Entwicklungspsychologie des Jugendalters

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Entwicklungspsychologie des Jugendalters

ISBN: 
978-3-662-55792-1

Dieses Lehrbuch befasst sich mit der Entwicklungspsychologie des Jugendalters. Es vermittelt in verständlich geschriebenen Kapiteln Grund- und Anwendungswissen zu allen relevanten Entwicklungsbereichen und geht speziell auf für diese Lebensphase zentrale Themen ein, wie z. B. Medienkonsum, Sozialbeziehungen, Problemverhalten oder Berufswahl. Neben den wissenschaftlichen Grundlagen werden jeweils Bezüge zu konkreten Anwendungskontexten hergestellt.

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Der Inhalt

  • Entwicklung in wichtigen Funktionsbereichen: Körperliche Veränderungen, Kognition, Emotion, Selbstkonzept und Selbstwert, Sozialbeziehungen zur Herkunftsfamilie und zu Gleichaltrigen
  • Zentrale Themen des Jugendalters: Problemverhalten, Medienkonsum, Berufswahl
  • Psychische und physische Störungen
  • Institutionelle Unterstützung

 

Die Zielgruppen

  • Fortgeschrittene Studierende im Psychologiestudium
  • Angehende Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten
  • Andere berufliche Gruppen, die ihren Schwerpunkt im Jugendbereich haben

 

Der Herausgeber

Arnold Lohaus ist Professor für Entwicklungspsychologie und Entwicklungspsychopathologie an der Universität Bielefeld und Autor zahlreicher Fachpublikationen.

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BegriffErklärung
Adoleszenz"Die Adoleszenz, beginnend mit dem Eintritt in die Pubertät, umschreibt das Heranreifen eines Kindes zum Erwachsenen. Als Abschluss gelten u. a. eine umfassende Selbstständigkeit und eine abgeschlossene Hirnreifung. Die World Health Organization (WHO) definiert hierfür die Zeitspanne zwischen dem 11. und 20. Lebensjahr, wobei die tatsächliche Zeitspanne von sozioökonomischen, gesellschaftlichen und kulturellen Faktoren beeinflusst ist. Zur genaueren Beschreibung der Adoleszenz als eine Zeit vielschichtiger biologischer, psychologischer und sozialer Herausforderungen und Entwicklungen hat sich in den letzten Jahren eine weitere Untergliederung in die frühe, mittlere und späte Adoleszenz durchgesetzt. Dabei umfasst die frühe Adoleszenz primär die pubertäre Entwicklung (ca. 10–13 Jahre), die mittlere Adoleszenz den Zeitraum zwischen 14 und 16/17 Jahren, wohingegen die späte Adoleszenz geprägt ist vom direkten Übergang in das junge Erwachsenenalter (17–20 Jahre)."
Zirkadiane Rhythmik"Der Begrif zirkadian leitet sich aus den lateinischen Worten „circa“ (etwa, ungefähr) und „dies“ (Tag) ab. Die Rhythmik beschreibt eine regelmäßig wiederkehrende Ereignisabfolge. Damit beschreibt die zirkadiane Rhythmik alle biologischen Prozesse, die sich im regelmäßigen 24-Stunden-Abstand wiederholen. Beispiele sind der Blutdruck, der Puls, einige Hormonsekretionen, die Körpertemperatur, die kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit und der Tag-Nacht-Rhythmus."
Entwicklungsaufgabe"An das Lebensalter gebundene Anforderungen, die sich typischerweise jedem Individuum im Laufe seines Lebens stellen und deren erfolgreiche Bewältigung ausschlaggebend für einen positiven Entwicklungsverlauf ist. Sie ergeben sich durch das Zusammenspiel biologischer Veränderungen des Organismus, Erwartungen und Anforderungen, die aus dem sozialen Umfeld an das Individuum gestellt werden, sowie Erwartungen und Wertvorstellungen seitens des Individuums."
Schutzfaktor"Persönliche, familiäre oder soziale Merkmale, die das Risiko negativer Auswirkungen beim Eintreten von Belastungen verringern (Puffereffekt)."
Ressource"Persönliche, familiäre oder soziale Merkmale, die unabhängig vom Belastungsgrad eine positive Entwicklung begünstigen."
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Frage 1 von 81
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  • Was versteht man unter säkularer Akzeleration?

    Lösung

    Unter säkularer Akzeleration versteht man das Phänomen, dass in den westlichen Industrienationen der Beginn der Pubertät in den letzten 120 Jahren stetig gesunken ist. So hat sich z. B. bei Mädchen der Zeitpunkt der Menarche von durchschnittlich 17 Jahren auf 13 Jahre nach vorne verschoben. Es wird angenommen, dass hierfür primär eine verbesserte Ernährung und medizinische Versorgung verantwortlich waren. Seit den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts konnte jedoch keine weitere Vorverlegung des Menarchealters für die meisten europäischen Länder mehr gezeigt werden.
  • Wie kann man die Pubertätsentwicklung bei Jugendlichen messen?

    Lösung

    Die Pubertätsentwicklung kann anhand der sichtbaren, sekundären Geschlechtsmerkmale mithilfe der Tanner-Stadien klassifiziert werden. Sexualhormone können ferner im Blut, im Speichel oder im Sammelurin gemessen werden.
  • Welchen Einfluss hat die Pubertät auf die Stressempfindlichkeit?

    Lösung

    Die Sensitivität der Stressachse kann sich während der Adoleszenz stark verändern. So führt die erhöhte Freisetzung von männlichen Sexualhormonen zu einer Inhibition der Stressachse bei Jungen. Östrogene, d. h. weibliche Sexualhormone, erhöhen hingegen die Stimulation der Stressachse, sodass die Stressreaktion bei Mädchen verstärkt wird. Auch regelmäßig wiederkehrender emotionaler Stress kann die Sensitivität der Stressachse beeinflussen. Umgekehrt können langanhaltende, chronische Stressreaktionen einen Einfluss auf die weitere hormonelle und Pubertätsentwicklung haben.
  • Wodurch ist die Hirnentwicklung von Jugendlichen charakterisiert?

    Lösung

    Die adoleszente Hirnentwicklung ist durch eine Imbalance zwischen früher reifenden subkortikalen Hirnarealen und später reifenden kortikalen, insbesondere präfrontalen Arealen charakterisiert. Insbesondere das limbische und das Belohnungssystem entwickeln sich schneller verglichen mit dem kortikalen Kontrollsystem. Dies fu?hrt in der fru?hen Adoleszenz zu einer verringerten Hemmung des limbischen und des Belohnungssystems, wodurch eine starke emotionale, motivationale und Belohnungsorientierung erklärt werden kann. Erst in der mittleren Adoleszenz kommt es zur Entwicklung der kortikalen Kontrollstrukturen, insbesondere des präfrontalen Kortex. Hierdurch wird zunehmend mehr Kontrolle u?ber die emotional und motivational gesteuerte Handlung ausgeu?bt. Zudem wird mit leichter zeitlicher Verzögerung die Konnektivität zwischen dem Kontrollsystem und dem limbischen bzw. dem Belohnungssystem verstärkt.
  • Wie verändert sich der Schlaf-Wach-Rhythmus von Jugendlichen?

    Lösung

    Während der Adoleszenz kommt es zu einer Verzögerung der Einschlafzeit. Bei Jungen setzt die Verschiebung des Rhythmus später ein und ist stärker ausgeprägt als bei Mädchen. Diese Veränderung im zirkadianen Rhythmus ist vermutlich hormonell bedingt.
  • Was sind Entwicklungsaufgaben?

    Lösung

    Entwicklungsaufgaben sind für bestimmte Lebensphasen typische Anforderungen, deren erfolgreiche Bewältigung ausschlaggebend für einen positiven Entwicklungsverlauf (Wohlbefinden des Individuums sowie Bewältigungskompetenz für spätere Entwicklungsaufgaben) ist. Die Entwicklungsaufgaben der verschiedenen Lebensabschnitte bauen aufeinander auf und erstrecken sich über die gesamte Lebensspanne.
  • Was sind typische Entwicklungsaufgaben für das Jugendalter und welchen 3 Bereichen lassen sie sich zuordnen?

