sich leider nur schwer mit einer im Dienste des Selbstwertschutzes stehenden verzerrten Informationsverarbeitung in Einklang bringen. Wäre dies so, hätten auch Menschen mit niedrigem Fähigkeitsselbstkonzept für Erfolg hohe Fähigkeit und für Misserfolg Zufall als Ursachenerklärung bevorzugt. Dies ist aber nachweislich nicht der Fall.
  • Was ist die Perspektivediskrepanz und welche Gründe gibt es für sie?

    Lösung

    Die Perspektivediskrepanz beschreibt das Phänomen, dass das Handeln vom Handelnden selbst eher auf Situationsfaktoren und vom Beobachter eher auf Personfaktoren zurückgeführt wird. Dafür scheint es im Wesentlichen zwei Gründe zu geben: 1. Unterschiede im Gegenstand der Aufmerksamkeit und in der Menge der Kontextinformationen. Die Aufmerksamkeit des Handelnden ist auf Aspekte der Situation, die des Beobachters auf den Handelnden gerichtet. 2. Außerdem hat der Handelnde weit mehr Informationen über die gegenwärtige Situation, ihr Zustandekommen und die Vorgeschichte als der Beobachter.
  • Welche motivationsrelevante Variable wird durch die Generalitätsdimension der Attribution beeinflusst? Welche Dimensionen werden in der Forschung zum Erklärungswert des attributionstheoretischen Modells der erlernten Hilflosigkeit zur Generalitätsdimension zusammengefasst und warum?

    Lösung

    Die Einschätzung bezüglich der Generalität determiniert das Ausmaß, in dem Erwartungen über die Zeit und Aufgaben- bzw. Situationsbereiche hinweg generalisieren. Aufgrund der immer wieder gefundenen sehr engen Zusammenhänge zwischen Stabilitäts- und Globalitätseinschätzungen werden diese beiden Dimensionen zusammengefasst als Generalitätsdimension.
  • Wie sieht das Attributionsverhalten von depressiven Personen aus?

    Lösung

    Depressive Personen scheinen die Realität in einer depressionstypischen Art und Weise zu verzerren. Sie scheinen Attributionen nicht gemäß dem Kovariationsmodell von Kelley vorzunehmen, sondern unabhängig von den Situationsumständen internale, stabile und globale Ursachenzuschreibungen zur Erklärung von Misserfolg zu bevorzugen.
  • Welcher Fehler scheint aggressiven Menschen öfter zu unterlaufen?

    Lösung

    Aggressive Menschen unterliegen öfter einem so genannten »hostile bias«, der sich darin äußert, dass sie den Personen, die ihnen Schaden zufügen, eher Absicht unterstellen bzw. eher davon ausgehen, dass das Schaden zufügende Verhalten kontrollierbar war.
  • Welche Rolle spielen Entschuldigungen bei reaktiv-aggressivem Verhalten?

    Lösung

    Eine Entschuldigung führt dazu, dass der Person, die den Schaden verursacht, weniger Verantwortung zugeschrieben wird und sie deshalb weniger zum Opfer aggressiven Verhaltens wird. Außerdem scheinen aggressive Kinder weniger geneigt einen Schaden, den sie verursacht haben, zu entschuldigen. Das führt wiederum dazu, dass ihnen eher unterstellt wird, sie hätten die den Schaden bewirkende Ursache kontrollieren können, was wiederum bewirkt, dass ihnen mehr Ärger entgegen gebracht wird und sie eher Opfer reaktiver Aggression werden. Entschuldigungen bewirken also eine Unterbrechung einer Gewaltspirale.
  • Was versteht man unter dem funktionalen Primat des primären Kontrollstrebens?

    Lösung

    Das Streben nach primärer Kontrolle der Nahumwelt ist eine universelle und grundlegende motivationale Orientierung des Menschen. Es ist ein Produkt der Verhaltensevolution und charakteristisch für vielerlei Tierarten weit über die Gattungsgrenzen der Säuger hinaus.
  • Welche Veränderungen gibt es im Potenzial zur primären Kontrolle im Verlauf des Lebens?

    Lösung

    Das Potenzial primärer Kontrolle folgt einer umgekehrten U-Funktion über den Lebenslauf. Es beginnt auf einem sehr niedrigen Niveau im Säuglingsalter, nimmt rapide zu in Kindheit und Jugend, erreicht ein Maximum und Plateau im frühen bis mittleren Erwachsenenalter und nimmt im Alter wieder ab, besonders im Greisenalter.
  • Wird das Wirksamkeitsstreben erst allmählich entwickelt oder liegt es schon bei Neugeborenen vor?

    Lösung

    Neugeborene zeigen schon eine klare Präferenz für Verhaltens-Ereignis-Kontingenzen. Sie wiederholen Verhaltensweisen, die mit einem Ereignis (z. B. Milchflaschendarbietung) gekoppelt waren, auch dann, wenn sie kein konsummatorisches Interesse mehr an dem Ereignis haben (d. h. wenn sie satt sind) und sie freuen sich, wenn das erwartete Ereignis als Konsequenz eigenen Verhaltens eintritt.
  • Welchen Verlauf nimmt die Entwicklung des Zentrierens auf ein intendiertes Handlungsergebnis?

    Lösung

    Gegen Ende des 1. Lebensjahres werden Handlungen und Handlungsziele allmählich voneinander unterschieden. Im Verlauf des 2. Lebensjahres tritt das Ergebnis der eigenen Handlung mehr und mehr ins Zentrum der kindlichen Aufmerksamkeit. Im weiteren Verlauf werden zunächst plötzlich-diskrete Effekte, dann handlungsbegleitende Effekte und schließlich auch zustandsbezogene Ziele einer mehrgliedrigen Handlungskette attraktive Handlungsziele.
  • Welches sind die wichtigsten emotionalen Anreize im Leistungshandeln und in welcher Reihenfolge entwickeln sie sich?

    Lösung

    Die wichtigsten Anreize im Leistungshandeln sind Stolz und Beschämung: Stolz äußert sich in einer aufgerichteten Körperhaltung, Lächeln und triumphierendem Blickkontakt mit dem Verlierer. Beschämung dagegen äußert sich in einer zusammengefallenen Körperhaltung, gesenktem Kopf und Vermeiden von Blickkontakt mit dem Gewinner. Stolz entwickelt sich zuerst im Laufe des 2. und 3. Lebensjahres; Beschämung tritt erst gegen Ende des 3. oder 4. Lebensjahres auf.
  • Was versteht man unter dem Phänomen des »Selbermachenwollens«?

    Lösung

    Im Zuge der Entwicklung des Selbstkonzepts tritt »Selbermachenwollen« im Verlauf des 2. Lebensjahres auf, wenn das Kind den Versuchen eines Erwachsenen, die Aufgaben zu übernehmen und dem Kind zu helfen, Widerstand entgegen setzt.
  • Was sind Vorteile und Risiken selbstbewertender Reaktionen?

    Lösung

    Der wichtigste Vorteil ist die vorweggenommene positive Selbstbewertung, die als motivierender Faktor im Leistungshandeln fungiert. Das wichtigste Risiko ist die negative Selbstzuschreibung geringer eigener Kompetenz nach Misserfolg, die zukünftiges Leistungshandeln entmutigen kann.
  • Wie können negative Selbstbewertungen nach Misserfolg vermieden werden?

    Lösung

    Negative Selbstbewertungen können durch spezifische Strategien der kompensatorischen sekundären Kontrolle vermieden werden. Einfache Strategien dieser Art (z. B. Misserfolgsleugnung, Selbstablenkung) werden schon von Kindern im Vorschulalter verwendet. Komplexere kompensatorische sekundäre Kontrollstrategien wie etwa Wechsel des Handlungsziels und selbstwertschützende Ursachenerklärung entwickeln sich erst im Jugendalter.
  • Welche Rolle spielen die Eltern in der frühen Handlungsentwicklung?

    Lösung

    Eltern (v. a. Mütter) bieten die Quelle der ersten Kontingenzerfahrungen, weil sie unabsichtlich ebenso wie absichtlich kontingent auf kindliche Verhaltensweisen (z. B. Blickkontakt, Mundöffnen) reagieren. Die Eltern-Kind-Bindung bietet die sichere Basis für die Exploration in der Nahumwelt. Im 2. Lebensjahr werden in natürlichen objektbezogenen Eltern-Kind-Interaktionen Handlungen initiiert und reguliert, so dass das Kind in diesen Lehrlings-Meister-Kooperationen allmählich eigenständige Handlungskompetenzen entwickelt.
  • Welche Konzepte müssen Kinder bereits verstehen, um im klassischen Sinne leistungsmotiviert zu handeln?

    Lösung

    - Sie müssen Aufgabenschwierigkeit und persönliche Tüchtigkeit als unabhängig voneinander begreifen; - intraindividuelle und interindividuelle Vergleichsnormen verwenden können; - das globale Tüchtigkeitskonzept in seine Fähigkeits- und Anstrengungskompon
  • Was versteht man unter dem „big-fish-little-pond“-Effekt und was unter dem „reflected glory effect“?

