Allgemeine Psychologie für Bachelor: Wahrnehmung und Aufmerksamkeit
ISBN
978-3-642-12709-0

Inhalt

 

Wahrnehmung

 

Aufmerksamkeit

 

 

Kapitel 1: Wahrnehmung und Aufmerksamkeit: Gemeinsam zum Ziel

  • 1.1 Kenntnisse der Wahrnehmung und Aufmerksamkeit sind allgemein wichtig
  • 1.2 Wahrnehmung im Überblick
    1. 1.2.1 Erkennen und Handeln
    2. 1.2.2 Aufgaben der Wahrnehmung
  • 1.3 Aufmerksamkeit im Überblick
    1. 1.3.1 Funktionen der Aufmerksamkeit: Selektion und Fokussierung
    2. 1.3.2 Aufmerksamkeit und Handeln

 

Lernziele
  • Warum sollten Sie sich für Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitspsychologie interessieren?
  • Wie würden Sie Wahrnehmung nach der Alltagserfahrung charakterisieren?
  • Wie würden Sie die Funktion der Aufmerksamkeit im Alltagshandeln charakterisieren?
  • Worin besteht eine grundlegende Schwierigkeit der Untersuchung der Wahrnehmung als Prozess?
  • Warum ist zwischen Erkennen und Handeln zu unterscheiden?
  • Wie ist der Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Aufmerksamkeit?
  • Worin bestehen die grundlegenden Aufgaben der Wahrnehmung?

 

Worum geht's?

Der Fortschritt bändigt sich selbst: Intelligente Systeme schützen Autofahrer vor zu vielen Informationen Regen peitscht auf die Windschutzscheibe, die Kreuzung verschwimmt zwischen den Scheibenwischern. Im Radio wird vor einem Orkan gewarnt. Da klingelt plötzlich das Telefon. Oder ist es das Signal, dass das Öl alle ist? Muss ich nach rechts oder links? Was sagt das Navigationssystem? Es ist das Telefon, ich kann doch jetzt nicht telefonieren!

Der moderne Autofahrer droht in Informationen zu ertrinken. In seinem Auto baut sich eine immer größere Reizflut aus Telefonanrufen, Navigationshinweisen und verschiedensten Signalen des Bordcomputers auf. Eigentlich soll der technische Fortschritt Autofahren ja sicherer und komfortabler machen. Doch besonders in kritischen Situationen kann ein Zuviel des Guten gefährlich sein – wenn die Informationsflut die Aufmerksamkeit des Fahrers verschluckt.

Dies hat auch die Automobilindustrie erkannt. Gemeinsam mit Wissenschaftlern sucht sie nach dem richtigen Umgang mit den rasanten technischen Entwicklungen. Die Lösung: Der Fortschritt soll den Fortschritt bändigen. Intelligente Systeme werden entwickelt, die Telefonate oder Informationen zurückhalten können, etwa wenn der Fahrer in eine scharfe Kurve einbiegt oder zum Überholen ansetzt.

»Workload-Manager« heißen diese Systeme in Fachkreisen. Es geht um den Umgang mit den Belastungen beim Fahren, englisch »Workload«. Ist die Belastung hoch, sollte der Fahrer vor jeder unnötigen Ablenkung geschützt werden. Bisher sind Workload-Manager überwiegend Thema für die Entwicklungslabors der  Autoindustrie. Doch zwei Autos von Volvo fahren schon serienmäßig mit einem intelligenten Informationssystem.

Das Bild der Fahrerbelastung setzt sich hier aus objektiven Daten aus dem Fahrzeug zusammen. So liefern Radsensoren Daten zur Geschwindigkeit, über das Lenkrad wird die Kurvenlage abgegriffen und über die elektronische Stabilitätskontrolle werden Beschleunigung und Neigung erfasst. Zudem berücksichtigt das System, ob Blinker, Scheibenwischer oder die Mittelkonsole bedient werden.

Melden nun mehrere Kanäle eine zu starke Aktivität – zum Beispiel beim Überholen oder Rangieren –, dann ist es so weit: Die Technik schützt den Menschen vor der Technik. Der Anruf der Ehefrau, die Meldung zum niedrigen Ölstand oder die schöne Stimme des Navigationssystems werden zurückgehalten. Doch die Information ist nicht verloren, sie wird nur verzögert dargeboten, sobald die Belastung vorbei ist. Das macht den Charme des Systems aus: Es arbeitet, ohne dass der Fahrer etwas bemerkt. Es ist gewissermaßen ein elektronisches Unterbewusstsein, das vor dem Informations-GAU schützt.

Doch die Forscher denken noch weiter. Wie schafft man es, dass der Fahrer in kritischen Situationen nicht selbst telefoniert oder das Radio bedient? Bei der Suche nach einer Antwort haben Psychologen vom Zentrum für Verkehrswissenschaften an der Universität Würzburg eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Der Mensch lässt sich von einer Maschine nur ungern etwas verbieten.

Das zeigte sich, als Probanden in einen Fahrsimulator gesetzt und aufgefordert wurden, den Bordcomputer während der Fahrt zu bedienen. »Fahrer, denen in einer kritischen Situation das System einfach ausgeschaltet wurde, reagierten regelrecht verärgert«, sagt die Psychologin Nadja Rauch. Nur Hinweismeldungen über kommende Belastungen seien akzeptiert worden.