    Lösung

    • Intrapersonale (persönliche) Entwicklungsaufgaben: Akzeptieren körperlicher Veränderungen und des eigenen Geschlechtes, Erlangen eines eigenen Wertesystems, Identitätsfindung
    • Interpersonale (zwischenmenschliche) Entwicklungsaufgaben: Loslösung von den Eltern, Aufbau reifer Beziehungen zu Gleichaltrigen
    • Soziokulturelle (gesellschaftliche) Entwicklungsaufgaben: Qualifikation für die ökonomische Unabhängigkeit, Übernahme gesellschaftlicher Rechte und Pflichten, verantwortungsvoller Umgang mit Medien-, Konsum- und Freizeitmöglichkeiten
  • Inwiefern sind Entwicklungsaufgaben altersspezifisch? Erläutern Sie anhand von Beispielen aus dem Jugendalter.

    Lösung

    Zum einen ergeben sich Entwicklungsaufgaben aus altersspezifischen Veränderungen in 3 Bereichen:
    • Biologische/körperliche Veränderungen (Pubertät),
    • Veränderung gesellschaftlicher Erwartungen (z. B. sozialverantwortliches Verhalten),
    • Veränderung persönlicher Zielsetzungen (z. B. Identitätsfindung).
    Zum anderen gibt es sensitive Perioden im Laufe des Lebens, die besonders günstig für die Bewältigung bestimmter Entwicklungsaufgaben sind, aufgrund von:
    • Biologischen/körperlichen Voraussetzungen,
    • Gesellschaftlicher Unterstützung (z. B. reguläre Schulbildung),
    • Persönlicher Motivationslage.
  • Wie lassen sich Entwicklungsaufgaben und kritische Lebensereignisse in Bezug setzen?

    Lösung

    Kritische Lebensereignisse sind einschneidende negative oder positive Erfahrungen. Wie Entwicklungsaufgaben erfordern sie eine Anpassungsleistung des Individuums und der Bewältigungserfolg kann die weitere Entwicklung beeinflussen. Im Gegensatz zu Entwicklungsaufgaben sind kritische Lebensereignisse jedoch nicht alterstypisch, es handelt sich also nicht um normative Anforderungen.
  • Was sind Ressourcen und Schutzfaktoren und welche Arten von Ressourcen oder Schutzfaktoren gibt es für die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben, kritischen Lebensereignissen und Alltagsstressoren?

    Lösung

    Schutzfaktoren verringern das Risiko negativer Auswirkungen beim Eintreten von Belastungen, während Ressourcen unabhängig vom Belastungsgrad eine positive Entwicklung begünstigen.
    • Personale Schutzfaktoren/Ressourcen (z. B. positives Selbstkonzept, Selbstregulationsfähigkeit, Selbstwirksamkeitsüberzeugung, aktive und flexible Bewältigungsstrategien),
    • Familiäre Schutzfaktoren/Ressourcen (z. B. positives Familienklima, sichere Bindung, autoritative Erziehung),
    • Soziale Schutzfaktoren/Ressourcen (z. B. Freundschaften mit prosozialen Peers, positives Schulumfeld, positive erwachsene Rollenmodelle).
  • Was versteht man unter direkten und indirekten Bewältigungsstrategien?

    Lösung

    Direkte Bewältigung beschreibt eine Auseinandersetzung mit Anforderungen oder Stressoren, die auf eine Veränderung der Problemsituation zielt (z. B. durch Problemlösen). Hingegen wird bei indirekten Bewältigungsformen die Problemsituation nicht unmittelbar angegangen. Im Vordergrund kann hier die Regulation stressbezogener Belastungsreaktionen (z. B. durch Erholung und Entspannung), eine Anpassung an die Gegebenheiten (z. B. durch kognitive Umstrukturierung) oder ein vermeidender Umgang mit der Problemsituation (z. B. durch Bagatellisieren oder Verleugnen) stehen.
  • Inwiefern hängen Bewältigungsschwierigkeiten mit Problemverhalten oder psychischen Störungen zusammen?

    Lösung

    Einerseits können Schwierigkeiten bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben oder kritischen Lebensereignissen zu Problemverhalten oder psychischen Störungen führen. Andererseits beeinträchtigen problematische Erlebens- und Verhaltensweisen auch die Bewältigungsfähigkeit. Eine eindeutige Zuordnung zwischen Typ der unbewältigten Anforderung und Art der psychischen Störung ist aufgrund von Multi- und Äquifinalität nicht möglich.
  • Wie können Jugendliche bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben unterstützt werden?

    Lösung

    Wichtig für eine erfolgreiche Lösung von Entwicklungsaufgaben ist das Vorliegen ausreichender Ressourcen, welche Jugendlichen einen positiven Umgang mit Entwicklungsaufgaben, ggf. unter Hinzukommen von Alltagsstressoren oder kritischen Lebensereignissen, ermöglichen. Persönliche Ressourcen können durch verhaltenspräventive Maßnahmen wie Lebenskompetenztrainings gefördert werden. Verhältnispräventive Maßnahmen hingegen bauen familiäre und soziale Ressourcen auf. Diese Förderung von Ressourcen sollte entsprechend dem aufeinander aufbauenden Charakter von Entwicklungsaufgaben möglichst früh, also nicht erst im Jugendalter und nicht erst bei konkreten Belastungen einsetzen.
  • Was versteht man unter fluider Intelligenz?

    Lösung

    Die fluide Intelligenz beschreibt die generelle Denkfähigkeit, spontanes, schlussfolgerndes Denken und die Verarbeitungsgeschwindigkeit.
  • Wie wird die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses ermittelt?

    Lösung

    Die Arbeitsgedächtniskapazität wird mittels Spannenaufgaben ermittelt.
  • Was versteht man unter Metakognition?

    Lösung

    Metakognitive Prozesse beschreiben das Wissen über das eigene Wissen und Denken.
  • Was bedeutet Attribution?

    Lösung

    Attribution beschreibt sowohl die subjektive und soziale Zuschreibung der Ursächlichkeit einer Handlung der eigenen Person oder anderer Menschen, als auch die Interpretation von realen äußeren Vorgängen und Situationen.
  • Wie wirkt sich der Einsatz von Suchmaschinen auf das Lernen aus?

    Lösung

    Die tagtägliche Nutzung von Suchmaschinen kann dazu führen, dass hoch überlernte Inhalte nicht mehr aus dem Gedächtnis abgerufen werden können.
  • Welche Entwicklungsveränderungen zeigen sich hinsichtlich der Auslöser von Angst von der Kindheit zum Jugendalter?

    Lösung

    Während in der Kindheit Angst vor allem durch äußere Bedrohungen, Tiere, Unbekanntes oder Strafen ausgelöst wird, führen im Jugendalter eher soziale oder schulische Bewertungssituationen zu Angst.
  • Welche Veränderungen zeigen sich im Jugendalter bezogen auf das genutzte Repertoire an Emotionsregulationsstrategien?

    Lösung

    Mit 13–15 Jahren nutzen Jugendliche ein geringeres Repertoire an Emotionsregulationsstrategien in Trauer- und Ärgersituationen verglichen mit Jüngeren und Älteren. Dieses kann als Defizit in der Nutzung von Emotionsregulationsstrategien interpretiert werden und kann u. a. mit internalisierenden Symptomen assoziiert sein.
  • Bei welchen Emotionen ist die Ausdruckskontrolle im Jugendalter vor allem zu beobachten? (und gilt dies für Jungen und Mädchen gleichermaßen?)

    Lösung

    Jugendliche nutzen Ausdruckskontrolle vor allem in Angst- und Trauersituationen, jedoch nicht so häufig in Ärgersituationen. Es zeigt sich darüber hinaus, dass Jungen diese Strategie häufiger anwenden als Mädchen.
  • Was sind mögliche Entwicklungskonsequenzen der Nutzung maladaptiver Emotionsregulationsstrategien?