    Lösung

    Der „big-fish-little-pond“-Effekt besagt, dass die selbsteingeschätzten Fähigkeiten von Schülern davon abhängen, wie die Leistungen in der jeweiligen Schulklasse oder Schule sind. Sind die Leistungen im sozialen Bezugssystem der Klasse oder Schule eher schwach, wird sich der Schüler als großer Fisch im kleinen Teich fühlen und die eigenen Fähigkeiten eher zu hoch einschätzen. Umgekehrt wird bei eher starken Leistungen der Vergleichsgruppe nahegelegt, dass der einzelne Schüler sich eher als schwach einschätzt.
  • Welche nationalen Unterschiede und Gemeinsamkeiten wurden hinsichtlich der schulbezogenen Kontrollüberzeugungen von Schulkindern im internationalen Vergleich aufgedeckt?

    Lösung

    Universelle Kontrollüberzeugungen zeigten sich hinsichtlich der Kausalität (»means-end beliefs«) im Schulkontext. Anstrengung wird als angenommener Kausalfaktor bis zum 6. Schuljahr immer höher eingeschätzt und bleibt dann stabil über dem eingeschätzten Einfluss von Fähigkeit. National unterschiedliche Überzeugungen wurden hinsichtlich der wahrgenommenen persönlichen Kapazität (»agency beliefs«) aufgezeigt, wobei in den USA die Einschätzungen eigener Wirksamkeit am höchsten sind und am geringsten mit dem tatsächlichen Schulerfolg zusammenhängen.
  • Welche Affektwirksamkeit haben Fähigkeits- und Anstrengungsattributionen von Erfolg und Misserfolg bei Kindern im Schulalter?

    Lösung

    Fähigkeitsattribution bei Erfolg begünstigt positiven Affekt, bei Misserfolg negativen Affekt; Anstrengungsattribution ist demgegenüber weit weniger affektwirksam.
  • Welche interaktiven Verhaltensweisen und Erziehungspraktiken der Eltern und welche häuslichen Umwelten begünstigen die Entwicklung eines erfolgszuversichtlichen Leistungsmotivs?

    Lösung

    Mit dem kindlichen Verhalten kontingentes Elternverhalten, emotionale Wärme, entwicklungsangemessene und kindzentrierte Selbstständigkeitsanforderungen bei anregungsreicher häuslicher Umwelt, die dem Kind vielfältige Gelegenheiten zu selbstinitiierter Kompetenzerprobung bieten.
  • Wie unterscheidet sich das »General Expectancy Value Model of Achievement Choices« von Eccles und Wigfield vom Risikowahl-Modell von Atkinson?

    Lösung

    Das Modell von Eccles und Mitarbeitern beschränkt sich nicht auf die antizipierte Selbstbewertung als einziges motivierendes (wertgebendes) Prinzip. Stattdessen wird die Wertkomponente des Modells von aufgabenintrinsischen, zielerreichungsbezogenen und instrumentellen Anreizen beeinflusst und zieht auch Kosten in Betracht. Sowohl die Wert- als auch die Erwartungskomponente wird von sozialen und kulturellen Subgruppen und deren Überzeugungen und Gruppennormen zu Werten und Erwartungen ebenso wie von individuumspezifischen Selbstkonzepten beeinflusst.
  • Was versteht man unter dem Leistungszielansatz (»achievement goal approach«)?

    Lösung

    Der Leistungszielansatz umfasst konzeptuelle Modelle und Forschungsprogramme zu expliziten Leistungsmotiven (also Leistungszielen). Diese Forschungsprogramme unterscheiden Leistungsziele nach einem oder beiden von zwei Dimensionen: 1. Lern- oder Meisterungsziele vs. Performanz- oder Selbstdarstellungszielen und 2. Annäherungs- vs. Vermeidungsziele. Lern- oder Meisterungsziele und Annäherungsziele sind unter vielen, aber nicht allen Leistungsbedingungen günstiger als Performanzziele und Vermeidungsziele.
  • Wie wirkt sich der Übergang in die Schule auf die Entwicklung leistungsmotivierten Verhaltens aus?

    Lösung

    Der schulische Leistungskontext betont die Fremdregulation und -bewertung durch den Lehrer, soziale Vergleiche mit Gleichaltrigen und extrinsische Anreize. Dies ist für die Entfaltung implizit leistungsmotivierten Verhaltens eher ungünstig, besonders wenn Misserfolgserfahrungen und elterlicher Leistungsdruck vorherrschen. Die Ent-wicklung expliziter Leistungsziele wird in der Schule jedoch gefördert und kann so ein flexibles und facettenreiches leistungsmotiviertes Anreizrepertoire entwickeln helfen.
  • Welche normativen Entwicklungsschritte in der Fähigkeit zu differenzierten Kausalattribuierungen kann die negativen Auswirkungen von Misserfolgserlebnissen verschlimmern und so ein Hilflosigkeitsverhaltensmuster begünstigen helfen?

    Lösung

    Die Entwicklung eines stabileren und von der Anstrengung unabhängigen Fähigkeitsbegriffs und von invers kompensatorischen Ursachenerklärungsmustern zur Rolle von Fähigkeit und Anstrengung für bekannte Leistungsergebnisse.
  • Welche Entwicklungsdimension bringt interindividuelle Unterschiede erst recht zum Tragen, besonders in der Adoleszenz und im Erwachsenenalter?

    Lösung

    Die fortschreitende Entwicklung von der Fremd- zur Selbstregulation und damit zur Mitwirkung an der Gestaltung der eigenen Entwicklungsökologie.
  • Welche Einflüsse bestimmen die Gelegenheiten und Beschränkungen, die der Lebenslauf als Handlungsfeld dem einzelnen entwicklungsregulativ Handelnden bietet?

    Lösung

    Die biologischen Veränderungen des Reifens und Alterns (umgekehrte U-Funktion), die gesellschaftlichen alterszeitlichen Strukturierungen des Lebenslaufs durch Institutionen und vorgeschriebene Altersübergänge (Einschulung, Verrentung), Kanalisierung von beruflichen und familienbezogenen Lebensläufen, gesellschaftlich vermittelte Altersnormen über altersangemessenes Verhalten und über Veränderungen im Status (beruflich, familiär).
  • Was ist die Rolle von Entwicklungszielen in den entwicklungsregulativen Bemühungen des Einzelnen?

    Lösung

    Entwicklungsziele organisieren das entwicklungsregulative Handeln und verleihen ihm mittel- und langfristig Richtung, Kohärenz und Sinn. Widersprüche zwischen impliziten Motiven und Entwicklungszielen sind maladaptiv.
  • Ist der/die Einzelne völlig frei in der Auswahl der Entwicklungsziele, die er/sie verfolgt?

    Lösung

    Nein. Wenn die ausgewählten Entwicklungsziele den Realisierungsmöglichkeiten im jeweiligen Alter oder in der jeweiligen sozialen Gruppe widersprechen, wird es unmöglich oder zumindest außerordentlich aufwändig, das Ziel trotz der ungünstigen Bedingungen zu erreichen. Im adaptiven Fall spiegeln Entwicklungsziele die Realisierungsmöglichkeiten zum jeweiligen Lebensalter wider.
  • Was sind die wichtigsten konzeptuellen Unterschiede des AAI-Modells von Brandstädter und Mitarbeitern und der Lebenslauftheorie der Kontrolle von Heckhausen und Schulz?

    Lösung

    Das AAI-Modell versteht Entwicklungsregulation als Selbstregulation, während die Lebenslauftheorie der Kontrolle Entwicklungsregulation als Optimierung von Wirksamkeit (primärer Kontrolle) über den Lebenslauf konzeptualisiert. Brandstädter und Mitarbeiter gehen davon aus, dass das Kritrium erfolgreicher Entwicklung ein konsistentes Selbst ist. Dagegen vertreten Heckhausen und Schulz, dass erfolgreiche Entwicklung ein Maximum an Kontrollpotenzial über den Lebenslauf hinweg verwirklicht.
  • Welche Phasen werden nach dem Handlungsphasen-Modell der Entwicklungsregulation unterschieden?

    Lösung

    Prädezisionale Phase und Zielauswahl → Rubikon der Entscheidung → zunächst nicht dringendes und dann bei herannahender Entwicklungsfrist dringendes Zielengagement durch Verwendung von Strategien der selektiven primären und sekundären Kontrolle, sowie kompensatorischer primärer Kontrolle → Zieldistanzierung und Selbstprotektion bei Misserfolg durch Verwendung kompensatorischer sekundärer Kontrollstrategien. Eine zentrale These des Handlungsphasen-Modells ist, dass die Übergänge von der prädezisionalen Phase in die postdezisionalen Phasen des Zielengagements und von der Zielengagementphase zur Zieldistanzierung nicht kontinuierlich, sondern zeitlich diskret, rasch und umfassend sind, so dass ein möglichst effizienter Einsatz von Handlungsressourcen gewährleistet ist.
  • Was ist eine Entwicklungsfrist?