Diese Ergebnisse könnten für eine neue Generation von Workload-Managern wichtig sein, die aktuell entwickelt werden. Es handelt sich um Systeme, die nicht nur auf die Fahrzeugsensorik, sondern auch auf die digitalen Karten der Navigationssysteme zugreifen.

Das macht die aktuelle Beanspruchung vorhersehbar, und den Fahrern kann ein elektronischer Schutzengel an die Seite gestellt werden. Der könnte dann nicht nur rechtzeitig Informationen zurückhalten, sondern auch früh genug den Zeigefinger in Form eines Warnsignals heben. Nach dem Motto: »Jetzt nicht telefonieren, denn gleich kommt dichter Verkehr.« Ende des Jahres will Audi einen Workload-Manager dieser neuen Generation vorstellen. »Wir brauchen dringend ein System, das den Überblick behält«, sagt Ingenieur Andreas Muigg, der die Entwicklung des Systems betreut.

Denn die Informationsdichte werde noch weiter zunehmen, sobald Konzepte der Fahrzeug-zu-Fahrzeug- Kommunikation realisiert würden. Das bedeutet, dass sich Autos gegenseitig über bestimmte Situationen informieren können, etwa über Bremsvorgänge oder das Einschalten der Warnblinkanlage. Diese Technik wollen die großen deutschen Autofirmen bald gemeinsam vorstellen. Bei dieser Informationsflut braucht es wohl umso mehr ein System, das einfach mal sagt: »Klappe halten!«
(Andreas Maisch, Tagesspiegel am 24.5.2007)

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Wahrnehmung

 

Kapitel 2: Eigenschaften der Wahrnehmung und theoretischer Rahmen

  • 2.1 Eigenschaften der Wahrnehmung
    1. 2.1.1 Begrenzungen
    2. 2.1.2 Selektivität
    3. 2.1.3 Konstruktivität
    4. 2.1.4 Zeitliche Dauer
    5. 2.1.5 Korrektheit und Nützlichkeit
    6. 2.1.6 Kontextabhängigkeit
    7. 2.1.7 Lernen und Entwicklung
    8. 2.1.8 Aktive Wahrnehmung
  • 2.2 Kognitionspsychologische Perspektive
    1. 2.2.1 Modularität
    2. 2.2.2 Verarbeitung
    3. 2.2.3 Repräsentation
  • 2.3 Wozu erfolgt eine Beschäftigung mit Wahrnehmung?
  • 2.4 Zur Theoriengeschichte der Wahrnehmungspsychologie
    1. 2.4.1 Klassifikation
    2. 2.4.2 Strukturalismus
    3. 2.4.3 Gestaltpsychologie
    4. 2.4.4 Funktionalismus
    5. 2.4.5 Ökologische Psychologie
    6. 2.4.6 Konstruktivismus
    7. 2.4.7 Evolutionsbiologische Perspektive

 

Lernziele
  • Welche Eigenschaften hat die Wahrnehmung?
  • Was bedeutet Selektivität, Konstruktivität und Kontextabhängigkeit der Wahrnehmung?
  • In welchem Sinne ist die Wahrnehmung korrekt?
  • Wodurch kann die kognitionspsychologische Perspektive der Wahrnehmungspsychologie charakterisiert werden?
  • Inwiefern braucht ein Verständnis der Wahrnehmungspsychologie eine evolutionsbiologische Perspektive?
  • Warum sollten Sie sich mit der Wahrnehmungspsychologie im Rahmen der Psychologie beschäftigen?

 

Worum geht's?

Sinnliche Empfindungen kommen zustande, indem äußere Reizmittel auf die empfindlichen Nervenapparate unseres Körpers einwirken, und diese in Erregungszustand versetzen. Die Art der Empfindungen ist verschieden, theils nach dem Sinnesorgan, welches in Anspruch genommen worden ist, theils nach der Art des einwirkenden Reizes. Jedes Sinnesorgan vermittelt eigenthümliche Empfindungen, welche durch kein anderes erregt werden können, das Auge Lichtempfindungen, das Ohr Schallempfindungen, die Haut Tastempfindungen. Selbst wenn dieselben Sonnenstrahlen, welche dem Auge die Empfindung des Lichts erregen, die Haut treffen und deren Nerven erregen, so werden sie hier doch als Wärme, nicht als Licht empfunden, und ebenso können die Erschütterungen elastischer Körper, welche das Ohr hört, von der Haut empfunden werden, aber nicht als Schall, sondern als Schwirren. Schallempfindung ist also die dem Ohr eigenthümliche Reaktionsweise gegen äußere Reizmittel, sie kann in keinem anderen Organ des Körpers hervorgebracht werden, und unterscheidet sich durchaus von allen Empfindungen aller übrigen Sinne.
(Helmholtz, 1913, S. 13)

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Kapitel 3: Gemeinsamkeiten von Sinnessystemen

  • 3.1 Phasen der Verarbeitung: Transduktion
  • 3.2 Kommunikation im Gehirn
  • 3.3 Primäre Areale des Kortex
  • 3.4 Allgemeine Eigenschaften der Sinnessysteme

 

Lernziele
  • Welche grundlegenden Phasen werden bei der Wahrnehmung eines Objektes durchlaufen?
  • Was ist die Funktion der Transduktion?
  • Wie erfolgt die Signalweiterleitung im Gehirn?
  • Woher weiß das Gehirn, dass es einen visuellen Reiz und keinen taktilen Reiz verarbeitet?
  • Wodurch ist die Verarbeitung von Rezeptoren und Neuronen beschränkt?
  • Was bedeuten die Begriffe Modalität, Quantität und Qualität?
  • Wie erfolgt die Anpassung eines Sinnessystems an die aktuellen Wahrnehmungsbedingungen?