    Lösung

    Die vermehrte Nutzung maladaptiver Emotionsregulationsstrategien erhöht die Wahrscheinlichkeit für psychopathologische Auffälligkeiten. So hängt Rumination, als eine Form maladaptiver Emotionsregulation, z. B. mit Depression, Angststörungen oder Substanzmissbrauch zusammen.
  • Welche Einflussfaktoren zeigen sich auf emotionale Veränderungen im Jugendalter?

    Lösung

    Im Jugendalter wird die emotionale Entwicklung beeinflusst durch Erziehung, biologische Veränderungen, aber auch unterschiedliche Bindungserfahrungen der Jugendlichen mit ihren Eltern.
  • Wie lassen sich Selbstkonzept und Selbstwert voneinander unterscheiden?

    Lösung

    Beim Selbstkonzept handelt es sich um die kognitiv-deskriptive Komponente des Selbst. Es enthält das selbstbezogene Wissen über die eigene Person und besteht aus einer Vielzahl an Selbstbeschreibungen. Der Selbstwert ist die affektiv-evaluative Komponente des Selbst und bezieht sich auf die Bewertung der Selbstbeschreibungen.
  • Durch welche Arten von Quellen beziehen wir selbstbezogenes Wissen?

    Lösung

    Das Wissen über uns selbst beziehen wir aus 5 verschiedenen Quellen: Zum einen gelangen wir durch direkte (z. B. verbale) Interaktionen mit anderen Menschen (direkte Zuweisungen) an Informationen über uns selbst, zum anderen aber auch durch die Interpretation der Verhaltensweisen anderer gegenüber der eigenen Person (indirekte Zuweisungen). Daneben gewinnen wir Informationen über uns durch soziale Vergleiche (komparative Zuweisungen), Beobachtungen und Reflexion unseres eigenen Verhaltens (reflexive Zuweisungen) und das Nachdenken über uns selbst unter Einbezug vergangener Erfahrungen (ideationale Zuweisungen). Die Nutzung dieser Quellen ist wiederum entwicklungsabhängig.
  • Wie entwickelt sich der Selbstwert von der Kindheit bis zur Jugend?

    Lösung

    In der Kindheit ist der Selbstwert noch sehr hoch und positiv ausgeprägt. Mit voranschreitender kognitiver Entwicklung, differenzierteren selbstreflexiven Prozessen und zunehmenden Bewertungen durch andere Personen sinkt der Selbstwert im Laufe des Jugendalters zunehmend ab. Dabei ist das Absinken bei Mädchen stärker ausgeprägt als bei Jungen. Erst wenn divergente Informationen integriert und multiple Repräsentationen des Selbst anerkannt werden können, steigt der Selbstwert gegen Ende des Jugendalters wieder an.
  • Welche Rolle spielt das jugendliche Selbst bei der psychischen Entwicklung?

    Lösung

    Das jugendliche Selbstkonzept und die schulische Leistung hängen vor allem positiv miteinander zusammen: Schüler, die ein hohes Selbstkonzept eigener Fähigkeiten haben, erbringen auch bessere Leistungen in der Schule (und andersherum). Auch ein hoher Selbstwert wird eher mit positiven Entwicklungsfolgen assoziiert: Jugendliche mit einem hohen Selbstwert haben in der Regel mehr positive Affekte, weniger psychische Probleme und höhere Selbstwirksamkeitserwartungen. Ein hoher Selbstwert kann jedoch auch mit negativen Entwicklungsfolgen verknüpft sein, z. B. bei jugendlichen Straftätern. Bei der Erklärung dieses zunächst erwartungswidrigen Befundes spielen vor allem die Instabilität des Selbstwertes sowie ein eher niedriges Ausgangsniveau eine Rolle.
  • Welche Veränderungen im Verhältnis zwischen Jugendlichen und ihren Eltern haben sich durch den gesellschaftlich-historischen Wandel der vergangenen Jahrzehnte ergeben?

    Lösung

    Das Jugendalter hat sich sowohl durch einen früheren Eintritt in die Pubertät als auch durch biografisch längere Ausbildungszeiten ausgeweitet. Mit dem früheren Pubertätseintritt und angesichts veränderter Leitbilder der Erziehung gewinnt das Aushandeln von Autonomie in Beziehung zu den Eltern schon in früherem Alter an Bedeutung. Gleichzeitig verschieben sich zentrale Etappen der Verselbstständigung wie der Auszug aus dem Elternhaus und die ökonomische Unabhängigkeit von den Eltern zunehmend ins frühe Erwachsenenalter.
    Im Kontext erweiterter Optionen der Lebensgestaltung haben Jugendliche z. B. im Hinblick auf die Berufswahl, aber auch bei anderen Fragen persönlicher Lebensentwürfe eine größere Wahlfreiheit als frühere Generationen. Diese Vielfalt der Optionen kann jedoch auch zu Unsicherheiten führen. Gerade im Kontext dieser Anforderungen bleibt die Familie von zentraler Bedeutung, indem sie Kompetenzen und Orientierung vermittelt.
    Jugendliche haben heute häufiger eine Trennung der Eltern erfahren und wachsen zunehmend in unterschiedlichen Familienformen wie bei alleinerziehenden Eltern und Stief- bzw. Patchworkfamilien auf. Dies kann begünstigen, dass sich die Autonomieentwicklung, aber auch die Aufrechterhaltung der Verbundenheit mit allen Familienmitgliedern komplexer gestaltet als dies in Kernfamilien mit beiden leiblichen Eltern der Fall ist.
  • Wie verändert sich die Konflikthäufigkeit zwischen Eltern und Jugendlichen im Verlauf des Jugendalters und wie ist eine hohe Konflikthäufigkeit im Hinblick auf den Entwicklungsverlauf von Jugendlichen zu bewerten?

    Lösung

    Im frühen Jugendalter kann es vermehrt zu Konflikten und Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Jugendlichen kommen. In diese Zeit sinkt auch die Verbundenheit mit den Eltern, die im späteren Verlauf jedoch wieder ansteigt. Konflikte nehmen üblicherweise im Verlauf des Jugendalters ab. Eine besonders deutliche Abnahme ist nach dem Auszug aus dem Elternhaus zu verzeichnen. Dennoch treten auch im mittleren und späteren Jugendalter Konflikte auf, die zum Teil von hoher emotionaler Intensität sind. Konflikte im Jugendalter sind als ein Teil der Individuations- und Autonomieentwicklung von Jugendlichen zu verstehen. Eine hohe Konflikthäufigkeit und -intensität hat jedoch meist dann negative Auswirkungen, wenn noch weitere Belastungen der Familienbeziehungen wie deutliche Ablehnung und Feindseligkeit oder eine geringe Kohäsion zwischen den Familienmitgliedern hinzukommen.
  • Welches elterliche Erziehungsverhalten ist im Kontext der neuen Herausforderungen des Jugendalters am sinnvollsten?

    Lösung

    Durch die entwicklungsbedingte Ausweitung des persönlichen Lebensumfelds Jugendlicher, deren größere Risikobereitschaft und das wachsende Bedürfnis nach Privatheit stehen Eltern vor der Herausforderung, in der Erziehung eine gute Balance zwischen Autonomieförderung und notwendiger Begrenzung von Risiken zu finden.
    Für die weitere Entwicklung der Jugendlichen, vor allem im Hinblick auf frühes Risikoverhalten, ist es wichtig, dass Eltern sich nicht von ihren Erziehungsaufgaben zurückziehen, sondern diese altersangemessen weiter wahrnehmen. Hierbei gewinnen indirekte Kontrollstrategien gegenüber direkten Kontrollversuchen an Bedeutung. Sachbezogene Begründung von Regeln, konsistentes Erziehungsverhalten und sachliche Verhaltenskontrolle sind Teil eines autoritativen Erziehungsstils, der elterliche Lenkung mit hoher Responsivität verbindet und sich auch im Jugendalter positiv bewährt hat. Harte körperliche Strafen und psychologische Kontrolle bzw. manipulativ-intrusives Erziehungsverhalten haben wie schon in der Kindheit negative Auswirkungen auf die Entwicklung Jugendlicher.
  • Welche Kontextfaktoren beeinflussen die Beziehung Jugendlicher zu ihren Eltern?