    Lösung

    Mit dem Begriff der Entwicklungsfrist werden Zeitpunkte oder Lebensphasen bezeichnet, in denen die Realisierungschancen für ein bedeutsames Entwicklungsziel deutlich abfallen, so dass eine weitere Zielverfolgung entweder keinerlei Erfolgsaussicht hat oder so umfassende Ressourcen in Anspruch nehmen würde, dass andere wichtige Bereiche primärer Kontrolle deutlich beeinträchtigt würden. Ein Beispiel für eine Entwicklungsfrist ist die »biologische Uhr« im mittleren Lebensalter bei Frauen.
  • Welche Auswirkungen hat es, wenn im Lebenslauf Zielengagement oder Zieldistanzierung nicht mit den Realisierungsgelegenheiten für die entsprechenden Entwicklungsziele übereinstimmen?

    Lösung

    Inkongruenz von Entwicklungszielen und Realisierungsgelegenheiten führt zu Verschlechterungen des psychischen Wohlbefindens und kann depressive Verstimmung sowie eine Behinderung primären Kontrollstrebens nach sich ziehen. Dies gilt für die verschiedenen Lebensbereiche (z. B. Familie, Ausbildung) und ist auch für das Verhalten bei Gesundheitseinschränkungen nachgewiesen worden.
  • Inwiefern kann man die Entwicklungsregulation durch den Einzelnen als eine dynamische Interaktion zwischen Entwicklung und Motivation verstehen?

    Lösung

    Durch die Einflussnahme des Einzelnen auf die eigene Entwicklung bei der Verfolgung von Zielen kommen die durch die Situation gegebenen Gelegenheiten und Beschränkungen erst richtig zum Tragen. Der Einzelne gestaltet nicht nur die eigene Zukunft mit, sondern nimmt durch Selektion, Evokation und Manipulation aktiven Einfluss auf die eigene zukünftige Entwicklungsökologie, die wiederum die Randbedingungen für zukünftiges entwicklungsregulatives Handeln bestimmt.
  • Welche Einflüsse bestimmen die Gelegenheiten und Beschränkungen, die der Lebenslauf als Handlungsfeld dem einzelnen entwicklungsregulativ Handelnden bietet?

    Lösung

    Die biologischen Veränderungen des Reifens und Alterns (umgekehrte U-Funktion), die gesellschaftlichen alterszeitlichen Strukturierungen des Lebenslaufs durch Institutionen und vorgeschriebene Altersübergänge (Einschulung, Verrentung), Kanalisierung von beruflichen und familienbezogenen Lebensläufen, gesellschaftlich vermittelte Altersnormen über altersangemessenes Verhalten und über Veränderungen im Status (beruflich, familiär).
  • Was sind die beiden Komponenten des Zwei-Prozess-Modells der intentionalen Selbstentwicklung (AAI)?

    Lösung

    Assimilation: hartnäckige Zielverfolgung; Akkommodation: flexible Zielanpassung
  • Was sind die wichtigsten Aussagen der Motivationstheorie der Lebenslaufentwicklung?

    Lösung

    Primat des primären Kontrollstrebens; sekundäre Kontrollstrategien zur motivationalen Selbstregulation; Optimierung der Zielauswahl: Kongruenz zu Kontrollgelegenheiten, Berücksichtigung der Konsequenzen für andere Ziele, Vermeiden von zu enger Selektion; Zielauswahl, Zielengagement und Zielablösung als diskrete Handlungsphasen mit funktional angepasster Bewusstseinslage („mind-set“); motivationale Selbstregulation vor und nach Überschreiten einer Entwicklungsfrist.
  • Was sind die drei Komponenten des Modells der Selektion, Optimierung, Kompensation (SOK)?

    Lösung

    (Elektive und verlustbasierte) Selektion von Funktionsbereichen; Optimierung: die Investierung von Ressourcen in diese bevorzugten Funktionsbereiche; Kompensation: Versuche, Entwicklungsverluste in bevorzugten Funktionsbereichen auszugleichen.
  • Was ist die Rolle von Entwicklungszielen in den entwicklungsregulativen Bemühungen des Einzelnen?

    Lösung

    Entwicklungsziele organisieren das entwicklungsregulative Handeln und verleihen ihm mittel- und langfristig Richtung, Kohärenz und Sinn. Widersprüche zwischen impliziten Motiven und Entwicklungszielen sind meist maladaptiv.
  • Ist der/die Einzelne völlig frei in der Auswahl der Entwicklungsziele, die er/sie verfolgt?

    Lösung

    Nein. Wenn die ausgewählten Entwicklungsziele den Realisierungsmöglichkeiten im jeweiligen Alter oder in der jeweiligen sozialen Gruppe widersprechen, wird es unmöglich oder zumindest außerordentlich aufwändig, das Ziel trotz der ungünstigen Bedingungen zu erreichen. Im adaptiven Fall spiegeln Entwicklungsziele die Realisierungsmöglichkeiten zum jeweiligen Lebensalter wider.
  • Was sind die wichtigsten konzeptuellen Unterschiede des AAI-Modells von Brandstädter und Mitarbeitern und der Motivationstheorie der Lebenslaufentwicklung (auch „Lebenslauftheorie der Kontrolle”) von Heckhausen und Schulz?

    Lösung

    Das AAI-Modell versteht Entwicklungsregulation als Selbstregulation, während die Lebenslauftheorie der Kontrolle Entwicklungsregulation als Optimierung von Wirksamkeit (primärer Kontrolle) über den Lebenslauf konzeptualisiert. Brandtstädter und Mitarbeiter gehen davon aus, dass das Kriterium erfolgreicher Entwicklung ein konsistentes Selbst ist. Dagegen vertreten Heckhausen und Schulz, dass erfolgreiche Entwicklung ein Maximum an Kontrollpotenzial über den Lebenslauf hinweg verwirklicht.
  • Was sind die wichtigsten konzeptuellen Unterschiede zwischen dem MTD-Modell und dem SOK-Modell?

    Lösung

    Das MTD-Modell geht von einem funktionalen Primat der primären Kontrolle aus, das SOK-Modell schätzt die Funktionalität der Entwicklungsregulation eines Einzelnen nach dem Zusammenhang mit dem subjektiven Wohlbefinden. Das MTD-Modell konzeptualisiert die Zielauswahl (Optimierung) als übergeordnet und von spezifischen an einer langfristigen primären Kontrolle ausgerichteten Heuristiken gesteuert. Im SOK-Modell sind alle drei Strategien  Selektion, Optimierung, Kompensation  gleich geordnet. Das MTD-Modell konzeptualisiert motivationale Metaprozesse der sekundären Kontrolle. Das SOK-Modell sieht solche Prozesse nicht vor.
  • Welche Phasen werden nach dem Handlungsphasen-Modell der Entwicklungsregulation unterschieden?

    Lösung

    Prädezisionale Phase und Zielauswahl → Rubikon der Entscheidung → zunächst nicht dringendes und dann bei herannahender Entwicklungsfrist dringendes Zielengagement durch Verwendung von Strategien der selektiven primären und sekundären Kontrolle sowie kompensatorischer primärer Kontrolle → Zieldistanzierung und Selbstprotektion bei Misserfolg durch Verwendung kompensatorischer sekundärer Kontrollstrategien. Eine zentrale These des Handlungsphasen-Modells ist, dass die Übergänge von der prädezisionalen Phase in die postdezisionalen Phasen des Zielengagements und von der Zielengagementphase zur Zieldistanzierung nicht kontinuierlich, sondern zeitlich diskret, rasch und umfassend sind, so dass ein möglichst effizienter Einsatz von Handlungsressourcen gewährleistet ist.
  • Was ist eine Entwicklungsfrist?

    Lösung

    Mit dem Begriff der Entwicklungsfrist werden Zeitpunkte oder Lebensphasen bezeichnet, in denen die Realisierungschancen für ein bedeutsames Entwicklungsziel deutlich abfallen, so dass eine weitere Zielverfolgung entweder keinerlei Erfolgsaussicht hat oder so umfassende Ressourcen in Anspruch nehmen würde, dass andere wichtige Bereiche primärer Kontrolle deutlich beeinträchtigt würden. Ein Beispiel für eine Entwicklungsfrist ist die „biologische Uhr“ im mittleren Lebensalter bei Frauen.
  • Was ist die zentrale Aussage des lines-of-defense (Verteidigungslinien) Modells?