 

Worum geht's?

Was ist nun unter allem, was wir wissen und was wir uns gegenseitig mitteilen können, das Allersicherste, das, was nicht dem geringsten Zweifel unterliegt? Darauf gibt es nur eine Antwort; es ist das, was wir selbst an unserem eigenen Leibe erfahren. Und da die exakte Wissenschaft es mit der Erforschung der Außenwelt zu tun hat, so dürfen wir gleich weiter sagen: es sind die Eindrücke, die wir im Leben unmittelbar durch unsere Sinnesorgane: Auge, Ohr usw. von der Außenwelt empfangen. Wenn wir etwas sehen, hören, fühlen, so ist das einfach eine gegebene Tatsache, an der kein Skeptiker rütteln kann.
(Max Planck, 1941, S. 6)

Hinsichtlich der Sinneswahrnehmung im Allgemeinen muss man sich klarmachen, dass das Wahrnehmungsvermögen die Fähigkeit ist, wahrnehmbare Formen ohne den Stoff aufzunehmen, wie der Wachs das eiserne oder goldene Zeichen des Siegelringes aufnimmt:er nimmt den Abdruck des goldenen oder bronzenen Zeichens auf, aber nicht qua Gold oder Bronze. Ähnlich wird auch durch das, was Farbe oder Geschmack oder Schall hat, auf die Wahrnehmung von etwas eingewirkt, aber nicht insofern es die bestimmte Sache genannt wird, sondern insofern es von eine bestimmten Qualität ist, d. h. kraft seiner charakteristischen Eigenschaften. Es ist das Hauptsinnesorgan, in dem dieses Vermögen sitzt. Faktisch ist es dasselbe (wie das Vermögen), aber sein Sein (was es ist) ist ein anderes. Denn das Wahrnehmende muss wohl etwas Ausgedehntes sein, aber es ist klar, dass die Fähigkeit wahrzunehmen, das Wahrnehmungsvermögen, nicht ausgedehnt, sondern so etwas wie das Wesen ist, das Vermögen des Organs.
(Aristoteles, De anima II.12.424a17)

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Kapitel 4: Psychophysik

  • 4.1 Klassische Psychophysik
  • 4.2 Schwellen
  • 4.3 Methoden
  • 4.4 Signalentdeckungstheorie (SDT)
  • 4.5 Grundlegende Gesetze der Psychophysik
    1. 4.5.1 Das Weber’sche Gesetz
    2. 4.5.2 Das Fechner’sche Gesetz
    3. 4.5.3 Das Potenzgesetz nach Stevens

 

Lernziele
  • Worin bestanden die Ziele der klassischen Psychophysik?
  • Welche Methoden wurden zur Erreichung der Ziele entwickelt?
  • Wovon hängt eine Schwelle ab?
  • Was unterscheidet die Sensitivität auf der Basis von Schwellen vom Sensitivitätsparameter der Signalentdeckungstheorie?
  • Was besagt das Potenzgesetz von Stevens?

 

Worum geht's?

Als exakte Lehre hat die Psychophysik wie die Physik auf Erfahrung und mathematischer Verknüpfung erfahrungsmäßiger Thatsachen, welche ein Mass des von der Erfahrung Gebotenen sind, zu fussen, und, soweit solches noch nicht zu Gebote steht, es zu suchen. Nachdem nun das Mass bezüglich der physischen Grössen schon gegeben ist, wird die erste und Hauptaufgabe dieser Schrift die Feststellung des Masses bezüglich der psychischen Größen sein, wo es bisher noch vermisst war: die zweite, auf die Anwendungen und Ausführungen einzugehen, welche es daran knüpfen.
(Fechner, 1860, S. III)

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Kapitel 5: Neurobiologie des Sehens

  • 5.1 Physikalische Grundlagen
  • 5.2 Auge
  • 5.3 Retina
    1. 5.3.1 Rezeptoren: Zapfen und Stäbchen
    2. 5.3.2 Horizontale, amakrine und bipolare Zellen
    3. 5.3.3 Ganglienzellen
  • 5.4 Adaptation
  • 5.5 Corpus geniculatum laterale
  • 5.6 Kortikale Verarbeitung

 

Lernziele
  • Wie wird das einfallende Licht durch das Auge verändert?
  • Wie erfolgt die Umwandlung von Licht in neuronale Signale?
  • Wie beeinflussen Verschaltungsprinzipien in der Retina die visuelle Verarbeitung?
  • Wie wird das Sehfeld im Gehirn abgebildet?
  • Welche Wege nimmt die Verarbeitung im Gehirn?
  • Wie sind die verschiedenen Informationen über ein Objekt repräsentiert?