    Lösung

    Neben mangelnden sozioökonomischen Ressourcen, insbesondere Armut, können auch intensive Konflikte zwischen den Eltern die Beziehung zwischen Eltern und Jugendlichen belasten. Zudem beeinflusst die psychische Gesundheit Jugendlicher die Qualität der Beziehung zu den Eltern. So kann Depressivität Jugendlicher nicht nur eine Folge von Problemen in der Beziehung zur Herkunftsfamilie darstellen, sondern umgekehrt auch entsprechende Probleme verstärken.
  • Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede lassen sich in den Beziehungen Jugendlicher zu Geschwistern und Großeltern ausmachen?

    Lösung

    Die Beziehung Jugendlicher zu Geschwistern und Großeltern sind geprägt durch die Beziehungserfahrungen mit den jeweiligen Personen in der Kindheit. Einen wesentlichen Einfluss auf die Ausgestaltung beider Beziehungsformen haben die Eltern. Bei zusammenlebenden Geschwistern beeinflussen Eltern mit ihrem Erziehungsverhalten und der Gleich- oder Ungleichbehandlung von Geschwistern vor allem die Qualität der Geschwisterbeziehung. Demgegenüber kommt den Eltern in der Beziehung zu den Großeltern zusätzliche eine Gate-Keeper-Funktion zu, d. h., sie erleichtern oder erschweren den Aufbau und Erhalt der Beziehung zu den Großeltern. Bei Geschwistern kommt es vor allem zu Beginn des Jugendalters zu vermehrten Konflikten bezüglich Privilegien und Pflichten. Geschwister, insbesondere Schwestern, sind sich wechselseitig aber auch Vertrauenspersonen. Bei den Großeltern sind vor allem Großmütter Ansprechpartnerinnen bei Problemen im Jugendalter, Großväter unterstützen Jugendliche eher in praktischen und finanziellen Angelegenheiten. Sowohl für Geschwisterbeziehungen als auch für Beziehungen zu den Großeltern gilt, dass die Kontakthäufigkeit im Jugendalter abnimmt, vor allem auch mit dem Auszug aus dem Elternhaus.
  • Worin unterscheidet sich die Funktion von Gleichaltrigenbeziehungen im Jugendalter von der Funktion im Kindesalter vor allem?

    Lösung

    In beiden Altersgruppen spielen soziale Vergleiche eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Selbst. Im Kindesalter finden diese Vergleiche vor allem auf der Dimension „Leistung unter Gleichaltrigen“ statt, während im Jugendalter vor allem die Dimension „Beliebtheit unter Gleichaltrigen“ in den Mittelpunkt rückt.
  • Mit welchem soziometrischen Status sind die häufigsten negativen Effekte empirisch nachgewiesen und auf welche Bereiche beziehen sich diese Effekte?

    Lösung

    Vor allem für abgelehnte Kinder konnten substanzielle negative Effekte nachgewiesen werden, die sich auf ein erhöhtes Ausmaß an Delinquenz und Schulabbruch sowie auf depressive Symptome beziehen.
  • Neben persönlichen Charakteristiken von Jugendlichen spielt auch ein anderer Bereich eine wichtige Rolle, der für den Aufbau von Freundschaften von Bedeutung ist. Welcher ist dies und wie kann dieser in interventiven Maßnahmen Berücksichtigung finden?

    Lösung

    Neben Charakteristiken der Jugendlichen wie Schüchternheit oder soziale Ängstlichkeit spielen auch Charakteristiken der Eltern eine Rolle, wie z. B. emotionale Expressivität oder Erziehungsverhaltensweisen. Eine Berücksichtigung dieses Bereichs könnte durch einen ergänzenden Rückgriff auf familienzentrierte Ansätze realisiert werden.
  • Mit welchen unterschiedlichen Bedürfnissen sind im Entwicklungsmodell von Furman und Wehner (1994) Partnerschaften in der frühen, mittleren und späten Adoleszenz assoziiert?

    Lösung

    Erst in der späten Adoleszenz wird der Partner und nicht mehr die Eltern als primäre Bezugsperson mit Bindungs- und Fürsorgefunktion wahrgenommen. In der frühen Adoleszenz unterstützen Partnerschaften den Aufbau sozialer Kompetenzen und Selbstvertrauen, während Partnerschaften in der mittleren Adoleszenz primär die Bedürfnisse nach Kompetenz, Anschluss und Sexualität erfüllen.
  • Kann eine altersbezogene Vorverlagerung sexueller Aktivität von Jugendlichen empirisch nachgewiesen werden?

    Lösung

    Die Abfolge der sexuellen Entwicklung hinsichtlich der Zunahmen der Intensität sexueller Kontakte im Verlauf des Jugendalters ist über die letzten Jahrzehnte relativ unverändert geblieben. Dies spricht gegen die Vorverlagerung. Bis in die Mitte der 2000er Jahre haben die Anteile früh sexuell aktiver Jugendlicher in der Gruppe der 14- und 15-Jährigen zunächst zugenommen – seitdem sind diese Anteile jedoch rückläufig.
  • Welche biopsychosozialen Besonderheiten im Jugendalter sollten bei der Erklärung von Problemverhalten in dieser Entwicklungsperiode berücksichtigt werden?

    Lösung

    Als Einflussfaktoren auf das Auftreten von jugendlichem Problemverhalten wurden in der Forschung vor allem folgenden Aspekte identifiziert: neurologische und kognitive Entwicklung, erhöhte Risikobereitschaft und Sensationssuche, Schwierigkeiten in der Selbstregulation, bestehende Lücke zwischen biologischer und sozialer Reife, Einsatz von Problemverhalten zur Bewältigung anstehender Entwicklungsaufgaben, verminderte Fähigkeit, vor allem in sozialen Situationen überlegte Entscheidungen unter Einbezug langfristiger Konsequenzen zu treffen, emotionale Labilität.
  • Womit wird in der Problemverhaltenstheorie nach Jessor et al. das Auftreten von Problemverhalten im Kindes- und Jugendalter erklärt?

    Lösung

    In dieser Theorie wird davon ausgegangen, dass Risikofaktoren in der biologischen Disposition (z. B. Problemverhalten in der Familie) und dem sozialen Kontext (z. B. vernachlässigende Erziehung) eines Individuums direkt oder vermittelt über die 3 proximalen Einflusssysteme wahrgenommene Umwelt, Persönlichkeit und Verhalten, zu einem risikobehafteten Lebensstil im Jugendalter führen können. Innerhalb dieser miteinander interagierenden Systeme bewirken die jeweiligen Konstellationen fördernder und hemmender Variablen, wie z. B. Modelle für deviantes Verhalten in der wahrgenommenen Umwelt, eine Persönlichkeit, die durch geringes Selbstwertgefühl und wenig engagiertes Verhalten in der Schule, geprägt ist, eine gewisse Neigung („proneness“) zu Problem- bzw. Risikoverhalten.
  • Was ist der Unterschied zwischen gebrauchendem und missbrauchendem Substanzkonsum im Jugendalter?

    Lösung

    Um Substanzgebrauch handelt es sich, wenn Jugendliche um die Wirkungsweise von Substanzen und Folgen des Konsums wissen, über eine kritische Einstellung gegenüber der Substanz verfügen und in bestimmten Situationen (in Bezug auf illegale Drogen gänzlich) auf den Konsum verzichten. Demgegenüber liegt missbräuchlichen Konsum vor, wenn es zu einem frühen Konsumeinstieg (in der Regel vor der Pubertät), einem schnellen Anstieg in Konsummenge und -frequenz, der Beeinträchtigung der körperlichen und/oder psychischen Gesundheit sowie der Lebensumstände kommt.
  • Wie wird Substanzkonsum im Jugendalter entsprechend dem sog. Katalysatormodell erklärt?