    Lösung

    Nach dem Verteidigungslinienmodell wird eine optimale Anpassung an fortschreitende Gesundheits- und Funktionseinschränkungen durch sequenziell organisierte Zieladjustierungen erreicht. Hierbei engagiert sich das Individuum jeweils für noch erreichbare Funktionsniveaus und Ziele und gibt diese erst dann auf, wenn sie unrealistisch werden, um sie durch neue, angepasste Funktionsziele zu ersetzen. Solche sequenziellen und diskreten Zielanpassungen sollten bei chronisch und progredient Erkrankten besonders adaptiv sein. Der Prozess kann aber auch umgekehrt werden wenn, etwa bei der Rehabilitation nach Unfall oder Operation, Schritt für Schritt die verlorenen Funktionsniveaus wieder aufgebaut werden.
  • Welche Auswirkungen hat es, wenn im Lebenslauf Zielengagement oder Zieldistanzierung nicht mit den Realisierungsgelegenheiten für die entsprechenden Entwicklungsziele übereinstimmen?

    Lösung

    Inkongruenz von Entwicklungszielen und Realisierungsgelegenheiten führt zu Verschlechterungen des psychischen Wohlbefindens und kann depressive Verstimmung sowie eine Behinderung primären Kontrollstrebens nach sich ziehen. Dies gilt für die verschiedenen Lebensbereiche (z. B. Familie, Ausbildung) und ist auch für das Verhalten bei Gesundheitseinschränkungen nachgewiesen worden.
  • Wie können Menschen sich am besten in mehreren Lebensbereichen engagieren?

    Lösung

    Wir müssen uns meist in mehreren Lebensbereichen mehr oder weniger gleichzeitig engagieren. Dabei kommt es darauf an, dass die Ziele, die wir in diesen verschiedenen Bereichen verfolgen, mindestens inhaltlich und auch hinsichtlich der Handlungsmittel kompatibel sind. Ein kohärentes Bündel an persönlichen Lebens- und Entwicklungszielen ist eine wichtige Voraussetzung für ein gelungenes Leben, auch und gerade im fortgeschrittenen Alter.
  • Inwiefern kann man die Entwicklungsregulation durch den Einzelnen als eine dynamische Interaktion zwischen Entwicklung und Motivation verstehen?

    Lösung

    Durch die Einflussnahme des Einzelnen auf die eigene Entwicklung bei der Verfolgung von Zielen kommen die durch die Situation gegebenen Gelegenheiten und Beschränkungen erst richtig zum Tragen. Der Einzelne gestaltet nicht nur die eigene Zukunft mit, sondern nimmt durch Selektion, Evokation und Manipulation aktiven Einfluss auf die eigene zukünftige Entwicklungsökologie, die wiederum die Randbedingungen für zukünftiges entwicklungsregulatives Handeln bestimmt.
  • Beschreiben Sie die Facetten des Aufgabenwerts im Erwartungs-Wert-Modell von Eccles und Wigfield.

    Lösung

    Der Aufgabenwert umfasst vier unterschiedliche Facetten: die Nützlichkeit der Aufgabe („utility value“), den intrinsischen Wert der Aufgabe („intrinsic value“), den Zielerreichungswert bzw. die Wichtigkeit der Aufgabe („attainment value“) und die mit der Aufgabenbearbeitung verbundenen Kosten („costs“). Mit „utility value“ ist gemeint, wie gut die Aufgabe in die zukünftigen Pläne, die das Individuum verfolgt, passt. Der „utility value“ ist definiert über die Attraktivität der Ergebnisfolgen und die Instrumentalität des Ergebnisses für diese Folgen. Mit „intrinsic value“ oder dem intrinsischen Wert einer Aufgabe sind die Anreize gemeint, die im Bearbeiten der Aufgabe selbst liegen. Dies können positive Emotionen (z. B. Freude, Stolz, die/den man glaubt, beim Bearbeiten der Aufgabe erleben zu können) sein, aber auch das Interesse, welches die Aufgabe weckt. Mit „attainment value” ist die „Wichtigkeit der Aufgabe an sich“ gemeint. Diese ergibt sich aus ihrem Bezug zum Selbstkonzept und zum Selbstwert der Person. So wäre der „attainment value“ hoch, wenn die Bearbeitung der Aufgabe das Selbstkonzept stützt oder der Selbstwert von Erfolg bei dieser Aufgabe abhängt. Mit „costs“ sind die mit der Aufgabenbearbeitung verbundenen Kosten gemeint, die dadurch zustande kommen, dass für die Bearbeitung der Aufgabe verschiedene Formen von Ressourcen investiert werden müssen. Dazu gehören der Einsatz von Zeit und Anstrengung sowie emotionale Kosten.
  • Beschreiben Sie den Einfluss von Kausalattributionen auf Fähigkeitsselbstkonzept und Erfolgserwartung.

    Lösung

    Eine wichtige Determinante der Erfolgserwartung sind frühere Erfahrungen in leistungsbezogenen Situationen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, wie Ergebnisse, die man erzielt hat, wahrgenommen und interpretiert wurden. Zunächst muss ein Leistungsergebnis mit einem Gütemaßstab, einer sog. Bezugsnorm, verglichen werden, um überhaupt als Erfolg (bzw. gute Leistung) oder Misserfolg (bzw. schlechte Leistung) bewertet zu werden. Der nach dieser Bewertung festgestellte Erfolg oder Misserfolg hat einen direkten wie auch einen über das Fähigkeitsselbstkonzept vermittelten indirekten Einfluss auf die Erfolgserwartung. So steigen die Erfolgserwartungen für zukünftige Aufgaben nach Erfolg und sie sinken nach Misserfolg.
    Dabei gilt, dass diese Änderungen der Erfolgserwartungen umso deutlicher ausfallen, je stärker Personen stabile Ursachen für den Erfolg bzw. Misserfolg verantwortlich machen. Stabile Ursachen für Misserfolg sind beispielsweise eine (zu hohe) Aufgabenschwierigkeit oder die (zu geringen) Fähigkeiten. Wenn man einen Misserfolg auf stabile Ursachen attribuiert, so bedeutet dies, dass man anfänglich die Aufgabenschwierigkeit unterschätzt und/oder aber seine Fähigkeiten überschätzt hat. Als Folge der Neueinschätzung der Aufgabenschwierigkeit und/oder der eigenen Fähigkeiten kommt es zum Absenken der (zukünftigen) Erfolgserwartungen.
    Wie breit diese Änderungen der Erfolgserwartungen generalisieren, hängt zudem ab von der wahrgenommenen Globalität der Ursachen. Je globaler die Ursachen in ihren Auswirkungen eingeschätzt werden, umso stärker generalisieren die gestiegenen bzw. gesunkenen Erfolgserwartungen auch auf andere verschiedenartige Aufgaben.
  • Nennen Sie den wesentlichen Unterschied, der zwischen Selbstkonzept und Selbstwert besteht.

    Lösung

    Beim Selbstkonzept handelt es sich um eine nicht wertende, rein kognitive Beschreibung des Selbst bzw. der Dinge, die die eigene Person ausmachen, während der Selbstwert die affektiv-bewertende Komponente des Selbst widerspiegelt, also die emotionale Selbstwertschätzung und Selbstbewertung beinhaltet.
  • Beschreiben Sie die Determinanten des „attainment value“.

    Lösung

    Der „attainment value“, also die Wichtigkeit einer Aufgabe an sich, wird wesentlich determiniert durch den Bezug der Aufgabe zum Selbstkonzept und Selbstwert der Person.
    Bezüglich des Selbstwerts ist vor allem die Selbstwertkontingenz entscheidend, also die Abhängigkeit des Selbstwerts vom Erfüllen selbst- oder fremdgesetzter Standards. Wenn eine Aufgabe einen Bereich repräsentiert, in welchem der Selbstwert kontingent ist, die Höhe des Selbstwerts also davon abhängt, ob man in diesem Bereich Erfolg oder Misserfolg hat, dann wird dieser Aufgabe eine besondere Wichtigkeit zugeschrieben. Dabei wird der Selbstwert nur im Falle einer erfolgreichen Aufgabenbearbeitung gestützt.
    In Bezug auf das Selbstkonzept wird einer Aufgabe dann eine hohe Wichtigkeit zugeschrieben, wenn sie für das eigene Selbstkonzept repräsentativ ist, wenn sich das Selbstkonzept also aus der Bearbeitung dieser Aufgaben speist. Auch in Bezug auf das Selbstkonzept gilt, dass es durch die Aufgabenbearbeitung nur dann gestützt wird, wenn die Aufgaben erfolgreich bearbeitet werden.
  • Nennen Sie die Facetten der Wertvariable „costs“ und beschreiben Sie, was diesen Facetten gemeinsam ist.