 

Worum geht's?

Personen können eine Menge verschiedener Dinge sehen. Sie können Bäume, Sterne, Planeten, Berge, Flüsse, Stoffe, Tiger, Menschen, Dampf, Regen, Schnee, Gas Flammen ... Bilder, Zeichen, Filme, Handlungen sehen. Sie können Eigenschaften von Dingen wie die Farbe, Textur, Orientierung, Form, Kontur, Ort, Bewegung von Objekten sehen. Sie können Fakten sehen, beispielsweise den Fakt, dass ein Objekt eine Menge visueller Merkmale enthält oder in einer visuellen Beziehung zu einem anderen Objekt steht. Sehen, visuelle Erfahrung oder visuelle Wahrnehmung ist sowohl eine besondere Art menschlicher Erfahrung als auch eine grundlegende Quelle menschlichen Wissens der Welt. Weiterhin interagiert die visuelle Wahrnehmung in vielfältiger Weise mit dem Denken, Gedächtnis und dem Rest der Kognition.
(Jacob & Jeannerod, 2003, S. IX)

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Kapitel 6: Helligkeits- und Farbwahrnehmung

  • 6.1 Helligkeits- und Kontrastwahrnehmung
    1. 6.1.1 Helligkeitswahrnehmung
    2. 6.1.2 Laterale Hemmung
    3. 6.1.3 Kognitive Mechanismen bei der Kontrastverstärkung
    4. 6.1.4 Entdeckung von Kontrasten
    5. 6.1.5 Selektive Adaptation
    6. 6.1.6 Zeitliche Kontraste
    7. 6.1.7 Kontraste und Objekte
  • 6.2 Farbwahrnehmung
    1. 6.2.1 Reflexionsspektren
    2. 6.2.2 Univarianz
    3. 6.2.3 Trichromatizität
    4. 6.2.4 Dimensionen wahrgenommener Farben
    5. 6.2.5 Theorien zur Farbwahrnehmung
    6. 6.2.6 Interaktionen von Farben

 

Lernziele
  • Warum ist die Kontrastwahrnehmung eine grundlegende Leistung des visuellen Systems?
  • Wie können verschieden Kontrastphänomene durch Verschaltungen in der Retina erklärt werden?
  • Welche Phänomene erfordern eine kognitive Erklärung?
  • Wieso ist die selektive Adaptation eine wichtige Methode zur Analyse in der Wahrnehmungspsychologie geworden?
  • Wieso kann mit einem Rezeptortyp allein keine Farbwahrnehmung gelingen?
  • Wie lassen sich Farbkontraste erklären?

 

Worum geht's?

Nachbilder
Als ich gegen Abend in eine Wirtshaus eintrat und ein wohlgewachsenes Mädchen mit blendenweißem Gesicht, schwarzen Haaren und einem scharlachroten Mieder zu mir ins Zimmer trat, blickte ich sie, die in einiger Entfernung vor mir stand, in der Halbdämmerung scharf an. Indem sie sich nun darauf hinwegbewegte, sah ich auf der mir entgegenstehenden weißen Wand ein schwarzes Gesicht, mit einem hellen Schein umgeben, und die übrige Bekleidung der völlig deutlichen Figur erschien von einem schönen Meergrün.
(Johann Wolfgang von Goethe, 1988, S. 79)

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Kapitel 7: Wahrnehmung von Bewegungen

  • 7.1 Funktion
  • 7.2 Bewegungsempfindliche neuronale Systeme
  • 7.3 Aperture- und Korrespondenzproblem
    1. 7.3.1 Aperture- oder Ausschnittproblem
    2. 7.3.2 Korrespondenzproblem
  • 7.4 Orientierung im Raum über die Bewegungsrichtung
  • 7.5 Erkennung von Objekten über ihre Bewegung
  • 7.6 Vermeidung von Kollisionen
  • 7.7 Eigenbewegung und Augenbewegung

 

Lernziele
  • Welche Funktionen kann die Bewegungswahrnehmung übernehmen?
  • Welche Arten der Bewegung werden wahrgenommen?
  • Wie können retinale Verschaltungen die Wahrnehmung von Bewegungen erklären?
  • Wie kann das Korrespondenzproblem gelöst werden?
  • Wie kann die Eigenbewegung des Beobachters von der Bewegung eines Objektes unterschieden werden?

 

Worum geht's?

Beeinträchtigung der Bewegungswahrnehmung

Die Patientin L.M. von Zihl, von Crammon und Mai (1983) litt als Folge einer Durchblutungsstörung an einer seltenen Beeinträchtigung der Wahrnehmung. Sie war weitgehend blind für Bewegungen, während andere Sehleistungen wie Sehschärfe, Farbensehen, Erkennen und Lokalisation unbewegter Objekte intakt waren. Sie beschrieb ihre Wahrnehmung beim Eingießen von Flüssigkeiten in einen Behälter: Die Flüssigkeiten erschienen ihr wie gefroren. Sie konnte auch die Bewegung von Personen nicht wahrnehmen. Sie war verunsichert, weil die Personen ständig an anderen Stellen im Raum auftauchten. Mit dem Verlust der Bewegungswahrnehmung geht auch die Fähigkeit zur Einschätzung von Geschwindigkeiten verloren. Damit einher ging eine Verunsicherung beim Überqueren einer Straße.