    Lösung

    Im Katalysatormodell wird die Funktionalität des Substanzkonsums für die Lösung alterstypischer Entwicklungsaufgaben in den Mittelpunkt gestellt. Unter bestimmten Umständen und aus der Sicht der Jugendlichen hilft dieses Problemverhalten beispielsweise, erste romantische und intime Beziehungen aufzubauen, sich von den Eltern bewusst abzugrenzen oder unter Freunden ein hohes Ansehen zu erlangen. Werden am Ende der Adoleszenz oder zu Beginn des Erwachsenenalters reale soziale Übergänge ins Erwachsenenleben vollzogen (z. B. Arbeitsverhältnis, feste Partner- oder Elternschaft), verliert Substanzkonsum seine Funktion und das Verhalten „wächst sich aus“.
  • Warum ist davon abzusehen, ausschließlich Jugendliche mit normabweichendem Verhalten gemeinsam in einer Gruppe einer präventiven oder therapeutischen Maßnahme zu unterziehen?

    Lösung

    Anhand von Beobachtungsstudien zeigte sich, dass sich deviante Jugendliche und ihre gleichgesinnten Peers häufiger über abweichende Aktivitäten (z. B. geplante kriminelle Aktivitäten) unterhalten und sich dabei verbal und nonverbal gegenseitig verstärken. Durch diesen Mechanismus („deviant talk“) fühlen sich Jugendliche nur noch mehr bestätigt, und es ist besonders lohnenswert für sie, sich weiter entgegen der Normen der Gesellschaft zu verhalten. Ein Therapeut oder Trainer hat bei einer größeren devianten Gruppe kaum die Möglichkeit, solche Interaktionen einzudämmen und Verhaltenseskalation zu verhindern.
  • Warum könnten individuumszentrierte Präventionsmaßnahmen zum Bullying, die alleinig bei Täter und/oder Opfer ansetzen wenig erfolgsversprechend sein?

    Lösung

    Zwar lassen sich verschiedene individuelle und familiäre Besonderheiten identifizieren, die sich mit der Opfer- und Täterrolle beim Bullying in Verbindung bringen lassen, allerdings ist auch der Schul- und Klassenkontext maßgeblich an der Entstehung und Aufrechterhaltung des Bullying-Prozesses beteiligt. Präventionsmaßnahmen mit der gesamten Klasse und Schule, die auch auf die Änderung des Verhaltens der pädagogischen Fachkräfte (z. B. konsequentes Eingreifen beim Auftreten von Bullying-Verhalten) und der Mitschüler (z. B. keine Verstärkung des Bullying-Täters, aktive Unterstützung der Opfer) sind deswegen im Mittel effektiver als auf Täter und/oder Opfer fokussierte Programme. Durch Maßnahmen mit der gesamten Klasse kann auch der Stigmatisierung von Opfern und Tätern entgegengewirkt werden.
  • Für was werden digitale Medien von Kindern und Jugendlichen überwiegend verwendet (4 Verwendungsbereiche)?

    Lösung

    1. Kommunizieren, 2. Konsumieren von Musik, Videos und Bildern, 3. Zum Spielen, 4. Zur Suche nach Informationen
  • Was versteht man unter sozialen Medien?

    Lösung

    Soziale Medien sind eine Gruppe von internetbasierten Anwendungen, die es dem Nutzer ermöglichen online Inhalte (Bildern, Videos, Texte) zu erstellen und diese mit anderen Personen auszutauschen.
  • Nennen Sie 3 der 7 Funktionen sozialer Medien und erklären Sie diese?

    Lösung

    Die sieben Funktionen sozialer Medien:
    1. Selbstdarstellung („identity“): Möglichkeit sich selbst nach eigenen Wünschen in einem sozialen Medium präsentieren zu können.
    2. Konversation („conversation“): Möglichkeit mit anderen Nutzern zu kommunizieren.
    3. Austausch von Inhalten („sharing“): Möglichkeit mit anderen Nutzern Inhalte wie Bilder, Musik, Videos auszutauschen.
    4. Präsenz („presence“): Möglichkeit andere Nutzer darüber zu informieren, dass man in einem sozialen Medium präsent ist.
    5. Beziehungen („relationships“): Möglichkeit sich mit anderen zu verbinden und diese Verbindung aufrechtzuerhalten.
    6. Status („reputation“): Möglichkeit den eigenen sozialen Staus zu präsentieren, z. B. in Form von Likes oder Anzahl der Kontakte.
    7. Gruppen („groups“): Möglichkeit sich einer spezifischen Gemeinschaft zuzuordnen.
  • Worum handelt es sich beim Wabenmodell sozialer Medien und welche Bedeutung kann dieses für die Entwicklungsanforderungen im Jugendalter haben?

    Lösung

    Beim Wabenmodell, das von Kietzmann et al. (2011) entworfen wurde, handelt es sich um ein Modell in Form mehrerer Waben, welches die Bestimmung der Funktion eines spezifischen sozialen Mediums erlaubt. Innerhalb des Wabenmodells wird zwischen der primären, sekundären und tertiären Funktion unterschieden. Über die Bestimmung der Funktionen kann abgeleitet werden, für welche Entwicklungsanforderungen Jugendliche das soziale Medium verwenden könnten.
  • Welche Entwicklungsanforderungen werden im Jugendalter durch soziale Medien unterstützt?

    Lösung

    • Die Entwicklung Selbstoffenbarung
    • Die Entwicklung der Sexualität
    • Die Entwicklung der Identität
  • Was versteht man unter Anonymität, Asynchronität und Zugänglichkeit?

    Lösung

    Anonymität, Asynchronität und Zugänglichkeit sind Eigenschaften der computervermittelten Kommunikation, welche die Kontrolle von Interaktionen erhöhen und dadurch Jugendliche bei der Bewältigung von Entwicklungsanforderungen unterstützen.
    Anonymität bezieht sich auf die Möglichkeit anonym im Internet auftreten zu können, ohne dabei die eigene Identität preisgeben zu müssen (Anonymität der Quelle). Anonymität bezieht sich weiterhin auf die Möglichkeit, sich ausschließlich textbasiert online auszutauschen, ohne dabei audiovisuelle Informationen zu übermitteln (audiovisuelle Anonymität).
    Asynchronität bezieht sich auf die zeitverzögerte Kommunikation, die bei der computervermittelten Kommunikation zwischen dem Sender und Empfänger auftritt.
    Zugänglichkeit: Bezieht sich auf die Möglichkeit gezielt sowohl Personen als auch Themen zur Kommunikation auswählen zu können (z. B. Personen die Jugendliche offline nur schwer treffen können).
  • Erklären Sie die Reich-wird-reicher-Hypothese und die soziale Kompensationshypothese.

    Lösung

    Die Reich-wird-reicher-Hypothese und die soziale Kompensationshypothese werden insbesondere bei der Erklärung der Auswirkung von Persönlichkeitsfaktoren auf die Nutzung von sozialen Medien verwendet.
    Die Reich-wird-reicher-Hypothese besagt, dass besonders Jugendliche von sozialen Medien profitieren, die bereits über positive Eigenschaften oder Fähigkeiten verfügen. Nach der sozialen Kompensationshypothese profitieren hingegen Jugendliche von sozialen Medien, die aufgrund von sozialen Defiziten oder spezifischen Persönlichkeitseigenschaften (z. B. Introvertiertheit) Schwierigkeiten haben, Beziehungen einzugehen.
  • Aufgrund welcher Motive experimentieren Jugendliche mit ihrer Identität online?

    Lösung

    Als Motive, die Jugendliche dazu verleiten mit der eigenen Identität zu experimentieren, wurden in einer Studie von Valkenburg et al. (2005) gefunden: die Erkundung des eigenen Selbst (wer bin ich), die soziale Kompensation (Kompensation von wahrgenommenen Defiziten), den Aufbau und die Förderung von sozialen Kontakten.
  • Warum kann eine Unterscheidung von Offline- und Online-Freundschaften problematisch sein?