    Lösung

    Die „costs“ werden von Wigfield und Eccles in drei Unterfacetten aufgegliedert. Der erste Kostenfaktor ist die Zeit, die aufgewendet werden muss, um die Aufgabe zu bearbeiten, sowie die daraus resultierende Beschränkung, sich in dieser Zeit keiner anderen Aufgabe widmen zu können. Der zweite Kostenfaktor ist die Anstrengung, die für die Bewältigung der Aufgabe nötig ist. Dazu gehören sowohl der Einsatz geistiger als auch körperlicher Ressourcen. Den dritten Kostenfaktor bilden die emotionalen Kosten, die während und nach der Bearbeitung einer Aufgabe entstehen. Dazu zählen neben Gefühlen wie Frustration, Enttäuschung und Angst auch mit Misserfolg einhergehende Schamgefühle.
    Diese drei Unterfacetten haben die Gemeinsamkeit, dass durch sie verschiedene Formen von nur begrenzt vorliegenden Ressourcen, die die Person besitzt, beschrieben werden. Je stärker diese Ressourcen durch die Aufgabenbearbeitung ausgeschöpft werden, umso eher kann Stress bzw. Angst davor, die Ressourcen zu verlieren bzw. nicht wieder auffüllen zu können, entstehen.
  • Beschreiben Sie, unter welchen Bedingungen ein Lernender antizipiert, durch die Bearbeitung einer Aufgabe Scham zu erleben, und beschreiben Sie die Auswirkungen der antizipierten Scham im Rahmen des selbstregulierten Lernens.

    Lösung

    Weiner (1985) konzeptualisiert Scham in seiner attributionalen Leistungsmotivationstheorie als einen negativen Anreiz, welcher vor allem in Folge eines Misserfolgs, der auf internal-unkontrollierbare Ursachen attribuiert wird, erlebt wird. Daraus abgeleitet kann ein Lernender das Erleben von Scham bei der Bearbeitung von Aufgaben antizipieren, wenn er davon ausgeht, dass seine Leistung in der entsprechenden Aufgabe wesentlich durch internal-unkontrollierbare Faktoren (wie z. B. mangelnde Fähigkeit und Begabung) determiniert wird. Des Weiteren zeigt sich in aktueller Forschung im Bereich Selbstwert, dass Scham als Folge eines Misserfolgs vor allem dann erlebt wird, wenn die entsprechende Aufgabe für die Person von hoher Bedeutung ist, da ihr Selbstwert zu dieser kontingent ist.
    Wenn ein Lernender bei einer Aufgabe also in Folge eines Misserfolgs Scham erlebt und daraufhin vor der erneuten Bearbeitung dieser Aufgabe Scham antizipiert, dann könnte dies im Sinne des selbstregulierten Lernens gewisse Konsequenzen haben. Der Lernende könnte beispielsweise in der präaktionalen Planungsphase eine etwas geringere Zielsetzung vornehmen und damit die Wahrscheinlichkeit verringern, in der Aufgabe einen Misserfolg und die damit verbundene Scham zu erleben. Er könnte auch „Self-Handicapping“ betreiben (vgl. Aufgabe 16), also vor der Aufgabenbearbeitung ein Handicap aufbauen. Würde er nun Misserfolg erleiden, dann könnte er diesen auf das bestehende Handicap attribuieren und so verhindern, dass er Scham erlebt und sein Selbstwert sinkt.
  • Beschreiben Sie, wie Lob gegeben werden sollte, damit es intrinsische Motivation fördert.

    Lösung

    Um intrinsische Motivation zu fördern, sollte Lob autonomieförderlich sein, indem beispielsweise die Eigeninitiative der Schüler/innen gelobt wird und nicht das Erfüllen fremdgesetzter Standards oder das „brave“ Bearbeiten vorgegebener Aufgabe. In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, dass Lob anhand einer individuellen und nicht anhand einer sozialen Bezugsnorm gegeben wird, sodass der Blick auf die eigene Leistungsentwicklung gelenkt wird und der Vergleich mit anderen Schülern in den Hintergrund tritt. Des Weiteren sollte überflüssiges Lob vermieden werden, da es dadurch zum sog. Korrumpierungseffekt kommen kann. Dieser kann auftreten, wenn Schüler/innen in Situationen, in denen sie bereits aus einer intrinsischen Motivation heraus handeln (sie sich z. B. aus Interesse oder aus Spaß an der Sache mit einem Lerngegenstand beschäftigen), einen zusätzlichen extrinsischen Anreiz (z. B. in Form eines Lobs) dargeboten bekommen. Als Folge dessen wird ihre ursprüngliche primäre intrinsische Motivation verdrängt. Fällt nun der äußere Anreiz weg, dann wird das (ursprünglich intrinsisch motivierte) Verhalten nicht mehr oder zumindest weniger gezeigt. Lob sollte weiterhin die vorhandenen oder die durch Lernen hinzugewonnenen Fähigkeiten herausstellen. Dadurch entsteht Kompetenzerleben, welches intrinsische Motivation fördert.
  • Nennen Sie drei Determinanten der Erfolgserwartung.

    Lösung

    Die Erfolgserwartung bei der Bearbeitung einer Aufgabe wird u. a. determiniert durch die Einschätzung der objektiven Aufgabenschwierigkeit als Umweltfaktor, die Höhe des Fähigkeitsselbstkonzepts als Personenfaktor und das Ausmaß an Anstrengung, welches man zur Bewältigung der Aufgaben einsetzen möchte. Dabei gilt, dass die Erfolgserwartung umso höher ist, je objektiv leichter die Aufgabe, je höher das Fähigkeitsselbstkonzept und je höher die intendierte Anstrengung ist. Eine weitere Determinante der Erfolgserwartung sind frühere Erfahrungen in leistungsbezogenen Situationen und diesbezüglich insbesondere die kausale Interpretation früherer Ergebnisse. Hierbei ist insbesondere wichtig, inwiefern die Ursache für Erfolg oder Misserfolg als stabil und global eingeschätzt wird (vgl. auch Aufgabe 2).
  • Beschreiben Sie mögliche Nebenwirkungen der Inklusion auf das Fähigkeitsselbstkonzept und beschreiben Sie Möglichkeiten der Lehrperson, diese Nebenwirkungen zu verhindern.

    Lösung

    Eine mögliche Nebenwirkung der Inklusion auf das Fähigkeitsselbstkonzept von inklusiv beschulten Kindern kann durch den Bezugsgruppeneffekt zustande kommen. Dieser Effekt besagt, dass bei vergleichbar leistungsstarken Schüler(inne)n die Höhe des Fähigkeitsselbstkonzepts von der Leistungsstärke der Lerngruppe (Schulklasse) abhängt. Voraussetzung für diesen Effekt ist, dass Schüler/innen zur Bewertung ihrer Leistungen eine soziale Bezugsnorm heranziehen, da dann in einer leistungsstarken im Vergleich zu einer leistungsschwachen Klasse für die Schüler/innen eine höhere Wahrscheinlichkeit gegeben ist, dass ihre Leistungen hinter den Leistungen ihrer Klassenkamerad(inn)en zurückbleiben und damit als unzureichend erlebt werden. Infolgedessen kann bei diesen Schüler(inne)n ein niedrigeres Fähigkeitsselbstkonzept entstehen, was sich wiederum negativ auf deren Lernverhalten und Leistung auswirken kann.
    Diese ungewollten Nebenwirkungen von Inklusion können jedoch durch die Lehrperson abgemildert/verhindert werden. Wenn Lehrpersonen beispielsweise häufiger die individuelle Bezugsnorm zur Bewertung von Leistungen (z.B. bei Rückmeldungen zu den Hausaufgaben) heranziehen und die soziale Bezugsnorm mehr in den Hintergrund rücken, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich ihre Schüler/innen untereinander vergleichen, wodurch auch Bezugsgruppeneffekte abgeschwächt werden.
    Eine andere Möglichkeit, die sich den Lehrpersonen bietet, wäre das Ausnutzen des „basking in reflected glory effect“ (BIRG-Effekt). Dieser beschreibt, dass sich eine Person in bestimmten Bereichen (z. B. im Bereich des Fähigkeitsselbstkonzepts) aufwertet, wenn sie sich einer Gruppe zugehörig fühlt, deren Status oder deren Fähigkeiten von Außenstehenden als hoch angesehen werden. Regt eine Lehrperson den BIRG-Effekt an, dann kann damit die Inklusion leistungsschwacher Schüler in eine vergleichsweise leistungsstarke Bezugsgruppe zu einem höheren Fähigkeitsselbstkonzept führen.
  • Definieren Sie den Begriff „motivationale Zielorientierungen“ und nennen Sie drei solche Zielorientierungen.

    Lösung

    Bei motivationalen Zielorientierungen handelt es sich um eine habituelle Präferenz für eine bestimmte Art von Ziel in Lern- und Leistungskontexten. Man unterscheidet Lernziele, Annäherungsleistungsziele und Meidenleistungsziele. Lernziele sind dadurch definiert, dass durch die Aufgabenbearbeitung ein Zuwachs an Kompetenz oder Fertigkeiten angestrebt wird. Personen, die ein Annäherungsleistungsziel verfolgen, sind darauf bedacht, ihre Kompetenzen zu validieren und zu demonstrieren. Personen, die hingegen ein Meidenleistungsziel verfolgen, sind darauf bedacht, ihre Inkompetenz zu verbergen.
  • Beschreiben Sie die Auswirkungen der Bezugsnormorientierung der Lehrenden auf die motivationale Zielorientierung der Lernenden.