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Kapitel 8: Tiefenwahrnehmung

  • 8.1 Funktionen der Tiefenwahrnehmung
  • 8.2 Tiefenkriterien
    1. 8.2.1 Größe, Position, Verdeckung und Perspektive
    2. 8.2.2 Atmosphärische Farbverschiebung und lineare Perspektive
    3. 8.2.3 Bewegungsinformation
    4. 8.2.4 Akkommodation und Vergenz
    5. 8.2.5 Binokulare Tiefenwahrnehmung: Disparation
  • 8.3 Korrespondenzproblem
  • 8.4 Kombination von Tiefenkriterien
  • 8.5 Größenkonstanz

 

Lernziele
  • Wie kann aus einem zweidimensionalen Abbild auf der Retina Information über die Entfernung von Objekten vom Beobachter erhalten werden?
  • Welchen Vorteil bringt das beidäugige Sehen für die Tiefenwahrnehmung?
  • Wie werden die verschiedenen Tiefenkriterien für die Wahrnehmung der Tiefe kombiniert?
  • Wie trägt die Tiefenwahrnehmung zur Größenkonstanz bei?

 

Worum geht's?

Das Bild im Auge hat, wie eine Zeichnung auf Papier, nur zwei Dimensionen – egal, wo Sie sind und was Sie betrachten. Ob Sie im Wald gehen, Auto fahren, mit Freunden bei einer Party zusammensitzen – nie haben Sie drei Dimensionen im Auge, immer nur zwei. Damit sind Sie jedes Mal, wenn Sie Tiefe sehen müssen, mit einer prinzipiellen Mehrdeutigkeit konfrontiert. Diese Mehrdeutigkeit ist ein Sonderfall des Grundproblems des Sehens … Damit folgt, dass Sie die Tiefe, die Sie sehen, jedes Mal konstruieren … Sie konstruieren die Tiefe, die Sie auf der Straße, in Ihrem Büro, bei einem Fußballspiel oder vom Gipfel eines Berges sehen.
(Hoffman, 2003, S. 42)

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Kapitel 9: Form- und Objekterkennung

  • 9.1 Formwahrnehmung
  • 9.2 Wahrnehmung von Objekten
    1. 9.2.1 Schwierigkeiten der Analyse
    2. 9.2.2 Komponententheorien
  • 9.3 Szenenanalyse

 

Lernziele
  • Welches sind die wichtigsten Stufen der Objekterkennung?
  • Warum kann die Wahrnehmung der Form nicht auf die Wahrnehmung einzelner Merkmale zurückgeführt werden?
  • Nach welchen Kriterien strukturiert sich die Wahrnehmung?
  • Wie lassen sich diese Organisationsprinzipien interpretieren?
  • Worin liegen die Grundprobleme der Objekterkennung?
  • Welche Erklärungsansätze lassen sich unterscheiden?
  • Wieso werden andere kognitive Prozesse zur Erklärung der Objekterkennung gebraucht?

 

Worum geht's?

Beispiel: Nach einer Kohlenmonoxidvergiftung und zeitweiliger Blindheit erholte sich die visuelle Wahrnehmung des Patienten S. (Benson & Greenberg, 1969) weitgehend. Allerdings ein Defizit verblieb: Er konnte keine visuell dargebotenen Objekte benennen. Dagegen hatte er keine Schwierigkeiten bei der Benennung von Objekten, wenn er sie ertasten konnte. Er hatte noch ein relativ intaktes Auflösungsvermögen. Ebenso konnte er Objekte nach Farbe, Helligkeit und Größe vergleichen. Entsprechende Tests belegten, dass er ein normales Sehfeld hatte. Das zeitliche Auflösungsvermögen des visuellen Systems war auch im Normbereich. Weitere Tests zeigten allerdings ein Defizit in der Unterscheidung visueller Formen. Neben seinem Defizit in der Objekterkennung war er auch in der Erkennung von Gesichtern beeinträchtigt. Infolge der Schwierigkeiten in der Formwahrnehmung konnte er auch nur noch schlecht lesen.

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Kapitel 10: Auditive Wahrnehmung

  • 10.1 Funktionen des Hörens
  • 10.2 Physikalische Grundlagen
  • 10.3 Neurophysiologie
  • 10.4 Hörschwelle
  • 10.5 Lautstärke
  • 10.6 Tonhöhe
  • 10.7 Klangfarbe
  • 10.8 Räumliches Hören
  • 10.9 Auditive Szenenanalyse
  • 10.10 Sprache und Musik
    1. 10.10.1 Musik
    2. 10.10.2 Sprache

 

Lernziele
  • Welche Funktionen übernimmt das Hören?
  • Wie entsteht das elektrische Signal im Ohrinnern?
  • Welches sind die wesentlichen Charakteristika der Wahrnehmung von Schall?
  • Wie trägt das Hören zur Tiefenwahrnehmung bei?
  • Was zeichnet die Musikwahrnehmung aus?
  • Worin liegen die Schwierigkeiten der Sprachwahrnehmung?
  • Wie beeinflusst das Lernen die Sprachwahrnehmung?