    Lösung

    Die heutige Integration von sozialen Medien in den Alltag von Kindern und Jugendlichen macht eine Unterscheidung von Freunden, die man entweder offline oder online kennengelernt hat oder pflegt, schwierig. Soziale Medien sind ein fester Bestandteil der Lebenswelt von Jugendlichen und stellen ein bedeutsames Mittel dar, um vorhandene Freundschaften zu pflegen.
  • Erklären Sie die verschiedenen Formen des sozialen Kapitals sozialer Medien.

    Lösung

    Das soziale Kapital beinhaltet personelle Ressourcen, die einem Individuum durch soziale Medien zur Verfügung stehen. Diese personellen Ressourcen lassen sich nach der Beziehungsnähe in zwei Formen unterscheiden: Das Bindungskapital beschreibt enge Beziehungen zu Personen, die eine emotionale und soziale Unterstützung bieten können (z. B. Eltern, Familie und Freunde). Das Brückenkapitel steht hingegen für lose Beziehungen zu Personen, die nur wenig emotionale Unterstützung leisten, aber eine Ressource darstellen, indem sie Kontakte zu anderen sozialen Netzwerken ermöglichen. Brückenkapital kann Jugendlichen beispielsweise neue Perspektiven, Möglichkeiten und Informationen liefern.
  • Welches ist die häufigste Kontaktstrategie von Jugendlichen bei der Partnersuche?

    Lösung

    Der persönliche Kontakt
  • Welche Faktoren erhöhen das Risiko Opfer von Cyberbullying zu werden? Bitte nennen Sie 3 dieser Faktoren.

    Lösung

    Offline-Bullying, Häufigkeit der Internetnutzung, soziale Ängstlichkeit, risikohaftes Verhalten, fehlende moralische Überzeugungen, Hyperaktivität.
  • Welchen weiteren Online-Risiken neben dem Cyberbullying sind Kinder und Jugendlichen nach EU Kids Online-Studie ausgesetzt.

    Lösung

    Pornografie, Sexting sowie Kontakt mit fremden Personen.
  • Was versteht man unter dem Begriff der Berufswahlbereitschaft? Warum wird in der wissenschaftlichen Forschung abweichend von der öffentlichen Diskussion der Begriff der Berufswahlbereitschaft dem Begriff der Berufswahlreife vorgezogen?

    Lösung

    Unter dem Begriff der „Berufswahlbereitschaft“ versteht man die Bereitschaft und die Fähigkeit Jugendlicher, zu einer adäquaten beruflichen Entscheidung zu kommen (Phillips und Blustein 1994) und den Übergang von der Schule in den beruflichen Alltag bestmöglich zu vollziehen. Hierzu bedarf es bestimmter Kompetenzen (wie schulische Bildung, Kenntnisse der eigenen Fähigkeiten und Interessen sowie des Arbeitsmarktes oder eine ausgeprägte Entscheidungskompetenz), Einstellungen (wie Kompromiss- und Planungsbereitschaft, Realitätsorientierung oder Neugierde) und Persönlichkeitsmerkmale (wie emotionale Stabilität, positive Kontrollüberzeugungen oder Zuversicht) seitens der Jugendlichen (Hirschi und Läge 2006). Neben Faktoren innerhalb der Person umfasst das Konstrukt der Berufswahlbereitschaft auch den Einfluss von Umweltfaktoren auf den Prozess der beruflichen Entscheidungsfindung. Hierzu zählen beispielsweise der gesellschaftliche und wirtschaftliche Kontext, in dem die Berufswahl getroffen wird, oder die soziale Unterstützung, die die Jugendlichen in diesem Prozess erfahren.
    Da sich die Kompetenzen, Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale, die für eine fundierte Berufswahl notwendig sind, nicht automatisch im Sinne eines altersgebunden Reifungsprozesses entwickeln, wie es der Begriff der „Berufswahlreife“ nahelegt, wird im wissenschaftlichen Kontext der Begriff der Berufswahlbereitschaft dem der Berufswahlreife vermehrt vorgezogen.
  • In welchen psychologischen Teildisziplinen haben Modelle der Berufswahl vorrangig ihren Ursprung? Woran machen die verschiedenen Perspektiven eine erfolgreiche Berufswahl fest?

    Lösung

    Theorien und Modelle der Berufswahl haben ihren Ursprung zumeist in der Entwicklungs- oder der Berufspsychologie. Entwicklungspsychologische Modelle betrachten primär den Prozess der Entscheidungsfindung als Kriterium einer erfolgreichen Berufswahl. Andere Modelle, wie etwa die aus der Berufspsychologie stammenden passungstheoretischen Ansätze, bestimmen den Erfolg der Berufswahl dagegen anhand der Passung zwischen den Merkmalen einer Person und den Merkmalen des Berufes, den die Person ergreift.
  • Was sind die zentralen Annahmen des passungstheoretischen Ansatzes? Welche groben Annahmen trifft Holland (1997) in seinem Hexagonmodell?

    Lösung

    Passungstheoretische Ansätze betrachten die Passung zwischen den Interessen, Werten, Fähigkeiten und Fertigkeiten einer Person und den Aktivitäten, Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die an einen bestimmten Beruf geknüpft sind. Es wird angenommen, dass die Arbeitszufriedenheit und die Beschäftigungsdauer von Beschäftigten zunehmen, je deutlicher die Merkmale der Person und die Merkmale der Arbeit übereinstimmen.
    Gemäß Holland (1997) lässt sich das berufliche Interesse einer Person durch 6 unterschiedliche Interessentypen beschreiben: den handwerklich-technischen („realistic“, R), den untersuchend-forschenden („investigative“, I), den künstlerisch-kreativen („artistic“, A), den erziehend-pflegenden („social“, S), den führend-verkaufenden („enterprising“, E) und den ordnend-verwaltenden („conventional“, C) Interessentyp. Holland ordnete die Interessentypen entlang eines Hexagons und nahm an, dass Interessentypen, die im Hexagon benachbart liegen (wie z. B. eine künstlerisch-kreative und eine erziehend-pflegende Orientierung) einander gut ergänzen. Gegenüber liegende Interessentypen (wie z. B. eine erziehend-pflegende und eine handwerklich-technische Orientierung) sollen dagegen wenig kompatibel sein. Doch nicht nur die beruflichen Interessen einer Person lassen sich anhand der 6 Interessentypen beschreiben. Auch Berufe sind durch 6 entsprechende Orientierungen zu charakterisieren. Ziel der beruflichen Entscheidungsfindung ist es laut Holland, eine Tätigkeit zu ergreifen, deren Orientierung maximale Kongruenz zu den eigenen Interessen aufweist.
  • Welche 3 Variablen werden innerhalb der sozial-kognitiven Laufbahntheorie als maßgebliche Determinanten der Berufswahl betrachtet? Wie lassen sich die 3 Konstrukte definieren?

    Lösung

    Als maßgebliche Determinanten der Berufswahl betrachtet die sozial-kognitive Laufbahntheorie die Selbstwirksamkeitserwartung, die Ergebniserwartung und die persönlichen Ziele Jugendlicher.
    Die Selbstwirksamkeitserwartung beschreibt die subjektive Überzeugung einer Person über Fähigkeiten und Fertigkeiten zu verfügen, die notwendig sind, um bestimmte Handlungen ausüben und Leistungen erreichen zu können (Bandura 1986).
    Die Ergebniserwartung bezieht sich auf die Folgen einer Handlung. Sie drückt aus, wie wahrscheinlich ein bestimmtes Ergebnis in Folge einer Handlung ist.
    Persönliche Ziele lassen sich definieren als Absicht, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen oder eine bestimmte Leistung zu erbringen. Sie dienen dazu, das Verhalten zu leiten, zu strukturieren und über eine längere Zeitspanne aufrechtzuerhalten (Lent et al. 1994).
  • Welche Sicht auf den Prozess der Berufswahl vertritt die konstruktivistische Laufbahntheorie?