    Lösung

    Die Bezugsnormorientierung von Lehrern kann die Zielorientierung von Schülern sowohl direkt als auch indirekt beeinflussen. Bezüglich der indirekten Auswirkungen ist anzunehmen, dass Schüler von Lehrern mit sozialer Bezugsnormorientierung eher leistungszielorientiert sind, da sie sich notwendigerweise mit ihren Mitschülern vergleichen müssen, um einschätzen zu können, ob ihr Lehrer ihre Leistung als gut oder schlecht bewerten wird. Lehrer mit individueller Bezugsnormorientierung hingegen geben bei informellen Leistungsrückmeldungen häufiger individuelles Feedback, bei dem sie vor allem die Leistungsentwicklung über die Zeit herausstellen. Dadurch fördern diese Lehrer bei ihren Schülern eine „incremental theory of intelligence“, die als Folge eine Lernzielorientierung nach sich zieht. Lehrer mit individueller Bezugsnormorientierung attribuieren Schülerleistungen zudem primär auf variabel-kontrollierbare Ursachen (z. B. Anstrengung), während Lehrer mit sozialer Bezugsnormorientierung stabil-unkontrollierbare Ursachen präferieren (z. B. Fähigkeit). Auch hierdurch wird die implizite Theorie über die Stabilität von Intelligenz und Begabung der Schüler beeinflusst und in der Folge die Zielorientierung.
    Neben den soeben beschriebenen indirekten Einflüssen der Bezugsnormorientierung determiniert diese die Zielorientierung auch direkt. So vermitteln Lehrkräfte mit sozialer Bezugsnorm ihren Schülern möglicherweise, dass der soziale Status, den man in der Klasse einnimmt, bedeutsam ist. Um einen hohen sozialen Status zu erlangen, treten dann die Schüler mit anderen Schülern in Wettbewerb und versuchen, hohe Fähigkeiten zu demonstrieren und niedrige zu verbergen, um in diesem Wettbewerb gut abzuschneiden. Auf diese Weise wird Leistungszielorientierung gefördert. Demgegenüber betonen Lehrkräfte mit individueller Bezugsnorm die Wichtigkeit des persönlichen Lernfortschritts. Mit anderen Schülern zu wetteifern wird dadurch unwichtig. Wichtig ist dagegen die Entwicklung der eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten. Auf diese Weise wird eine Lernzielorientierung gefördert.
  • Definieren Sie den Begriff „elterliche bedingte Wertschätzung“ und erläutern Sie, inwiefern diese als Verstärkung und Bestrafung im Sinne des operanten Konditionierens gesehen werden kann.

    Lösung

    Bei bedingter Wertschätzung handelt es sich um eine Sozialisationsstrategie zum Aufbau bzw. zur Modifikation von kindlichen Einstellungen und Verhaltensweisen, bei der Eltern das Ausmaß ihrer Zuneigung und Wertschätzung abhängig machen von spezifischen kindlichen Verhaltensweisen oder Leistungsresultaten. Elterliche bedingte Wertschätzung ist dahingehend konzeptuell mit dem operanten Konditionieren verwandt, denn die dem Kind entgegengebrachte Wertschätzung kann als positiver Verstärker angesehen werden und die dem Kind entzogene Wertschätzung als Bestrafung.
  • Beschreiben Sie den Zusammenhang zwischen elterlicher bedingter Wertschätzung und (a) Selbstwerthöhe sowie (b) Selbstwertkontingenz.

    Lösung

    Die Sozialisationsstrategie der bedingten Wertschätzung vermittelt dem Kind, dass es nur unter bestimmten Bedingungen Wertschätzung verdient. Die Folge dessen ist, dass das Kind seinen Selbstwert vom Erfüllen externer Kriterien abhängig macht, es also einen kontingenten Selbstwert entwickelt. Daraus resultierend wird die Höhe des Selbstwerts der Person wesentlich dadurch bestimmt, ob sie die jeweiligen externen Kriterien, von deren Erreichen ihr Selbstwert abhängt, erreicht oder nicht erreicht.
  • Definieren Sie den Begriff „selbstgesteuertes Lernen“.

    Lösung

    Selbstgesteuertes Lernen wird von Weinert (1982) definiert als eine Lernform, bei der der Lernende „… die wesentlichen Entscheidungen, ob, was, wann, wie und woraufhin er lernt, gravierend und folgenreich beeinflussen kann“.
  • Beschreiben Sie, wie Lehrende selbstgesteuertes Lernen fördern können.

    Lösung

    Selbstgesteuertes (Synonym: selbstreguliertes) Lernen lässt sich durch verschiedene Strategien fördern. In der Planungsphase können Lehrkräfte Schüler darin unterstützen, sich motivationsförderliche Ziele zu setzen, indem sie das SMART-Prinzip anwenden. Nach diesem Prinzip ist ein Ziel immer dann motivationsförderlich, wenn es konkret genug formuliert wird und verdeutlicht, wann das Ziel erreicht ist („specific“), wenn es bedeutsam für den Schüler („meaningful“), erreichbar („achievable“) und dabei weder zu leicht noch zu schwer („realistic“) ist und wenn klar ist, zu welchem Zeitpunkt der Schüler dieses Ziel erreicht haben sollte („timely“). Schülern, denen es schwer fällt, Ziele zu formulieren bzw. sich an diese zu binden, können in der Planungsphase außerdem von sog. Verhaltensverträgen profitieren. In diesen werden Ziele anhand konkreter Kriterien sowie Belohnungen für die Zielerreichung definiert. Dabei sollte der Schüler aktiv und auf Augenhöhe in die Vertragsverhandlungen einbezogen werden.
    In der Durchführungsphase können Schüler durch spezielle Selbstinstruktionsstrategien unterstützt werden, planvoll und strukturiert zu arbeiten. Dabei können zu Beginn beispielsweise verschiedene Signalkarten mit bestimmten Symbolen eingesetzt werden. Mit zunehmender Übung lernen die Schüler, die Strategien allein anzuwenden und auch auf andere Situationen zu übertragen. Darüber hinaus kann auch der Umgang mit äußeren und inneren „Ablenkern“ trainiert werden.
    In der Reflexionsphase können Lehrkräfte Schüler insbesondere bei der Bewertung und Interpretation von Lernergebnissen durch sog. Lerntagebücher unterstützen. Indem die Schüler diese über mehrere Wochen einsetzen und dabei anhand von einigen geschlossenen Fragen täglich ihr Lernverhalten beurteilen, können sie lernen, ihren eigenen Lernprozess systematisch zu analysieren und realistisch einzuschätzen, ohne dass diese Einschätzung rückblickend verzerrt wird.
  • Definieren Sie den Begriff „Self-Handicapping“ und beschreiben Sie, wann man aus dem Lernprozess aussteigt und stattdessen Selbstwertregulation betreibt.

    Lösung

    Self-Handicapping ist eine Strategie zur antizipatorischen Attributionskontrolle, welche ermöglichen soll, die Attribution von Misserfolg auf internal-stabil-global-unkontrollierbare und damit selbstwertbelastende Ursachen zu vermeiden und stattdessen eine Attribution des Misserfolgs auf externale oder internal-variabel-kontrollierbare, also selbstwertschützende Ursachen vorzunehmen. Self-Handicapping kann sich in sehr unterschiedlichen Verhaltensweisen äußern, welche entweder aktiv angeeignet sind (z. B. Substanzmissbrauch, Anstrengungsverringerung) oder behauptet werden (z. B. das Anführen von Prüfungsangst, Schlafmangel oder angeblicher Krankheiten).
    Laut Boekaerts (Boekaerts & Niemivirta, 2000) verfolgen Lernende während des Lernens zwei Arten von Zielen. Zum einen streben sie danach, sich persönlich weiterzuentwickeln, indem sie ihre Kompetenzen erweitern, und zum anderen möchten sie negative Einflüsse auf ihren Selbstwert und ihr Wohlbefinden verhindern. Wenn nun im Lernprozess eine selbstwertbedrohliche Situation vorliegt, dann wird der sog. Coping-Mode aktiviert, bei dem die Person aus dem Selbstregulationsprozess aussteigt und stattdessen auf die Regulation ihres Selbstwerts umschaltet, indem sie beispielsweise Self-Handicapping betreibt, um damit ihren Selbstwert zu schützen. Der Regulation des Selbstwerts scheint im Sinne einer Bedürfnishierarchie ein größerer Stellenwert zuzukommen als der Regulation des Lernprozesses selbst. Demnach kann das eigentliche Lernziel nur verfolgt werden, wenn der Selbstwert ausgeglichen ist.
  • Bei der Aufgabenbearbeitung merkt ein Lernender, wie der Aufgabenwert stetig sinkt. Die Aufgabe erscheint immer weniger interessant, weniger nützlich und auch irgendwie immer weniger wichtig. Beschreiben Sie Strategien, die der Lernende nutzen kann, um den Aufgabenwert wieder zu erhöhen.