 

Worum geht's?

Ich bin so taub, wie ich blind bin. Die Probleme der Taubheit sind tiefschürfender und komplexer, eigentlich gravierender als jene der Blindheit. Die Taubheit ist das größere Unglück. Denn sie bedeutet den Verlust des vitalsten Stimulus – des Klanges der Stimme, der die Sprache übermittelt, Gedanken anregt und uns am intellektuellen Leben der Menschen teilnehmen lässt. Wenn ich nochmals auf die Welt käme, würde ich noch viel mehr für die Tauben tun, denn Taubheit ist nach meiner Erfahrung eine viel stärkere Behinderung als Blindheit.
(Helen Keller in einem Brief an J. Kerr Love, nach Ackerman, 1991)

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Kapitel 11: Hautsinne und Schmerz

  • 11.1 Hautsinne
  • 11.2 Sinnesphysiologie
  • 11.3 Wahrnehmung von taktilen Reizen
  • 11.4 Schmerzwahrnehmung
  • 11.5 Funktionale Reorganisation infolge Übung und Nichtgebrauch
  • 11.6 Haptische Wahrnehmung

 

Lernziele
  • Welche Funktion haben die Hautsinne?
  • Wie unterscheiden sich die verschiedenen Rezeptoren der Haut?
  • Was wird unter dem sensorischen Homunkulus verstanden?
  • Welche Faktoren beeinflussen die Schmerzwahrnehmung?
  • Wie beeinflussen Nichtgebrauch von Körperteilen und Übung die Kartierung der Körperregionen im Gehirn?
  • Welche Funktion hat die Aktivität des Wahrnehmenden für die haptische Wahrnehmung?

 

Worum geht's?

Beispiel: Beim Ergreifen eines Gegenstandes melden spezielle Rezeptoren in Gelenken und Muskeln die Stellung von Armen, Beinen und Körper an das Gehirn. Die Tastrezeptoren der Haut vermitteln die Wahrnehmung der aufgewendeten Kraft und die Wirkungen des Gewichts des zu greifenden Gegenstandes. Schließlich muss auch der Druck der Füße zur Erhaltung des Gleichgewichts kontrolliert werden. All dies gelang Ian Waterman nicht mehr. Er hatte durch eine virale Infektion seine gesamte Körperwahrnehmung verloren. In einem aufwendigen Training gelang es ihm, über den intakten visuellen Sinn seine Körperbewegungen wieder zu kontrollieren. Allerdings musste er für diese Kontrolle die einzelnen Gliedmaßen ständig im Blick behalten. Er kompensierte den Verlust der Körperwahrnehmung durch die intakte visuelle Wahrnehmung. Der Sehsinn übernahm die Rolle eines ausgefallenen Sinns (Cole, 1995).

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Kapitel 12: Geschmack und Geruch

  • 12.1 Geschmack
    1. 12.1.1 Geschmack versus Aroma
    2. 12.1.2 Grundqualitäten
  • 12.2 Aromawahrnehmung
  • 12.3 Superschmecker
  • 12.4 Geruch
    1. 12.4.1 Das sensorische System
    2. 12.4.2 Codierung
    3. 12.4.3 Mischungen
    4. 12.4.4 Detektion und Diskrimination
    5. 12.4.5 Identifikation
    6. 12.4.6 Adaptation
    7. 12.4.7 Bewertung

 

Lernziele
  • Welche Funktion haben Riechen und Schmecken im Alltag?
  • Wodurch wird die Leistungsfähigkeit des Riechens bestimmt?
  • Wonach kann ein Geschmack klassifiziert werden?
  • Was sind die Besonderheiten der Wahrnehmung von Aromen?
  • Wie zeigen sich individuelle Unterschiede in der Aromawahrnehmung?
  • Wie erfolgt die Adaptation beim Riechen?
  • Warum ist der Zusammenhang zwischen Riechen und emotionaler Bewertung so eng?
  • Welche Rolle spielen kognitive Faktoren beim Riechen?

 

Worum geht's?

Der Duft ist ein mächtiger Zauberer, der uns über Tausende Meilen hinwegträgt, über all die Jahre, die wir gelebt haben. Der Duft der Früchte trägt mich in meine Heimat im Süden, erinnert mich an mein kindliches Herumtollen zwischen Pfirsichbäumen. Andere Düfte, spontan und flüchtig, öffnen mein Herz vor Freude oder verkrampfen es in schmerzlicher Erinnerung. Allein der Gedanke an Düfte weckt in mir liebe Erinnerungen an längst vergangene Sommertage und reifende Weizenfelder in der Ferne.
(Helen Keller, nach Diane Ackerman, 1991).