    Lösung

    Die konstruktivistische Laufbahntheorie fasst den Prozess der Berufswahl als einen lebenslangen Entwicklungsprozess auf. Entwicklung bedeutet in dieser Theorie die Anpassung einer Person an ihre Umwelt. Maßgeblich ist hierbei nicht die objektive Realität, sondern die Wahrnehmung der Umgebung durch die Person selbst. Denn Jugendliche konstruieren aktiv ihre eigene Realität, indem sie ihre Umwelt und ihre sozialen Interaktionen auf Basis bisheriger Erfahrungen und vorhandener Zukunftswünsche interpretieren und ihnen subjektiv Bedeutung zuschreiben. Da Personen mit sich fortwährend ändernden, alterstypischen Anforderungen aus der Umwelt konfrontiert werden, stellt Laufbahnentwicklung einen kontinuierlichen Anpassungsprozess dar.
  • Über welche Faktoren wirken Eltern bzw. Gleichaltrige insbesondere auf die Berufswahl Jugendlicher ein?

    Lösung

    Eltern beeinflussen die berufliche Entscheidung Jugendlicher insbesondere durch ihr Erziehungsverhalten, ihre Erwartungen, durch die instrumentelle und emotionale Unterstützung, die sie ihren jugendlichen Kindern im Prozess der Berufswahl bieten und durch ihre berufliche Vorbildfunktion.
    Freunde beeinflussen vor allem die Wahl bestimmter schulischer Schwerpunkte. Sie können aber auch einzelne Berufe in den Fokus des Interesses rücken und so die Berufswahl Jugendlicher beeinflussen.
  • Was versteht man im Rahmen von Berufsorientierungsmaßnahmen unter Self-Assessments? Wie wirksam sind diese Maßnahmen?

    Lösung

    Self-Assessments sind ein niedrigschwelliges Beratungsangebot für Jugendliche, das sowohl für die Wahl eines Berufes als auch für die Wahl eines Studienfaches herangezogen werden kann. Auf Basis von Selbsteinschätzungsverfahren unterstützen Self-Assessments Jugendliche darin, ihre eigenen beruflichen Interessen zu entdecken, und geben ihnen so Orientierung in der beruflichen Entscheidungsfindung. Verschiedene Angebote gleichen darüber hinaus die aufgedeckten Interessen mit einem Katalog an Berufen ab, und geben den Jugendlichen auf Basis dieses Abgleichs konkrete Hinweise, welche Berufe oder Studienfächer sie vor dem Hintergrund ihrer Interessen weiter explorieren könnten.
    Insgesamt erhöhen Self-Assessments die studienwahlbezogene Selbstwirksamkeitserwartung Jugendlicher, ihre Selbstkenntnis, ihr Wissen zu beruflichen Umwelten sowie ihre Entschlossenheit und Zufriedenheit mit der Entscheidung (Aldrup et al. 2016). Ein Viertel der an einer Evaluationsstudie beteiligten Schüler gab nach der Bearbeitung eines Self-Assessments einen geänderten Berufswunsch an. Bedingt durch die höhere Selbstkenntnis zeigten die neuen Berufswünsche eine höhere Kongruenz zu den beruflichen Interessen der Jugendlichen (Aldrup et al. 2016). An die Wirksamkeit einer (individuellen) durch eine Person vermittelten Berufsberatung reicht die Wirkung der Self-Assessments jedoch nicht heran (Whiston et al. 2003).
  • Stellen Sie den Zusammenhang zwischen Entwicklungsaufgaben und Entwicklungs- bzw. Verhaltensstörungen her.

    Lösung

    Leidet ein Kind bzw. ein Jugendlicher bereits an einer psychischen Störung, so wird die Bewältigung einer neu hinzugetretenen Entwicklungsaufgabe hierdurch erschwert. Umgekehrt können nur unzureichend bewältigte frühere Entwicklungsaufgaben zu psychischen Störungen führen. Entwicklungs- bzw. Verhaltensstörungen können daher oftmals als ein missglückter bzw. inadäquater Versuch angesehen werden, bestimmte Entwicklungsaufgaben zu meistern.
  • Welche Vorteile hat eine multiaxiale Klassifikation wie sie im MAS vorgegeben ist?

    Lösung

    Durch die Erweiterung der primären psychiatrischen Diagnose um 5 weitere Achsen kann ein umfassenderes Bild der Situation eines Kindes bzw. Jugendlichen erstellt werden. Während das klinisch-psychiatrische Syndrom auf Achse I Hinweise auf mögliche psychotherapeutische Maßnahmen liefert, können die Informationen auf Achse II bzw. III (umschriebene Entwicklungsstörungen bzw. Intelligenz) und IV (körperliche Symptomatik) z. B. bei der Planung pädagogischer oder somatischer Interventionen dienlich sein. Durch die Angaben auf Achse V (assoziierte aktuelle abnorme psychosoziale Umstände) bzw. VI (Globalbeurteilung des psychosozialen Funktionsniveaus) können schließlich Hilfen (z. B. durch das Jugendamt), die sich auf das unmittelbare Lebensumfeld des Patienten beziehen, mit berücksichtigt werden.
  • Erklären Sie das Konzept der heterotypischen Kontinuität am Beispiel der depressiven Störung im Kindes und Jugendalter.

    Lösung

    Heterotypische Kontinuität meint, dass eine Störung sich zu unterschiedlichen Phasen der Entwicklung auf verschiedene Art und Weise äußern kann, wobei divergierende Symptome eine gemeinsame Wurzel haben. Aufgrund der Unterschiedlichkeit der konkreten Auffälligkeiten werden Störungen im frühen Kindesalter oftmals nicht erkannt, wenn man sich im Wesentlichen an der Ausprägung der Symptome orientiert, wie sie im Jugendalter typisch sind. Depressive Kleinkinder zeigen neben einem traurigen bzw. ausdruckslosen Affekt z. B. eher eine erhöhte Irritabilität, Spielunlust oder selbststimulierendes Verhalten. Bei Jugendlichen finden sich hingegen eher vermindertes Selbstvertrauen, Apathie, Angst und Konzentrationsprobleme sowie zirkadiane Schwankungen des Befindens.
  • Nennen Sie beispielhaft, welche Faktoren bei Suizidalität eine Rolle spielen können.

    Lösung

    Suizidalität ist die Folge einer ungünstigen Kombination aus Temperamentsmerkmalen (z. B. hohe Impulsivität und emotionale Instabilität), sozialen Problemen (z. B. niedriger sozioökonomischer Status oder Mobbing in der Schule) und auslösenden Stressoren (z. B. Scheidung/Trennung der Eltern oder Missbrauch/Misshandlung). Darüber hinaus können psychiatrische Erkrankungen (z. B. Depressionen oder posttraumatische Belastungsstörungen) sowie dysfunktionale Denkstile (negative Zukunftsbewertung oder Grübeleien) eine Rolle spielen. Aufgrund der oftmals festgestellten Häufung von Suiziden in der Familiengeschichte werden neben einem möglichen Modelllernen auch genetische Aspekte diskutiert.
  • Was wird mit der Abkürzung RDoC gekennzeichnet und wie schätzen Sie die Vor- und Nachteile davon ein?

    Lösung

    RDoC soll die Klassifikation psychischer Störungen verbessern, indem Kriterien symptombasierte Dimensionen abbilden sollen, die über verschiedene Störungen hinweg auftreten. Ziel ist die Identifikation der den Symptomdimensionen zugrunde liegenden biologischen und psychosozialen Grundlagen.
  • Nennen Sie einige typische psychische Auffälligkeiten und Phänomene, die bei Jugendlichen bzw. im Jugendalter auftreten.

    Lösung

    Psychische Auffälligkeiten und Störungen: Depressionen, Psychosen, Suizidalität, erhöhter Substanzkonsum, Essstörungen. Stalking und Cyberbullying haben besondere Relevanz, weil im Jugendalter das Interesse an den Peers erheblich ansteigt und beide Phänomene erhebliche interaktionelle Bedeutung haben.
  • Welche Faktoren können dazu beitragen, dass es gerade im Jugendalter zu Problemen bei der Therapiemitarbeit kommen kann?