    Lösung

    Erscheint eine Aufgabe immer weniger interessant, nützlich und wichtig, so kann deren Aufgabenwert durch den Einsatz verschiedener Strategien zur Motivationsregulation wieder erhöht werden. Lernende können beispielsweise ihr Interesse an der Aufgabe steigern, indem sie bestimmte Aspekte der Aufgabe verändern (z. B. bunte Stifte benutzen, um einen Text abzuschreiben) oder die persönliche Bedeutsamkeit steigern (sich z. B. überlegen, inwiefern die vorliegende Aufgabe mit eigenen Interessen und Vorlieben zusammenhängt). Alternativ können Lernende Strategien zur Selbstinstruktion einsetzen, indem sie sich beispielsweise sagen, dass sie sich mehr anstrengen müssen, wenn sie sich vor anderen nicht blamieren wollen. Die Motivation lässt sich auch durch das Setzen von Selbstbelohnungen (z. B. nach dem Lernen ins Kino gehen) anregen. Außerdem können Lernende sich bei der Bearbeitung einer Aufgabe Teilziele setzen, deren Erreichen schneller und leichter ist und dadurch die Motivation steigert. Auch die Strategie der Umweltkontrolle kann dahingehend motivationsfördernd sein, dass durch die Veränderung der Lernumwelt innere und äußere Ablenker kontrolliert werden.
  • Welche Bedeutung hat die Mitarbeitermotivation für Unternehmen und deren Beschäftigte?

    Lösung

    Mitarbeitermotivation hat eine immense Bedeutung für Beschäftigte und Unternehmen. Sie beeinflusst Leistung, bestimmt Arbeitszufriedenheit und Commitment und entscheidet letztlich über den Erfolg von Individuen, Teams und Organisationen. Zudem ist sie eine strategische Schlüsselvariable im interorganisationalen Wettbewerb.
  • Was sind die klassischen Theorien der Mitarbeitermotivation?

    Lösung

    Im vorliegenden Kapitel angesprochen:
    - Zweifaktorentheorie (Herzberg)
    - Theorie der gelernten Bedürfnisse (McClelland)
    - VIE-Theorie (Vroom)
    - Weg-Ziel-Theorie (House & Mitchell)
    - Zielsetzungstheorie (Locke & Latham)
    - Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan)
    Weitere im Buch angeführte Theorien, z. B.:
    - Maslows Bedürfnishierarchie und deren Weiterentwicklungen (z. B. Alderfers ERG-Theorie)
    - Risikowahlmodell (Atkinson)
    - Equity-Theorie (Adams)
  • Welche zwei Gruppen von Faktoren nennt Herzberg in seiner „Zweifaktorentheorie“? Wie hängen sie zusammen?

    Lösung

    Die zwei Faktoren sind Motivatoren und Hygienefaktoren. Erfüllte Motivatoren, wie z. B. der Spaß an der Arbeit, Anerkennung oder Ausstiegschancen, machen zufrieden und motivieren. Unerfüllte Motivatoren machen nicht zufrieden, jedoch nicht gleich unzufrieden. Unzufrieden machen dagegen nicht erfüllte Hygienefaktoren, wie z. B. Arbeitsplatzsicherheit, physische Arbeitsbedingungen oder das Gehalt. Sind die Hygienefaktoren erfüllt, so ist der Beschäftigte nicht unzufrieden, aber auch noch nicht zufrieden. Zufriedenheit und Unzufriedenheit sind somit unabhängig voneinander.
  • Wie ist nach Herzberg die Motivationslage einer Mitarbeiterin, die zwar nicht unzufrieden ist, aber auch nicht zufrieden? Welche Anreize sollte man dieser Mitarbeiterin setzen, damit sie zufriedener wird?

    Lösung

    Die Mitarbeiterin ist nach Herzberg zwar nicht demotivert, allerdings auch nicht motiviert. Entsprechend sollte man Anreize setzen, die nach Herzberg als Motivatoren fungieren können. Beispiele: Entwicklungs- und Aufstiegschancen, Lob und Anerkennung, Verantwortung, herausfordernde, aber machbare Aufgaben.
  • Von welchen Variablen wird die „Motivationskraft“ laut der VIE-Theorie bestimmt?

    Lösung

    Die „Motivationskraft“ wird von
    - der Erwartung (E) bestimmt, die in Frage stehende Handlung erfolgreich erledigen zu können,
    - der Instrumentalität (I) des Handlungsergebnisses für die individuell als bedeutsam erachteten Handlungsfolgen bedingt,
    - den Valenzen (V) der antizipierten Handlungsfolgen beeinflusst.
    In der Modellvorstellung der VIE-Theorie sind diese Variablen multiplikativ verknüpft und unabhängig voneinander.
  • Weshalb ist der praktische Nutzen der VIE-Theorie eher begrenzt?

    Lösung

    Die subjektive Bedeutung der drei Komponenten unterliegt großen Schwankungen. Bei einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kann man deshalb weder vorhersagen, wie Instrumentalitäten, Erwartungen und Valenzen gewichtet werden, noch vorhersagen, wie sich deren multiplikative Verknüpfung auf die tatsächliche resultierende Motivation auswirkt (idiosynkratisches Kalkül).
    Die streng rationale Berechnung der Motivation in Entscheidungssituationen gelingt nicht, weil andere Einflussfaktoren (beispielsweise Emotionen) eine größere Wirkung als die drei Komponenten besitzen. In der Praxis kommt es demgemäß oft zu „Bauchentscheidungen“, die mit dem multiplikativen Entscheidungskalkül der VIE-Theorie weder vorhergesagt noch erklärt werden können.
    Die praktischen Ableitungen und Empfehlungen aus der Theorie beruhen weitestgehend nicht auf empirischen Studien, weshalb ihre Effektivität nicht sichergestellt ist.
  • Welche Mediatoren und Moderatoren werden in der Zielsetzungstheorie postuliert? Wie wirken sie?

    Lösung

    Als wichtigste Mediatoren der Zielwirkung werden Anstrengungsbereitschaft, Verhaltensrichtung und Verhaltenspersistenz sowie Selbstwirksamkeitsüberzeugungen und geeignete Strategien zur Aufgabenbewältigung genannt. Die drei erstgenannten sind die klassischen Bestimmungsstücke der Motivation. Ihr Vorhandensein wirkt sich positiv auf die Zielerreichung aus. Selbstwirksamkeitsüberzeugungen beeinflussen gemäß der Zielsetzungstheorie sowohl direkt diese motivationalen Faktoren als auch die Zielsetzung selbst. Dementsprechend nehmen sie eine zentrale Rolle bei Zielsetzung und -erreichung ein. Ihr Einfluss ist allerdings nicht linear im Sinne von „mehr ist besser“. Schließlich können Aufgabenstrategien als Ressourcen und Problemlösemittel charakterisiert werden, die sich bei einmal gesetzter Zielschwierigkeit und gegebener Motivation positiv auf die Zielerreichung auswirken.
    Als wichtigste Moderatoren werden Zielbindung, eigene Fähigkeiten, Feedback, situative Grenzen und die Aufgabenkomplexität identifiziert. Ihr Vorhandensein wirkt sich generell positiv auf die Zielerreichung aus, wobei zum Einfluss der Aufgabenkomplexität weitere Moderatoren diskutiert werden, die einen nichtlinearen Einfluss auf die Zielerreichung nahelegen.
  • Was besagt die Weg-Ziel-Theorie?

    Lösung

    Die Weg-Ziel-Theorie besagt, dass Führungskräfte die Beschäftigten darin unterstützen sollten, den besten Weg zum Erreichen ihrer Ziele zu finden und zu beschreiten. Hierfür sollten Sie die Valenzen, Instrumentalitäten und Erwartungen der Beschäftigten erfassen und beeinflussen, so dass die gewünschten Verhaltensintentionen gebildet werden.
  • Welche drei Grundbedürfnisse stellen den Kern der Selbstbestimmungstheorie dar?

    Lösung

    Die drei Grundbedürfnisse der Selbstbestimmungstheorie sind Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit.
  • Was versteht man im Rahmen der Selbstbestimmungstheorie unter „Internalisierung“?

    Lösung

    Internalisierung ist der Prozess der „Zueigenmachung“ von ursprünglich externalen Handlungszielen. Im Rahmen der organismischen Integrationstheorie werden vier Stufen extrinsischer Handlungsregulation unterschieden: externale Regulation, introjizierte Regulation, identifizierte Regulation und integrierte Regulation. Die letzteren beiden stellen laut der Selbstbestimmungstheorie bereits Formen autonomer Motivation dar.
  • Weshalb kann die Selbstbestimmungstheorie noch nicht den Anspruch einer vollständigen Theorie der Arbeitsmotivation erfüllen?

    Lösung

    Die Selbstbestimmungstheorie kann noch nicht den Anspruch einer vollständigen Theorie der Arbeitsmotivation erfüllen, da sie (bis jetzt) nur einen Einfluss von autonomer Motivation auf Arbeitsmotivation gezeigt hat, der differentielle Einfluss der unterschiedlichen Arten von autonomer und kontrollierender Motivation jedoch nicht belegt wurde. Zudem ist sie vor allem im Kontext von Bildungseinrichtungen und im psychologischen Labor gut validiert. Eine gründliche Validierung im Arbeitskontext steht bislang noch aus.
  • Welchen methodischen Schwächen unterliegt die Selbstbestimmungstheorie?