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Kapitel 13: Zusammenwirken der Sinne

  • 13.1 Multimodalität der Wahrnehmung
  • 13.2 Konflikte in der Wahrnehmung
  • 13.3 Integrative Verarbeitung
  • 13.4 Ausfall eines Sinnessystems und Reizentzug
    1. 13.4.1 Blindheit
    2. 13.4.2 Taubheit
  • 13.5 Synästhesie

 

Lernziele
  • Wie kann das Zusammenwirken der verschiedenen Sinnessysteme erfasst werden?
  • Nach welchen Kriterien wird konflikthafte Information ausgewertet?
  • Wie können sich Sinnessysteme unterstützen?
  • Was geschieht bei Ausfall eines Sinnessystems?
  • Was macht die Synästhesie für die Wahrnehmungspsychologie so interessant?

 

Worum geht's?

Farbe und Geschmack

In der modernen Gastronomie werden die gewohnten Farben von Speisen radikal geändert. Die Alltagserfahrung zeigt aber, dass die Farben von Nahrungsmitteln für die Bewertung wichtig sind. Allein die Werbeaktivitäten und Supermarktangebote zeigen, welche Rolle der Farbe zugewiesen wird. Entsprechende Untersuchungen belegen, dass die Farben einen Einfluss auf Geruch und Geschmack haben. So wurde gezeigt, dass die Erkennung eines Nahrungsmittels über den Geschmack verschlechtert wird, wenn die Farbe künstlich verändert wurde. Identifikationsleistungen sind besser, wenn neben dem Geschmack auch die gewohnte Farbe verwendet werden kann: das Rot der Tomate oder das Blau der Heidelbeere. Ähnliche Ergebnisse wurden auch beim Riechen erzielt. Möglicherweise liefert die Farbe eine Zusatzinformation, die »top down« auf die Identifikation von Objekten beim Riechen oder Schmecken Einfluss nimmt.

Marketing und Multisensorik

Im Marketing setzt sich zunehmend eine Strategie durch, die auf multisensorische Wahrnehmung setzt. Um ein neues Markenbild zu etablieren, werden immer häufiger multisensorische Merkmale genutzt. Aus der Forschung ist bekannt, dass sich fast 90% der Markenkommunikation an das Sehvermögen richtet. Es wird aber auch davon ausgegangen, dass fast drei Viertel der Emotionen durch Geruchssignale vermittelt werden. Verpackungsdesigner versuchen daher, möglichst viele Sinne in das Design einer Verpackung einzubeziehen. Es soll toll aussehen, interessante Geräusche beim Öffnen ergeben und beim Reiben auch noch gut riechen. Die Kundenansprache soll zunehmend alle Sinne einbeziehen. Dazu werden Ergebnisse der Wahrnehmungsforschung als Basis genutzt.

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Kapitel 14: Individuelle Unterschiede

  • 14.1 Kulturelle Einflüsse
  • 14.2 Erfahrung und Lernen
  • 14.3 Entwicklung
  • 14.4 Wahrnehmungsleistungen von Kleinkindern

 

Lernziele
  • Warum sind individuelle Unterschiede in der Wahrnehmung so wichtig?
  • Wie zeigen sich kulturelle Erfahrungen in der Wahrnehmung?
  • Wie kann Lernen die neuronale Verarbeitung beeinflussen?
  • Was kann Lernen in der Wahrnehmung verändern?
  • Welche entwicklungsbedingten Unterschiede sind in der Wahrnehmung zu erwarten?

 

Worum geht's?

Beispiel: Gebärdensprache und visuelle Wahrnehmung

Die Gebärdensprache ist räumlich gegliedert. Dies wirft die Frage auf, ob die Erfahrung im Umgang mit der Gebärdensprache die Fähigkeit zur räumlichen Wahrnehmung von Personen beeinflusst. In verschiedenen Experimenten ist tatsächlich gezeigt worden, dass Kinder, welche die Gebärdensprache beherrschen, bessere Leistungen in ausgewählten Bereichen der räumlichen Wahrnehmung haben als Kinder, die diese Sprache nicht beherrschen. Die Erfahrung im Umgang mit der Gebärdensprache führt zu einem Lerneffekt bei Leistungen wie Zergliederung einer Bewegung, Erkennung von Formen und Objekten, Unterscheidung von Gesichtern und mimischen Ausdrucksverhaltens.

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Aufmerksamkeit

 

Kapitel 15: Selektive Aufmerksamkeit

  • 15.1 Klassische Ansätze zur selektiven Aufmerksamkeit
    1. 15.1.1 Filtertheorie der Aufmerksamkeit
    2. 15.1.2 Attenuationstheorie der Aufmerksamkeit
    3. 15.1.3 Theorie der »späten« Selektion
  • 15.2 Selektive visuelle Aufmerksamkeit
    1. 15.2.1 Ortsbasierte visuelle Aufmerksamkeit
    2. 15.2.2 Crossmodale Aufmerksamkeitsorientierung
    3. 15.2.3 Objektbezogene visuelle Aufmerksamkeit
    4. 15.2.4 Dimensionsbasierte Aufmerksamkeit
  • 15.3 Visuelle Suche
    1. 15.3.1 Parallele und serielle Suche
    2. 15.3.2 Theorien der visuellen Suche
  • 15.4 Limitationen der selektiven visuellen Aufmerksamkeit
  • 15.5 Neurokognitive Mechanismen der selektiven visuellen Aufmerksamkeit
    1. 15.5.1 Die funktionale Architektur des visuellen Systems
    2. 15.5.2 Neurokognitive Mechanismen der selektiven visuellen Aufmerksamkeit
  • 15.6 Duncans (1996) Hypothese der integrierten Kompetition

 

Lernziele
  • Welche Befunde sprechen für eine frühe, welche für eine späte Selektion sensorischer Information, und wie können diese Befunde in theoretischen Modellen erklärt werden?
  • Wie lassen sich Mechanismen der orts-, objekt-, und merkmalsbasierten visuellen Aufmerksamkeit auf der Ebene behavioraler und neurokognitiver Analyse differenzieren?
  • Welche Beiträge leistet die Methode der visuellen Suche zum Verständnis der Informationsselektion und Objektwahrnehmung?
  • Wie können behaviorale und neuronale Befunde zur visuellen Aufmerksamkeit integriert werden?