    Lösung

    Jugendliche sind häufig durch (a) ein erhöhtes Unabhängigkeitsstreben, (b) eine erhöhte Risikobereitschaft und (c) eine starke Gegenwartsorientierung charakterisiert. Alle drei Faktoren können dazu beitragen, dass die Bereitschaft zur Therapiemitarbeit im Jugendalter reduziert sein kann.
  • Wie könnte man erklären, dass einige Studien höhere Raten sexuell aktiven Verhaltens bei chronisch erkrankten Jugendlichen im Verhältnis zu gesunden Jugendlichen fanden?

    Lösung

    Möglicherweise sorgen sich gerade Jugendliche mit chronischen Erkrankungen um ihre Attraktivität für andere Jugendliche. Diese Sorge und Unsicherheit könnten dazu führen, dass gerade bei diesen Jugendlichen ein besonderes Interesse daran besteht, die eigenen Möglichkeiten und Grenzen auszutesten.
  • Welche krankheitsbezogenen Stressoren tragen neben den allgemeinen Stressoren (wie Alltagsprobleme, kritische Lebensereignisse und Entwicklungsaufgaben) dazu bei, dass das Stresserleben bei chronisch erkrankten Jugendlichen erhöht sein kann?

    Lösung

    Bei chronischen Erkrankungen kommen weitere Stressoren hinzu, die auf die Bewältigung der Erkrankung bezogen sind. Hervorzuheben sind dabei die Anforderungen, die sich aus dem Krankheitsmanagement ergeben, sowie Leistungsprobleme und sozioemotionale Probleme.
  • Was ist mit einer Multifinalität und einer Äquifinalität im Zusammenhang mit den Entwicklungsergebnissen bei einer chronischen Erkrankung im Jugendalter gemeint?

    Lösung

    Multifinalität bedeutet, dass bei einer ähnlichen Ausgangslage (also einer vergleichbaren chronischen Erkrankung) sehr unterschiedliche Entwicklungsergebnisse entstehen können. Umgekehrt können aus unterschiedlichen Ausgangslagen (wie unterschiedlichen chronischen Erkrankungen) ähnliche Entwicklungsergebnisse entstehen.
  • Wie ist ein Entwicklungspfad mit einer primären Verhaltensstörung mit sekundärer Fehlanpassung an die chronische Erkrankung charakterisiert? Erläutern Sie den Entwicklungspfad und finden Sie ein Beispiel.

    Lösung

    Bei diesem Entwicklungspfad liegt bereits im Vorfeld eine psychische Störung vor, die die spätere Anpassung an eine chronische Erkrankung erschwert. So könnte beispielsweise eine bereits vorliegende Depression die Anpassung an eine hinzutretende chronische Erkrankung (wie den Umgang mit einer juvenilen Arthritis) erschweren.
  • Wie lässt sich erklären, dass das wahrgenommene Wohlbefinden und die Lebensqualität von chronisch erkrankten Jugendlichen häufig nicht oder nicht wesentlich niedriger ist als von gesunden Jugendlichen?

    Lösung

    Mögliche Faktoren, die dabei eine Rolle spielen, sind Veränderungen beim Coping (durch ein erweitertes Coping-Repertoire), soziale Abwärtsvergleiche, die Inanspruchnahme sozialer Unterstützung und die Veränderung eigener Lebensziele. Auch eine posttraumatische Reifung kommt zusammenfassend als Erklärung in Frage.
  • Durch welche elterlichen Verhaltensweisen ist ein modifizierter autoritativer Erziehungsstil charakterisiert?

    Lösung

    Der modifizierte autoritative Erziehungsstil ist dadurch gekennzeichnet, dass von den Eltern Wärme und Unterstützung angeboten (aber nicht aufgedrängt) werden und dass über das Ausmaß der Kontrolle zu bestimmten Verhaltensweisen verhandelt wird.
  • Welche Angebotsbereiche der Kinder- und Jugendhilfe richten sich an Jugendliche als Zielgruppe?

    Lösung

    Es sind dies die Angebote der Jugendarbeit (verbandliche Jugendarbeit und offene Jugendarbeit), der Jugendsozialarbeit (für sozial benachteiligte Jugendliche), der Erziehungsberatung, der Hilfen zur Erziehung, wenn es um die Bearbeitung von Erziehungsproblemen geht, der Eingliederungshilfen für Jugendliche, die eine seelische Behinderung haben oder von einer solchen bedroht sind, der Inobhutnahme sowie der Jugendhilfe im Strafverfahren. Wobei zu beachten ist, dass bei den Hilfen zur Erziehung die Eltern anspruchsberechtigt sind, denn diese Hilfen sollen dazu beitragen, die Erziehungsfähigkeit der Eltern wiederherzustellen.
  • Aus welchen Gründen können Kinder oder Jugendliche vom Jugendamt in Obhut genommen werden?

    Lösung

    Kinder und Jugendliche können aus 3 Gründen in Obhut genommen werden: 1. weil sie es wollen, 2. weil eine akute Kindeswohlgefährdung besteht und 3. weil sie als minderjährige Alleinreisende nach Deutschland einreisen.
  • Was unterscheidet auf einer konzeptionellen Ebene eine Hilfeplanung nach § 36 SGB VIII (also in der Kinder- und Jugendhilfe) von einem psychodiagnostischen Prozess?

    Lösung

    In der Hilfeplanung nach § 36 SGB VIII geht es weniger darum, mithilfe etablierter diagnostischer Verfahren Hilfebedarfe zu identifizieren und aus den Ergebnissen der Diagnose expertengeleitet „Behandlungskonzepte“ zu entwickeln. Vielmehr ist es das Ziel der Hilfeplanung gemeinsam mit den jeweiligen Familien zu einer geteilten Problemdefinition zu kommen und gemeinsam zu überlegen, durch welche Unterstützung oder Intervention eine Veränderung herbeigeführt werden kann. Die Mitwirkungsrechte der Beteiligten sind gesetzlich verankert. Die Hilfeplanung hat mehrere Funktionen, sie soll Hoffnung auf Veränderung wecken, sie ist ein notwendiger Verwaltungsakt zur Legitimation der Ausgabe öffentlicher Gelder und sie soll den Hilfebedarf und die Hilfestrategie konkretisieren. Da es sich bei dem Hilfeplan um einen Bescheid handelt, kann gegen diesen Widerspruch eingelegt werden.
  • Was sind die Gründe, die zur Skepsis gegenüber einer Wirkungsforschung in der Kinder- und Jugendhilfe führen?

    Lösung

    Ausgehend von dem auch als Technologiedefizit bezeichneten Sachverhalt, dass pädagogisches Handeln immer darauf angewiesen ist, dass sich der Adressat des pädagogischen Handelns der pädagogischen Absicht nicht entzieht, wird damit argumentiert, dass es kontingent ist, welche Wirkungen pädagogisches Handeln erreicht. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher angestrebter Wirkungen ein und derselben Intervention in der Kinder- und Jugendhilfe (z. B. Schutz, Verbesserung der Erziehungsfähigkeit der Eltern, Symptomreduktion beim Kind), die zum Teil in unauflösbaren Spannungsverhältnissen stehen, sodass eindeutige Wirkungsaussagen nicht möglich erscheinen. Desweiteren gibt es auch forschungsmethodologische Argumente gegen Wirkungsforschung.
  • Die Kinder- und Jugendhilfe bietet Leistungen der Eingliederungshilfe an. Für welche Zielgruppe gibt es solche Angebote und worauf zielen sie?

    Lösung

    Die Angebote zur Eingliederungshilfe der Kinder- und Jugendhilfe richten sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die von einer seelischen Behinderung bedroht sind oder diese haben. Bezogen auf Jugendliche haben diese Hilfen vor allem das Ziel, eine angemessene Schulbildung zu ermöglichen oder den Übergang in das Arbeitsleben zu begleiten. Doch die Angebote sind nicht darauf beschränkt, wie man an dem hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen mit psychischen Beeinträchtigungen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe erkennen kann. Die Kinder- und Jugendhilfe leistet hier einen wichtigen Beitrag zur Betreuung, Erziehung und Bildung dieser Zielgruppe und trägt damit zur Verbesserung ihrer Lebenssituation bei.
  • Fertig!

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