    Lösung

    - In gängigen Instrumenten für die Erhebung verschiedener theoriekonformer Motivationsarten kann empirisch nicht zwischen integrierter und intrinsischer Motivation unterschieden werden, obwohl theoretisch hier ein deutlicher Unterschied besteht.
    - Der Erklärungsbeitrag der kontrollierten Motivationsarten an verschiedenen arbeitsrelevanten Variablen ist sehr gering. Dies stellt die postulierte Rolle kontrollierter Motivation im Arbeitskontext in Frage.
    - Spezifität der Untersuchungsbedingungen: Die Theorie wurde zumeist im Labor oder im Schulkontext getestet und ist dementsprechend am besten für Bildungseinrichtungen und deren Spezifika validiert.
  • Nennen Sie die strukturellen Komponenten und die funktionalen Mechanismen des 3K-Modells. In welchem Zusammenhang stehen diese zueinander?

    Lösung

    Das 3K-Modell besteht aus drei strukturellen Komponenten, die auf einer distalen und einer proximalen Ebene betrachtet werden können. Auf der distalen Ebene handelt es sich hierbei um implizite und explizite Motive sowie subjektive Fähigkeiten, auf der proximalen Ebene um affektive und kognitive Präferenzen sowie skriptgestützte Verhaltensroutinen. Die drei Komponenten sind in dem 3K-Modell als Kreise dargestellt, welche sich teilweise überlappen und somit verdeutlichen, dass die Komponenten im Einklang stehen können, aber nicht müssen. Die funktionalen Mechanismen sind Volition und Problemlösen. Sie werden benötigt, um fehlende bzw. unzureichende Motivation zu kompensieren (Volition) und um fehlende Fähigkeiten zu kompensieren (Problemlösen).
  • Was ist der Unterschied zwischen latenter und manifester intrinsischer Motivation im 3K-Modell?

    Lösung

    Latente intrinsische Motivation liegt dann vor, wenn implizite Motive angeregt sind und es zugleich keine aktivierten expliziten Motive gibt, die im Konflikt mit dieser Anregung stehen. Manifest wird intrinsische Motivation erst dann, wenn die Anregung impliziter Motive auf proximaler Ebene als das Vorhandensein affektiver Präferenzen erfahren wird.
  • Was ist der Unterschied zwischen distalen und proximalen motivationalen Konstrukten?

    Lösung

    Distale und proximale motivationale Konstrukte unterscheiden sich in ihrer Verhaltensnähe zum motivationalen Konstrukt, wobei das proximale motivationale Konstrukt näher am tatsächlichen Verhalten ist als das distale. Ein Beispiel für ein distales motivationales Konstrukt ist das implizite Machtmotiv. Der entsprechende proximale Indikator wären beispielsweise positive Emotionen während der Ausübung von Machthandlungen.
  • Eine Ihrer Mitarbeiterinnen bringt seit Längerem schon nicht mehr ihre gewohnte Arbeitsleistung. Sie wirkt lethargisch, unzufrieden und ineffizient. Sie vermuten, dass ein „Motivationsproblem“ dahinter steht. Wie können Sie das 3K-Modell nutzen, um Ihre Vermutung zu überprüfen und der Mitarbeiterin gegebenenfalls zu helfen?

    Lösung

    In der Praxis empfiehlt sich eine Situationsdiagnose mit der sog. 3K-Prüfung, mit der systematisch und tätigkeitsbezogen die drei strukturellen Komponenten der Motivation (Kopf, Bauch, Hand) abgefragt werden. Leitfragen:
    - Führt die Mitarbeiterin ihre Tätigkeiten gerne aus? (Bauch, implizite Motive, affektive Präferenzen)
    - Findet die Mitarbeiterin die ihr zugeteilten Tätigkeiten wichtig? (Kopf, explizite Motive, kognitive Präferenzen)
    - Ist die Mitarbeiterin der Überzeugung, dass sie die nötigen Fähigkeiten für die ihr übertragenen Tätigkeiten hat? (Hand, skriptgestützte Verhaltensroutinen, subjektive Fähigkeiten)
  • Wie würden Sie nach dem 3K-Modell einen Mitarbeiter motivieren, der seine Arbeit zwar wichtig findet und auch die nötigen Fähigkeiten dafür hat, aber Ängste und Unlust verspürt, wenn er an seine Arbeit denkt?

    Lösung

    Auf einer proximalen Ebene fehlen dem Mitarbeiter hier die nötigen affektiven Präferenzen, um die Handlung motiviert auszuführen. Affektive Präferenzen können beispielsweise durch motivkongruente Anreize oder eine motivkongruente Umgestaltung der Tätigkeit erzeugt werden. Weitere Möglichkeiten sind motivpassendes Reframing der Tätigkeit oder die Formulierung einer tätigkeitsbezogenen, motivanregenden Vision.
  • In welchen Aspekten ihrer Motivation unterscheiden sich ältere und jüngere Beschäftigte?

    Lösung

    - Ältere Arbeitnehmer legen mehr Wert auf tätigkeitsinhärente (intrinsische) Anreize.
    - Jüngeren Arbeitnehmern sind Arbeitsbeziehungen wichtiger.
    - Bei älteren Arbeitnehmer steigt die Motivation nach der Weitergabe eigener Erfahrungen (Generativität).
    - Ältere Arbeitnehmer besitzen im Allgemeinen höhere volitionale und motivationale Kompetenzen.
  • Wie wird die motivationale Wirkung von Gamification im Arbeitskontext erklärt?

    Lösung

    Es gibt unterschiedliche Ansätze, die motivationale Wirkung von Gamification im Arbeitskontext zu erklären. Laut Cardador et al. (2016) spielen hierbei ein affektiver und ein informationsbasierter Prozesse eine Rolle: Im Laufe des Spielens entsteht bei den Spielenden das positive Gefühl, die Aufgaben bewältigen zu können und den eigenen oder fremdgesetzten Zielen näher zu kommen (affektiver Prozess). Zudem steigt die Verfügbarkeit leistungsrelevanter Informationen (informationsbasierter Prozess). Laut Sailer et al. (2013) werden durch Gamification die drei großen Motive angesprochen: das Leistungsmotiv durch das Verdeutlichen von leistungsrelevanten Zielparametern und Fortschrittsanzeigen, das Machtmotiv durch die zu gewinnende Reputation und das Zur-Schau-Stellen von individuellen Fortschritten sowie das Anschlussmotiv durch das Etablieren von Teams und neuen Gruppen.
    Eine empirische Überprüfung beider Erklärungsansätze steht jedoch noch aus.
  • Weshalb können Visionen motivierender sein als „herkömmliche“ Ziele?

    Lösung

    Visionen zeichnen sich im Vergleich zu Zielen durch eine höhere Bildhaftigkeit aus. Da mentale Bilder implizite Motive anregen, sind Visionen in der Lage, affektive Präferenzen gegenüber den Visionsinhalten zu erzeugen und so die Entscheidung zu erleichtern, ob man die Vision „mit ganzem Herzen“ (sprich: Mit Unterstützung der eigenen impliziten Motive) verfolgen wird oder nicht. Bei herkömmlichen, nicht bildhaften Zielen ist der Zugang zum impliziten Motivsystem dagegen erschwert.
  • Warum kann Anschlussmotivation im Leistungssport hinderlich sein?

    Lösung

    In Wettkampfsituationen geht es zumeist um das Besiegen eines sportlichen Gegners. Das schließt zumindest im sportlichen Kontext eine Betonung des harmonischen, konfliktfreien Miteinanders aus.
  • Kann durch Sport Aggression im Sinne der Katharsis-Hypothese abgebaut werden?

    Lösung

    Die empirischen Befunde widersprechen mehrheitlich der Katharsis-Hypothese. Lediglich wenn sportliche Aktionen eine Revanche an der Person vermitteln, die aggressionsauslösende Frustration verursacht hat, kommt es zum Abbau einer aggressiven Motivation.
  • Wie unterscheiden sich Selbstkontrolle und Selbstregulation?

    Lösung

    Selbstkontrolle hemmt konkurrierende Reaktionen, während Selbstregulation motivationsförderliche Prozesse bahnt.
  • Sind Lageorientierte grundsätzlich die weniger erfolgreichen Sportler?

    Lösung

    In manchen Sportarten, die kurzfristigen Maximalkrafteinsatz erfordern (z. B. Gewichtheben, Kugelstoßen), können Lageorientierte sogar die erfolgreicheren Sportler sein. Auch hat sich gezeigt, dass sie auf der Spielmacherposition einer Sportspielmannschaft ein höheres kreatives Potenzial entwickeln können als Handlungsorientierte, zumindest solange negativer Affekt niedrig bleibt.
  • Fertig!

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