 

Worum geht's?

Die Bedeutung der Selektionsfunktion der Aufmerksamkeit wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass zu einem gegebenen Zeitpunkt eine große Menge von auditiven, visuellen, taktilen etc. Reizen auf unsere verschiedenen Sinnesorgane einwirkt und sensorische Rezeptionsprozesse in Gang setzt. Allerdings wird uns nur ein kleiner Ausschnitt dieser Informationsmenge bewusst bzw. nur ein kleiner Ausschnitt aus dieser Menge determiniert unsere fortlaufende Interaktion mit der Umwelt. Das bedeutet, dass aus der Gesamtmenge der eingehenden sowie der im Gedächtnis gespeicherten Information immer wieder die relevante Teilmenge ausgewählt werden muss, um effizientes und störungsfreies Handeln zu ermöglichen. Auf welche Weise die Aufmerksamkeit diese Funktion erfüllt, ist Gegenstand der Forschung zur selektiven Aufmerksamkeit. Im Folgenden werden zunächst »klassische« Paradigmen, Befunde und theoretische Ansätze der experimentalpsychologischen Forschung zur selektiven auditiven Aufmerksamkeit dargestellt – nicht zuletzt, weil diese Forschung eine Reihe von theoretischen Kontroversen aufwarf, die die aktuelle Diskussion nach wie vor bestimmen. Sodann folgt eine Darstellung neuerer Forschungsarbeiten zur visuellen Aufmerksamkeit, die auch Schlüsselstudien zu den neurokognitiven Mechanismen einbezieht, die der visuellen Selektion zugrunde liegen.

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Kapitel 16: Aufmerksamkeit und Handlung

  • 16.1 Aufmerksamkeit und multiple Handlungen
    1. 16.1.1 Alles-oder-Nichts-Verteilung der Aufmerksamkeit
    2. 16.1.2 Graduelle Kapazitätsverteilung
    3. 16.1.3 Eine oder mehrere Verarbeitungskapazitäten/ Ressourcen?
    4. 16.1.4 Wie wird die Verteilung der Kapazität kontrolliert?
  • 16.2 Aufmerksamkeit, Automatizität und exekutive Kontrolle
    1. 16.2.1 Automatizität und Aufmerksamkeit
    2. 16.2.2 Aufmerksamkeit und exekutive Kontrolle
  • 16.3 Neuropsychologie der exekutiven Kontrolle
    1. 16.3.1 Der laterale präfrontale Kortex
    2. 16.3.2 Dynamische Kontrolle und lateraler präfrontaler Kortex
    3. 16.3.3 Der anteriore cinguläre Kortex

 

Lernziele
  • Welche Gesetzmäßigkeiten ergeben sich für das Verständnis der Aufmerksamkeit dadurch, dass Aufmerksamkeit im Kontext der Ausführung von Handlungen benötigt wird?
  • Warum ist es so schwierig, sich auf mehrere Handlungen gleichzeitig zu konzentrieren? Was bestimmt, wie Personen in solchen und anderen schwierigen Situationen ihre Aufmerksamkeit verteilen?
  • Wie funktioniert das Gehirn in Situationen, in denen erhöhte Anforderungen an die Verteilung der Aufmerksamkeit gestellt werden?
  • Gibt es Gehirnareale, die besonders mit der Regulierung von Aufmerksamkeit bei der Handlungssteuerung verbunden sind?
  • Welche Konsequenzen haben Erkrankungen oder Störungen des Frontalhirns für die Aufmerksamkeit und Handlungssteuerung?
  • Benötigen »automatisierte« Handlungen keine Aufmerksamkeitskapazität?

 

Worum geht's?

Wenn im Zuge der Informationsaufnahme sensorische Stimuli für die weitere Verarbeitung selektiert wurden, erfolgt darauf häufig ein extern beobachtbares Verhalten, das zur Erreichung von bestimmten Zielen nötig ist. So nimmt man den Stimulus eines roten Ampellichts nicht »nur« einfach wahr, um ihn zu sehen, sondern man führt darauf eine Handlung aus; z. B. reagiert man darauf durch Betätigen des Bremspedals eines Autos. Im Zusammenhang mit der Ausführung derartiger zielgerichteter Handlungen werden besondere Gesetzmäßigkeiten der Aufmerksamkeit deutlich. Diese können gut in Situationen erforscht werden, in denen die Handlungsausführung erhöhte Anforderungen an die Verteilung der Aufmerksamkeit stellt.

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